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3.12.2010 | Von:
Yvonne Esterházy

Großbritannien und die Folgen der Finanzkrise

Hartes Jahr 2011

Die Rosskur der Regierung, die Osborne Lob vom Internationalen Währungsfonds, den Ratingagenturen, der Bank of England, der City und dem Industrieverband CBI (Confederation of British Industry) eintrug, ist mit Risiken behaftet. Manche Volkswirte befürchten, Großbritannien könne angesichts seines ohnehin schwachen Wachstums durch das Sparpaket erneut in die Rezession trudeln. Schon werden vereinzelt Forderungen laut, die Bank of England solle erneut die Notenpresse anwerfen, indem sie wieder britische Staatsanleihen aufkauft. Das Vereinigte Königreich war als Folge der Finanzkrise in die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg geraten. Mit minus 6,4 Prozent in sechs aufeinanderfolgenden Quartalen dauerte diese Rezession länger, und sie ging tiefer als die Rezessionen der 1980er und 1990er Jahre. Zum Vergleich: Das britische BIP schrumpfte während des Abschwungs in den 1980er Jahren um 4,6 Prozent, während der Wirtschaftskrise in den 1990er Jahren um 2,5 Prozent. Erst im vierten Quartal 2009 - später als in Deutschland und in vielen anderen EU-Ländern - gab es im Vereinigten Königreich wieder minimales Wachstum.

Zwar geht es nun wieder aufwärts, aber die Konjunktur springt nur schleppend an. Die Wirtschaftsleistung wird wohl noch einige Zeit unter dem Vorkrisenniveau bleiben. So nahm die britische Wirtschaft im ersten Quartal 2010 um 0,4 Prozent leicht zu, im zweiten Quartal dann um 1,2 Prozent, im dritten Quartal um 0,8 Prozent. Allerdings mutmaßen manche Experten bereits, dass das Wachstum im zweiten Quartal auf nur noch ein Prozent korrigiert werden dürfte.

Es sind nicht nur Kritiker aus dem linken Lager, sondern auch einzelne Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England und manche City-Volkswirte, die warnen, das eiserne Konsolidierungsprogramm und die Erhöhung der Mehrwertsteuer könne die Erholung gefährden. "Es sieht danach aus, als stünden uns drei bis vier Jahre schwachen Wachstums und steigender Arbeitslosigkeit bevor", erklärte Ken Wattret, Europa-Chefvolkswirt der BNP Paribas vor einiger Zeit. Weil das Königreich seine Währung frei schwanken lässt, kann sich das Land allerdings durch Abwertung auf dem Weltmarkt Wettbewerbsvorteile schaffen - eine Möglichkeit, die den Staaten der Euro-Zone verschlossen ist.