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8.11.2010 | Von:
Isabel Sievers
Hartmut M. Griese

Bildungs- und Berufsbiografien erfolgreicher Transmigranten

Besonderheiten bildungserfolgreicher Transmigranten

Bei den bildungserfolgreichen Transmigranten ließen sich sogenannte transnationale Sozialräume[14] feststellen, die über die jeweiligen Länder- oder Kulturgrenzen hinweg entstehen und aus vielfältigen Beziehungen und Vernetzungen (familiärer, sozialer, organisationaler oder ökonomischer Art) zwischen den Ländern bestehen, so wie es Ludgar Pries auch für Transmigranten im nordamerikanischen Raum feststellen konnte. Ihre Verankerung in mehreren Gesellschaften beeinflusst ihre Gruppenzugehörigkeit, ihre Selbstverortung und die Form der Kommunikation. Entscheidend für die Mobilität und Lebensweise dieser bildungserfolgreichen Transmigranten ist insbesondere ihre Stellung im Beruf. Sie definieren sich selbst eher über soziale als über kulturelle Dimensionen ihrer Persönlichkeit (Profession und Beruf beziehungsweise Mitglied der scientific community). Mit anderen Worten: Die soziale Rolle dominiert eindeutig über die (bi- oder trans-)kulturelle Rolle.

Diese bildungserfolgreichen Transmigranten stellen bisher gebräuchliche Grundlagen der Migrationssoziologie infrage. Ihre Biografien, Lebensprojekte und Einstellungen entsprechen weder einer Vorbereitung auf eine endgültige Rückkehr noch der Forderung einer vollständigen Assimilation in die Gesellschaft. Wir haben es also innerhalb dieser neuen Perspektive mit "sozialen Lagen jenseits und diesseits nationalstaatlicher Rahmungen, in 'Zwischenräumen' und/oder in einer 'gleichzeitigen' Zugehörigkeit zweier (oder mehrerer) Räume" zu tun. Also mit Menschen, die "bi-national oder regional, in grenzüberschreitenden sozialen Räumen, Arbeitsmärkten und Organisationen, oder in der Weltgesellschaft" agieren.[15]

Fußnoten

14.
Vgl. L. Pries (Anm. 9).
15.
Ludger Pries, Transnationalisierung und soziale Ungleichheit, in: Peter Berger/Anja Weiß (Hrsg.), Transnationalisierung sozialer Ungleichheit, Wiesbaden 2008, S. 8.