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1.11.2010 | Von:
Stefan Felder

Ökonomie des Gesundheitswesens: Genese und Optimierung

Der Beitrag geht den Gründen für die steigenden Gesundheitsausgaben nach, fragt nach dem optimalen Mix von Staat und Markt und charakterisiert die optimale gesetzliche Krankenversicherung aus ökonomischer Sicht.

Einleitung

Unsere Welt ist (leider) kein Schlaraffenland: Dort hätte die ökonomische Theorie keine Daseinsberechtigung, weil alle Wünsche - etwa die sprichwörtlichen gebratenen Tauben - augenblicklich in Erfüllung gehen, und das ohne jede Anstrengung und eigenes Zutun. In unserer Welt begrenzter Ressourcen dagegen müssen Menschen, ob sie wollen oder nicht, Entscheidungen treffen, die Verzicht bedeuten. So sehr man dies aus ethischer Sicht vielleicht wünschen möchte, der Gesundheitssektor ist ebenfalls nicht im Schlaraffenland angesiedelt. Individuen in einer Gesellschaft müssen entscheiden, ob sie Mittel für ihre Gesundheit einsetzen oder doch lieber an anderer Stelle. Vor der gleichen Entscheidung stehen Akteure im Gesundheitssektor selbst: Sie müssen entscheiden, Mittel entweder für Klinik A oder B, für Vorsorgeprogramm C oder D, für Medikament E oder F zu verwenden.

Die ökonomische Theorie ist eine spezielle Verhaltenstheorie, die für Entscheidungen über die konkurrierende Verwendung knapper Ressourcen entwickelt wurde. Menschen stehen nicht nur "in der Wirtschaft", sondern bei nahezu allen Entscheidungen vor dem gleichen Grundproblem: Sie müssen auch bei Gesundheitsfragen eine Auswahl unter den vorhandenen Handlungsmöglichkeiten treffen. Die Diskussion über die Gesundheitsreform verdeutlicht zudem, dass auch die Gesellschaft insgesamt eine solche Auswahl treffen muss. Die ökonomische Theorie erlaubt es, die optimale Wahl im Hinblick auf individuelle und gesellschaftliche Ziele zu charakterisieren. Darüber hinaus kann sie Gesetzmäßigkeiten erklären, beispielsweise, weshalb wir immer mehr für Gesundheit ausgeben.