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1.11.2010 | Von:
Bärbel-Maria Kurth
Thomas Ziese
Thomas Lampert

Gesundheitliche Entwicklungen und Trends in Ost- und Westdeutschland

Kurz nach der Wiedervereinigung unterschied sich die gesundheitliche Situation in Ostdeutschland deutlich von der in der alten Bundesrepublik. Heute kann in vielen Bereichen sogar eine Angleichung beobachtet werden.

Einleitung

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands vor 20 Jahren wurden enorme gesellschaftliche Anstrengungen unternommen, um die Lebensverhältnisse in den neuen Bundesländern an die in den alten anzugleichen. In vielen Bereichen konnte eine Annäherung erreicht werden, welche sich auch im Lebensstandard und in der subjektiven Zufriedenheit mit den Lebensbedingungen widerspiegelt.[1]

Von einer vollständigen Angleichung der Lebensverhältnisse der Menschen in Ost- und Westdeutschland kann allerdings keine Rede sein. So konnte die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in den neuen Bundesländern zwar deutlich gesteigert werden, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner beträgt aber auch gegenwärtig lediglich 73 Prozent des Durchschnitts der alten Bundesländer. Ebenso sprechen eine höhere Arbeitslosigkeit und Armutsbetroffenheit dafür, dass sich die Lebensverhältnisse der Menschen in Ost- und Westdeutschland noch voneinander unterscheiden.[2]

Für die Entwicklung der gesundheitlichen Lage in Ostdeutschland war darüber hinaus der tiefgreifende Wandel des Gesundheitssystems und der gesundheitlichen Versorgung von großer Bedeutung. Der Angleichungsprozess an die westdeutschen Strukturen erfolgte in einigen Bereichen, vor allem in der vertragsärztlichen Versorgung sowie im Arzneimittelsektor, sehr schnell, so dass bereits nach einigen Jahren ähnliche Bedingungen wie in Westdeutschland vorzufinden waren. Entsprechend rasch konnten Versorgungsdefizite, die in der DDR etwa hinsichtlich der Verfügbarkeit moderner diagnostischer und therapeutischer Verfahren bestanden hatten, beseitigt werden. In den Bereichen, in denen komplexe Versorgungsstrukturen weitgehend neu geschaffen werden mussten, wie etwa bei der ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen, der rehabilativen und der pflegerischen Versorgung, verlief der Aufbau etwas weniger dynamisch, kann mittlerweile aber auch als weitgehend abgeschlossen gelten.[3]

Eine erste Bestandsaufnahme zur gesundheitlichen Lage in den ost- und den westdeutschen Bundesländern wurde vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) anlässlich des zehnten Jahrestages der deutschen Einheit vorgenommen. Der im Jahr 2000 vorgelegte Bericht und der Nachfolgebericht aus dem Jahr 2004 zeigten, dass sich viele der kurz nach der Wiedervereinigung zu beobachtenden Unterschiede im Gesundheitszustand, im Gesundheitsverhalten und in der Gesundheitsversorgung verringert hatten.[4] Die Beobachtungen waren aber zumeist auf die 1990er Jahre begrenzt, und zu vielen Aspekten der gesundheitlichen Lage mangelte es an aussagekräftigen Daten. Vor diesem Hintergrund wurde das Robert Koch-Institut (RKI) im Frühjahr 2009 beauftragt, einen Bericht zu erstellen, der auf einer breiteren und verbesserten Datengrundlage eine Bilanz nach 20 Jahren gemeinsamer Entwicklung ermöglichen sollte. Der Bericht, der ein breites Spektrum gesundheitspolitisch relevanter Themen abdeckt, beschränkt sich allerdings nicht auf den Ost-West-Vergleich, sondern betrachtet auch regionale Unterschiede auf Ebene der Bundesländer und zum Teil auch auf Ebene der für Deutschland ausgewiesenen Raumordnungsregionen. Im Folgenden werden zentrale Ergebnisse des Berichtes dargestellt, der im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2009 publiziert wurde.[5]

Fußnoten

1.
Vgl. Bundesministerium des Innern (BMI), Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit, Berlin 2010; Destatis/gesis-zuma/WZB, Datenreport 2008. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2008.
2.
Vgl. BMI (Anm. 1).
3.
Vgl. Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS), Gesundheit in den neuen Ländern. Gesundheitliche Lage und Stand der Entwicklung, Berlin 2004.
4.
Vgl. BMG, Gesundheit in den neuen Ländern. Stand, Probleme und Perspektiven nach 10 Jahren Deutscher Einheit, Bonn 2000; vgl. BMGS (Anm. 3).
5.
Vgl. Robert Koch-Institut (RKI), 20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Wie hat sich die Gesundheit in Deutschland entwickelt? Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Berlin 2009.