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1.11.2010 | Von:
Detlef Briesen

Was ist "gesunde Ernährung"?

Derzeit versucht sich die Gesundheitspolitik stärker auf die Förderung "richtiger" Ernährung auszurichten. Was aber ist gesunde Kost? Der Aufsatz stellt Konzepte vor, die diese Frage unterschiedlich beantworten.

Einleitung

Bei Debatten über Gesundheitspolitik spielt die Vorstellung eine große Rolle, die Menschen zu einem stärker ihre Gesundheit berücksichtigenden Lebensstil zu motivieren. Davon wird eine erhebliche Kostenersparnis für das überlastete Gesundheitssystem erwartet, und ohnehin gilt Verhaltensprävention als Mittel, unnötige Leiden und vorzeitiges Ableben von vornherein zu verhindern. Solche Ansätze sind aus dem hier eingenommenen gesundheitshistorischen Blickwinkel weder neu noch originell. Die Vermeidung von Krankheiten durch ein wie auch immer als "gesund" bezeichnetes Verhalten zieht sich vielmehr wie ein roter Faden durch die Geschichte der menschlichen Gesundheit.

Dies gilt insbesondere für Prävention durch Ernährung. Sie zeichnet sich durch eine Reihe von Besonderheiten aus: Zum einen liegen hier - statt einfacher und klarer Konzepte, wie etwa dem, nicht zu rauchen oder keine Drogen zu nehmen - oft nur diffuse Anleitungen vor. Ernährungslehren beruhen mitunter eher auf Glaubenssystemen oder nicht genannten persönlichen Vorlieben ihrer Apologeten. Zum anderen können sich in ihnen voreilige Schlüsse von wissenschaftlichen Studien auf gesundes Verhalten abbilden. Gerade auch Fachwissenschaftler haben in den vergangenen Jahrzehnten Positionen eingekommen, die sich bald als falsch oder sogar gesundheitsschädlich erweisen sollten. Damit soll allerdings nicht behauptet werden, Ernährungswissenschaftler, Mediziner und Physiologen hätten nicht auch echten wissenschaftlichen Fortschritt erreicht. Im Folgenden werde ich versuchen, einen Überblick über die wichtigsten Ernährungslehren, deren Herkunft und aktuelle Relevanz zu geben.[1]

Fußnoten

1.
Die Darstellung folgt Detlef Briesen, Das gesunde Leben. Ernährung und Gesundheit seit dem 18. Jahrhundert, Frankfurt/M. 2010.