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22.9.2010 | Von:
Heinrich Kreft

Chinas Aufstieg - eine Herausforderung für den "Westen"

Herausforderungen durch China anerkennen

Während in den USA, Japan und Australien seit Jahren eine breite Diskussion über die Herausforderungen und Chancen, die mit dem Aufstieg Chinas verbunden sind, geführt wird, fehlt diese in Deutschland und Europa weitgehend. Dabei ist es nicht zuletzt auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen, als Europa mit seiner Position isoliert war, deutlich geworden, dass wir eine strategische Debatte darüber brauchen, wie wir mit dem Aufstieg Chinas und anderer Schwellenländer umgehen sollten.

Aus deutscher Sicht müssen wir dringend die beiden traditionellen Pfeiler deutscher Außen- und Sicherheitspolitik - die transatlantischen Beziehungen und die europäische Integration - um die euro-asiatische Dimension erweitern. Deutschland und Europa brauchen eine vielschichtige China- und Asienstrategie, die sich in ihrer Breite und Tiefe an den transatlantischen Beziehungen orientiert. So, wie es sich heute kaum mehr ein Unternehmen erlauben kann, die Entwicklungen in China nicht in all ihren Facetten zu beobachten, müssen wir in der Außen-, Außenwirtschafts-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik, aber auch in unserer Bildungspolitik China und die anderen asiatischen Aufsteiger mit einbeziehen. China ist inzwischen ein Partner und Wettbewerber auf Augenhöhe. Dem wachsenden Konkurrenzdruck aus China kann und darf nicht mit protektionistischen Maßnahmen begegnet werden, denn damit würde Europa sich von der Dynamik Chinas abkoppeln und den eigenen ökonomischen Niedergang einleiten.

Vielmehr gilt es, der Herausforderung für die europäische Wettbewerbsfähigkeit mit einer neuen Wettbewerbsstrategie zu begegnen und an die Dynamik Chinas und seiner asiatischen Nachbarn anzukoppeln. Es spricht vieles dafür, dass sich das Kraftfeld globalen Wachstums dauerhaft vom euro-atlantischen Raum nach Asien mit China als Zentrum verlagert hat.

Der Aufstieg Chinas und Asiens verlangt eine grundsätzliche Neuorientierung Europas. Die Neuausrichtung der USA vom transatlantischen zum asiatisch-pazifischen Raum ist spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges im Gange. Während China in seiner wirtschaftlichen Bedeutung für Europa schnell wächst, sinken die Möglichkeiten Europas, dort Einfluss zu nehmen. Die EU - wie auch Deutschland - muss eine Strategie entwickeln, um ihren Interessen in Asien mehr Gewicht zu verleihen. Dazu müssen die Europäer ihre gemeinsamen Interessen und Werte eindeutig formulieren, aber auch alle Bereiche europäischer Politik - Bildung und Forschung, Arbeitsmarkt, Technologie und Raumfahrt, Finanzen und Energie - müssen auf die globale Wettbewerbsfähigkeit abgestellt werden. Zudem ist es wichtig, bestehende Dialogforen wie die EU-China-Gipfel und multilaterale Foren wie ASEM (Asia-Europe Meeting) weiter auszubauen. Oberste Maxime muss es sein, das partnerschaftliche Verhältnis zu China weiterzuentwickeln.

Gerade die Finanzkrise hat gezeigt, wie wichtig der chinesische Markt für die europäische, insbesondere die deutsche Exportindustrie ist. Deutsche Unternehmen gehören zu den größten ausländischen Investoren und Technolgiegebern in China. Die wirtschaftliche Vernetzung zwischen Europa und China muss aber deutlich enger werden. Dazu gehören auch Investitionen chinesischer Firmen in Europa und die Sicherstellung eines fairen Wettbewerbs.

Neben der wirtschaftlichen sollte auch die politische und sicherheitspolitische Vernetzung zwischen Europa und China ausgebaut werden. Die Erhaltung von Stabilität und Sicherheit in China und seinen asiatischen Nachbarn ist auch für Europa von großer Bedeutung. Eine nachhaltige Entwicklung und Stabilität dürfte auch in Asien nur unter den Bedingungen von Partizipation und der Wahrung von Menschenrechten erreicht werden.

Deutschland und Europa treten für eine bessere Integration Chinas in die bestehenden internationalen Strukturen ein und streben Partnerschaften zur Durchsetzung von Anliegen an, die nur im globalen Rahmen sinnvoll umgesetzt werden können, wie der Ressourcen- und Klimaschutz. Wenn die EU als außenpolitischer Akteur gestärkt und die euro-chinesischen Beziehungen ausgebaut werden, bleibt Europa auch für die USA, deren Ausrichtung auf Asien sich weiter intensivieren wird, ein relevanter Partner.

Größere Machtverschiebungen zwischen Staaten oder Regionen sind selten, und da, wo es in der Geschichte dazu gekommen ist, sind diese in den wenigsten Fällen friedlich verlaufen. Es ist daher eine große gemeinsame Aufgabe Chinas, den USA, Europas und anderer relevanter Akteure, das jeweils in ihrer Macht stehende beizutragen, dass diese geopolitische Machtverschiebung friedlich verläuft.