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22.9.2010 | Von:
Heinrich Kreft

Chinas Aufstieg - eine Herausforderung für den "Westen"

Herausforderung für Europa und Deutschland

Für Europa und Deutschland bestehen die Herausforderungen zum einen darin, durch den politischen Aufstieg Chinas (und der anderen BRIC-Staaten Brasilien, Russland und Indien) einen Verlust von Einfluss auf die globale Agenda hinzunehmen. Besonders deutlich wurde dieser Einflussverlust auf der Klimakonferenz in Kopenhagen Ende des Jahres 2009.[4] Zum anderen bestehen sie in Faktoren, welche die politische Stabilität und Entwicklung in Asien und darüber hinaus gefährden können wie die militärische Aufrüstung, die nicht zuletzt von China - mit entsprechenden Reaktionen in der asiatisch-pazifischen Region - betrieben wird. Nach dem Mittleren Osten hat sich Asien zu der Region mit den am schnellsten wachsenden Rüstungsausgaben entwickelt, was bei den Regionalstaaten neue Bedrohungsperzeptionen und Sicherheitsdilemmas hervorgerufen und bestehende vertieft hat.

Sicherheitspolitisch könnte China die USA und ihre Verbündeten in Asien zukünftig herausfordern. Auf deutsche oder europäische Interessen haben Chinas Anstrengungen zur militärischen Modernisierung bisher zwar keinen direkten negativen Einfluss: China und die EU treten sich nicht als sicherheitspolitische Konkurrenten oder geopolitische Rivalen gegenüber. Dennoch kann nichts im deutschen beziehungsweise europäischen Interesse liegen, was die Gefahr eines militärischen Konflikts in Asien erhöhen würde, da auch Europa aufgrund transnationaler Zusammenhänge und Dynamiken unweigerlich davon betroffen wäre.

Die ökonomischen Herausforderungen des Aufstiegs Chinas bestehen für Deutschland und Europa vor allem im davon ausgehenden Wettbewerbs- und Anpassungsdruck für unsere Volkswirtschaft und Gesellschaft, im unzureichenden Schutz geistigen Eigentums und dem ausgeprägten Druck der chinesischen Regierung auf ausländische Unternehmen zum Technologietransfer. Aber es darf auch nicht unterschlagen werden, dass deutsche Firmen vom Aufstieg Chinas überdurchschnittlich profitiert haben und weiter profitieren werden.

Fußnoten

4.
Vgl. dazu die APuZ Klimawandel, (2010) 32-33.