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11.5.2010 | Von:
Dietrich Schwarzkopf

Die ARD - Begleiterin deutscher Zeitgeschichte - Essay

Terrorismus

Im Fall der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz durch Terroristen (27. Februar 1975) trat die ARD, wie das ZDF, aus der Rolle der Begleiterin der Politik heraus. Die Entführer verlangten die Freilassung mehrerer inhaftierter Gesinnungsfreunde, den Abflug der Freigelassenen ins Ausland sowie die Übertragung des Abflugs in Hörfunk und Fernsehen und die Ausstrahlung von Stellungnahmen der Freigelassenen im Programm. Würden diese Bedingungen nicht erfüllt, so werde Lorenz sterben.

Bundesregierung und öffentlich-rechtlicher Rundfunk gaben der Erpressung durch die Terroristen nach, Lorenz kam frei. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 7. März 1975 schrieb Robert Held: "Die Demütigung des Staates wurde in der elektronischen Walhall der Nation vollzogen." Aber hätten sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten entziehen können, wenn die Bundesregierung bereit war nachzugeben? Der damalige ARD-Programmdirektor Hans Abich sah im Fall Lorenz das Fernsehen in der Rolle des "genötigten Nothelfers".

ARD und ZDF hatten die Bundesregierung in die Demütigung durch Terroristen begleitet. Nach der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer war Bundeskanzler Helmut Schmidt entschlossen, dass sich ein Nachgeben nicht wiederholen sollte. Schleyer wurde ermordet.


Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Der Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten lautet: Gewährleistung einer unabhängigen "Grundversorgung" mit Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung. Erfüllen die Sender ihren am Gemeinwohl orientierten Programmauftrag?

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