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11.5.2010 | Von:
Diemut Roether

Spannungsverhältnisse - eine kritische Würdigung der ARD

Die ARD ist Gegenstand zahlreicher Debatten. In ihnen geht es unter anderem um die Themen Qualitätsprogramm versus Quotendruck, Selbstkontrolle, politische Unabhängigkeit, Rundfunkgebühren und Ausbreitung ins Internet.

Einleitung

Die beißendsten Spötter über die ARD sitzen im Senderverbund selbst: "Was wäre ein Programmdirektor der ARD ohne die Fähigkeit zu leiden? An der ARD zu leiden, genauer gesagt", schrieb ARD-Programmdirektor Günter Struve, der die Geschicke des "Ersten", wie das Gemeinschaftsprogramm der ARD heißt, von 1992 bis 2008 maßgeblich bestimmt hat. Struve, der einen charmanten Zynismus pflegt, bekannte einmal, dass die programmstrategischen Klausurtagungen "zu den unbestrittenen Höhepunkten im Leben eines Programmdirektors zählen".[1]

Auch für eine Positionsbestimmung der ARD im 60. Jahr ihres Bestehens ist es aufschlussreich, den Blick auf Struve zu richten: Von der "Zeit" wurde er als "geschickter Manager des Seichten" beschrieben,[2] er selbst gab sich freimütig als "Lobbyist des Mainstreams" zu erkennen.[3] Als solcher führte er einen Kampf um die Zuschauerinnen und Zuschauer, die dem Ersten angesichts der stärker werdenden Konkurrenz durch die Privaten verloren zu gehen drohten, und er erreichte, dass das Gemeinschaftsprogramm der ARD seit 1998 wieder ganz vorne im Konzert der Marktführer mitspielt.

Struves Nachfolger ist seit November 2008 Volker Herres. Dass er ganz im Geiste Struves denkt und handelt, machte er in einem Aufsatz für das ARD-Jahrbuch 2009 deutlich, in dem er sich wie sein Vorgänger auf Goethes "Faust" bezog und das Erste als "Gesamtkunstwerk" bezeichnete, das nicht zur Erbauung der Eliten geschaffen sei. "Das Erste", so Herres' Credo, "soll alle ansprechen, auch unterhalten".[4] Das Spannungsverhältnis, dass das Erste einerseits ein großes Publikum ansprechen will, andererseits aber als öffentlich-rechtliches Programm auch aufgefordert ist, Nischensendungen für kulturinteressierte Zuschauer zu machen, stellt jeden ARD-Programmdirektor vor eine schwierige Aufgabe. Herres schreibt: "Das Erste muss Quote machen. Wir wollen ankommen - daran ist nichts verwerflich. Aber wir wollen das nicht um jeden Preis."[5]

Fußnoten

1.
Beide Zitate nach: Diemut Roether, Der Quotenmacher, in: epd medien, (2008) 87, S. 3ff.
2.
Bernd Gäbler, Was bewegt ... Günter Struve?, in: Die Zeit, Nr. 31 vom 28.7.2005.
3.
Vgl. D. Roether (Anm. 1).
4.
Volker Herres, Qualität trotz Quotendruck, in: ARD-Jahrbuch 2009, S. 33.
5.
Ebd., S. 29.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

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