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11.5.2010 | Von:
Diemut Roether

Spannungsverhältnisse - eine kritische Würdigung der ARD

Mehr Souveränität ist gefragt

Das politische Spannungsverhältnis in dem sich die ARD angesichts dieser Gemengelage befindet, ist in der Tat nicht einfach. Soll sie lieber die freundliche Umarmung durch die Politik hinnehmen, um so gegen rundfunkpolitische Angriffe gefeit zu sein? Es fällt auf, dass sich die ARD-Sender angesichts der zahlreichen Angriffe von außen zunehmend mit einer Art Bunkermentalität verschanzen. Olaf Zimmermann und Gabriele Schulz, die Autoren der vom Deutschen Kulturrat herausgegebenen Studie "Der WDR als Kulturakteur", schreiben in ihrer Bewertung der für den WDR im Großen und Ganzen sehr positiven Studie, dass auffallend sei, dass der große, starke WDR auf Kritik "teilweise scharf" reagiere. Sie empfehlen dem Sender, sich "seiner strukturellen Macht" bewusst zu werden, diese kritisch zu hinterfragen, "da es eine geliehene Macht ist", und sehr sorgsam mit ihr umzugehen. "Wenn der WDR den Kontakt zu den Menschen verliert, die Kultur machen und Kultur genießen, wenn seine Glaubwürdigkeit dort leidet, dann helfen ihm auch alle Statistiken nicht. Der WDR muss ein normales Verhältnis zu seiner Stärke entwickeln, dann braucht er keine Überheblichkeit und kann als Sender der Superlative selbstbewusst seine kulturellen Leistungen zeigen."[32]

Auch für die ARD gilt, dass sie ebenso selbstbewusst und selbstverständlich mit Kritik umgehen sollte wie sie sich den Spannungen stellen muss, denen sie aufgrund ihrer Struktur permanent ausgesetzt ist. "Die ARD macht uns keiner nach", seufzen ARD-Verantwortliche gern resigniert, wenn die Vielstimmigkeit wieder einmal überhandnimmt. Doch diese Einzigartigkeit ist ein Grund stolz zu sein und sich darauf zu besinnen, dass es vor allem das ist, was die ARD ausmacht: Dass sie anders ist. Und das sollte sich auch in ihren Programmen spiegeln.

Fußnoten

32.
Deutscher Kulturrat (Hrsg), Der WDR als Kulturakteur. Anspruch - Erwartung - Wirklichkeit, Berlin 2009, S. 369f.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

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