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5.7.2011 | Von:
Werner Meinefeld

Umweltschutz im Alltag: Probleme im Umgang mit Gemeingütern

Umwelterziehung

Charakteristisch für die frühe deutsche Umweltdiskussion wurde - in guter aufklärerischer Tradition - das Bemühen, durch Umwelterziehung Einfluss auf das Handeln der Menschen zu nehmen. Man setzte darauf, bei den Bürgern Einsicht in die ursächlichen Zusammenhänge der Umweltkrise zu wecken und dadurch die Bereitschaft des Einzelnen zur Veränderung seiner umweltschädlichen Verhaltensweisen zu erreichen. Rückblickend ist festzustellen, dass dieses Ziel der Auslösung eines kollektiven Lernprozesses sowohl erreicht als auch verfehlt worden ist: Es ist gelungen, ein hohes Bewusstsein von der Umweltgefährdung durch menschliches Handeln zu vermitteln, doch ist nicht in demselben Ausmaß eine Veränderung eben dieses Handelns eingetreten.

Die Bewusstseinsveränderung verlief schnell und radikal und zeigt anhaltende Wirkung. Waren ökologische Argumentationen zu Beginn der 1970er Jahre das Markenzeichen gesellschaftlicher Außenseiter, so ist ein kritisches Umweltbewusstsein heute zum Charakteristikum des staatstragenden Bürgers geworden, und folgerichtig findet sich seit Jahren kein Parteiprogramm mehr, das nicht ein ausdrückliches Bekenntnis zur "Bewahrung der natürlichen Umwelt" enthielte. Zwar lassen sich auch auf der Seite des Handelns deutliche Veränderungen ausmachen, doch sind die in empirischen Studien nachgewiesenen Zusammenhänge zwischen Umweltbewusstsein und umweltschonendem Handeln relativ gering. Dies heißt: Personen mit einem hohen Umweltbewusstsein verhalten sich nicht durchgängig umweltschonender als solche mit einem weniger ausgeprägten Bekenntnis zur Erhaltung der Umwelt. Es zeigte sich somit sehr schnell, dass dieses Konzept einer Veränderung des Handelns zugunsten des Umweltschutzes allein durch Aufklärung dem komplexen Bedingungsnetz menschlichen Handelns nicht gerecht wird: Dieses Konzept schafft Akzeptanz und ist somit unverzichtbar, es ist aber für sich genommen zu einfach, zu optimistisch, zu wenig soziologisch. Es beruht auf einem idealistischen Menschenbild, das eine Übereinstimmung von Wissen, Wollen und Handeln postuliert, das den informierten, engagierten, verantwortungsbewussten, handlungskompetenten, rationalen Bürger voraussetzt.


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