APUZ Dossier Bild

21.2.2011 | Von:
Birgit Svensson

Von Frühling und Herbst der Pressefreiheit im neuen Irak - Essay

Mehr Vielfalt - mehr Orientierungslosigkeit

Doch die noch ungewohnte Vielfalt bringt auch eine gewisse Orientierungslosigkeit, die sich auch in den Medien widerspiegelt. Vor allem Fernsehsender ändern ständig ihre Perspektiven. So hat die von der Bundesregierung finanzierte irakische Internetplattform "Niquash", die anfangs auch als Radiosender das Wahljahr 2005, in dem zwei Parlamentswahlen und das Verfassungsreferendum stattfanden, kritisch begleitete, im Mai 2008 eine Untersuchung der Fernsehberichterstattung über die Militäroperation der irakischen Regierung gegen die Schiitenmiliz Mahdi-Armee ausgewertet. Sie kam zu dem Schluss, dass vor allem die beiden sunnitischen Oppositionssender "Al-Sharqiya" und "Al-Rafidain" ein verwirrendes Bild von der Operation zeichneten und eigentlich keine klare Linie in der Berichterstattung erkennen ließen. Während ansonsten alle Handlungen der schiitischen Regierung kritisiert und verbal attackiert werden, bot nun die Tatsache, dass Schiiten gegen Schiiten in Basra operierten, ein schier unlösbares Argumentationsproblem.

Nicht viel besser erging es dem Regierungssender "Al Iraqiya", der sich ebenfalls schwer tat, die Situation differenziert darzustellen. Er vermied es bis zum Schluss, den jedem Iraker bekannten Namen der Miliz und deren Chef, Muqtada as Sadr, zu nennen, gegen welche die irakische Armee vorging. Stattdessen war von "Aufständischen" die Rede - dem Terminus, der all die Jahre zuvor für die sunnitischen Widerständler benutzt wurde.

Auch der Ausgang der blutigen Gefechte wurde verklärt. Während andere Sender und hier vor allem die arabischen Nachrichtensender "Al Arabija" und "Al Jazeera", aber auch der von den USA finanzierte Kanal "Al Hurra Iraq" ziemlich genau über Opferzahlen und die anfängliche Schlappe der irakischen Armee informierten, sang "Al Iraqiya" bis zuletzt das Loblied auf Maliki und den von ihm befohlenen Einsatz in Basra und ließ die Zuschauer im Glauben, dass die Armee ohne größeren Widerstand in die Stadt einmarschiert sei. Tatsächlich wendete sich das Blatt aber erst, als US- und britische Truppen den Irakern zu Hilfe kamen.