APUZ Dossier Bild

21.2.2011 | Von:
Loay Mudhoon

Wandel der regionalen Ordnung und Aufstieg neuer Mächte in der Golfregion

Hegemoniale Konfrontation am Golf

"Im Nahen und Mittleren Osten geht ein Schreckgespenst um, das Schreckgespenst des Pan-Schiismus." So in etwa ließen sich die artikulierten Befürchtungen der überwiegend sunnitisch geprägten arabischen Staaten angesichts der Veränderungen in den regionalen Machtgleichungen paraphrasieren. Die als solche empfundene Allgegenwärtigkeit eines plötzlich auch politisch mobilisierten beziehungsweise mobilisierbaren[22] schiitischen Islam in der Region - die durchaus auch von einigen westlichen Beobachtern wahrgenommen wird und in ihrer extremsten Form wohl Ausdruck findet in Prognosen wie etwa der, dass das 21. Jahrhundert als "das Jahrhundert der Schia"[23] in die Geschichte eingehen werde - wird zurückgeführt auf die vermeintliche Fernsteuerung der Schiiten der Region durch die Islamische Republik Iran. Die regionale Stellung der weltweit einzigen schiitischen Theokratie wurde durch den Krieg gestärkt, da mit dem Sturz Saddam Husseins einer ihrer wichtigsten Gegner fiel. Die regionalen Auswirkungen des iranischen Einflusses zeigen sich vor allem im Libanon, wo die von Teheran unterstütze Hisbollah den stärksten Machtfaktor darstellt. Auch auf den Nahost-Konflikt versucht Iran, mittels seiner finanziellen Hilfen für die Hamas direkten Einfluss zu nehmen.

Der Angst vor einer iranischen Vorherrschaft in der Region verlieh der jordanische König Abdullah Ausdruck, als er vor der Entstehung eines "schiitischen Halbmonds"[24] warnte, der sich vom Iran über den Irak bis in den Libanon erstrecke. Im September 2005 sagte der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal, der Iran habe die Früchte der amerikanischen Invasion in Form von Macht und Einfluss geerntet, obwohl er nach wie vor der größte Feind der USA in der Region sei.[25] Und im April 2006 erklärte der ägyptische Präsident Husni Mubarak, dass die "Loyalität der Schiiten in den arabischen Staaten" beim Iran läge, statt bei ihren Heimatstaaten.[26] Diese Aussagen sind exemplarisch für die Sichtweise weiterer Nachbarstaaten. Vor allem prägen sie die Sicherheitsperzeption der heutigen Machteliten in Saudi-Arabien und anderen kleinen Golfmonarchien, die auf die Sicherheitsgarantien der USA angewiesen sind.

Fußnoten

22.
Vgl. Heinz Halm, Die Schiiten, München 2005, S. 121.
23.
Katajun Amirpur, Das Jahrhundert der Schia, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, (2005) 3, S. 263-266.
24.
Zouheir Kseibati, Die imperialen Träume Irans, in: Al Hayat vom 24.9.2006, S. 8.
25.
Zit. nach: Waldemar Hummer, Ein Sieger, mit dem keiner rechnete. Paradoxerweise ist der größte Gewinner des Irak-Kriegs der Iran, in: Internationale Politik, (2006) 3, S. 26.
26.
Ebd., 26.