Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Doris K. Gamino

Annäherung an ein unbekanntes Land - Essay

Transmigrasi

Im Rahmen des unter dem Regime von Suharto (1967-1998) begonnenen Transmigrasi-Programms wurden seit den späten 1960er Jahren mehrere Millionen Einwohner der überbevölkerten Inseln Java und Madura auf anderen Inseln angesiedelt. Trotzdem wächst die javanische Bevölkerung beständig durch Zuzüge. Die starke Zentrierung von Politik und Wirtschaft auf die Hauptinsel und die systematische Ausbeutung bei gleichzeitiger Vernachlässigung der übrigen Regionen treiben immer mehr Menschen auf der Suche nach einem Auskommen oder beruflichen Perspektiven nach Java. In der Hoffnung auf ein bisschen Wohlstand oder bessere Chancen für ihre Kinder zieht auch verarmte Landbevölkerung dorthin, wenngleich dies für viele bedeutet, in armseligen Hütten in illegalen Siedlungen am Rande der Städte zu hausen und zur Masse der Millionen anderen Chancenlosen zu addieren.

Das durch die Weltbank finanziell massiv unterstützte Migrationsprogramm, das die Umsiedlung von bis zu 70 Millionen Indonesiern vorsah, erschien bei flüchtiger Betrachtung zwar durchaus sinnvoll; überbevölkerte Regionen sollten entlastet und die Entwicklung bislang wenig erschlossener Gebiete vorangetrieben werden. Inzwischen muss Transmigrasi aber als grandios gescheitert betrachtet werden. Nicht nur stehen Aufwand und Ergebnis in keinem guten Verhältnis, das Programm hat tatsächlich mehr Probleme kreiert als gelöst.

Während Neusiedler aus Java und Madura mit Häusern, Land und Saatgut ausgestattet wurden, gingen die ursprünglichen und ohnehin häufig armen Bewohner leer aus. Den Alteingesessenen wurde zudem entweder direkt oder durch die schiere Zahl der Migranten eine javanische Verwaltung aufgezwungen, die tradierte Strukturen und Hierarchien auflöste und die Ursprungsbevölkerung kulturell und wirtschaftlich an der Rand drängte. Soziale Unruhen waren nur eine Folge der kaum umsichtigen Umsiedlungen. Im Februar 2001 kam es etwa in West-Kalimantan zu Gewaltausbrüchen zwischen dort ansässigen christlichen Dayak und transmigrierten muslimischen Maduresen, in deren Verlauf mehrere Hundert Menschen getötet wurden und mehr als 10000 Maduresen fliehen mussten. Andere Migranten verpflanzte man in Regionen mit so armseligen Böden, dass es beinahe zwangsläufig zu Missernten, Hungersnöten und Konflikten mit Einheimischen kam. Besonders in Kalimantan auf Borneo führen groß angelegte Umsiedlungswellen zu massiven Umweltschäden und Regenwaldzerstörung durch Kahlschlag und Brandrodung.

Obwohl die Geldgeber das Scheitern des Programms inzwischen erkannt und sich weitgehend daraus zurückgezogen haben, hält die indonesische Regierung weiterhin daran fest. Mehr als ein bevölkerungs- und wirtschaftspolitisches Instrument ist Transmigrasi zu einem innen- und sicherheitspolitischen Kontrollinstrument verkommen, das Unabhängigkeitsbestrebungen verhindern und durch die fortgesetzte Javanisierung der Außeninseln die Bevölkerung homogenisieren und kulturelle Unterschiede zugunsten des Javanischen ausmerzen soll.


Dossier Innerstaatliche Konflikte

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