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Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Doris K. Gamino

Annäherung an ein unbekanntes Land - Essay

Koloniales Erbe

In den Augen vieler Indonesier ist die grassierende Korruption keine indonesische Erfindung, sondern eine der wenigen "nachhaltigen" Hinterlassenschaften der holländischen Kolonialherren, die das Land 350 Jahre lang ausgebeutet und kontrolliert haben. Seither ist das System von Vetternwirtschaft, Vorteilsnahme und Bestechung beinahe untrennbar in alle Lebensbereiche der Indonesier verwoben. Das geht so weit, dass viele Indonesier Korruption auch in den offensichtlichsten Spielarten nicht erkennen. Viele halten Schmiergeld für ein besonderes Merkmal des sozialen Miteinanders, das wiederum als Teil der nationalen Identität gilt.

Es kann getrost behauptet werden, dass es in Indonesien keinen einzigen korruptionsfreien Lebensbereich gibt; Polizei, Gerichte, Behörden, Schulen und Universitäten und Privatwirtschaft sind regelrecht durchseucht. Extra-Gebühren werden überall fällig: für die gute Note in der Grundschule, den Uni-Abschluss, die Heiratsurkunde, die Führerscheinverlängerung oder die Genehmigung für den Betrieb einer mobilen Suppenküche. Ganz zu schweigen von der Vergabe öffentlicher und privater Aufträge und Ausschreibungen. Die einträglichsten Straßenkreuzungen in Jakarta erkennt man an den dicksten Polizisten.

Als die Niederländische Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC) ab Anfang des 17. Jahrhunderts begann, das Archipel mit Handelsstützpunkten zu überziehen, machte sie sich die Machtkämpfe und die Orientierungslosigkeit im gerade zerfallenen Hindu-Reich der Majapahit und ab Mitte des 17. Jahrhunderts auch die Macht- und Erbstreitereien des islamischen Mataram zunutze, um sich Handelsrechte zu sichern und Land gegen Verteidigungsbünde zu sichern. Auch wenn den anfänglichen Verhandlungen bald Gewalt und militärische Interventionen zur Durchsetzung ihrer Interessen folgten, haben die Holländer doch ein weitreichendes Günstlings- und Selbstbedienungssystem auf Java etabliert, dem sie am Ende selbst zum Opfer fielen. Obwohl man aus dem Gewürzhandel und dem Anbau und Export von Kaffee, Tee, Tabak und Zuckerrohr auf der Insulinde unvorstellbare Werte erwirtschaftet hatte, war die VOC gegen Ende des 18. Jahrhunderts bankrott. Zu viele ihrer Entsandten und Mitarbeiter hatten sich an den Gewinnen bedient. Nach Jahren der Korruption, Misswirtschaft und Betrügereien übernahm schließlich die holländische Regierung das Gebiet der VOC, nunmehr offiziell als Kolonie Nederlands Oost-Indië.

Heute vergeht kaum ein Tag, an dem die indonesischen Zeitungen nicht mit neuen Korruptionsfällen aufwarten können. Seit der Einführung der Antikorruptionsbehörde KPK 1999 kommt es zwar zunehmend zu Strafverfolgung und auch zu Verurteilungen, aber bei der schieren Zahl der Fälle gleicht das einem Kampf mit Steinschleudern gegen Panzer. Zu einem der symptomatischsten Fälle der vergangenen beiden Jahre dürfte der des Finanzbeamten Gayus Tambanan zählen. Für ein Bestechungsgeld von mehr als drei Millionen US-Dollar hatte er die Steuerunterlagen zugunsten dreier Firmen manipuliert, die alle einem der zehn reichsten Männer des Landes, Aburizal Bakri, gehören. Nachdem Gayus - trotz massiver Behinderung der KPK durch die Polizei - zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, veröffentlichte die "Jakarta Post" kurz darauf Fotos von Gayus, die ihn bei verschiedenen Tennismatches im Publikum zeigten. Die "Ausflüge" aus dem Gefängnis hatte er sich mit Schmiergeldern erkauft. Bakri wiederum, zu dessen Vorteil er die Papiere gefälscht hatte, gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Jahr 2014.


Dossier Innerstaatliche Konflikte

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