Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Shafiah F. Muhibat

Indonesien - eine aufsteigende Regionalmacht?

Was charakterisiert regionale Macht?

Bei der Erörterung von Machtverhältnissen auf globaler Ebene sind zwangsläufig die Supermächte ins Kalkül zu ziehen, da ihr Bündnisverhalten weitreichende Auswirkungen hat. Anders als gegenüber Staaten, die nur über regionalen Einfluss verfügen, beruht das Verhalten von Ländern gegenüber Großmächten stets auch auf systemtaktischen Überlegungen hinsichtlich der gegenwärtigen und absehbaren globalen Machtverteilung.[1] Den Regional- bzw. Mittelmächten fehlt es naturgemäß an Ressourcen, um auf allen Gebieten internationaler Politik mitzumischen - dies bleibt den Großmächten vorbehalten. Dennoch stabilisieren und legitimieren Regionalmächte die bestehende Weltordnung durch ihr außenpolitisches Handeln, meist durch Impulse für multilaterale Initiativen. Charakteristische Merkmale dieser aufstrebenden Staaten sind unter anderem rasch wachsende Bevölkerungen und anhaltendes Wirtschaftswachstum. Sie zeigen einen erhöhten Bedarf an Importen aus anderen sich entwickelnden Ländern, sind eher in der Lage im Ausland zu investieren und dort Hilfe zu leisten und werden immer häufiger zum Ziel internationaler Arbeitsmigration. Aus einem etwas anderen Blickwinkel könnten aber auch institutionelle Stabilität und ein effektiver Staatsapparat als entscheidende Kennzeichen dieser Mittelmächte gelten.[2] Es ist unwahrscheinlich, dass sie auf der großen internationalen Bühne überragenden Einfluss haben; eher sind sie auf die regionale Ebene ausgerichtet, für deren stärkere politische Integration sie sich einsetzen. Wenn also von aufsteigenden Mächten die Rede ist, sollte deutlich benannt werden, in Bezug auf welche Arena sie als solche erachtet werden.

Regionalmächte sind in ihrer Umgebung einflussreich, unabhängig davon, ob sie ihrer Nachbarschaft freundschaftlich oder feindselig gesinnt sind. An ihnen formen sich die Machtverhältnisse der jeweiligen Region. Im internationalen System bemisst sich der Großmachtstatus eines Landes unter anderem entscheidend daran, ob dieser Status von ebenbürtigen Staaten anerkannt wird. Regionalmächte haben sogar eine klare Vorrangstellung in ihrer Region - können ihre Interessen aber nicht in gleichem Maße auch global geltend machen wie Großmächte.[3] In welchem Maße auch wirtschaftliche Stärke eine notwendige Bedingung für regionale Vorherrschaft darstellt, ist in der Forschung umstritten.[4] Doch stabile und voll funktionsfähige Staaten haben mehr Einfluss auf die Weltwirtschaft und sind eher imstande, regionale Führungsaufgaben zu übernehmen, Süd-Süd-Partnerschaften zu etablieren und in den globalen Institutionen als Vermittler zu agieren. Von diesen Mittelmächten wird erwartet, dass sie die Rolle des regionalen Friedensstifters und "Polizisten", aber auch die einer Moralinstanz übernehmen. Sie sind dafür verantwortlich, ihren "Hinterhof" "sauber und aufgeräumt" zu halten, und bekommen dabei zuweilen Unterstützung von Großmächten. Zugleich sollen sie akzeptable Regeln und Normen für die Art und Weise des politischen Umgangs in ihrer Region fördern. Regionalmächte sind Hauptakteure, oft sogar Begründer regionaler Verwaltungs- und Steuerungsinstitutionen. Der tatsächliche Einfluss des jeweils führenden Staates hängt dabei unter anderem von der Fähigkeit ab, die Kooperationsagenda zu bestimmen, sei es auf dem Weg der Zusammenarbeit oder einseitig.[5]

Das globale Kräftegleichgewicht verändert sich, die politische und sozioökonomische Macht der aufstrebenden Mittelmächte ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewachsen. Sie stellen zwei Drittel der Weltbevölkerung, und ihr Wirtschaftswachstum und die erhöhte Kaufkraft machen sie zu attraktiven Märkten für Exportwaren anderer Länder. Mittlerweile treten sie verstärkt als regionale Machtzentren und unabhängige Akteure auf verschiedenen Ebenen der Weltordnungspolitik in Erscheinung. Und aus den G8 sind inzwischen die G20 geworden, in Anerkennung der Tatsache, dass bereits existierende sowie neu entstehende Mittelmächte beteiligt werden müssen, wenn das Forum effektiver und mit größerer Legitimität ausgestattet sein soll. Zugleich weisen diese Mittelmächte im internationalen Vergleich nichtsdestotrotz die gravierendsten sozialen Ungleichheiten auf.

Fußnoten

1.
Vgl. Barry Buzan/Ole Waever, Regions and Power: The Structure of International Society, Cambridge-New York 2003, S. 35.
2.
Vgl. Peter Evans/James E. Rauch, Bureaucracy and growth: A cross-national analysis of the effects of "Weberian" state structures, in: American Sociological Review, 64 (1999), S. 748-765.
3.
Vgl. Samuel P. Huntington, The Lonely Superpower, in: Foreign Affairs, 78 (1999), S. 23-41.
4.
Vgl. Robert Kappel, On the Economics of Regional Power: Comparing China, India, Brazil, and South Africa, German Institute of Global and Area Studies (GIGA) Working Paper Nr. 145, Hamburg 2010.
5.
Vgl. Daniel Flemes, Conceptualising Regional Power in International Relations: Lessons from South Africa, GIGA Working Paper Nr. 53, Hamburg 2007.

Dossier Innerstaatliche Konflikte

Aceh

Der Friedensprozess in der indonesischen Provinz Aceh ist eine Erfolgsgeschichte. Seit 2005 gab es keine gewalttätigen Auseinandersetzungen mehr zwischen der heute als Aceh-Partei mitregierenden Befreiungsbewegung und der indonesischen Zentralregierung. Bedenklich ist allerdings die Einführung islamisch-fundamentalistischer Gesetze und Vorschriften.

Mehr lesen