Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Shafiah F. Muhibat

Indonesien - eine aufsteigende Regionalmacht?

Militärisches Potenzial

Seit der Unabhängigkeit (1949) wurde der Marine im Rahmen der Hankamrata-Doktrin nur wenig Gewicht als erste Verteidigungslinie gegen feindliche Invasoren beigemessen, was sich in Form relativ kleiner Budgets und einer untergeordneten Stellung innerhalb der Streitkräfte niederschlug. Innovationen bei der Seeüberwachung trugen denn auch eher politischen als technologischen Charakter; so wurde etwa ein gemeinschaftliches Überwachungssystem eingeführt, welches die Indienstnahme von Fischern als Teil des nationalen Sicherheitsplans vorsieht. In den vergangenen Jahren wurde bei der Infrastruktur des indonesischen militärischen Abwehrsystems jedoch nachgebessert. Unter anderem wurden Radarstationen an der Straße von Malakka (zwischen der malaiischen Halbinsel und Sumatra) und entlang der peripheren Inselketten errichtet. Die Optimierung und der Bau weiterer Marinebasen für Patrouillen- und Sicherheitsoperationen sind in Planung. 2006 war die indonesische Marine mit 126 Schiffen ausgerüstet, darunter sechs Fregatten der holländischen Van-Speijk-Klasse, die in den 1960er Jahren gebaut und in den 1980er Jahren an Indonesien verkauft wurden.[8] Daneben unterhält die Marine eine große Zahl von Patrouillen-, Minensuch- und Schnellbooten sowie einige Amphibienpanzer. Medienberichten zufolge plant Indonesien auch den Kauf zweier russischer U-Boote, hat die Anschaffung aber schon länger verschoben.[9]

Dank außerbudgetärer Einnahmen (etwa durch armeeeigene Unternehmen) konnte die Regierung lange von relativ niedrigen Militärausgaben ausgehen, erst in den vergangenen Jahren haben sie zugenommen. Während sie im Jahr 2000 noch 1,2 Milliarden US-Dollar betrugen, waren es 2006 bereits 3,1 Milliarden. Dies erschien bei einer Truppenstärke von über 375000 Mann aber immer noch unzureichend, zumal die Ausrüstung veraltet und die Infrastruktur insgesamt mangelhaft ist. Für 2012 hat die Regierung eine Anhebung des Militärbudgets um 35 Prozent auf rund sieben Milliarden US-Dollar angekündigt,[10] was die Streitkräfte in die Lage versetzen sollte, eine Verjüngung und Modernisierung voranzubringen sowie die Instandhaltung und Gefechtsbereitschaft der Waffensysteme zu verbessern. Hatte sich die Armee traditionell bislang auf die Sicherung der inneren Stabilität konzentriert, ist der neuerliche Fokus auf den Ausbau des Militärs eher eine Reaktion auf Entwicklungen im Ausland. Es ist das erklärte Ziel, bis 2025 eine Minimum Essential Force aufzubauen, eine mit minimalen Mitteln hocheffiziente Streitmacht.

Um beurteilen zu können, ob diese Entwicklungen von Bedeutung sind, ist ein Vergleich mit anderen regionalen Mächten sinnvoll. Indonesien und andere südostasiatische Länder sind generell darauf bedacht, das Potenzial ihrer Seestreitkräfte zu erhöhen. Verglichen mit dem der Nachbarstaaten ist die indonesische Marine ziemlich groß, aber veraltet. Thailand verfügt dagegen über eine hochmoderne Flotte und den einzigen Flugzeugträger der Region. Singapur ist im Besitz einer imposanten U-Boot-Flotte. Die militärische Seemacht in Ostasien verlagert sich zunehmend nach China.[11] Die Staaten Südostasiens bauen in Rekordgeschwindigkeit ihr Militär aus, kaufen U-Boote und Kampfjets und rücken strategisch näher an die USA heran, um sich gegen den Aufstieg Chinas und seine Ansprüche auf das gesamte Südchinesische Meer abzusichern.

Die Waffenkäufe in der Region haben sich zwischen 2005 und 2009 im Vergleich zum vorherigen Fünfjahreszeitraum nahezu verdoppelt. Insgesamt steigen die Verteidigungsausgaben in Asien weiter und könnten sich bis 2016 auf 32 Prozent der weltweiten Militärausgaben belaufen, was 480 Milliarden US-Dollar entspräche. 2007 betrug der asiatische Anteil an den globalen Militärausgaben noch 24 Prozent; der größte Anteil entfiel 2007 mit 39 Prozent auf Nordamerika, dessen Anteil im Jahr 2016 auf 29 Prozent bzw. 435 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Innerhalb Asiens wird voraussichtlich China die größten Militärausgaben verbuchen (mit einem Anstieg von 120 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007 auf 255 Milliarden im Jahr 2016), gefolgt von Indien (etwa 100 Milliarden US-Dollar für militärische Anschaffungen innerhalb der nächsten fünf Jahre).[12]

Fußnoten

8.
Vgl. Asian Military Review, AMR Military Directory 2011, Bangkok 2011.
9.
Vgl. RI may purchase Kilo or Changbogo class submarines, in: Antara News vom 8.9.2009.
10.
Vgl. Defense budget up by 35% next year, in: The Jakarta Post vom 5.9.2011.
11.
Vgl. Ralf Emmers, The Changing Power Distribution in the South China Sea: Implications for Conflict Management and Avoidance, in: Political Science, 62 (2011) 2, S. 118-131.
12.
Vgl. Stockholm International Peace Research Institute, SIPRI Yearbook 2009: Armaments, Disarmament and International Security, Oxford 2009.

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