Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Shafiah F. Muhibat

Indonesien - eine aufsteigende Regionalmacht?

Wirken im Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN)

Aufgrund seines Engagements bei der ASEAN, beim jährlichen Ostasiengipfel (EAS, East Asia Summit) und im G20-Rahmen hat Indonesien eine eminent wichtige Position inne. Der Wiedereintritt Indonesiens in die UNO 1966 (nach einem kurzzeitigen Austritt 1965) und seine Rolle als Gründungsmitglied der ASEAN 1967 waren klare Anzeichen dafür, dass die Außenpolitik des Landes hauptsächlich von der Mitarbeit in internationalen und regionalen Organisationen bestimmt sein wird. Die indonesische Außenpolitik scheint die Perspektive zu vertreten, dass internationale Institutionen nationalen Interessen und dem nationalen Wohl dienen. Die indonesische Außenpolitik wird üblicherweise von zwei Neigungen bestimmt: einerseits vom Gespür für die Angreifbarkeit, die aus der innenpolitischen Schwäche und Zersplitterung herrührt, andererseits von einem Geltungsbedürfnis in der Region, das aus der Erinnerung an den militärischen Kampf um die Unabhängigkeit, aus den geografischen Dimensionen, der großen Bevölkerung, der geostrategischen Position und dem Reichtum an Bodenschätzen erwächst.[13] Indonesien verfügt nicht nur über große Landmassen, sondern auch über ein ausgedehntes Seegebiet, was es sowohl zum größten Festlands- als auch Inselstaat in Südostasien macht. Seit Ende 2003 unterstützt Indonesien aktiv neue politische Wege im ASEAN-Rahmen und darüber hinaus, sowohl durch Förderung regionaler Integration als auch durch den Ausbau der "strategischen Partnerschaft" mit Indien und China.

Indonesien erhebt einen natürlichen Anspruch auf die Führungsrolle in der ASEAN, und die anderen Mitgliedstaaten (Brunei, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam) akzeptieren es als primus inter pares. Dass die ASEAN ein "Eckpfeiler der indonesischen Außenpolitik" sei, ist einer der wiederkehrenden Topoi in den Erklärungen des Außenministeriums.[14] In der Ära der "Neuen Ordnung" (Orde Baru) von 1967 bis 1998 hatte Indonesien die Position eines wohlwollenden Hegemons unter den ASEAN-Ländern inne und leistete damit einen Beitrag zur regionalen Stabilität und Sicherheit. Doch dieses Image ist seit 1997 deutlich verblasst, was mit der damaligen Finanzkrise und dem Ende der "Neuen Ordnung" zu tun hat. Die Auswirkungen der asiatischen Finanzkrise und des Zusammenbruchs des Suharto-Regimes 1998 führten zu inneren Unruhen, die Indonesiens regionale Rolle erheblich einschränkten. Seither versucht Indonesien so gut es kann und aller innenpolitischen Schwächen zum Trotz, durch eine aktivere Außenpolitik wieder die Rolle des wohlwollenden Hegemons einzunehmen.

2011 hatte Indonesien den ASEAN-Vorsitz inne. Das übergreifende Thema des ASEAN-Gipfels in Jakarta war die aktive, gemeinschaftliche Teilhabe seiner Mitgliedsländer an der Weltstaatengemeinschaft. Indonesien konzentrierte sich daher darauf, die zentrale Position und die Glaubwürdigkeit des Staatenverbandes herauszustellen. Als einziges Land, das sowohl ASEAN- als auch G20-Mitglied ist, legt Indonesien Wert darauf, dass der Verband aus seinen passiven und geografischen begrenzten Narrativen herausfindet und sich eine stärker global orientierte Perspektive aneignet. Was die Sicherheitspolitik angeht, schlug Indonesien vor, dass es zu einem Knotenpunkt in einem Netzwerk zur Friedenssicherung in Südostasien werden solle, was im Rahmen seiner Anstrengungen zu sehen ist, eine engere Sicherheitsgemeinschaft (APSC, ASEAN Political-Security Community) zu schaffen.

Einerseits hat Indonesiens engagierter Vorsitz dem Staatenverband neue Zuversicht gegeben; andererseits sind sich die ASEAN-Mitglieder im Klaren darüber, dass das Jahr 2012 neue, große Herausforderungen bereithält, die das 2011 Erreichte wieder aushöhlen könnten. Das, was erreicht wurde, geht über die üblichen Rituale, immer neue Foren zu gründen und neue Erklärungen zu verfassen, deutlich hinaus: So bedeutete die Zustimmung des UN-Sicherheitsrats, dass der Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha im ASEAN-Rahmen gelöst werden sollte, einen massiven Glaubwürdigkeitsschub für den Verband. Indonesien betätigte sich aktiv beim Abbau der Spannungen zwischen beiden Ländern und schuf damit einen Präzedenzfall für seine künftige Vermittlertätigkeit in Konflikten. Darüber hinaus sind die ASEAN-Länder bestrebt, auf schnellstem Wege bis 2015 die ASEAN Community ins Leben zu rufen. Das Erreichte gibt dem Verband eine gute Basis und die realistische Chance, sich in der stetig wandelnden Region als unverzichtbare Kraft zu etablieren.

Fußnoten

13.
Vgl. Michael Leifer, Indonesia's Foreign Policy, London 1983, S. 173.
14.
Vgl. ebd.; Dewi Fortuna Anwar, Indonesia in ASEAN: Foreign Policy and Regionalism, Singapore 1994.

Dossier Innerstaatliche Konflikte

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