Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Shafiah F. Muhibat

Indonesien - eine aufsteigende Regionalmacht?

Ostasiengipfel EAS

Seit die USA und Russland 2011 erstmals am Ostasiengipfel (EAS) teilgenommen haben, ist dem ASEAN-Verbund auch jenseits des südostasiatischen Raumes, wo die Organisation multilaterale Rahmenwerke und Prozesse vorantreibt und unterstützt, enorme Bedeutung zugewachsen. Durch den EAS-Prozess versucht die ASEAN institutionelle Rahmenbedingungen des gemeinschaftlichen Handelns für Großmächte und kleinere Staaten zu schaffen. Das geht einher mit dem Engagement in anderen Konferenzen und Foren wie ASEAN Plus Drei (APT), dem ASEAN-Regionalforum (ARF) oder dem ASEAN-Verteidigungsministertreffen Plus (ADMM-Plus). Der Ostasiengipfel ist dabei eigens als Mechanismus zur Erleichterung der Kooperationsbeziehungen zwischen den Großmächten gedacht.

Erst 2005 ins Leben gerufen, ist der EAS ist ein relativ junges Forum. Darin liegt sowohl seine Stärke als auch seine Schwäche: Einerseits erfasst er präzise die Staaten, die wesentlichen Einfluss im asiatisch-pazifischen Raum haben, andererseits ist seine Struktur nicht voll ausdefiniert. Der EAS konkurriert mit anderen Institutionen in Asien, die teils auf Sicherheits-, teils auf Handelsbeziehungen basieren. Einige dieser Strukturen werden als von dem einen oder anderen Staat dominiert wahrgenommen: So beherrscht und lenkt China beispielsweise die Agenda der ASEAN plus Drei, der außer den ASEAN-Ländern und China noch Japan und Südkorea angehören. Als treibende Kraft hinter der Transpazifischen Partnerschaft wiederum werden die USA angesehen. Nach weitläufiger Ansicht ist der EAS unter den regionalen Foren am deutlichsten auf Gleichgewicht ausgerichtet, da er auf der ASEAN fußt und mit China, Indien und den USA alle Großmächte der Region umfasst. Auf weite Sicht könnte sich der Ostasiengipfel somit als taugliches Instrument erweisen, die Ambitionen der Großmächte unter einen Hut zu bringen, Vertrauen und Transparenz in Schlüsselbereichen wie Sicherheit, Politik, Finanzwesen und Handel zu schaffen und alle Seiten auf ein gemeinsames Regelwerk zu verpflichten.

Als ASEAN-Vorsitz war Indonesien Koordinator und Gastgeber des sechsten EAS, der im November 2011 auf Bali stattfand. Der Gipfel erwies sich dabei erneut als geeignetes Forum für ein breites Spektrum an strategischen, politischen und wirtschaftlichen Fragen, um "gemeinsame Sicherheit, gemeinsamen Wohlstand und gemeinsame Stabilität" voranzubringen. Zugleich markiert der jüngste EAS auch den Eintritt der USA und Russlands in dieses Forum. Im Kontext einer Weltgemeinschaft, die infolge der Weltfinanzkrise seit 2008 um die Entwicklung einer neuen globalen Ordnung bemüht ist, positioniert sich der EAS somit mittendrin in der sich abzeichnenden, zunehmend verschachtelten regionalen und globalen Architektur. Mit seinem vielgestaltigen Ansatz vergewissert sich Indonesien, dass die ASEAN die treibende Kraft in dieser sich entwickelnden regionalen Struktur bleibt. Indem es Russland und den USA Zutritt zum Ostasiengipfel einräumte, steckte es den Rahmen für die Agenda des Ostasiengipfels ab. Die Einbeziehung der beiden Großmächte wird das Profil des EAS schärfen und signalisiert das Erwachen des asiatischen Kontinents als ein Weltwirtschaftszentrum. Indonesien geht davon aus, dass die zentrale Rolle der ASEAN ein entscheidender Faktor ist, um die Machtbalance zwischen den USA, China, Indien und Russland innerhalb des Ostasiengipfels halten zu können. Es ist Indonesien daher auch wichtig, dass die Stellung der ASEAN nicht erodiert, wenn die Transformation des EAS in eine angedachte "Ostasiatische Gemeinschaft" schließlich beginnt.


Dossier Innerstaatliche Konflikte

Aceh

Der Friedensprozess in der indonesischen Provinz Aceh ist eine Erfolgsgeschichte. Seit 2005 gab es keine gewalttätigen Auseinandersetzungen mehr zwischen der heute als Aceh-Partei mitregierenden Befreiungsbewegung und der indonesischen Zentralregierung. Bedenklich ist allerdings die Einführung islamisch-fundamentalistischer Gesetze und Vorschriften.

Mehr lesen