Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Shafiah F. Muhibat

Indonesien - eine aufsteigende Regionalmacht?

Ausblick: Vor Indonesien liegt ein langer Weg

Heute versucht Indonesien diplomatisch an Einfluss zu gewinnen, indem es sich als Regionalmacht mit globaler Bedeutung in Szene setzt. Das zeigt sich zum Beispiel am Bestreben, zum BRICS-Club dazuzugehören, an der Teilnahme an UN-Friedensmissionen sowie am Versuch, Demokratie und Menschenrechte zur Grundlage der Außenpolitik zu machen. Doch die ehrgeizigen Zielsetzungen des Landes lassen sich am besten anhand der Art und Weise verdeutlichen, wie Indonesien von seiner G20-Mitgliedschaft profitiert.

Weit mehr, als gemeinhin eingestanden, haben die internationalen Ambitionen Indonesiens eine wacklige innenpolitische Grundlage. Um auf globaler Ebene etwas bewirken zu können, gilt es für Indonesien, seine Institutionen im eigenen Land zu stärken und in seiner unmittelbaren Nachbarschaft - also in Südostasien - Führungskompetenz zu beweisen. Keine dieser beiden Voraussetzungen ist zufriedenstellend erfüllt. Es stimmt zwar, dass Indonesien in puncto Demokratie, Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung grundsätzlich den richtigen Weg eingeschlagen hat, aber noch mangelt es an innenpolitischer Durchsetzungskraft, um diese fundamentalen Werte effektiv und dauerhaft zu verankern.

Auf wirtschaftlichem Gebiet hat Indonesien viele Möglichkeiten, entscheidenden Einfluss auszuüben. Doch was wirtschaftliche Dynamik und den Stellenwert der Sicherheit angeht, hinkt Indonesien deutlich hinter China und Indien hinterher. Trotz beachtlicher Fortschritte der Demokratie und solider Haushaltsführung ist der Wohlstand längst nicht für alle abgesichert. Bei Entwicklungs-Indikatoren wie Lebenserwartung und Gesundheitsversorgung bleibt Indonesien unter dem Standard einer Mittelmacht. Trotz seiner Stellung als stärkste Wirtschaftsmacht in der ASEAN ist Indonesien auch im Handel bislang nicht führend. Es hat sich noch etlicher mikroökonomischer Herausforderungen zu stellen, ehe es zum Dreh- und Angelpunkt für ausländische Direktinvestoren wird, die Brückenköpfe auf den südostasiatischen Markt suchen - ein Markt, der zehn Länder, 620 Millionen Menschen und eine Bruttoproduktion von insgesamt 1,8 Billionen US-Dollar umfasst. Noch gilt Indonesien nicht als krisenfest, und das läuft den Bemühungen des Landes zuwider, Tourismus und Investitionen anzukurbeln.

Nur wenn Indonesien seiner Führungsrolle innerhalb Südostasiens gewachsen ist, wird es auch weltweiten Einfluss ausüben können. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Bedeutung der G20 bleibt offen, was Indonesien daraus macht. Einerseits hat es die Weltfinanzkrise relativ gut überstanden, andererseits ist das eher der Tatsache zu verdanken, dass Indonesien noch immer schlecht in die Weltwirtschaft integriert ist. Das liegt nicht nur an der unzulänglichen Infrastruktur, sondern auch daran, dass das Geschäftsklima für ausländische Investitionen wenig einladend und das Justizwesen von Korruption durchsetzt ist. Mit vergleichsweise geringem Aufwand an integrierten Reformen würde das jährliche Wachstum von derzeit viereinhalb bis fünfeinhalb Prozent stark ansteigen und sich den Raten von Indien oder China nähern können.

Mangelhafte Regierungsführung im Land selbst hat Folgen für das Streben nach Ausübung von soft power im Ausland: Sollte Indonesien zuhause versagen, stünde nicht mehr sein Wunsch, globale Probleme zu lösen, im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit, sondern sein Potenzial, diese selbst zu erzeugen. Eine starke politische Führung innerhalb Indonesiens und im Umfeld der ASEAN sind notwendige Voraussetzungen, damit das Land seine weitgesteckten Ziele realisieren kann. Zwar findet Indonesien innerhalb und jenseits Südostasiens Anerkennung, aber solange es innenpolitisch keinen Fortschritt gibt, werden die Schwachstellen des Landes seinem Durchbruch als tatsächliche Regionalmacht weiter entgegenstehen.


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