Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Evamaria Müller

Just Fashion? NS-Symbole in der indonesischen Jugendkultur

Fazit

Die Ausführungen zeigen, dass das Interesse an NS-Symbolik und -Thematik in Indonesien nicht zwangsläufig auf ideologische Übereinstimmungen oder religiöse Fundamentalismen hinweist. Vielmehr findet eine selektive Aneignung und Uminterpretierung entsprechend der eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse statt. Diese Vorgehensweise lässt sich auf die Besonderheiten der indonesischen Geschichte zurückführen, wobei die Suharto-Zeit eine prägende Funktion einnimmt. Aber auch "traditionelle" Geschichtsvorstellungen beeinflussen die Auffassungen der Jugendlichen, wenn auch implizit. Synkretismus und Akkulturation sind schon immer ein wesentliches Charakteristikum der indonesischen Geschichts- und Vergangenheitskonzeptionen gewesen. Es wird deutlich, dass der Umgang mit Geschichte in Indonesien einer eigenen Logik folgt.

Das adaptive Vorgehen stellt eine gängige und durchaus legitime Strategie im Umgang mit Geschichte dar - heikel wird es aber, wenn etwa bei der Veröffentlichung von Büchern aufgrund einer konsumorientierten Vermarktung, die mit geringer wissenschaftlicher Qualität und zweifelhaften Titeln einhergeht, die Vermittlung der korrekten historischen Fakten zu kurz kommt und auf diese Weise falsche Bilder entstehen. Die vermehrte Publikation von Büchern zur NS-Thematik in Indonesien entspricht einer allgemeinen Tendenz, die seit dem Ende der "Neuen Ordnung" gewonnene Pressefreiheit auszuleben, indem auch brisante Themen verstärkt einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dies ist jedoch insofern problematisch, als die Möglichkeiten, sich fundiert über deutsche Geschichte zu informieren, in Indonesien insgesamt sehr schlecht sind. Und für die Verleger ist das NS-Thema nicht aus aufklärerischen, sondern allein aus kommerziellen Motiven interessant. Auch wenn es vielleicht von den Verlagen nicht intendiert wird, entstehen somit Freiräume, die als Nährboden für kontrafaktische Auffassungen (wie das Leugnen des Holocausts) und neonazistisches Gedankengut dienen können. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund, dass in den Schulen kein reflektierter Umgang mit Geschichte vermittelt wird, äußerst kritisch zu sehen. Handlungsbedarf besteht hier aber nicht nur bei den indonesischen Verlegern, sondern auch bei deutschen Institutionen, die in Indonesien tätig sind. Es ist wichtig, Initiative zu zeigen und qualitativ hochwertige, wissenschaftlich fundierte Materialien zur deutschen Geschichte auf indonesisch zur Verfügung zu stellen und somit einen Beitrag dazu zu leisten, Fehlinterpretationen durch eine gute Wissensgrundlage auszuschließen.


Dossier Innerstaatliche Konflikte

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