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ILLUSTRATION - Ein Schattenriss ist am Donnerstag (26.04.2012) in Düsseldorf beim Start des so genannten Wahl-O-Mat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auf einer Projektion mit der Startseite des Programmes zu sehen. Am Donnerstag (26.04.2012) wird in Nordrhein-Westfalen der Wal-O-Mat Online gestellt. Foto: Federico Gambarini dpa/lnw
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Schlagworte
Automat , Wahl-O-Mat , Wahlen , Programm , Monitor , Computer , Schriftzug , Bildschirm , Landtag , Landtagswahl , Politik
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Überschrift 
Wahl-O-Mat wird freig...  
Personen
 
Kontinent
-
Land
Deutschland  
Provinz
Nordrhein-Westfalen
Ort
Düsseldorf
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Rechtliche Daten
Bildrechte
 Verwendung weltweit
Besondere Hinweise
-
Rechtevermerk
picture alliance / dpa
Notiz zur Verwendung
(c) dpa
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6.2.2012 | Von:
Jan-Hinrik Schmidt

Das demokratische Netz?

Von der Datenautobahn zum Social Web

Als sich das Internet in den frühen 1990er Jahren aus den akademischen und militärischen Kreisen hinaus gesellschaftlich verbreitete, standen seine Auswirkungen auf die Verbreitung von Informationen im Vordergrund. Die Metapher der "Datenautobahn" und noch stärker die englische Bezeichnung information superhighway drückten leitbildhaft aus, dass eine zentrale Infrastruktur der Informationsgesellschaft gestaltet werden wollte. Gleichzeitig waren die digitalen Medien aber auch schon früh mit Hoffnungen auf den Abbau von Informationsungleichheiten und eine Belebung demokratischer Diskurse verbunden. So hatten technikaffine Nutzergruppen aus der Friedens- oder Umweltbewegung bereits in den 1980er Jahren Computer-Mailboxen genutzt, um sich zu vernetzen.[5] In den USA waren Werte und Leitbilder der Hippie- und Gegenkultur mit den neuen Medientechnologien zu einem "Techno-Utopianism" verschmolzen, in dessen Umfeld unter anderem auch die zitierte "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace" entstand.[6] Jeder könne, so die Vorstellung, zum Sender werden, Informationen und Meinungen mit anderen teilen und sich mit Gleichgesinnten vernetzen, sodass auch bislang marginalisierte Stimmen Gehör finden könnten.[7]

Im ökonomischen Boom der späten 1990er Jahre und dem darauf folgenden Zusammenbruch der new economy traten diese demokratisch-utopischen Ideale zwar etwas in den Hintergrund, um allerdings nur wenige Jahre später umso stärker wieder artikuliert zu werden. Im Begriff des "Web 2.0" bündelte sich die Vorstellung, das Internet habe eine neue Phase seiner Entwicklung erreicht.[8] Technologische Innovationen und neue Plattformen wie Facebook und Google+, YouTube, Wikipedia oder Twitter versprechen nicht nur neue Geschäftsfelder und Erlösmodelle, sondern transportieren auch Vorstellungen von einem tiefgreifenden gesellschaftlich-kulturellen Wandel.[9] Das Internet der Gegenwart ist kein reines Abruf- und Transaktionsmedium mehr, sondern bietet die Infrastruktur für "soziale Medien", die Partizipation und Teilhabe erleichtern.[10] Es ist zum social web geworden.

Fußnoten

5.
Vgl. Gabriele Hoofacker, Aufstieg und Niedergang einer Non-Profit-Community 1987 - 1997 - 2007. Ein Beitrag zur Archäologie der Wissensgesellschaft, in: Johannes Raabe/Rudolf Stöber/Anna M. Theis-Berglmair/Kristina Wied (Hrsg.), Medien und Kommunikation in der Wissensgesellschaft, Konstanz, S. 282-293.
6.
Vgl. Fred Turner, From Counterculture to Cyberculture. Stewart Brand, the Whole Earth Network, and the Rise of Digital Utopianism, Chicago 2006.
7.
Beispielhaft für eine frühe "cyberoptimistische Position" stehen Roza Tsagarousianou/Damian Tambini/Cathy Bryan (eds.), Cyberdemocracy. Technology, cities and civic networks, London-New York 1998.
8.
Vgl. Tim O'Reilly, What is Web 2.0. Design patterns and business models for the next generation of software, 30.9.2005, online: www.oreilly.com/web2/archive/what-is-web-20.html (4.1.2012).
9.
Ausführlicher dargestellt bei Jan Schmidt, Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Folgen des Web 2.0, Konstanz 2009, S. 13ff.
10.
Vgl. Stefan Münker, Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0, Frankfurt/M. 2009.