Ein Pflaster mit Motiv klebt auf dem Oberarm eines Kindes

6.11.2020 | Von:
Anne-Sophie Friedel

Editorial

Lange konzentrierte sich die internationale Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich auf die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten und die Situation von Armen, insbesondere im Globalen Süden. Im Lichte zunehmender gegenseitiger Abhängigkeiten in einer globalisierten Welt und eines gewachsenen Verständnisses von Gesundheit als einem Zustand, den viele ineinander greifende soziale, politische, wirtschaftliche und ökologische Faktoren beeinflussen, ist sie über ihren ursprünglichen Fokus hinausgewachsen. Der Anspruch lautet heute, "Gesundheit für alle" zu ermöglichen – so die Priorität der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Der gestiegene Stellenwert globaler Gesundheitspolitik spiegelt sich nicht nur in erheblich gestiegenen Budgets seit den 1990er Jahren wider, sondern auch in einer stark diversifizierten Akteurslandschaft. Multilaterale Akteure wie die Weltbank haben ihre Aktivitäten auf dem Politikfeld ausgeweitet, und neue nicht staatliche Akteure mit zum Teil engen Beziehungen zur Pharmaindustrie wie die Bill und Melinda Gates Stiftung oder die Impfallianz Gavi haben sich etabliert. Die chronisch unterfinanzierte WHO, der als Koordinierungsinstanz der Vereinten Nationen eine umso wichtigere Funktion zukommt, befindet sich mit Blick auf Gelder und Einfluss zunehmend in Abhängigkeits- und Konkurrenzverhältnissen.

Die Covid-19-Pandemie, bei deren Bekämpfung bisher nationale Alleingänge den Takt vorgegeben haben, hat die Fragmentierung der Strukturen und Interessen sowie die mangelnde Kohärenz in der globalen Gesundheitspolitik deutlicher denn je zutage treten lassen. Im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen, könnte sich für das Politikfeld jedoch auch als Reformkatalysator erweisen und die Auseinandersetzung mit unbequemen Grundsatzfragen forcieren – darunter nicht zuletzt jene nach dem globalen Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten.

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