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"Abgestempelt" - Judenfeindliche Postkarten | Presse | bpb.de

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"Abgestempelt" - Judenfeindliche Postkarten Erste Station der Wanderausstellung ist die Städtische Galerie Speyer ab 23. 10. 2004

/ 3 Minuten zu lesen

Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb zeigt ab 23. Oktober 2004 eine Wanderausstellung über antisemitische Postkarten in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Frankfurt am Main und dem Museum für Post Kommunikation Frankfurt am Main.

Ab dem 23.10.2004 wird in Speyer erstmalig "Abgestempelt – Judenfeindliche Postkarten", eine Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Frankfurt am Main und dem Museum für Post Kommunikation Frankfurt am Main präsentiert.

Stereotypen sind ein notwendiges Element der Kommunikationskultur, komplizierte Zusammenhänge werden vereinfacht und leichter verständlich. Aber wann wird ein Stereotyp zum Vorurteil? Wo zieht man die Grenze?

Stereotype Darstellungen von Menschen sind seit jeher als vereinfachende oder überspitze Kommentare Methoden zur Verbreitung von Meinungen und sozialer Identitäten. Am Beispiel der Postkarte als dem ersten modernen Massenmedium und antisemitischer Postkarten von 1890 bis 1933 aus der Sammlung Haney wird in der Ausstellung "Abgestempelt" die machtvolle Wirkung von Karikatur und Stereotyp dargestellt und untersucht. Die Ausstellung wurde 1999 vom Jüdischen Museum Frankfurt am Main und dem Museum für Kommunikation Frankfurt am Main als Wechselausstellung erarbeitet und wird jetzt in einer komprimierten Fassung von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb auf Wanderung geschickt.

Die erste Station ist Speyer:

Städtische Galerie Speyer
Kulturhof Flachsgasse
Flachsgasse 3 (Eingang über Maximilianstraße 13)
67346 Speyer

23.10.–13.11.2004
Öffnungszeiten: Di–So, 11:00–18:00
Tel.: +49 (0) 623 214 23 99

Die Entwicklung der Karikatur lässt sich weit zurück verfolgen, von den graffitiartigen Skizzen römischer Soldaten bis hin zu den Spottbildern aus der Zeit der Reformation und des Bauernkrieges. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts verfertigten die Brüder Agostino und Annibale Carraci in Bologna ihre als "rittratini carichi", als übertriebene Bildnisse bekannten Portraits, die bewusst gegen das herrschende Schönheitsideal verstießen und als gestaltete Moral und satirische Kunstwerke verstanden wurden. Diese Darstellungen nannte man "Caricatura", abgeleitet vom Verb "cariace", was soviel wie überladen, übertrieben bedeutet.

Den künstlerischen und vor allem publizistischen Durchbruch erreichte die Karikatur im 19. Jahrhundert durch neue Methoden der Massenproduktion. Satirische Zeitschriften wurden zeitgenössische Plattformen des kritischen Geistes ebenso wie des freiheitlich-sozialen Engagements. In Deutschland, dem Land des "Simplicius" oder Karl Krausens "Fackel", entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts zugleich auch das Gegenteil, antisemitische Karikaturen mit der einzigen Absicht zu verunglimpfen, zu diffamieren und auszugrenzen, beliebt und massenhaft verbreitet unter anderem in Form von Postkarten. In der Blütezeit der Postkarte im Kaiserreich wurden allein in Deutschland bis zu drei Millionen Exemplare täglich verschickt. Gerade die vordergründige Harmlosigkeit vieler Postkarten provoziert heute eine Fülle von Fragen: Wie populär war der Antisemitismus tatsächlich? Welche Wirkung entfalten Karikaturen? Wie werden solche Bilder konstruiert?

Über 1000 antisemitische Postkarten hat der Berliner Sammler Wolfgang Haney, selbst als "Mischling 1. Grades" nach 1933 verfolgt, in den vergangenen Jahren zusammengetragen. Präsentiert auf insgesamt 165 Quadratmeter Fläche bezeugt eine Auswahl von 300 Motiven beispielhaft die Wirkungsmacht stereotypischer Klischees. Die Ausstellung gliedert sich in folgende Kapitel:

Einleitung
Entwicklung der Bildpostkarte

Wovor haben Antisemiten Angst?
Antisemitismus in der Kaiserzeit, ca. 1880–1910

Worüber lachen Antisemiten?
Antisemitismus in der Kaiserzeit, ca. 1880–1910

Was wünschen sich Antisemiten?
Antisemitismus in der Kaiserzeit, ca. 1880–1910

Wenn aus Antisemitismus politische Hetze wird ...
Antisemitismus in der Weimarer Republik, 1919–33

Wenn der Antisemitismus an die Macht kommt ...
Antisemitismus in der NS-Zeit, 1933–1945

Der Schlussteil zeigt gegenwärtige Beispiele eines ebenso bewussten wie verantwortungsvollen Spiels mit Stereotypen und Klischees. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Vortragsreihe und ein pädagogisches Programm, das sich vor allem an Schulen richtet.

Zur Ausstellung ist im Umschau-Braus Verlag, Heidelberg, ein umfangreicher Katalog mit mehr als 500 Abbildungen zum Preis von EUR 29,80 erschienen (ISBN: 3-8295-7010-4).

Organisation und Pressekontakt

Thomas G.A. Mank im Auftrag der bpb
K & M Kultursysteme
Kemhofer Str. 16
10317 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 – 55 66 91 44
Fax: +49 (0) 30 – 55 49 10 25
E-Mail: E-Mail Link: abgestempelt@kultursysteme.de
Internet: Externer Link: www.kultursysteme.de

Pressekontakt/bpb

Bundeszentrale für politische Bildung
Swantje Schütz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Tel.: +49 228 99515-284
Fax: +49 228 99515-293
E-Mail: E-Mail Link: schuetz@bpb.de

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