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am 10.09.2019

Elitenprojekt Gleichstellung

Von Harald Martenstein
Der Autor und Journalist Harald Martenstein beschreibt den Feminismus als widersprüchlichDer Autor und Journalist Harald Martenstein beschreibt den Feminismus als widersprüchlich (© Promo)

Ich versuche es mit vier Thesen zur aktuellen Geschlechterpolitik. Erstens, Frauen werden in Deutschland nie wirklich und völlig gleichberechtigt sein. Niemals. Warum? Weil inzwischen eine gewaltige Bürokratie entstanden ist, deren Mitgliederinnen ihr Geld mit dem Aufspüren und Anprangern auch kleinster und auch vermeintlicher Benachteiligungen verdient. Es gibt tausende Gleichstellungsbeauftragte und mindestens 200 Genderprofessuren. Dass eine Bürokratie ihre Aufgabe für erledigt erklärt und sich damit selbst arbeitslos macht, kommt selten vor. Bürokratien wollen wachsen. Stellt 2000 Männerbeauftragte ein, deren Job es ist, Männerdiskriminierung aufzuspüren, und ihr werdet euch wundern, wie diskriminiert diese Geschöpfe in den Augen ihrer Anwälte sind. Falls aber jemand öffentlich erklärte, man habe doch bei der Gleichstellung das Meiste erreicht und könne mit den Anstrengungen allmählich nachlassen, dann würde ein Aufschrei erschallen, der bis Grönland zu hören ist.

Zweitens, der feministische Geschlechterdiskurs ist völlig widersprüchlich. Einerseits heißt es, Geschlecht sei nur eine soziale Konstruktion. Wir seien völlig gleich, biologische Unterschiede spielten kaum eine Rolle. Warum die Evolution, in der ansonsten alles seinen Sinn hat, sich die irre Mühe gemacht hat, zwei Geschlechter hervorzubringen, bleibt dabei ungeklärt. Gleichzeitig aber hören und lesen wir Medienkonsumenten ständig, dass Frauen in diesem oder jenem besser seien. Sie sind bessere Chefs, sie können besser kommunizieren, sind nicht so aggro, sie verhalten sich in Konflikten rationaler, et cetera, einiges davon stimmt auch. Einerseits sind wir also gleich, andererseits gibt es durchaus Unterschiede, vor allem solche, die sich aus feministischer Perspektive gut anhören. Um die Verwirrung komplett zu machen, soll es statt biologischer Geschlechter, die angeblich gar nicht existieren, etwa 50 bis 100 Gender geben, die allerdings keine soziale Konstruktion sind, sondern eine glasklare Tatsache.

Drittens: Frauen und Männer haben auch soziale Interessenlagen. Eine Kassiererin bei Aldi hat in sozialer Hinsicht mehr Gemeinsamkeiten mit ihrem männlichen Kollegen als mit einer Professorin. Eltern haben gemeinsame soziale Interessen, die anders sind als die von Singles. Alte und Junge haben verschiedene Bedürfnisse. Es ist falsch, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen (die es, wie gesagt, angeblich sowieso nicht gibt) zur gesellschaftlichen Hauptkampflinie zu erklären. Wir sollten zusammenstehen und uns nicht auseinanderdividieren lassen.

In den letzten Jahren hat die Gleichstellungspolitik einen großen Teil ihrer Energie in die Durchsetzung einer gendergerechten Sprache gesteckt. Sternchen und substantivierte Partizipien wie "Studierende" oder "Angelnde" haben eine Karriere gemacht, die in einer männerdominierten Gesellschaft nie möglich gewesen wäre. Sprache bestimmt das Denken, oder? Man fragt sich doch beim Wort "Sanitäter" sofort, wieso diese Menschen pauschal als "Täter" dargestellt werden, kein Wunder, dass sie wenig verdienen. Der "Erziehende" erzieht auch Mädchen, wieso "er"? Müsste es nicht besser "Pädagogische Fachkraft" heißen? So ungefähr funktioniert gerechte Sprache. Sprache ist ein Alltagswerkzeug, die Menschen tendieren deshalb dazu, sie zu vereinfachen, sie sagen sogar lieber "Perso" als "Personalausweis". Komplizierende, ideologisch begründete Sprachregeln sind immer Elitenprojekte und beim gemeinen Volk unbeliebt. Dass man in Köpenick bis anno 89 "Berlin, Hauptstadt der DDR" sagen sollte statt "Berlin", beruhte auf dem gleichen magischen Glauben an die Macht der Sprache. Die Gendersprache wird, laut Umfragen, auch von einer Mehrheit der Frauen kritisch gesehen.

Dass dieses Projekt gleichwohl mit großer Energie durchgezogen wird, beweist, viertens, dass sich die Geschlechterpolitik ein ganzes Stück von den realen Problemen des Lebens entfernt hat. Welche das sein könnten, fragt man am besten die Kassiererin bei Aldi, eine alleinerziehende Mutter oder eine Rentnerin, die im Park Flaschen sammelt.

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Kommentare anderer Nutzer

Dr. Saskia Sell | 10.09.2019 um 15:17 [Antworten]

Die Wiederbelebung des "Nebenwiderspruchs"

Martenstein argumentiert sich zurück zum "Nebenwiderspruch" der Frauenfrage. Ein alter Hut aus dem letzten Jahrhundert, als Argumentationslinie damals schon auf wackeligen Füßen, aber hey, wen wundert's.

Dabei vergisst er leider, um mal bei seinen Beispielen zu bleiben, dass sich z.B. um die Jobs der "Schleckerfrauen" sehr schnell keiner mehr geschert hat - es waren 25.000 Arbeitsplätze, die da weggefallen sind. Die meisten Frauen waren vollzeit berufstätig und standen danach vor dem Nichts. Dagegen werden allein für die Lausitzer Kohlejungs vor dem Ausstieg schon jetzt 17 Milliarden Euro vom Staat freigemacht. Aber klar, Geschlecht spielt natürlich überhaupt keine Rolle bei solchen Entscheidungen. Was sind schon 25.000 "Frauenjobs" gegen echte "Männerarbeit"?

Auch sonst ist sein Beitrag schwach argumentiert. Natürlich haben Eltern andere Interessen als Singles - aber auch hier sieht man tagtäglich die Unterschiede im Umgang. Jeder Vater wird dafür gefeiert, dass er sich mal für ein paar Wochen am Stück ums eigene Kind kümmert oder womöglich sogar dessen aktuelle Schuhgröße kennt, die Mütter hingegen? ¯_ツ_/¯ Stichwort Elternzeit, um nur ein Beispiel zu nennen. Und was das Alter betrifft: Altersarmut trifft in erster Linie alte Frauen, aber auch das hat natürlich nichts mit nichts zu tun. Ernsthaft: Wie blind für fehlende Geschlechtergerechtigkeit kann man sein?

Zum Rest: Dass Sprache wirkt, sollte man ihm als Journalist ja nun eigentlich nicht mehr erklären müssen.

Zum Nachlesen eine kleine Auswahl:
https://www.zeit.de/2019/32/kohleausstieg-lausitz-staatliche-investitionen-foerderung-regionen https://www.welt.de/wirtschaft/article162604400/Die-vergessenen-Frauen-des-Anton-Schlecker.html
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/studie-aus-schweden-geschlechtergerechte-sprache-wirkt/24906988.html
https://www.berliner-kurier.de/ratgeber/familie/schlag-ins-gesicht-jeder-frau-darum-regen-sich-alle-ueber-preis--spitzenvater-2019--auf-32207924

Chris Cheeseman | 11.09.2019 um 15:04 [Antworten]

schämt euch

Eigentlich ist dieses Geschwurbel von Text keinen Kommentar wert.
Was ich allerdings kommentieren möchte, ist dass ihr ausgerechnet diesen erwiesen misogynen und auch sonst menschenfeindlichen Macker altes Wort - passt zu diesem Herrn in die Diskussion bringt.
Das ist kein Beitrag, der zu einer ernsthaften Debatte anregt.

Marion Olthoff | 12.09.2019 um 11:33 [Antworten]

Martenstein

Ich wüsste nicht, was ausgerechnet Herrn Martenstein qualifiziert, zur Gleistellung der Geschlechter zu schreiben. Sein Text ist sinnentleert und ohne Substanz, ernsthafte Argumente sind nicht enthalten. Deshalb weigere ich mich auf diese selbstverliebten Sprechblasen einzugehen.
Bitte wählen Sie nächstes Mal Autoren mit Sachverstand.

Hannelore Müller | 13.09.2019 um 17:38 [Antworten]

Herr Martenstein

Natürlich ist „der Feminismus“ widersprüchlich, „den Feminismus“ gibt es nicht, jedoch viele verschiedene Debatten und Meinungen, von denen einige sehr fundiert und andere nicht sonderlich durchdacht sind. Nicht sonderlich durchdacht erscheint mir auch dieser Artikel, er statiert nichts Neues, bedient sich aber des Klischees der Aldi-Kassiererin die arme Frau, wofür muss sie nicht alles herhalten!. Wenn Herr Martensen sich ernsthaft darüber beschwert, dass die aktuellen Debatten widersprüchlich sind, muss ich mich doch sehr wundern, ob seine Weltsicht in anderer Hinsicht auch so homogenisierend-vereinfachend ist oder ob er - mit seinem Bildungshintergrund den vielleicht auch die Aldi-Kassiererin hat, wer weiß schon, wie viele Leute Arbeiten tun, die sie nur des Broterwerbs wegen ausüben - in der Lage ist, inhomogene Dinge differenziert zu sehen. Ich erwarte auch nicht von allen Journalisten, dass sie die gleiche Meinung vertreten, obwohl die „Gruppe der Journalisten und Journalistinnen“ vermutlich deutlich homogener ist als die „Gruppe der Frauen“.


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