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am 06.08.2019

Kirche Schritt für Schritt von unten verändern

Von Andrea Voß-Frick
Andrea Voß-Frick ist Psychologin und Mit-Initiatorin der Bewegung Maria 2.0.Andrea Voß-Frick ist Psychologin und Mit-Initiatorin der Bewegung Maria 2.0. (© privat)

Glaube und Religion sind in Verruf geraten: Im Namen Gottes wurden und werden Kriege geführt, ganze Volksgruppen werden ihrer Heimat und Lebensgrundlage beraubt, Menschen, die sich der Kirche anvertraut haben oder ihr anvertraut wurden, wurde und wird grauenvolles Unheil zugefügt. Religionen, deren Verfasstheit, Selbstbezug und Institutionalisierung solcherlei hervorbringt, braucht die Welt sicher nicht. Und doch bin ich zutiefst davon überzeugt, dass uns Menschen eine tiefe Sehnsucht und ein tiefes Wissen nach und um einen Grund innewohnt, auf dem wir sicher stehen und vertrauensvoll alle Wege gehen können. Ein Grund, der weit über uns selbst hinausweist.

Als Christ*innen hüten wir einen Schatz - eine Frohe Botschaft die kündet vom Ende der Ausgrenzung und Verurteilung. Sie kündet von Geschwisterlichkeit, von Barmherzigkeit, von Freiheit und von Liebe. Jesus von Nazareth hat den Glauben seiner Zeit auf den Kopf gestellt. Hat die Menschen aufgerufen, einander Segen zu sein, den Blick zu richten auf den Anderen, den der meiner Hilfe und meines Erbarmens bedarf. Wenn ich mich so umschaue in der Welt, denke ich: Diese Botschaft hat die Welt nötiger denn je. Einen solchen Glauben zu leben bringt Heilung in die Welt.

Aber um einen solchen Glauben zu leben braucht es auch Gemeinschaft, als Ort der Spiritualität, der Verbundenheit und Solidarität. Doch diese Gemeinschaft - die katholische Kirche - ist unglaubwürdig geworden. Sie hat Dunkelräume der Macht geschaffen, in denen Amtsinhaber spirituelle und sexualisierte Gewalt unentdeckt ausüben konnten, in denen die Täter geschützt, ihre Taten vertuscht wurden und die Institution Kirche über die Menschen gestellt wurde. Diese Kirche diskriminiert die Hälfte der Menschheit - die Frauen - indem sie sie von der Gestaltungs- und Entscheidungsmacht fernhält. Sie bestraft Menschen für ihr Anders-Sein, für gescheiterte Lebensentwürfe, für's 'falsche' Lieben. Sie schließt aus, anstatt sich zuzuwenden. Sie hat sich von der Frohen Botschaft des Mannes aus Nazareth meilenweit entfernt.

Immer mehr Katholik*innen, so scheint mir, halten diesen Zwiespalt nicht mehr aus. Viele von uns stellen sich täglich die Frage, ob sie bleiben oder gehen sollen. Für das Gehen gibt es gute Argumente: das eigene Gewissen etwa oder die Hoffnung, dass etwas Neues wachsen kann, wo das Alte sich als obsolet erwiesen hat. Auf der anderen Seite wird uns oft gesagt, dass Veränderungsbereitschaft und Veränderungsdruck nie so groß waren, wie sie es momentan sind. Das Kirchenvolk emanzipiert sich zum Glaubensvolk und auch immer mehr Amtsinhaber - vom Priester bis zum Kardinal, wie derzeit bei der Amazonas-Synode hörbar - sprechen sich offen für dringend notwendige Veränderungen in der Verfasstheit und den Strukturen der katholischen Kirche aus.

Und die unwahrscheinliche Hoffnung auf Veränderung ist es auch, wegen der ich mich immer zum Bleiben durchringe. Wir müssen uns frei machen von der Vorstellung, dass die großen Schritte aus der Kirchenhierarchie heraus gegangen werden - das ist am Ende ja auch nur eine Form des Klerikalismus. Wenn wir es ernst meinen mit der Botschaft Jesu, dann sind wir als Getaufte alle in seine Nachfolge gerufen und müssen diese Schritte selber gehen. Uns selbst die Räume schaffen, die unserer Spiritualität entsprechen, uns selbst einander annehmen und alle Möglichkeiten der (Mit-)Gestaltung bis an ihre Grenzen ausschöpfen, immer wieder vor den Kirchentüren unserer Sehnsucht nach einer erneuerten Kirche Ausdruck geben wie wir es in den Aktionswochen im Mai und Oktober dieses Jahres getan haben und so schließlich Kirche Schritt für Schritt von unten verändern. Wir warten nicht länger darauf, dass die Kirchenherren vorangehen. Wir gehen selbst voran und laden alle herzlich ein, mitzugehen.

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Kommentare anderer Nutzer

Eckhardt Fritsche | 24.10.2019 um 13:12 [Antworten]

Maria 2.0

Da kann ich nur sagen: Träumt schön weiter.

Ursula | 25.10.2019 um 08:27 [Antworten]

Götzinger

Kirche muss meines Erachtens als erstes raus aus der Schule - damit findet schon in sehr jungen Jahren eine starke Beeinflussung der Menschen statt. Der konfessionelle Religionsunterricht legt sich fest auf die christlichen Religionen, alle anderen gehen in den Ethikunterricht.
Einen gleichen Unterricht für alle, der Inhalte der verschiedenen Glaubensgemeinschaften/Religionen vermittelt nicht nur der großen Weltreligionen, auch kleine, alte Religionen, wie z.B. indianische Religionen, Yesidischer Glauben, die unterschiedlichen Abspaltungen in Islam und Christentum etc - die Vielfalt von Glauben erfahren, über Werte, Soziales, Entwicklung von Religionen, Abgrenzung zu Sekten etc. diskutiert, eine absolute Trennung von Wissensvermittlung benotbar und Gewissensbildung nicht benotbar! ist dabei unabdingbar.
Der konfessionelle Unterricht darf/soll durchaus in den Räumlichkeiten der Schule stattfinden, aber für alle Religionsgemeinschaften. Die jeweiligen "Lehrer" sollen an die Schulen kommen, damit ein Austausch stattfinden kann. Schüler sollen auch die Erlaubnis haben, im Unterricht einer anderen Glaubensgemeinschaft zu schnuppern. Die Vorbereitung von religiösen Festen im Lebenszyklus Taufe, Kommunion etc. im christlichen Glauben junger Menschen soll von allen Mitschülern begleitet werden können - auch von nicht konfessionell gebundenen Kindern/Jugendlichen.
Wenn wir die jungen Menschen mit dem Sinn und der Aufgabe von Religion erreichen, dann haben wir eine Chance, dass es nicht mehr um Abgrenzung geht, sondern um ein Miteinander, um ein Profitieren von den unterschiedlichen Anregungen, die von einzelnen Religionen ausgehen. Bis heute ist es so, dass schon durch die Taufe im Säuglingsalter eine Prägung in eine Richtung vorgegeben wird, die für den Einzelnen später schwer aufzulösen ist. Ich glaube, dass es Gott, wie auch immer er ist, lieber ist, dass ein Mensch sich bewusst für ihn entscheidet, als all die zwangsrekrutierten "Gläubigen", die kein Interesse an einem ihrem Glauben haben.

Heinrich Thonet | 28.10.2019 um 12:31 [Antworten]

Wieviel Religion braucht Deutschland

Liebe Christ*in Andrea!
Sie haben glaube ich das Thema siehe Betreff gründlich verfehlt.
Ihre einseitige, katholophobe Botschaft ist erschütternd traurig, weil Sie sich damit als ideologisierte, frustrierte und feministische Aufrührerin entpuppen und nicht versuchen die Schönheit des christlischen Glaubens an Jesus Christus darzustellen.
Ich wünsche Ihnen einen authentischen Glauben.


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