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kulturelle Bildung

28.8.2019

Aus der Praxis: QUA-LiS NRW, Demokratiebildung als Aufgabe der Schule – Fortbildungskonzepte und Einblicke in die Praxis einer Kinderrechteschule.

Dirk Hänschen, QUA-LiS NRW, Anne Sprakel und Monika Wiesmann, Grundschule St. Josef Greven

Im Tagungsbeitrag von QUA-LiS NRW erläuterte Dirk Hänschen die Ziele der Demokratiepädagogik, die am Praxisbeispiel der Kinderrechte Grundschule St. Josef Greven exemplarisch vorgestellt wurden.

Dirk Hänschen, QUA-LiS NRW, erläuterte Ziele der Demokratiepädagogik.Dirk Hänschen, QUA-LiS NRW, erläuterte Ziele der Demokratiepädagogik. (© Ast/Juergens)

Ziele der Demokratiepädagogik

Am Nachmittag nahm Dirk Hänschen, der bei QUA-Lis NRW in der Demokratiepädagogik tätig ist, das Tagungsthema aus einer praxisnahen und didaktischen Perspektive in den Blick. Zu Beginn seines Impulsvortrags formulierte er die Frage: "Wie wird man Demokrat?".

Hänschen zufolge sei Ambiguitätstoleranz eine Kompetenz, die es zu erlernen und trainieren gelte und die deswegen bereits im schulischen Kontext nachhaltig vermittelt werden solle. Demokratie sei immer ein Prozess und kein Zustand. Mit Rekurs auf einen der Veteranen der Demokratiepädagogik, Wolfang Edelstein, bekräftigte Hänschen, dass die Grundaufgabe der Schule das Lernen sei. Das übergeordnete Ziel der Demokratiepädagogik sei es, partizipative Lern- und Erfahrungsräume zu eröffnen, weshalb sie in den folgenden Feldern agieren müsse:
  1. Unterricht: Demokratievermittlung durch projektorientiertes Lernen und Feedbackkultur
  2. Schulleben/Schulkultur: Etablierung einer demokratischen Streitkultur und Förderung partizipativer Haltungen
  3. Außerschulisches: Durch das sogenannte Nahraumprinzip müsse Demokratiepädagogik auch im außerschulischen Feld verfolgt werden und unterrichtliche Anbindung erfahren.
Entscheidend für alle drei Felder der Demokratiepädagogik sei Hänschen zufolge, dass Schü-ler/-innen sich von Lehrkräften und anderen Bezugspersonen ernst genommen fühlen müssen. Dazu gehöre es, Schüler/-innen die Bildung betreffenden Entscheidungen zu erklären und Mitspracherechte einzuräumen. Damit Demokratie nicht nur als Herrschafts-, sondern auch Lebens- und Gesellschaftsform erfahrbar werde, müsse mit und nicht über die Schü-ler/-innen gesprochen werden. Mit diesem Argument griff Hänschen einen Gedanken der Vorredner Loh und Versin auf.
Anne Sprakel und Monika Wiesmann, St. Josef Grundschule in Greven gaben Einblicke in ein Praxisbeispiel.Anne Sprakel und Monika Wiesmann, St. Josef Grundschule in Greven gaben Einblicke in ein Praxisbeispiel. (© Ast/Juergens)

Praxisbeispiel: Kinderrechte Grundschule St. Josef Greven

Im Anschluss an Hänschens Vortrag stellten Anne Sprakel und Monika Wiesmann, beide in der Leitung der St. Josef Grundschule in Greven tätig, ihr Konzept einer "freizügigen Grund-schule" vor. Unter der Idee "Auf dem Weg zur Kinderrechte Schule" wurden die Maßnahmen und Projekte der Ganztagsgrundschule als wegweisend für die Demokratiepädagogik ausgezeichnet.

von Niko Gäb Dazu gehöre den Referentinnen zufolge neben der Gestaltung eines neuen Schullogos, an dem Eltern, Lehrer/-innen und insbesondere die Schüler/-innen selbst beteiligt waren, auch die Projektwoche "Unsere bunte Welt", in der Schüler/-innen einen Film über Kinderrechte produziert haben. Darüber hinaus funktioniere der etablierte Klassenrat als Reflexionsinstrument, in dem die Schüler/-innen ihre Schulwoche durch Kritik und Anregung gemeinsam diskutieren.

Die Grundschule St. Josef sei bestrebt, Kinderrechte überall im Schulgebäude sichtbar zu machen, weshalb die Schüler/-innen auch eine sogenannte Friedenstreppe einweihten, die heute fest in den Schulalltag integriert sei. Für eine Grundschule einzigartig sei den Referentinnen zufolge das Schülerparlament, in dem demokratische Pro-zesse trainiert und mit der Lebenswirklichkeit der Schüler/-innen verknüpft werde: Ziel sei es, Demokratie als Gesellschaftsform zu vermitteln, die sich auf lebendige Partizipation gründe.


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