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Zeiten des Wandels

5.4.2002 | Von:

Große Koalition und Außerparlamentarische Opposition

Zerfall der Studentenbewegung

Die Auseinandersetzungen um die Notstandsgesetze und die Folgen ihrer Verabschiedung markierten den Höhepunkt der Außerparlamentarischen Opposition. Sie deuteten aber auch schon ihren Zerfall an: Das ohnehin spannungsvolle Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Studentenbewegung zerbrach, nachdem die Gewerkschaftsführungen Streiks gegen die Verabschiedung der Notstandsgesetze abgelehnt hatten.

Ehemalige Funktionäre der verbotenen KPD versuchten, den Zerfall der APO für den Wiederaufbau einer marxistisch-leninistischen Partei in der Bundesrepublik zu nutzen: Die offiziell auf dem Essener Parteitag im April 1969 gegründete Deutsche Kommunistische Partei (DKP) blieb in Landtags- und Bundestagswahlen bedeutungslos. Ihre Studentenorganisation dagegen, der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB), entfaltete an den Hochschulen eine rege Aktivität.

Die "antiautoritäre" Studentenbewegung spaltete sich in eine Vielzahl politisch unterschiedlicher Kleingruppen auf, deren radikalste sich zu terroristischen Kadern wandelten. Teilweise organisierte sich die "neue Linke" an den Hochschulen in maoistischen Gruppen, die sich untereinander heftig befehdeten, oder in antiautoritären und spontaneistischen "Basisgruppen", die bald wieder zerfielen. Vom langsamen Zerfall des SDS profitierten der SHB, der bald mit der Mutterpartei in Konflikte geriet, und die Jungsozialisten (Jusos), die den stärksten Mitgliederzuwachs in ihrer Geschichte erlebten.

Viele Aktivisten und Sympathisanten der APO aber machten sich auf den "langen Marsch durch die Institutionen", wie Rudi Dutschke den Versuch bezeichnet hatte, Gesellschaftsveränderung nicht in einem einzigen revolutionären Akt, sondern durch fortwährende Aufklärung der Bevölkerung und allmähliche Veränderung der Institutionen und Verbände von innen heraus zu bewirken. Vor allem auf dem linken Flügel der SPD, bei den Jungsozialisten, im SHB und in manchen Gewerkschaften gaben bald die ehemaligen "68er" den Ton an. Ideologische Elemente, Organisationsformen und Aktionsmethoden der APO lebten in den Bürgerinitiativen, in der Frauenbewegung und in den ökologischen und pazifistischen Gruppierungen der siebziger Jahre fort.