Familie und Familienpolitik
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Familie: Konzeption und Realität


20.3.2009
Familie als Kern menschlichen Zusammenlebens war im Lauf der Jahrhunderte gesellschaftlichem Wandel unterworfen. Inzwischen umfasst der moderne Familienbegriff viele Lebensformen: Gemeinsam ist ihnen, dass Kinder mit im Haushalt leben.

Eine Familie mit zwei Kindern läuft am Samstag, 14. Juni 2008 auf einem Feldweg in Gaiberg bei Heidelberg.Eine Familie mit zwei Kindern läuft auf einem Feldweg in Gaiberg bei Heidelberg. (© AP)

Einleitung



In den letzten Jahren sind Familie und Elternschaft in Deutschland zu einem Top-Thema der öffentlichen Diskussion geworden. Die Zunahme nichtehelicher Lebensformen und die niedrigen Geburtenzahlen haben daran einen gewichtigen Anteil. Es wird aber auch die Frage gestellt, ob Familien heute noch ihren Aufgaben gerecht werden können: nämlich die Kinder zu versorgen und zu erziehen oder sich innerhalb der Generationen gegenseitig, solidarisch im Lebensalltag zu unterstützen. Politik und Bevölkerung ist bewusst geworden, dass sich die Familie sowie ihre Bedeutung für die Lebensplanung der Menschen in den letzten Jahrzehnten nachhaltig verändert haben. Alle Bereiche unserer Gesellschaft sind davon betroffen, und daher muss angemessen darauf reagiert werden.

Im folgenden Kapitel werden zunächst Grundlagen und Ausgangsfragen geklärt, die für diese Diskussion wichtig sind: Was macht eine Familie aus, und in welchen Erscheinungsformen tritt sie heute auf? Wie haben sich die gesellschaftliche Bedeutung sowie die Formen der Familie und das alltägliche Familienleben in Europa über die Jahrhunderte hin verändert? Welche Aufgaben kommen der Familie noch zu, und welche Leistungen erbringt sie derzeit für die Menschen?

Familienbegriff und Familienformen



Unter einer Familie stellen sich die meisten Menschen nach wie vor die dauerhafte Lebensgemeinschaft einer Mutter und eines Vaters mit ihren Kindern vor. Dieses Modell hatten auch die Verfassungsväter und -mütter vor Augen, als sie im Grundgesetzartikel 6 Ehe und Familie unter den "besonderen Schutze der staatlichen Ordnung" stellten. Tatsächlich lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 in etwa drei Viertel aller Familien die minderjährigen Kinder bei ihren verheirateten und überwiegend auch leiblichen Eltern. Doch in immerhin knapp einem Fünftel wohnten die Kinder mit nur einem Elternteil zusammen. Auch verzichten Eltern immer öfter aufs Heiraten: Knapp 60 Prozent aller Geburten des Jahres 2007 in Ostdeutschland waren nichtehelich, in Westdeutschland betrug dieser Anteil etwa 24 Prozent. In 17,4 Prozent der Familien in Ostdeutschland und gut fünf Prozent der westdeutschen lebten 2007 die Eltern unverheiratet zusammen. In einer noch kleinen, aber zunehmenden Zahlgründen heute auch gleichgeschlechtliche Partnerinnen oder Partner eine Familie. Diesen Angaben entspricht, dass im Jahr 2005 etwa 53 Prozent der 35- bis 44-jährigen Frauen und Männer verheiratet mit Kindern zusammenlebten. Zwischen sechs und sieben Prozent in dieser Altersgruppe waren alleinerziehend.

Familienformen mit mindestenes einem Kind, das im elterlichen Haushalt aufwächstFamilienformen mit mindestens einem minderjährigen Kind, das im elterlichen Haushalt aufwächst
Die oben erwähnte "konventionelle" Vorstellung von einer Familie ist also immer noch in vielen Fällen zutreffend. Doch wird sie der Vielfalt an unterschiedlichen Familienkonstellationen in der heutigen Zeit nicht mehr vollständig gerecht. In unserer Gesellschaft steigt seit vier Jahrzehnten, seit dem "golden age of marriage" der 1950er und 1960er Jahre, als noch viele Ehen herkömmlichen Musters geschlossen wurden, der Anteil "nicht-konventioneller" familiärer Verhältnisse, die sehr komplex sein können.

Quellentext

Leben in der XXL-Familie

[...] 323 000 Familien mit durchschnittlich sechs bis sieben Mitgliedern zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen macht rund zwei Millionen Menschen, die ungerührt von Konjunkturtiefs und Geburtenschwund in Großfamilien leben. Zwei Millionen, das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Slowenien. So gesehen bilden die Kinderreichen hierzulande einen Großfamilien-Ministaat im schrumpfenden Kleinfamilienparadies.
[...] "Meine Hobbys sind meine Kinder und mit meiner Freundin zu quatschen", so stellt sich Anne K., die Mutter von acht Jungen und vier Mädchen, auf der Internet-Homepage für XXL-Familien vor. Der Gatte kocht bei Ikea, fährt gern Fahrrad und angelt. Von seinen rund 1500 Euro netto und dem Kindergeld, das noch mal ungefähr genauso viel ausmacht, zahlen sie die Miete für das Reihenhaus in Salzgitter, Strom, die Versicherung für zwei Autos, Handys, Computer, MP3-Player, Spielkonsolen.
Für Frühstück, Schulbrote und die Stullen am Abend gehen rund drei Kilo Brot pro Tag drauf, für eine Mahlzeit fünf Pfund Nudeln. 60 Liter Milch trinken die K.s pro Woche. Zu Ostern gibt es zwölf Schokokörbchen. [...]
Die K.s haben ihre Lage trotz bescheidener Mittel im Griff. Anoraks und Schneeanzüge wandern von den großen zu den jüngeren Geschwistern. Einmal im Jahr mietet die gebürtige Flensburgerin für ihre ganze Mannschaft ein Ferienhaus an der Küste: "Das Meer ist unsere Leidenschaft."
Entscheidend für das familiäre Wohlbefinden ist die Stimmung in dem Haus mit den grünen und orangefarbenen Schmetterlingen an der Wand. Ob Junge oder Mädchen: Wer reinkommt, holt sich bei Muttern erst mal eine Kuscheleinheit ab. "Na klar wird bei uns gestritten", sagt Aylysa, 13, "aber es ist toll, dass man immer jemanden zum Spielen und Reden hat." Dem eher stillen Angelo, 10, geht die Dauerbelagerung manchmal ganz schön auf den Geist. Zum Glück hat aber jeder, bis auf die beiden Kleinsten, ein Zimmer für sich allein. "Die Kids sind freundlich, hilfsbereit und sozial viel reifer als andere", sagt Silke Giese, bei der die jüngsten Abkömmlinge des Clans in den Kindergarten gehen, "und die Frau", sie verdreht bewundernd die Augen, "ist einfach unglaublich relaxed." [...]
Im Umgang mit Klischees und Vorurteilen sind Großfamilien einiges gewöhnt. Wer in Deutschland vier und mehr Kinder im Schlepptau hat, wird bestenfalls herablassend, oft auch verächtlich angeschaut, nach dem Motto, heute muss man doch nicht mehr schwanger werden. [...]
Es scheint leichter zu sein, sich für mehr Kinder zu entscheiden, wenn schon mal welche da sind. [...] Dummerweise jedoch muss die Frage, ob Männer und Frauen überhaupt Nachwuchs in die Welt setzen wollen, entschieden werden, bevor Paare erfahren haben, dass Kinder aufzuziehen wesentlich mehr Spaß macht, als keine zu bekommen - ein Umstand, der auf die Bevölkerungstatistik ebenso drückt wie auf die Sinnstiftung jedes Einzelnen. [...]

Bettina Musall, "Ein Haus voller Kinder", in: SPIEGEL special, Nr. 4 vom 7. August 2007, S. 22ff.


Kernfamilie

Um diesem Wandel gerecht zu werden, passte das Statistische Bundesamt im Jahr 2005 seinen Familienbegriff den veränderten Verhältnissen an. Als Familien werden im neuen Lebensformenkonzept des Mikrozensus so genannte Eltern-Kind-Gemeinschaften erfasst: Damit sind Ehepaare, nichteheliche und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften oder alleinerziehende Mütter und Väter gemeint, die mit ledigen Kindern in einem Haushalt zusammenleben. Die Kinder können leibliche Kinder, Stief-, Pflege- oder Adoptivkinder von beiden oder von einem der beiden Elternteile sein. Dieses Familienkonzept entspricht dem Modell der Kernfamilie. Gehören einem Haushalt nicht beide Eltern an, wird von einer Ein-Eltern-Familie gesprochen. Sie kann sich ergeben haben, weil das Kind von Anfang an bei einem partnerlosen Elternteil lebte oder weil sich die Eltern nach einiger Zeit trennten und unter Umständen erst später eine neue Beziehung eingegangen sind.

Verfahren der künstlichen Befruchtung und die Verfügbarkeit von Samenbanken erweitern die Möglichkeiten, eine Elternschaft einzugehen. Sie helfen nicht nur unfruchtbaren Ehepaaren, sich den Kinderwunsch zu erfüllen, sondern ermöglichen Familienkonstellationen, die es zuvor nicht gegeben hatte. Allerdings verlangen die Bemühungen der so genannten Reproduktionsmedizin, eine Schwangerschaft auf andere als auf natürliche Weise herbeizuführen, den Beteiligten wegen relativ geringer Erfolgsquoten bislang noch viel Geld und Geduld ab und können auch eine hohe psychische Belastung für sie bedeuten.

Die Kernfamilie ist eine Zwei-Generationen-Familie, die nur aus der Eltern- und der Kindergeneration besteht. Werden die (Ur-)Großeltern als weitere Mitglieder der Familie einbezogen, handelt es sich um eine so genannte Drei- oder Vier-Generationen-Familie. Darüber hinaus gehende Verwandtschaftsgrade werden in der Regel nicht für den Familienbegriff berücksichtigt, es sei denn, er wird noch als Synonym für die Sippe oder das Geschlecht benutzt. Man spricht dann auch von der Verwandtschaftsfamilie.

Generationenübergreifende Solidargemeinschaft

Die Personen, die als Familie - ob zu zwei oder mehr Generationen - in einem Haushalt zusammenleben, bilden auch eine Haushaltsfamilie. Dieses Familienverständnis wird heute als zu eng angesehen. Schließlich müssen Lebenspartner mit gemeinsamen Kindern, wie schon erwähnt, nicht unbedingt einen gemeinsamen Haushalt führen. Auch die Großeltern wohnen sehr oft nicht oder nicht durchgängig mit ihren Kindern und Kindeskindern zusammen und können dennoch zur Familie gezählt werden. Entscheidend ist, dass die Beteiligten sich als Teil einer generationenübergreifenden Solidargemeinschaft verstehen und diese auch praktisch leben, das heißt sich gegenseitig helfen und füreinander eintreten. Die Mitglieder einer Familie können nach diesem weitergefassten Familienverständnis auch in verschiedenen Haushalten leben. Familienforscher betrachten die "Multilokale Mehrgenerationenfamilie" daher auch als das Familienmodell der Zukunft.

Die besondere Verbundenheit und Solidarität zwischen den Familienmitgliedern hebt die Soziologin Rosemarie Nave-Herz in ihrer Familiendefinition hervor. Familie ist danach gekennzeichnet durch:

  • Übernahme der Reproduktions- und Sozialisationsfunktion (Vermehrung und Erziehung des Nachwuchses),
  • gesellschaftliche Aufgaben, die sich je nach Kultur unterscheiden (biologisch-soziale Doppelnatur),
  • Generationendifferenzierung (Vorhandensein
  • verschiedener Generationen: Urgroßeltern/Großeltern/Eltern/Kinder) und
  • ein spezifisches Kooperations- und Solidaritätsverhältnis zwischen ihren Mitgliedern, das diesen spezifische Rollen zuweist (gegenseitige Unterstützung und Verantwortungsbewusstsein).
Rechtliche und soziale Perspektive

Familie lässt sich demnach aus zwei Perspektiven betrachten: eine, die rechtliche Aspekte und gesellschaftliche Konventionen (Tradition und Übereinkünfte) in den Blick nimmt, sowie eine auf die sozialen, gelebten Interaktionsbeziehungen gerichtete Sicht.

Rechtlich wird die Familienmitgliedschaft durch Abstammungsregeln, gesetzlich verankerte Formen von Elternschaft (Adoption, Pflege, Stiefelternschaft) sowie gesellschaftliche Konventionen, Sitten und Normen bestimmt. Das Recht legt fest, wer wann eine Familie gründen kann, und regelt die Ansprüche und Pflichten zwischen Eltern und Kindern sowie das Verhältnis der Eltern untereinander. Dieses so genannte Solidaritätsgebot findet sich in Paragraph 1618a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Die soziale Perspektive hebt hervor, dass Mitglieder einer Familie in einer besonderen persönlichen Beziehung zueinander stehen. Die Familie ist ein geschützter Raum, in dem die Kinder von ihren Eltern aufgezogen, erzogen und mit gesellschaftlichen Verhaltensregeln vertraut gemacht werden. Umgekehrt gewinnen die Eltern durch ihre Kinder neue Erfahrungen und Sichtweisen. Kinder vermitteln ihnen Selbstbestätigung und Identität. Das Verhältnis der Familienmitglieder ist meist durch vertrauensvolle und solidarische Beziehungen geprägt. Eltern und Kinder sind einander in aller Regel nicht gleichgültig.

Dies gilt allerdings nicht nur im positiven, sondern - wenngleich wohl meist nur vorübergehend - auch im negativen Sinne. In Familien wird gestritten, und es werden persönliche Auseinandersetzungen ausgetragen. Dabei kann es auch zu psychischen Verletzungen und Gewalttätigkeiten kommen. Extreme Beispiele, die in die Öffentlichkeit gelangen, rufen immer wieder Bestürzung hervor. Da die Familie heutzutage als Ort der privaten Intimsphäre betrachtet wird und dem ungehinderten Zugang von außen entzogen bleibt, wird Gewalt in der Familie oft nicht entdeckt, und die Betroffenen können sich ihr nur schwer entziehen. Um die individuellen Rechte von Eltern und Kindern auf Achtung ihrer persönlichen Würde und körperlichen Unversehrtheit zu sichern, ist der Staat aber befugt, in innerfamiliäre Beziehungen einzugreifen. Körperliche und seelische Gewalt gegen Kinder ist verboten und gesellschaftlich verpönt. Wenn Eltern ihren Fürsorgepflichten für die Kinder nicht gerecht werden, kann ihnen zur Sicherung des Kindeswohls das Sorgerecht entzogen werden. Seit 1997 gibt es im Paragraph 177 Strafgesetzbuch den strafrechtlichen Tatbestand der Vergewaltigung in der Ehe, wodurch Ehefrauen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gesichert werden soll. Angesichts der gesetzlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten kann durchaus von einer zunehmenden Verrechtlichung der Familienbeziehungen gesprochen werden.

Ungeachtet dessen stellt die Familie nach wie vor eine besondere soziale Gruppe dar, deren Mitglieder bestimmte "soziale Positionen" einnehmen, die für das "Funktionieren" der Gruppe wichtig sind. Diese Positionen sind mit bestimmten Verhaltenserwartungen an ihre Inhaber verbunden; man spricht auch von sozialen Rollen. In der Familie werden etwa die Mutter-, Vater-, Kind-, Geschwister- oder Großelternrolle unterschieden. Die Elternrolle beispielsweise beinhaltet, dass Eltern für ihre Kinder sorgen und Verantwortung übernehmen und dass sie dafür eine Autoritätsposition den Kindern gegenüber einnehmen, die sie in unterschiedlicher Weise ausgestalten können. Im Gegenzug können sie erwarten, dass ihre Autorität seitens der Kinder anerkannt wird - was wiederum zu deren Rolle gehört.

Familienbeziehungen und die Mitgliedschaft in einer Familie sind nicht unveränderlich oder unauflöslich. Elternschaftsbeziehungen können rechtlich beendet werden - etwa mittels Adoption eines Kindes durch andere Personen, womit dieses von einer in eine andere Familie wechselt. Wesentlich häufiger aber verändern sich Familienmitgliedschaften und -strukturen dadurch, dass die Paarbeziehung der Eltern durch eine Trennung und Scheidung endet. Die Elternteile können danach eine neue Paarbeziehung beginnen bzw. eine neue Lebensgemeinschaft gründen. Je nach Verlauf des Trennungsprozesses bleiben die sozialen Beziehungen zwischen Elternteilen und dem Kind oder zwischen den Eltern erhalten oder werden aufgelöst, neue Konstellationen sozialer Elternschaft können entstehen ("Nachscheidungsfamilie"). Doch in der Regel bleibt die Beziehung eines Kindes zu seinen beiden nun getrennt lebenden Elternteilen bestehen. Das Kind gehört so gleichzeitig mehreren Familien an, was Scheidungskinder mitunter vor schwierige Lebenssituationen stellt.

Quellentext

Leben im Patchwork

[...] Familie M.: Vater Reinhold, 37, ein Lokführer, Mutter Anja, 35, Erzieherin im Mutterschutz. Sie leben mit Laureen aus einer früheren Beziehung der Frau zusammen und haben nun gemeinsam die kleine Sophie. Und dann gibt es noch Marvin, acht Jahre, der wie sein Vater ein begeisterter Fußballer ist und bei dessen ehemaliger Partnerin lebt. [...]
Eine Patchwork-Familie. Wie schön so ein "Flickenteppich" sein kann, belegt das Zusammenleben der M.s im Nordend in Frankfurt am Main allemal. [...]
Das Leben ist keine Autobahn. Abbiegen, Gas geben und durchstarten, so funktioniert Familie nicht. Anja M. kennt beide Perspektiven. Sie blieb mit Laureen allein, als ihre erste Partnerschaft scheiterte. Schleppte Wasserkästen, schleppte ihre Tochter, reparierte Lampen, erledigte kurzum alles, was mit einem Mann im Haus dann doch etwas leichter gewesen wäre.
Und nun lebt sie mit Reinhold M. zusammen, den sie vor knapp sechs Jahren ausgerechnet im Frankfurter "Ebbelwei-Express", der historischen Ausflugs-Straßenbahn, kennen lernte. Seit einem Jahr sind sie verheiratet. [...] Die Mutter betont, dass Liebe und Vertrauen die neue Gemeinschaft tragen. "Ohne das funktioniert gar nichts, ob Patchwork oder nicht."
Alltag. Sophie kräht in der Früh, Laureen gilt auch nicht gerade als Langschläferin. Und Katze Tipsi, mittlerweile 16 Jahre alt und durchaus zuwendungsbedürftig, kriecht ebenso aus irgendwelchen Federn. Frühstück, Laureen in die Schule bringen, Sophie betreuen. Mitunter springen die Großeltern ein oder Reinholds Schwestern. "Das klappt alles gut bei uns, weil wir uns glänzend organisieren," sagt Reinhold M. Meistens beginnen seine Lokführerschichten mitten in der Nacht. Nur Marvin ist ihm oft zu weit weg. [...]
Die M.s können es sich nicht vorstellen, ohne Kinder zu leben. Er: "Ohne diese Freude und dieses Lachen hätte alles wenig Sinn." Sie: "Zwar könnten wir uns weiteren Nachwuchs schlichtweg nicht leisten, aber die zwei oder mit Reinholds Sohn drei, die es gibt, kriegen alles von uns." [...]
Wenn Kinder aus früheren Beziehungen da sind, besteht auch immer die Gefahr von Eifersucht, räumen die M.s ein. Sie wollen sich jedoch dagegen stemmen, damit der familiäre Flickenteppich immer weiter zusammenwachsen kann. [...]

Petra Mies, "Ein schöner Flickenteppich", in: Frankfurter Rundschau vom 3. September 2007





 
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