Unternehmen und Produktion

7.3.2007 | Von:
Birgit Weber

Zwischen Regulierung und Deregulierung

Unternehmen, Ethik und Moral

Vielfach wird von den Unternehmen gefordert, dass sie ethisch handeln und ihre Ziele am Gemeinwohl orientieren sollen. Dabei ergibt sich zunächst das Dilemma, dass Ziele des Gemeinwohls im Gegensatz zu unternehmerischen Interessen stehen können. Zum anderen stellt sich in einer pluralistischen Gesellschaft das Problem, eine allgemeingültige Definition des Gemeinwohls zu finden.

Marktliberale gehen davon aus, dass eine entsprechende wettbewerbliche Rahmenordnung das eigennützige Verhalten des Unternehmens von vorneherein so kanalisiert, dass die Güterversorgung sich nach den Bedürfnissen der Verbraucher richtet, auf diese Weise die knappen Produktionsfaktoren angemessen gelenkt sowie Marktmacht und eigennütziges Verhalten zu Lasten Dritter beschränkt werden.

Ohne grundsätzliche ethische Orientierung kann allerdings kaum ein Gemeinwesen dauerhaft existieren. Die Vertragspartner müssen darauf vertrauen können, dass die Verträge verlässlich eingehalten werden (Reziprozität) und dass weder betrogen wird noch Schwächere ausgebeutet werden (Fair Play). Verstöße können dabei jedoch nicht allein im Rahmen der Rechtsordnung sanktioniert werden, auch eine gesellschaftliche Ächtung kann dafür sorgen, dass Rücksichtslosigkeit sich nicht auszahlt. So können Konsumenten Unanständigkeit durch den Entzug von Kaufkraft bestrafen oder das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens durch vermehrten Kauf seiner Produkte belohnen. Kapitaleigner und Kreditgeber können solche Kriterien bei der Bereitstellung ihres Kapitals berücksichtigen und auch auf Arbeitskräfte wirken sie möglicherweise motivationsfördernd. Dabei stellt sich allerdings das Problem, dass sie neben den Preisen und der Qualität von Produkten sowie den antizipierten Einkommen auch über die Produktionsbedingungen informiert sein müssten. Diese Informationen sind nicht immer leicht zu beschaffen.

Neben der Ausgestaltung der Wirtschaftsverfassung, die egoistisches Verhalten gemeinnützig kanalisieren soll, richtet sich der ethische Anspruch auch auf die Unternehmensverfassung selbst. Vor allem bei börsennotierten Unternehmen ist sie eine Gratwanderung zwischen der Ausrichtung auf den Shareholder- oder am Stakeholder-Value. Während die Orientierung am Shareholder-Value die Steigerung des Aktionärsvermögens zugunsten der Kapitaleigner in den Vordergrund stellt, erfordert die Orientierung am Stakeholder-Value einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen aller Gruppen, die in Beziehung zum Unternehmen stehen. Das sind neben den Eigentümern die Arbeitnehmer, die Kreditgeber, die Nachbarschaft, gesellschaftliche Gruppen, die Gemeinde und andere. Die Orientierung am Stakeholder-Value erscheint auf den ersten Blick gerechter. Doch die Shareholder gehen in einem solchen Fall davon aus, dass die Aufsichtsräte und Abschlussprüfer nicht unabhängig genug sind, die Entscheidungen der Unternehmensführung intransparent ist und die Aktionärsinteressen entsprechend nur unzulänglich berücksichtigt werden. Anders als die Arbeitskräfte oder auch die Kreditgeber, die ein vertraglich gesichertes Einkommen erhalten, ist das Einkommen der Kapitaleigner ungewiss. Deshalb soll durch den Deutschen Corporate Governance Kodex die Transparenz der Unternehmensführung erhöht werden, um das Vertrauen der Investoren und vor allem ihre Beteiligungsbereitschaft zu stärken. Zwar ist dieser Kodex nicht rechtsverbindlich, aber Vorstand und Aufsichtsrat börsennotierter Gesellschaften müssen gemäß Aktiengesetz Auskunft darüber geben, inwieweit sie die Empfehlungen des Kodex anwenden.

Quellentext

Unternehmen und der UN-Global-Compact

Um unternehmerische Aktivitäten transnationaler Konzerne in den armen Ländern der Welt zum Vorteil für die Menschen werden zu lassen, selbst wenn die Regierungen dieser Länder sich weder um Menschen- und Arbeitsrechte oder die Umwelt kümmern, haben die Vereinten Nationen Unternehmen aufgerufen, sich im "Global Compact" einzusetzen für Menschenrechte und Arbeitsrechte, für die Umwelt und gegen Korruption. Die Unternehmen verpflichten sich dabei zur Einhaltung folgender Prinzipien einer Corporate Social Responsibility:
  • Unternehmen unterstützen und respektieren den Schutz der internationalen Menschenrechte und beteiligen sich nicht an Menschenrechtsverletzungen.
  • Unternehmen unterstützen die Vereinigungsfreiheit und das Recht von Tarifverhandlungen sowie die Eliminierung aller Formen von Zwangs- und Pflichtarbeit, die Abschaffung der Kinderarbeit und der Diskriminierung.
  • Unternehmen unterstützen Vorsorgemaßnahmen zum ökologischen Wandel, initiieren Maßnahmen für eine größere ökologische Verantwortung und ermutigen die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien.
  • Sie bekämpfen alle Formen von Korruption, Bestechung und Erpressung.
Bis Ende 2005 engagierten sich weltweit mehr als 2300 Unternehmen in mehr als 90 Ländern in dieser UN-Initiative. Sie erklären sich bereit die Prinzipien zu berücksichtigen und jährliche Berichte über unterstützende Maßnahmen zu erstellen. Diese Berichte können unter http://www.unglobalcompact.org weltweit eingesehen werden. Kritiker wenden sich zwar gegen die Unverbindlichkeit dieser freiwilligen Initiativen. Doch leisten auch diese freiwilligen Leistungen der transnationalen Konzerne einen Beitrag für bessere Arbeits- und Umweltbedingungen sowie im Kampf gegen Krankheiten und bei der Katastrophenhilfe. Zwar hat die Business Leaders Initiative on Human Rights Instrumente für verbindliche Verhaltensregeln entwickelt: die Beteiligungsbereitschaft ist mit circa 100 transnationalen Unternehmen allerdings schon wesentlich kleiner (http://www.business-humanrights.org).

Birgit Weber



Dossier

Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarktpolitik ist in der Bundesrepublik Deutschland eines der wichtigsten Politikfelder überhaupt. Sie ist einerseits "wahlentscheidend" und greift andererseits tief in die individuellen Belange der Bürger ein. Das Dossier stellt die theoretischen Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik, die Ziele und die Akteure, die gesetzlichen Grundlagen und die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik vor.

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