Um das iranische Atomprogramm gibt es seit Jahrzehnten Konflikte. Seinen Ursprung hat es in den 1950er-Jahren – und entstand damals auch mit Hilfe der USA.
Nukleare Zusammenarbeit mit dem Westen (1957–1979)
Das iranische Atomprogramm entstand Ende der 1950er Jahre unter Mithilfe der USA. Der damals in Iran herrschende Schah Mohammed Reza Pahlavi verfolgte die Strategie, sein Land zur politischen und technologischen Großmacht im Nahen Osten zu machen. Die Vereinigten Staaten wiederum wollten – im Rahmen des Interner Link: Kalten Krieges – Schwellenländer durch technologische Zusammenarbeit an das westliche Bündnissystem binden. Unter US-Präsident Dwight D. Eisenhower wurde dafür das „Atoms for Peace“-Programm („Atome für den Frieden“) ins Leben gerufen.
Auf dieser Grundlage vereinbarten die USA und Iran im Jahr 1957 eine Kooperation zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Der Vertrag sah den Austausch von Informationen rund um den sicheren Bau und den Betrieb von Reaktoren sowie die Lieferung von Infrastruktur und Uran durch die USA vor. 1958 wird Iran Mitglied der Internationalen Atomenergiebehörde (International Atomic Energy Agency, IAEA/IAEO). Im Jahr 1967 lieferte die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson einen Reaktor zu Forschungs- und Bildungszwecken.
Im Jahr 1970 ratifizierte Iran den Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag (Interner Link: Atomwaffensperrvertrag). Damit verpflichtete sich das Land, auf eine militärische Nutzung der Kernenergie sowie den Bau oder Erwerb von Nuklearwaffen zu verzichten.
Ab 1975 sollten mit Hilfe deutscher Ingenieure des unter anderem zu Siemens gehörenden Unternehmens „Kraftwerk Union“ zwei Reaktoren zum Zweck der Energiegewinnung in Buschehr errichtet werden, die jedoch zunächst nicht fertig gestellt werden konnten.
Wichtige Begriffe rund um Uran und seine Anreicherung
Uran ist ein in der Natur vorkommendes chemisches Element. In der Regel wird Uran in Bergbauanlagen gefördert. In natürlichem Uran kommen hauptsächlich zwei Isotopen vor: Uran-235 und Uran-238. Die Zahl bezieht sich auf die unterschiedlich Zahl der Neutronen im Isotop. Generell macht Uran-238 mehr als 99 Prozent aller Vorkommen aus. Uran-235 kommt nur zu etwa 0,7 Prozent in natürlichen Erzen vor.
Für die Kernspaltung wird ein höherer Gehalt an Uran-235 benötigt, als dies in der Natur gegeben ist. Deswegen werden Uran-Bestände um das seltenere Isotop 235 angereichert, damit sie weiterverwendet werden können.
Diese Anreicherung geschieht in sogenannten Zentrifugen. Diese schnell rotierenden Zylinder haben in der Regel Durchmesser von einigen Zentimetern, können aber mehrere Meter hoch sein. Das leichtere Uran-235 wird darin von dem etwas schwereren Uran-238 durch Fliehkraft abgetrennt.
Für die zivile Nutzung zum Beispiel zur Energiegewinnung in einem Kernreaktor muss der Anteil von Uran-235 nur auf drei bis fünf Prozent angereichert werden. Weltweit werden vorrangig sogenannte Leichtwasserreaktoren eingesetzt, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Teurere und größere Schwerwasserreaktoren können mit nicht angereichertem Uran betrieben werden.
Für einen Forschungsreaktor wird eine niedrige Anreicherung bis zu 20 Prozent Uran-235 angestrebt. So wird zum Beispiel der Forschungsreaktor der Universität Mainz betrieben. Es gibt aber auch Forschungsreaktoren, die mit hochangereichertem (mehr als 20 Prozent) bis hin zu waffenfähigem Uran betrieben werden – wie bislang noch der Forschungsreaktor der Technischen Universität München in Garching.
Kernwaffenfähiges Uran ist dagegen weitaus aufwändiger in der Herstellung: Es muss auf mindestens 90 Prozent angereichert werden. Grundsätzlich hat jedes Land, das Uran für zivile Zwecke anreichert, auch die technologischen Möglichkeiten, kernwaffenfähiges Material herzustellen. Deswegen werden im Rahmen des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrages regelmäßig zivile Kernanlagen durch die IAEO dahingehend überprüft, ob sie nicht doch für die Herstellung von waffenfähigem Material verwendet werden.
Die Zusammenarbeit mit dem Westen sah Khomeini als schädliche Einflussnahme. Der Konflikt mit den USA gipfelte im November 1979 in der Interner Link: Stürmung der US-Botschaft in Teheran und der Geiselnahme von US-amerikanischen Staatsangehörigen.
Die USA stoppten daraufhin die Lieferung von hochangereichertem Uran für den Forschungsreaktor in Teheran. Auch die deutschen Ingenieure in Buschehr beendeten ihre Arbeit. Während des Interner Link: Ersten Golfkrieges zwischen Iran und Irak von 1980 bis 1988 lag das iranische Atomprogramm weitgehend brach.
Neue Kooperation mit Russland (1989–2001)
Im Jahr 1989 folgte Ali Khamenei dem verstorbenen Khomenei als politischer und religiöser Führer des Iran. Unter seiner Führung verstärkte das iranische Regime ab den 1990er-Jahren die Bemühungen zur Wiederbelebung des Atomprogramms.
Maßgebliche Hilfe kam dabei aus Russland. 1995, noch unter der Regierung von Präsident Boris Jelzin, übernahm das russische Staatsunternehmen Atomstroiexport den Weiterbau der Reaktoren in Buschehr.
Im Jahr 2000 erließ die USA den Externer Link: „Iran Nonproliferation Act“ (Iran-Nichtverbreitungsgesetz), der Sanktionen gegen Personen und Organisationen ermöglichte, die Iran bei der Herstellung von Massenvernichtungswaffen unterstützen.
Im selben Jahr kündigte Russland unter dem neuen Präsidenten Wladimir Putin an, die russische Atomindustrie zu modernisieren und den Technologieexport zu stärken. Mit Iran wurde unter anderem der Bau eines weiteren Reaktors und die Lieferung von Brennstoffen vereinbart.
Aufdeckung des Atomprogramms (2002–2004)
Iranische Oppositionelle machten im Jahr 2002 öffentlich, dass das iranische Regime an zwei unterirdischen Atomanlagen in Natanz und Arak arbeitet.
2003 Externer Link: bestätigte der Iran gegenüber der IAEO, dass die Anlage in Natanz zur Anreicherung von Uran dient. Die Anlagen könnten sowohl für die zivile Nutzung der Kernenergie als auch die militärische Anreicherung von Uran zum Bau von Nuklearwaffen verwendet werden. In einem Externer Link: Bericht stellte die IAEO damals fest, dass Iran über Jahre hinweg zentrale Aspekte seines Atomprogramms verschleiert und damit gegen Sicherheitsvereinbarungen der IAEO verstoßen hat.
Parallel hatten verschiedene Staaten der Europäischen Union Verhandlungen mit Iran aufgenommen. Unter Vermittlung von Frankreich, Deutschland und Großbritannien (EU-3) stimmte Iran im Oktober 2003 einem temporären Stopp der Urananreicherung zu.
Im Gegenzug erkannten die EU-3 Irans Recht zur zivilen Nutzung von Kernenergie an und stellten technologische Unterstützung und wirtschaftliche Anreize in Aussicht. Im Externer Link: Pariser Abkommen vom 15. November 2004 wurde mit Iran vereinbart, dass dieser seine nuklearen Anstrengungen aussetzt, solange politische Verhandlungen mit den europäischen Staaten laufen.
Was ist die IAEO?
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO; Englisch: International Atomic Energy Agency, IAEA) ist eine internationale Organisation mit Sitz in Wien. Sie wurde im Jahr 1957 gegründet. Laut Statut ist es Auftrag der IAEO, „den Beitrag der Atomenergie zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand weltweit zu beschleunigen und zu vergrößern“. Außerdem sorgt sie unter anderem dafür, dass zivile Atomprogramme nicht für militärische Zwecke missbraucht werden können. Umgangssprachlich wird die IAEO oft auch „Internationale Atomenergie-Behörde“ genannt.
Formell ist die IAEO eine unabhängige Internationale Organisation. Faktisch sind die Beziehungen zu den Vereinten Nationen sehr eng und auch vertraglich geregelt, sodass die IEAA einen Sonderstatus im System der Vereinten Nationen besitzt. Im Rahmen des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags („Atomwaffensperrvertrag“, NVV) hat die IAEO eine zentrale Rolle: Jeder NVV-Unterzeichnerstaat ist verpflichtet, ein „Comprehensive Safeguards Agreement“ (umfassende Sicherheitsvereinbarung) mit der IAEO zu schließen. Die Vereinbarung enthält regelmäßige Informationspflichten und erlaubt Inspektionen der Kernanlagen.
In Krisenfällen nimmt die Organisation auch die Rolle als Vermittlerin zwischen Streitparteien ein. Die IAEO berichtet jährlich an die UN-Generalversammlung, bei Gefahr für den Frieden auch direkt an den UN-Sicherheitsrat.
Derzeit hat die IAEO insgesamt 181 Mitglieder (Stand: 04.12.2025).
Resolutionen und Sanktionen (2005-2012)
Eine weitergehende Vereinbarung kam jedoch nicht zustande, auch weil Iran die europäische Forderung nach einem dauerhaften Verzicht der Urananreicherung ablehnte. Unter dem 2005 neu gewählten iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad wurden die Anreicherungsanlagen wieder in Betrieb genommen.
Im Februar 2006 verabschiedete die IAEO eine Externer Link: Resolution, in der Iran aufgefordert wurde, alle Anstrengungen zur Anreicherung und Wiederaufbereitung von Uran auszusetzen. Am 31. Juli 2006 forderte der UN-Sicherheitsrat den Iran in Externer Link: Resolution 1696 dazu auf, den Forderungen der IAEO Folge zu leisten.
Nachdem Iran nach Einschätzung der IAEO dem nicht nachgekommen war, verhängte der UN-Sicherheitsrat am 23. Dezember 2006 in Externer Link: Resolution 1737 umfangreiche Sanktionen gegen das Land. Diese verboten die Lieferung von allen Materialien, Gütern und Technologien, die Iran direkt oder indirekt für die Herstellung von Nuklearwaffen oder Trägersystemen hätte nutzen können.
Im Jahr 2009 Externer Link: präsentierten die USA, Großbritannien und Frankreich detaillierte Beweise dafür, dass Iran in Fordo an einer weiteren Anreicherungsanlage arbeitete. Auch den Bau dieser Anlage hatte Iran der IAEO zunächst verschwiegen. Das Besondere: Diese unterirdische Anlage ist tief ins Felsgestein gebaut worden, um sie vor Angriffen aus der Luft zu schützen.
Seit Bekanntwerden des iranischen Atomprogramms gab es immer wieder Drohungen Israels, die Anlagen militärisch anzugreifen. Das Land sieht die nukleare Bedrohung vor allem gegen sich gerichtet, da der Iran und seine Führung Israel Interner Link: immer wieder offen mit Vernichtung drohen.
Im Juni 2010 wurde die Anreicherungsanlage in Natanz zum Ziel eines Cyberangriffs. Das Schadprogramm „Stuxnet“ griff die Steuerung der Zentrifugen an und beschädigte die Anlage dadurch erheblich. Als Urheber galten laut Medienberichten die USA und Israel, offiziell bestätigt ist das bis heute nicht.
Mit der Interner Link: Wahl des als gemäßigter geltenden Politikers Hassan Rohani zum iranischen Staatspräsidenten im Jahr 2013 erschienen Gespräche über das Atomprogramm wieder möglich. Im September 2013 telefonierten Rohani und US-Präsident Obama miteinander. Es war das erste Mal seit 1979, dass sich die Präsidenten der USA und Irans direkt austauschen.
Iran sollte künftig Uran zwar weiterhin anreichern dürfen, jedoch weit unter dem für Nuklearwaffen benötigten Niveau, mit technischen Einschränkungen und unter der strikten Kontrolle der IAEO. Ziel der Vereinbarung war es, den Zeitraum deutlich zu verlängern, den Iran benötigen würde, um genügend waffenfähiges Uran für eine Atombombe anzureichern.
Externer Link: Nach Einschätzung der IAEO folgte Iran den Vereinbarungen. Deswegen wurden 2016 alle nuklearbezogenen UN-Sanktionen gegen den Iran aufgehoben. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu war von Anfang an gegen die Vereinbarung – sie würde es Iran über Zeit ermöglichen, sein Atomprogramm auszubauen und sich nuklear zu bewaffnen. Kritik gab es auch daran, dass Irans Raketenprogramm nicht Teil des Abkommens war.
Ausbau des Atomprogramms (2018-2021)
Im November 2016 gewann Donald Trump erstmals die US-Präsidentschaftswahl. Im Mai 2018 verkündeten die USA den einseitigen Ausstieg aus dem JCPoA und verhängten weitreichende Sanktionen gegen Iran.
Iran hielt bis Mai 2019 die Vereinbarung Externer Link: laut IAEO weitgehend ein, nahm dann aber ohne die Anreize aus den Handelsbeziehungen mit den USA und anderen Staaten die zuvor eingestellten Teile seines Atomprogramms wieder auf.
Ab Dezember 2020 baute Iran sein Atomprogramm auf Grundlage des Externer Link: „Strategischen Nukleargesetzes“ weiter aus. In der Folge begann das Land unter anderem mit der Hochanreicherung von Uran auf bis zu 60 Prozent und schränkte den Zugang der IAEO-Inspektoren zu seinen Anlagen ein.
Unter dem seit Januar 2021 regierenden US-Präsidenten Joe Biden fanden in Wien Verhandlungen über die Rückkehr der USA und Irans zum JCPoA statt. Doch die Gespräche scheiterten.
Angesichts der fortgesetzten Verstöße Irans gegen das JCPoA formulierte Israel immer wieder die Sorge, dass Iran in den Besitz von Nuklearwaffen kommen könnte. Wiederholt drohte das Land mit Luftangriffen gegen das iranische Atomprogramm.
Mit dem Terrorangriff der vom Iran unterstützten radikal-islamistischen Hamas auf Israel am Interner Link: 7. Oktober 2023 und dem folgenden Krieg im Gazastreifen eskalierte der Konflikt zwischen beiden Ländern zunehmend. Im April 2024 griff Iran als Vergeltung für einen israelischen Angriff auf das iranische Konsulat in Damaskus (Syrien) erstmals direkt israelisches Staatsgebiet mit Raketen an.
Ende Mai 2025 zeigte sich die IAEO ein einem Externer Link: Bericht besorgt darüber, dass der Iran seine Produktion hochangereicherten Urans deutlich gesteigert hatte. Zwar habe man keine belastbaren Hinweise auf ein verdecktes Nuklearprogramm. Aufgrund mangelnder Zusammenarbeit und fehlender Informationen seitens Iran könne die IAEO jedoch nicht bestätigen, dass Irans Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken diene.
Zwei Wochen später, im Juni 2025, begann Israel den sogenannten Zwölf-Tage-Krieg gegen Iran. Die USA unter dem erneut ins Amt gewählten US-Präsidenten Donald Trump schlossen sich den Angriffen auf das iranische Atomprogramm an. Iran reagierte seinerseits mit umfangreichen Drohnen- und Raketenangriffen auf Israel.
Die Trump-Regierung erklärte Ende Juni 2025, das iranische Atomprogramm sei durch die Angriffe „ausgelöscht“ worden. Israel erklärte, die Fähigkeit Irans, Nuklearwaffen zu entwickeln, sei um Jahre zurückgeworfen worden.
Am 28. Februar 2026 haben Israel und die USA einen umfassenden Krieg gegen den Iran begonnen. Bei einem Luftangriff am ersten Tag des Kriegs wurde der oberste Führer Irans, Khamenei, getötet. Neben anderen Begründungen für die Angriffe führten die USA und Israel das iranische Atomprogramm als unmittelbare Sicherheitsbedrohung an.
Kurz nach Kriegsbeginn wiederholte die IAEO ihre Externer Link: Einschätzung, es gebe auf Basis der ihr vorliegenden Informationen keinen Beweis für ein strukturiertes Atomwaffenprogramm Irans. Zugleich könne die Organisation seit dem Zwölf-Tage-Krieg Externer Link: keine bestätigten Aussagen mehr über den Zustand der damals getroffenen iranischen Atomanlagen und den Stand der Urananreicherung im Land treffen.
Iran reagierte auf die Angriffe seinerseits mit Drohnen- und Raketenangriffen auf Israel sowie auf US-Stützpunkte und Energie-Infrastruktur wie Treibstofflager und Öltanker in der Region. Mit der Sperrung der Straße von Hormus durch Iran, mit weltweiten Folgen für den Seehandel und insbesondere die Energiewirtschaft, weitet sich der Konflikt weiter aus.
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