Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Redaktion am 15.07.2015

"Gemeinsam forschen und Sinnvolles entwickeln"

Wie funktioniert Teilen von Bildung in der Praxis? Die Werkstatt der bpb fragt bei ausgewählten Projekten nach.

Die Entwicklung neuer Ideen in der Gesellschaft sowohl online als auch offline zu fördern – das haben sich die Gründer von „Learn Do Share“ vorgenommen.


Gemeinsam neue Ideen entwickeln und erarbeitenGemeinsam neue Ideen entwickeln und erarbeiten Lizenz: cc by-sa/2.0/de (Martin Fisch/Flickr/bearbeitet)



Das Projekt: Die Initiative "Learn Do Share" ist sowohl Methode und Veranstaltungsserie als auch Netzwerk und Wegbereiter für gesellschaftsverändernde Ideen. Das Projekt ist über acht Jahre hinweg durch internationale Zusammenarbeit von privaten Einzelpersonen entstanden und seit 2014 als Initiative an die Columbia University in New York angelehnt. Ziel ist es, die Zukunft des Lernens und Arbeitens zu untersuchen und kollaborative Designräume auf dem Campus und an außerschulischen Lernorten einzuführen.

"Learn Do Share" ist basisdemokratisch organisiert, d.h. es gibt keine zentrale Vereinsstruktur. Die einzelnen Veranstaltungen finanzieren sich über Spenden und Sponsoren wie z.B. akademische Einrichtungen, digitale Partner und öffentliche Institutionen. Schon jetzt gibt es "Learn Do Share"-Events in mehr als zehn verschiedenen Städten in den USA, Kanada und Europa – weitere Orte in Südamerika, Asien und Australien sollen bald folgen. Das Prinzip des Teilens gehört hier zur Projektphilosophie, denn es wird besonderer Wert darauf gelegt, verschiedene Gesellschaftsgruppen, Generationen und Fachabteilungen zusammenzubringen und so einen Austausch zu ermöglichen.


Nennen Sie die Ziele Ihres Projektes - insbesondere im Hinblick auf die Aspekte Bildung und Teilen.

Wir entwickeln Lernmethoden, die Kritikfähigkeit, Kreativität, Zusammenarbeit und Kommunikation stärken. Dabei geht es zunächst einmal darum, einen Raum für Zusammenarbeit zu schaffen, in dem alle einbezogen werden und der auf dem Prinzip “design with and for” aufbaut. Unsere Geschichten und Spiele regen dazu an, gemeinsam zu forschen und gleichzeitig etwas Sinnvolles für Gesellschaft und Natur zu entwickeln. Unsere Ziele liegen da sehr nah an denen der Montessori- und Steiner-Schulen. Dabei geht es uns nicht darum, Leistungen zu messen, sondern Antrieb durch Inspiration und Freude zu ermöglichen. Das „Wish-Game“ zum Beispiel ist ein Spiel für sechs bis 18 Schüler und Schülerinnen, die gemeinsam einen Wunsch für eine bessere Welt formulieren und dann binnen einer Schulstunde eine Lösung erdenken und erbauen. Die Schüler und Schülerinnen spielen in drei Gruppen: „Designer“, „Storyteller“ und „Future“. Alle Gruppen arbeiten parallel und merken Stück für Stück, wie sich Ihre Ideen zusammenfinden. Am Ende stellen die Gruppen Ihre Lösung in Form einer Geschichte vor. Ohne dass wir es durch Worte vermitteln, lernen die Schüler und Schülerinnen die Grundprinzipien eines guten Design-Prozesses, mit narrativer Darstellung und systemorientierter Empathie. Ähnliche Spiele und Workshops kommen mit allen möglichen Gruppen zum Einsatz. Unter anderem haben die UN, Google Creative Labs und die UNESCO mit uns gearbeitet. Wichtig ist, dass die Ergebnisse dieser Spiele oder Workshops von den Spielern und Spielerinnen umgesetzt werden sollen. 

Welche Rolle spielen digitale Strukturen und Tools in Ihrem Projekt?

Zunächst einmal bringen wir unsere Gruppen an schönen Orten zusammen. Da geht es darum, sich zu sehen, sensorisch wahrzunehmen und eine persönliche Verbindung zu entfachen. Durch das Spiel, oder genauer gesagt das gemeinsame Modellbauen, legen wir das Fundament, auf dem später die weitere Zusammenarbeit online gelingt. Schaffen wir keine gute Basis, fallen die Gruppen nach dem Abschied ins Virtuelle schneller auseinander. Durch die digitalen Plattformen, die wir nutzen, versuchen wir die Verbindung zwischen unseren Leuten zu vertiefen. Da muss man den Moment geschickt nutzen und die richtigen Online-Tools finden, die sowohl zu den Gruppen passen als auch zu den gemeinsamen Aufgaben. Und das ist die Crux: Es kommen viele neue Tools auf den Markt, aber nicht alle sind gut oder getestet. Learn Do Share ist ein bisschen wie ein Sandkasten, in dem wir vieles einmal ausprobieren. Durch unser Testen bekommen die Macher und Macherinnen der neuen Tools wertvolles Nutzerfeedback. Und die Tools, die sich bewähren, benutzen wir weiter. Im Grunde greift unser Prinzip im Digitalen wie im Workshop: wir testen, feilen und verbessern. 

Welche Herausforderungen tauchen bei Ihrer Art des Teilens auf?

Urheberrecht ist ein schwer zu überwindendes Konzept. Und gerade die selbständigen Kreativen bei uns kämpfen damit, eigene Ideen loszulassen. Man glaubt oft, dass eine vielversprechende Idee das goldene Los sei. Ego und “personal branding” sind paradoxe Gefährten der geteilten Kreativität. Was hilft ist, dass wir uns auf soziale Innovationen konzentrieren. So ist es leichter zu vermitteln, dass wir nur weiterkommen, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir hoffen, dass die Erfahrung des Teilens in diesem Kontext langfristig zu einer größeren Freude am Teilen im Allgemeinen führt.

Wo sehen Sie Ihr Projekt in einem Jahr?

Wir wünschen uns, dass sich unsere Projekte immer mehr als verbindende Elemente zwischen einzelnen Workshops, Menschen, Generationen und Kulturen etablieren. Wir hoffen, dass “Storytelling” vielfältiger als Katalysator für erlebnisorientiertes Lernen und gesellschaftlichen Wandel eingesetzt wird. Und natürlich möchten wir, dass sich unsere Methoden, Events und Spiele in weiteren Schulen, Unis und Städten etablieren.

Webseite: http://www.learndoshare.net/

Kontakt: Ele Jansen, Anthropologin & Mitbegründerin von "Learn Do Share", ele@learndoshare.net


Sie wollen noch mehr über das Teilen von Bildung in der Praxis erfahren?


Die Werkstatt der bpb hat auch noch bei anderen ausgewählten Projekten nachgefragt.

Zum Beitrag "Tausche Bildung für Wohnen"

Zum Beitrag "Wir bringen Studierende mit den besten Schulen zusammen."

Zum Beitrag "Digitale Medien sinnvoll einsetzen"

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-sa/3.0
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Ihr Kommentar:

(*) Diese Felder sind Pflichtfelder

Ihr Kommentar wird von der Redaktion geprüft und dann freigeschaltet



Quiz
Quiz für Einsteiger/-innen: Was wissen Sie über das Teilen?

Der Mensch teilt von Geburt an. Jugendliche teilen ihre Ideen in Sozialen Medien nur mit Gleichaltrigen. Stimmt oder stimmt nicht? Finden Sie es heraus: In unserem "Quiz für Einsteiger"!

Frage 1 / 5
 
Teilen muss man lernen. Oder doch nicht? Welche These vertritt der Verhaltensforscher Michael Tomasello?







Hätten Sie es gewusst?

Quiz: Von Kinderbuch-Apps bis Medienkompetenz

Was bedeutet Pädagogik der Vielfalt und welche Funktionen kann eine Kindersuchmaschine haben? Testen Sie Ihr Wissen zum Thema Smart Kids mit unserem Quiz!

Jetzt spielen

werkstatt.bpb.de in Social Media

Was bedeutet Web 2.0 für die politische Bildung? Das Archiv des Weblogs pb21.de bietet Praxisbeispiele, Anleitungen und Tipps um das Web 2.0 als Werkzeug der politischen Bildung.

Mehr lesen auf pb21.de

Im Archiv von werkstatt.bpb.de finden Interessierte viele informative Artikel, Interviews und Videos zum Thema zeitgemäße Vermittlung von Zeitgeschichte und Politik in Schulen und in der außerschulischen Bildung vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen wie Migration und Digitalisierung.

Mehr lesen auf werkstatt.kooperative-berlin.de

Spezial

OER - Material für alle

Über den Einsatz sogenannter Open Educational Resources (OER) im Unterricht wird schon seit einigen Jahren diskutiert. In den Schulen selbst jedoch führt das Thema noch immer ein Schattendasein. Dieses Spezial soll Abhilfe schaffen: Die Beiträge liefern Grundlagen zum Thema freie Bildungsmaterialien und bieten Hilfestellungen, um OER von der Theorie in die schulische Praxis zu überführen.

Mehr lesen