Meine Merkliste Geteilte Merkliste

Einleitung

Geschichte begreifen Hintergrund Einleitung Lernen in Projekten Lernen für die Gegenwart Methoden Spurensuche Das Arbeiten mit Texten Videointerviews WebQuests Oral History Besuch einer Gedenkstätte Archivarbeit und Quellenrecherche Schülerausstellungen Musikprojekte Kunst als Zeugnis Theaterprojekte Simulationsspiele Praxisbeispiele Model International Criminal Court Fiktionale und nichtfiktionale Texte "Das hängt einem immer an" Israel Loewenstein Zwangsarbeit in Gersthofen Musik in Ravensbrück Zwangsarbeit in Wolfenbüttel Izzy Fuhrmann Kriegsende in Peenemünde Links Bibliographie Redaktion

Einleitung

Annegret Ehmann, Christian Geißler-Jagodzinski, Horst Peter Gerlich, Anna Pukajlo, Hanns-Fred Rathenow, Thomas Spahn

/ 4 Minuten zu lesen

Wie kann aus dem "Lernen über die Geschichte" ein "Geschichte begreifen" werden?

"Erziehung nach Auschwitz" ist nach der für die Pädagogik bis heute gültigen Abhandlung von Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1966 nicht nur die Vermittlung von Wissen über die Geschichte des Nationalsozialismus einschließlich der Verbrechen des Massen- und Völkermords. Schulen oder Museen und Gedenkstätten sollen nach dem Frankfurter Philosophen und Sozialwissenschaftler auch zur Mündigkeit erziehen, um eine "Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen" zu entwickeln. Damit sich Auschwitz nicht wiederholt.

Zeitzeugin des Projekts "Gerechte unter den Völkern" im Gespräch (© Jan Zappner)

Viele Pädagoginnen und Pädagogen verstehen Adornos Abhandlung als Aufforderung, Prozesse zu initiieren, in denen aus der Geschichte gelernt werden soll. Sie verbinden das historische Lernen mit ausdrücklich gegenwartsorientierten Fragestellungen, aus deren Beantwortung die Lernenden Hinweise für das eigene aktuelle Denken und Handeln ableiten sollen. Aus "Lernen über die Geschichte" wird ein "Geschichte begreifen". Ob und wie sich diese Verbindung herstellen lässt, ist eine viel diskutierte und offensichtlich nicht einfach zu beantwortende Frage. Einige Überlegungen dazu können dem Interner Link: Ausblick dieser Publikation entnommen werden.

Die Vorstellungen darüber, was Jugendliche über die Themen Nationalsozialismus und Holocaust lernen sollen, sind am Lernort Schule relativ einheitlich. Alle 16 Bundesländer beschreiben "Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg" mit den Stichworten "Konzentrationslager", "Vernichtungslager" oder "Holocaust" als verbindlich für die 9. oder 10. Jahrgangsstufe. Dafür stehen im Durchschnitt in der Sekundarstufe I (5. bzw. 7. bis 10. Jahrgangsstufe) rund 20 Wochenstunden zur Verfügung.

In der Sekundarstufe II wird die Thematik des Nationalsozialismus noch einmal vertieft. Um die Mündigkeit von Jugendlichen ernst zu nehmen, stellt dieses Dossier methodische Zugänge und Praxisbeispiele für Geschichte begreifen vor, die ergebnisoffen sind und Impulse für den Diskurs mit anderen über unterschiedliche Deutungen zulassen. Jugendliche können so selbst erkennen, ob und welche gegenwartsbezogenen Schlussfolgerungen sich aus einem Lernen über die Geschichte des Nationalsozialismus ergeben.

Für den Geschichts- oder Gemeinschaftskundeunterricht schlagen wir folgende Erarbeitungswege vor, zu denen wir Vorschläge zur Realisierung anbieten:

Entdeckend-forschendes Lernen:

Handlungsorientiertes Lernen:

Die Produktorientierung all dieser Vorschläge ist Merkmal projektorientierter methodischer Formate. Für das interdisziplinäre Zusammenarbeiten zwischen dem Geschichtsunterricht und anderen Fächern gibt es folgende beispielhafte Vorgehensvorschläge:

Die aufgeführten Praxisbeispiele zeigen, wie man solche interdisziplinären Ansätze realisieren kann. So beschreibt Gabriele Knapp einen musischen Ansatz in ihrer Arbeit mit Neustreelitzer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten: Interner Link: "Musik im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück". Annegret Ehmann stellt zwei Beispiele vor, in denen fiktionale und nichtfiktionale Texte im Unterricht eingesetzt wurden: Interner Link: "Damals war es Friedrich"/"In diesem Kurort sind Juden unerwünscht".

Die Schulen und außerschulischen Bildungsträger stehen vor dem Problem, dass die Generation der Opfer und Täter/innen, der Helfer/innen und Mitläufer/innen sowie der Zuschauer/innen nur noch sehr beschränkt als Zeitzeugen beziehungsweise Zeitzeuginnen der NS-Zeit zur Verfügung steht. Lehrkräfte haben jedoch ein Interesse, "klassische" Methoden der historisch-politischen Bildung wie den Vortrag oder die Quelleninterpretation mit Methoden des forschenden, entdeckenden oder nachvollziehenden Lernens zu verbinden.

Wie diese Verbindung möglich ist, zeigen zum Beispiel

Die methodischen Vorschläge und vorgestellten Praxisbeispiele orientieren sich an Projekten oder projektorientiertem Unterricht. Einen didaktischen Umriss dieses Ansatzes bietet Hanns-Fred Rathenow in seinem Artikel Interner Link: "Lernen in Projekten".

Die beschriebenen Vorschläge und Beispiele verstehen wir als "good practice". Damit sind sie nicht der Blick in das durchschnittliche deutsche Klassenzimmer oder die Jugendbildungsstätte nebenan. Wir haben uns aufgrund folgender Annahme für diese Praxisbeschreibungen entschieden: Wo Jugendliche gemeinsam lernen, eigene Fragen stellen und selbstbestimmt handeln können, realisiert sich "Erziehung zur Mündigkeit"in der historisch-politischen Bildung zum Nationalsozialismus. So erwerben sie die Fähigkeit zum für kritischen Denken und zur Empathie, aber auch Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz.

Projektorientierte Formate sind ressourcenintensiv. Sie entlasten weder die Lehrenden, die vorbereiten und begleiten müssen, noch die Lernenden, die sich ihren Kopf selbst zerbrechen müssen. Die Projektbeispiele zeigen jedoch, was erreicht werden kann, wenn Kopf, Herz und Hand, wenn Denken, Fühlen und Handeln im Sinne Pestalozzis gleichermaßen an der Arbeit beteiligt sind.