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Das Kriegsende in unserer Region

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Das Kriegsende in unserer Region Ein regionalgeschichtliches Ausstellungsprojekt

Annegret Ehmann

/ 3 Minuten zu lesen

15 Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Heine-Schule Karlshagen auf Usedom erarbeiteten 2005 über vier Monate in ihrer Freizeit die Ausstellung "Das Kriegsende in unserer Region" im Museum Peenemünde.

Tausende Besucher sahen die Ausstellung "Das Kriegsende in unserer Region", die 15 Schüler/innen der Regionalen Schule Heinrich Heine in Karlshagen auf Usedom im Jahr 2005 recherchiert und gestaltet hatten.

Geschichtlicher Hintergrund

In Peenemünde wurden 1936 die "Heeresversuchsanstalt", eine Forschungsstätte und ein Versuchsgelände für Raketenwaffen angelegt. Tausende hoch spezialisierter Fachkräfte, der bekannteste von ihnen Wernher von Braun, entwickelten und erprobten hier Fernraketen, die so genannten V-Waffen (Abkürzung V für "Vergeltung") und andere neuartige Waffensysteme.

Am 3. Oktober 1942 gelang in Peenemünde der weltweit erste erfolgreiche Abschuss einer Fernrakete. Nach einem Großangriff der britischen Luftwaffe auf die Heeresversuchsanstalt Peenemünde im August 1943 wurde die Produktion in die bombensichere unterirdische Schachtanlage Dora-Mittelbau im Harz verlegt, wo KZ- Häftlinge die Raketen unter mörderischen Bedingungen fertigen mussten. Etwa 20.000 Menschen kamen bei der Produktion ums Leben.

Die Schüler/innen konnten durch ihre viermonatige Arbeit an dem Ausstellungsprojekt somit konkret erfahren,

  • dass die moderne Raketentechnik mit Krieg und Verbrechen zusammenhing,

  • dass technische Entwicklungen auch immer historisch und politisch-moralisch zu betrachten sind,

  • dass in der heute von eher beschaulichem Tourismus geprägten Region in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts der Grundstein für die Raumfahrt und die Mondlandung gelegt wurde,

  • dass auch in ihrer Region Weltgeschichte geschrieben wurde.

Gruppenarbeit und Methoden

Zusammen mit einer Lehrerin und einer Museumspädagogin erarbeiteten die Schüler/innen im Januar 2005 zunächst Fragestellungen zum Ausstellungsthema "Kriegsende", einigten sich auf Arbeitsmethoden und wählten die Präsentationsformen. Die Arbeit fand in Kleingruppen statt.

Die zu bearbeitenden Themen und Präsentationsformen waren:

  • Kriegsverlauf des zweiten Weltkrieges (Bildschirm-Präsentation),

  • Peenemünde 1939 bis 1945 (Texttafeln/ Zeitleiste),

  • Die Arbeitslager in Peenemünde (Text- und Bildtafel),

  • Die Auflösung der KZ- Arbeitslager in Peenemünde (Text- und Bildtafel),

  • Schicksal der KZ- Häftlinge (Texttafel),

  • Peenemünde nach dem 8. Mai 1945 (Text- und Bildtafel),

  • Der 8. Mai in der DDR (Bildschirm- Präsentation, Text und Bildtafel),

  • Das Kriegsende in Vorpommern (Karte).

Die Gruppenarbeit fand überwiegend direkt im Museum statt. Die 15 Schüler/innen im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren recherchierten im Internet, in Ausstellungskatalogen, im Archiv des Museums und in weiterer Sekundärliteratur. Wichtig bei dieser Arbeit waren für einige Jugendliche auch die Gespräche in ihren Familien.

InfoMethodensteckbrief

  • Teilnehmerzahl: 15 Schüler/innen

  • Altersstufe: Sekundarstufe I, jahrgangsübergreifend, 12-16 Jahre

  • Zeitbedarf: Vier Monate außerhalb des Unterrichts

  • Preis (ohne Fahrten): Nicht ermittelbar

  • Benötigte Ausstattung: PC für Powerpoint-Präsentation, Material vom Museum gestellt

Die Schüler/innen arbeiteten bei der Erstellung der Ausstellung mit professionellen Designern und Museumstechnikern zusammen. Sie lernten bei der Bild- und Textrecherche im Archiv des Museums unter Anleitung des Fachpersonals, wie Bilder und Texte kritisch auszuwerten sind. Zu allen Themenbereichen verfassten sie gemeinsam Kurztexte für Ausstellungsflyer und die Ausstellungstafeln. Eine Gruppe interviewte Zeitzeugen zu den einzelnen Themen des Projekts.

Nach Ausstellungseröffnung führten die jugendlichen Ausstellungsmacher unter dem Motto "Schüler begleiten Schüler" in selbst entwickelten Rundgängen andere Jugendliche durch "ihre" Ausstellung.

Erfahrungen

Die direkte Auseinandersetzung mit der Geschichte Peenemündes, insbesondere jedoch die Arbeit außerhalb der Schule am historischen Ort, empfanden die Jugendlichen nach ihren eigenen Aussagen viel positiver und vor allem ergiebiger als Unterricht in der Schule. Die Projektarbeit förderte neben dem Erwerb historischen Wissens über den Nationalsozialismus und seine Rezeptionen ihre produktive Zusammenarbeit und die bessere Verständigung untereinander sowie ein vertieftes Verständnis für die Geschichte in ihrer Region und das Gefühl der Zugehörigkeit zu ihr.

Darüber hinaus stärkten der Erfolg der Ausstellung und die öffentliche Anerkennung ihr Selbstbewusstsein nachhaltig.

Rahmenbedingungen

Die Heinrich-Heine-Schule im Ostseebad Karlshagen/ Landkreis Ostvorpommern ist eine Regionale Schule der Jahrgangsstufen 5 bis 10 mit Ganztagsbetrieb, die von Haupt- und Realschülern aus mehreren Orten besucht wird. Das Schulgebäude erhielt 2003 eine multimediale Ausstattung der Unterrichtsräume auf modernstem Stand, wodurch für die Schüler/innen optimale Möglichkeiten für selbstständiges Lernen gegeben sind.

Als Multimediaschule und Modellschule "Demokratie lernen und leben" wird durch Kurse und Projektarbeit ein Schwerpunkt auf die Erfahrbarkeit der Regionalgeschichte gelegt. Die Schule führt regelmäßig mit dem Museum Peenemünde als außerschulischem Partner längerfristig angelegte Projekte zur Geschichte vor Ort unter dem Thema "denkmal aktiv" durch.

Annegret Ehmann ist Historikerin und Pädagogin und seit 2001 freiberufliche Dozentin mit dem Schwerpunkt politische Bildung. Sie hat im Jahr 2000 an der Erstellung der CD-ROM "Lernen aus der Geschichte" mitgewirkt und ist Mitglied des Vereins Externer Link: Lernen aus der Geschichte e.V..