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AG Medienkompetenz zwischen Kindheit und Jugend

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AG Medienkompetenz zwischen Kindheit und Jugend

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Die thematischen Ausgangspunkte der Arbeitsgruppe finden Sie Interner Link: hier.

AG Medienkompetenz zwischen Kindheit und Jugend

"Zu alt für den Spielplatz, zu jung für Facebook" – unter diesem Slogan grenzte die Arbeitsgruppe unter Leitung von Kathrin Demmler, Klaus Lutz und Maren Würfel ihre Zielgruppe 'zwischen Kindheit und Jugend' ein. In Zahlen heißt das, die Zehn- bis 14-Jährigen. Etwa 20 Teilnehmende aus Forschung und Praxis, aus unter anderem der (Medien-)Pädagogik, der Lehrerfortbildung und der politischen Bildung waren am zweiten Tag der #meko2014 zusammen gekommen, um sich mit den Kompetenzen zu beschäftigen, die diese Mediennutzerinnen und Mediennutzer im Umgang mit (neuen) Medien brauchen. Zum Einsteig referierte Maren Würfel über die Herausforderungen der Zielgruppe, die in dem kontinuierlichen Prozess ihrer Entwicklung spezifische Anforderungen mit sich bringt. Klaus Lutz münzte dies anschließend auf Fragen, die Eltern insbesondere bei Kindern dieses Alters haben ... und schon begann die Debatte – in der sich alle darüber einig waren, dass Kinder Medien brauchen – über die Geschwindigkeit der Medien und ihre nicht absehbaren Folgen, über die Konkurrenz von Medien- und Lernzeiten, über Geschlechterbilder und das Netz als Ort für Emotionen/Anerkennung/Freude/Trauer sowie die Ausbildung und das Bewusstsein von Werten. Um etwas tiefer in die Materie einzusteigen bildeten sich schnell drei Kleingruppen zu den drei Bereichen: Medien und (Frei-)Zeit, Medien und Aufwachsen sowie Medien, Partizipation, Information.

Als Ergebnis fassten sie ihre Zielvorstellungen in Thesen zusammen und untermalten diese selbstverständlich auch medial mit Bildern ... in einer PowerPoint-Präsentation Interner Link: hier zum Download (2,62 MB).

Ergebnisse der AG „Medienkompetenz zwischen Kindheit und Jugend“

Um den Medienumgang und die Bedeutung von Medien im Jugendalter zu verstehen gibt es zwar noch viele offene Fragen, dennoch steht die Altersgruppe derzeit am stärksten im Fokus der medienpädagogischen Forschung und Praxis. Auch hinsichtlich der jüngeren Kinder gibt es zumindest ein Bewusstsein darüber, dass hier einiges im Schwange ist, worüber noch wenig bekannt ist und es demzufolge noch einiges zu erforschen gilt. Was aber ist mit der Gruppe dazwischen? Die Zehn- bis 14-Jährigen sind in vielem noch sehr kindlich, sie stehen aber an der Schwelle zum Jugendalter, werden mal den ‚Kleinen‘, mal den ‚Großen‘ zugeschlagen und wissen oft selbst nicht so recht, wo sie hingehören (wollen). In einer aktuellen Studie im Auftrag der Stiftung Ravensburger Verlag werden sie als „Lücke-Kinder“ bezeichnet. Wie ist es um den Medienumgang dieser Altersgruppe beschaffen? Welche Bedeutung haben Medien für sie? Welche Kompetenzen können sie sicher anwenden, wo fehlt es noch und wo brauchen sie deshalb Unterstützung? Diese Fragen standen im Zentrum der Arbeitsgruppe 2 „Medienkompetenz zwischen Kindheit und Jugend“, die von Kathrin Demmler (JFF), Maren Würfel (Universität Erfurt) und Klaus Lutz (pädagogischer Leiter des Medienzentrums PARABOL Nürnberg) geleitet wurde.

Herausforderungen zwischen Kindheit und Jugend

Maren Würfel gab in ihrem Input einen Überblick über die in diesem Alter relevanten „Entwicklungsaufgaben – oder besser: Herausforderungen zwischen Kindheit und Jugend“. Sie machte deutlich, dass Entwicklung ein kontinuierlicher Prozess ist und Entwicklungen des Kindesalters bis ins Jugendalter reichen. Insbesondere gesellschaftliche und kulturelle Aufgaben wandeln sich mit dem gesellschaftlichen/kulturellen Wandel. Als wichtigste Aufgaben und Herausforderungen von Mädchen und Jungen in diesem Alter beschrieb sie,

  • den eigenen Körper und seine Veränderungen zu akzeptieren

  • eine eigene Geschlechterrolle auszubilden

  • in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen soziale Kooperationen auszubilden und neuere und reifere Beziehungen zu entwickeln

  • Selbstbewusstsein und Identität zu entwickeln

  • sich nach und nach emotional von engen Bezugspersonen zu lösen und Autonomieerfahrungen zu machen

  • formale Operationen auszuführen

  • ein Wertesystem und ein ethischen Bewusstsein als Richtschnur für das eigene Verhalten zu entwickeln

Zusammengefasst bedeutet das, sie müssen sich mit der physischen Entwicklung des eigenen Körpers auseinandersetzen, gesellschaftliche und kulturelle Erwartungen erkennen und ihre eigene Position entwickeln sowie individuelle Zielsetzungen verfolgen. Für alle diese Aufgaben spielen auch Medien eine wichtige Rolle. An welchen Stellen und in welchen Situationen diese von Bedeutung sein können und welchen Blick Eltern und Erziehende darauf haben, zeigte Klaus Lutz in seinem Input.

Impfung, Selbstverteidigung, Überlebenstraining – was ist Medienkompetenz?

Zunächst machte er deutlich, was Medienkompetenz aus der Sicht vieler Eltern leisten soll und stellte fest, dass Medienkompetenz dreierlei Aufgaben zugeschrieben wird.

  • Sie wird als Impfung gesehen und soll dem Kind Schutz bieten, wenn sich allein in die Welt aufmacht.

  • Sie soll den Kindern zur Selbstverteidigung dienen und ihnen Strategien für den Umgang mit von den Medien ausgehenden Gefahren liefern und

  • Sie soll ihnen ein Überlebenstraining in einer von Medien durchdrungenen Welt garantieren.

In der politischen Diskussion steht im Zusammenhang der Aspekt des Jugendschutzes im Vordergrund. Eine andere wichtige Funktion, die einen kompetenten und souveränen Umgang mit Medien befördern kann, ist mit dem Bild des Abenteuerspielplatzes verbunden. Dieses Bild, das für die Mädchen und Jungen an prominenter Position steht, wollen die meisten Eltern, so Lutz, lieber meiden. Hier sehen sie ihre Kinder zu vielen Gefahren ausgesetzt. Die häufigsten Ängste der Eltern sind dabei zum einen mit einem stundenlangen Herumhängen im Netz (Zeitfaktor) verbunden. Medienzeit steht in Konkurrenz zu von der Schule beanspruchten Lern- und Übungszeiten. Medien und Bildung werden getrennt gesehen, da alltägliches Medienhandeln nur selten in Bildungsprozesse einbezogen wird. Zum anderen fällt es vielen Eltern schwer, die Mediennutzung ihrer Kinder zu akzeptieren. Sie erkennen Computerspielzeit nicht als Spielzeit und sehen somit auch keinen Mehrwert für die kognitive Entwicklung der Kinder, die dem nicht-medialen Spielen zugeschrieben wird. Verstehen wir die „Lücke-Kinder“ und ihre Herausforderungen? Unterschiedliche Punkte wurden in der anschließenden Diskussion noch einmal aufgegriffen. So wurde festgestellt, dass Eltern das Verhalten ihrer Kinder oft nicht mehr verstehen, da sie bspw. emotionale Reaktionen auf mediale Erlebnisse nicht nachvollziehen können, bspw. dann, wenn das Kind auf Facebook etwas Negatives erfahren hat und darauf entsprechend emotional reagiert, die Mutter den Anlass aber nicht kennt. Zusammenhängend mit der Identitätsentwicklung und einer durch die Medien beförderten Enttraditionalisierung wurde darüber diskutiert, dass die Medien umgekehrt auch eine zunehmende Traditionalisierung ermöglichen, wie sich bspw. bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund beobachten lässt. Es stellt sich die Frage, wie in der Jugendarbeit damit umgegangen werden kann. Sehr grundsätzlich kam auch zur Sprache, dass es nach wie vor so ist, dass für Eltern die Pflichten der Kinder bei der Erziehung im Vordergrund stehen. So müssen erst die Hausaufgaben erledigt werden, bevor gespielt werden kann. Inwiefern sind die Problemlagen hier andere als früher? Diese wurden u. a. insbesondere darin gesehen, dass die Herausforderungen in einem von Medien als Mittler geprägten Handlungsrahmen andere sind (z. B. in sozialen Netzwerken) und dadurch bspw. das Thema Datenschutz großes Gewicht erhält. Ähnlich verhält es sich im Hinblick auf Mobbing. Auch hier ist das Mittel, das zwischen Täterin/Täter und Opfer steht, ein anderes, was zur Folge hat, dass in einen Mobbingfall eine größere, nicht mehr greifbare Öffentlichkeit verwickelt ist. Ein weiteres Problem ist, dass die Folgen für die Täterin bzw. den Täter nicht direkt wahrnehmbar sind und deshalb die Folgen bei der gemobbten Person ggf. verborgen bleiben. Dennoch kann Medienkompetenz Mobbing nicht verhindern. Dies kann nur eine Erziehung leisten, in der entsprechende Werte vermittelt werden. Medienkompetentes Verhalten kann aber auf Seiten der Opfer einen souveränen Umgang unterstützen.

Im Anschluss an die Diskussion wurden unter den Themen

  • Medien und (Frei-)Zeit

  • Medien und Aufwachsen

  • Medien, Information und Partizipation

Stichworte dazu gesammelt, welche Kompetenzen Heranwachsende im Alter von 10-14 Jahren im Umgang mit Medien brauchen. Diese wurden anschließend in Untergruppen diskutiert. Das Ergebnis wurde jeweils in einer These und einem aussagekräftigen Bild zusammengefasst.

Medien und (Frei-)Zeit

Medien und (Frei-)Zeit

  • Medien erhöhen die Geschwindigkeit, Folgen sind oft nicht absehbar

  • Konkurrenz zwischen Medien- und Lernzeiten

  • Kinder brauchen Medien

  • Eigenproduktionen bereichern und stärken Heranwachsende

  • Zunehmender Leistungsdruck

  • Medienspektrum

  • Medienzeit hat wenig Akzeptanz bei Erwachsenen

These: Kinder brauchen im Umgang mit Medien ein Zeitmanagement, dies verlangt Vorbilder. Sie brauchen eine Erfahrungserweiterung in Bezug auf Bedürfnisse jenseits eines Medienkonsums und müssen lernen, Mediennutzung in ihr allgemeines, alltägliches Zeitmanagement einzubinden.

Aufwachsen mit Medien

Medien und Aufwachsen

  • Netz als Ort für Emotionen; Anerkennung, Freude, Trauer

  • Medien werden geschlechtsspezifisch genutzt

  • Geschlechterbilder in den Medien

  • Wo werden Probleme durch Medien verstärkt?

  • Grenzen austesten; es werden weniger Grenzen gesetzt

  • Selbstverteidigung

  • Anerkennung

  • Respekt im Netz

  • Wo werden Phänomene durch mediale Berichterstattung verstärkt?

  • Neue Probleme und Herausforderungen

  • Abenteuerspielplatz

  • Entwicklung birgt per se Gefahren

  • Größere Eigenverantwortung (Individualisierung/Pluralisierung)

  • Enttraditionalisierung – zunehmende Traditionalisierung (Migranten)

These: Kinder und Jugendliche brauchen Reflexionskompetenzen für einen eigenverantwortlichen, wertschätzend-sozialen und selbstbestimmten Medienumgang. Die Prozesse müssen in der Peergroup verankert sein.

Information, Partizipation

Medien, Information und Partizipation

  • Information und Unterhaltung vermischen sich

  • Individualisierte Informationsbeschaffung auch über jugendkulturelle Formate im Internet, von denen Erwachsene/Eltern wenig mitbekommen

  • Potenziell größere Reichweite von Handeln

  • Peer2peer

  • Ausbildung von Werten, Bewusstsein über Werte

  • Neue Möglichkeiten der Information und Partizipation

These: MultiplikatorInnen, PädagogInnen, Eltern müssen da sein, wenn etwas passiert. Sie müssen die Heranwachsenden in ihrer Handlungsfähigkeit stärken und sie dabei unterstützen, sich die eigenen Fähigkeiten, eigenen Grenzen und die Möglichkeiten und Grenzen der Technik transparent und bewusst zu machen. Durch Reflexion, Bewertung von Information(-squellen), mit der Methode des Rollenspiels kann das Selbstvertrauen der Heranwachsenden gefördert werden.

Fussnoten