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Der leere Stuhl

Der leere Stuhl Bundesrepublik Deutschland 1951, s/w

von: Johannes Lüdke

Demokratie und Partizipation gehören zusammen. Diese Erfahrung muss auch Herr Schneider machen. Sein Ärger mit dem Finanzamt führt ihn zu den Grundfragen einer Demokratie.

Inhalt

"Herr Schneider – der westdeutsche Durchschnittsbürger – hat in diesem Film ein Erlebnis das jeder kennt: Ärger mit dem Finanzamt. Wir erfahren die Hintergründe seines Ärgers in einem geisterhaften Zwiegespräch zwischen ihm und der ‚Stimme der Vernunft‘ und lernen dabei die Beziehungen zwischen dem Einzelnen und dem Staat kennen." (Filmdienst für Jugend und Volksbildung. Filmkatalog. München, Januar 1952) Der Film argumentiert gegen die weit verbreitete Ohne-mich-Haltung der frühen fünfziger Jahre. "Er zeigt einen Menschen unserer Zeit, der ‚sich nicht um Politik kümmert‘, bis er durch Schaden klug wird. Dann entschließt er sich endlich, seine Belange rechtzeitig wahrzunehmen. Der Film soll dazu helfen, das Verantwortungsbewußtsein gegenüber öffentlichen Dingen zu wecken und zur Erkenntnis beitragen, daß diese Dinge alle angehen." (Informationsblatt OA-1 des United States Information Service, USIS, ohne Datum) Einer der wenigen Filme, in denen politische Parteien als wesentlicher Bestandteil der Demokratie vorkommen. Der Durchschnittsbürger ärgert sich – über die Partei seiner Wahl, über den Kommentar eines Rundfunksprechers, über das Finanzamt, über die Regierung. Eine "Stimme der Vernunft" klärt ihn darüber auf, dass er ja selbst seine Vertreter gewählt habe. Aber: "Sie müssen sich ärgern, weil sie sich nicht um Politik kümmern!" Wenn er etwa in den Wahlversammlungen immer seinen Stuhl leer lasse, könne er seine Interessen auch nicht zu Gehör bringen. "Hier geht es um den namenlosen Wähler, der glaubt, mit der Abgabe eines Stimmzettels seine Pflicht erfüllt zu haben. Bei späteren Dingen, die den einzelnen ebenso angehen wie die Gesamtheit, bleibt der Stuhl des Wählers leer. Mitarbeit ‚Ohne uns‘. Gerhard Grindel servierte dieses Thema reizvoll und schmackhaft bis auf die Eingangsszene." (Neue Zeitfilme in Berlin, in: Filmwoche, Nr. 9, 1.3.1952)

(Text: Jeanpaul Goergen)

Quelle: Dieser Beitrag ist Teil der DVD "Selling Democracy".

Mehr Informationen

  • Kamera: Erich Küchler

  • Schnitt: Inge Teigeler

  • Drehbuch: Günther Hoffmann

  • Musik: Herbert Jarczyk

  • Sound: Hans Endrulat

  • Idee: Gerhard Grindel

  • Produktion: 1951

  • Spieldauer: 15 Min.

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv, dem Deutschen Historischen Museum und den Internationalen Filmfestspielen Berlin

Lizenzhinweise

© USIS, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutsches Historisches Museum, Bundesarchiv - Filmarchiv und Internationale Filmfestspiele Berlin