Arbeitslosigkeit

Zustand in der Marktwirtschaft, in dem mehr Menschen eine Erwerbsarbeit suchen als finden, weil weniger Arbeitskräfte gebraucht werden als vorhanden sind. Anders ausgedrückt: Das Angebot (an Arbeitskräften) ist größer ist als die Nachfrage. Arbeitslosenquote
Wenn wir von Arbeitslosigkeit sprechen und etwas ungenau sagen, jemand hat "keine Arbeit", meinen wir eine bestimmte Form von Arbeit, die fehlt. Denn es gibt auch heute viele Arten von wichtiger Arbeit, die nicht knapp sind: Die (unbezahlte) Haus- und Familienarbeit (Kinder erziehen, alte und kranke Familienmitglieder pflegen) oder die ebenfalls unbezahlte, ehrenamtliche Arbeit, für die oft händeringend Nachwuchs gesucht wird - beim Roten Kreuz, der freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein, in der Kirche, in der politischen Partei und und und. Die Arbeit, um die es sich bei der Arbeitslosigkeit dreht, ist die Arbeit, für die man Geld bekommt und die deshalb korrekterweise eigentlich immer Erwerbsarbeit genannt werden müsste.

Arbeitslosigkeit entsteht, wenn in einer Marktwirtschaft mehr Menschen einen (Erwerbs-)Arbeitsplatz suchen als Arbeitsplätze von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern angeboten werden. Man könnte auch sagen: Die Nachfrage (der Arbeitgeber) nach Arbeitskräften ist geringer als das Angebot.
In der deutschen Arbeitslosenstatistik werden nur diejenigen als arbeitslos registriert, die sich bei der Agentur für Arbeit als Arbeitsuchende gemeldet haben, zwischen 15 und 64 Jahre alt sind, keine Arbeit haben (oder weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten) und für eine Arbeitsaufnahme sofort verfügbar sind. Wie hoch die (registrierte) Arbeitslosigkeit ist, zeigt die Arbeitslosenquote. Sie wird folgendermaßen ermittelt: Zunächst werden alle als Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte oder Beamtinnen und Beamten Beschäftigten mit denjenigen zusammengezählt, die sich als Arbeitsuchende gemeldet haben. Dann wird errechnet, wieviel Prozent von dieser Summe die Arbeitslosen ausmachen. Die Quote ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Sie hängt davon ab, ob viel oder wenig Arbeitsplätze angeboten werden, aber auch davon, ob mehr oder ob weniger Menschen erwerbstätig sein wollen. In den neuen Bundesländern sind z.B. von den verheirateten Frauen deutlich mehr erwerbstätig bzw. auf der Suche nach Erwerbsarbeit als in den alten Bundesländern.

Grund für eine mangelnde Nachfrage nach Arbeitskräften kann die Jahreszeit sein, z.B. im Baugewerbe der Winter (saisonale Arbeitslosigkeit). Arbeitslosigkeit kann auch darauf beruhen, dass vorübergehend Absatzschwierigkeiten in einer bestimmten Branche, z.B. in der Automobilindustrie, auftreten (konjunkturelle Arbeitslosigkeit), oder auch damit, dass die Bedeutung ganzer Wirtschaftszweige zurückgeht, wie z.B. Bergbau und Schwerindustrie (strukturelle Arbeitslosigkeit).
Arbeitslosigkeit kann ferner entstehen, wenn Arbeitsplätze aus Deutschland ins Ausland verlagert werden, weil dort niedrigere Löhne gezahlt werden. Schließlich vernichtet der technische Fortschritt laufend Arbeitsplätze - das war schon immer so. Seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert werden immer mehr Arbeiten von Maschinen verrichtet, für die zuvor Menschen benötigt wurden. In der Landwirtschaft (z.B. Mähmaschinen), in der Industrieproduktion (z.B. Roboter), inzwischen auch schon bei den Dienstleistungen (z.B. Computer oder Geldautomat).
Der technische Fortschritt vernichtet aber nicht nur Arbeitsplätze, er schafft auch immer wieder neue: Der Hufschmied, der nicht mehr gebraucht wurde, weil in der Landwirtschaft immer weniger Pferde zu beschlagen waren, wurde eben Kfz-Mechaniker und reparierte dann die Trecker, die die Pferde verdrängt hatten. Heutzutage können einstige Schriftsetzer zu Layoutern werden - aber eben nicht alle. Die Aufnahme von arbeitslos Gewordenen durch neue Wirtschaftszweige wird heute nämlich immer schwieriger. Die neuen Arbeitsplätze im Computer-, Informations- und Kommunikationsbereich stellen komplizierte Anforderungen. Wer nur wenig qualifiziert ist, kann sie nicht mehr erfüllen.

Staatlich gelenkte Wirtschaften rühmen sich häufig, im Gegensatz zur Marktwirtschaft gebe es bei ihnen keine Arbeitslosigkeit. Tatsächlich gibt es sie auch dort oft - so gab es z.B. auch in der Planwirtschaft der DDR - eine "verdeckte" Arbeitslosigkeit. Sie besteht darin, dass Arbeitskräfte voll bezahlt, aber nur teilweise ausgelastet oder mit wirtschaftlich überflüssigen Arbeiten beschäftigt werden. So herrscht zwar Vollbeschäftigung, aber auf die Dauer führt diese Praxis einen Staat in den wirtschaftlichen Ruin.
img_das_bewegt.pngimg_das_bewegt.png

img_arbeitslos.pngimg_arbeitslos.png

img_ost_west.pngimg_ost_west.png


Quelle: Thurich, Eckart: pocket politik. Demokratie in Deutschland. überarb. Neuaufl. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2011.



Lexika-Suche

Dossier

Deutsche Demokratie

In der deutschen Demokratie ist die Macht auf mehr als 80 Millionen Menschen verteilt: Alle Bürger sind für den Staat verantwortlich. Aber wie funktioniert das genau? Wer wählt den Kanzler, wer beschließt die Gesetze? Und wie wird man Verfassungsrichter?

Mehr lesen