Europawahl (Zahlen und Fakten)

1.2.2020

Wählerstimmen regional

In drei Viertel der kreisfreien Städte und Landkreise waren die Schwesterparteien CDU und CSU die stärkste Kraft. Aber auch GRÜNE, AfD und SPD konnten regional hohe Werte erreichen. Wie sind die Wahlergebnisse der Parteien deutschlandweit verteilt?

In den 401 kreisfreien Städten und Landkreisen gibt es deutliche Unterschiede, klare Hochburgen und Regionen mit auffallend wenigen Wählern einer Partei. Vier unterschiedliche Parteien erreichten in diesen 401 Gebieten das jeweils beste Ergebnis: Die CDU (210x), CSU (93x), GRÜNE (49x), AfD (31x) und die SPD (18x). Während die CDU (außerhalb Bayerns), die CSU (in Bayern) und die AfD (in weiten Teilen Brandenburgs und Sachsens sowie in Teilen Thüringens und Sachsen-Anhalts) ihre Siege in größeren zusammenhängenden Regionen bzw. sogar bundesweit errangen, bildeten SPD und GRÜNE eher punktuell verteilte Hochburgen.

Unter den zweitplatzierten in einer kreisfreien Stadt oder einem Landkreis ist darüber hinaus auch zwei Mal DIE LINKE (Suhl, Frankfurt Oder) zu finden, an dritter Stelle auch vier Mal die FREIEN WÄHLER. Die FDP wurde in fünfzehn kreisfreien Städten oder Landkreisen dagegen viertstärkste Kraft.

Mit 49,2 Prozent der gültigen Stimmen erreichte die CDU im Landkreis Emsland ihr bestes Ergebnis. Insgesamt ist für die Ergebnisse der CDU ein West-Ost-Gefälle auf der Landkarte zu erkennen – wobei sie im thüringischen Landkreis Eichsfeld mit 41,8 Prozent immerhin ihr sechstbestes Ergebnis erreichte. Am schlechtesten schnitt die CDU mit 12,5 Prozent in Potsdam ab.

Auffällig bei den Ergebnissen der GRÜNEN ist, dass sie vor allem in Städten oder Stadtkreisen gute Werte erreichten. Den besten Wert erreichten Sie mit 38,5 Prozent in Freiburg. Die zehn schlechtesten Ergebnisse der GRÜNEN betreffen dagegen alle Landkreise in Thüringen, Sachsen, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt. Der Kyffhäuserkreis markiert mit 4,7 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis.

Ihr bestes Ergebnis erreichte die SPD mit 29,0 Prozent in der Stadt Emden. Die SPD schneidet insgesamt im Norden und Westen besser ab als im Süden und Osten Deutschlands. Ihre zehn besten Ergebnisse erreicht sie in Städten und Landkreisen in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Das schlechteste Ergebnis musste sie dagegen im bayerischen Landkreis Straubing-Bogen hinnehmen. Dort blieb sie mit 4,4 Prozent sogar unter der symbolischen Fünfprozenthürde.

Bei der AfD ist eine Konzentration der Städte und Landkreise mit guten Ergebnissen in den neuen Ländern (ohne Berlin) zu beobachten: Ihre Ergebnisse dort liegen flächendeckend über 10 Prozent der Stimmen. Ihr bestes Ergebnis erreichte sie mit 32,9 Prozent im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Insgesamt drei Mal blieb sie unter fünf Prozent der Stimmen, wobei die Stadt Münster mit 4,0 Prozent das schlechteste Ergebnis für die AfD darstellt.

Die CSU tritt nur in Bayern zu Wahlen an. Mit 58,7 Prozent im Landkreis Straubing-Bogen erreichte sie nicht nur ihr bestes Ergebnis, sondern das beste Ergebnis einer Partei in einer Stadt oder einem Landkreis deutschlandweit. Insgesamt erreichte sie in 14 Städten oder Landkreisen mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, 17 ihrer Ergebnisse lagen über dem besten Ergebnis einer anderen Partei. Auffällig ist dagegen, dass ihre schlechtesten Ergebnisse allesamt aus Städten stammen. Mit 26,9 Prozent rangiert dabei die bayerische Landeshauptstadt München an letzter Stelle.

Hochburg der LINKEN ist die Stadt Suhl in Thüringen mit 19,5 Prozent der gültigen Stimmen. Sechs ihrer besten zehn Ergebnisse kommen aus Thüringen, die anderen vier aus Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Deutlich zu erkennen ist bei DIE LINKE die Grenze zwischen den neuen Ländern und der alten Bundesrepublik: 290 mal blieb DIE LINKE unter fünf Prozent der Stimmen, alle diese Städte und Landkreise liegen in den alten Ländern. Ihr schlechtestes Ergebnis erreichte sie mit 1,2 Prozent im bayerischen Landkreis Straubing-Bogen.

Für die FDP fallen neben einem West-Ost-Gefälle auch die tendenziell schlechteren Ergebnisse in Bayern auf. Ihr bestes Ergebnis kommt mit 9,8 Prozent der gültigen Stimmen aus dem baden-württembergischen Reutlingen. Insgesamt stammen sechs ihrer besten zehn Ergebnisse aus Baden-Württemberg. Im bayerischen Cham erreichte sie dagegen nur 1,6 Prozent der Stimmen. In weiteren 205 Städten oder Landkreisen erreichte sie weniger als fünf Prozent der Stimmen.

Die PARTEI erreichte ihren besten Wert mit 5,7 Prozent der gültigen Stimmen in Leipzig. Deutlich ragen auch andere Städte mit ihren Ergebnissen für die Partei hervor, während echte regionale Schwerpunkte darüber hinaus nicht erkennbar sind. Nur zwei Mal blieb Die PARTEI unter einem Prozent der Stimmen: in den bayerischen Landkreisen Straubing-Bogen mit 0,3 Prozent und Freyung-Grafenau mit 0,2 Prozent der Stimmen.

Klare Hochburg der FREIEN WÄHLER ist der bayerische Landkreis Oberallgäu mit 13,0 Prozent der Stimmen. Im Osten und Süden – mit dem erkennbaren Schwerpunkt Bayern – schnitt die Partei besser ab als im Westen und Norden. Ihr schlechtestes Ergebnis erreichten die FREIEN WÄHLER mit 0,4 Prozent im Landkreis Emsland. In insgesamt 116 Städten oder Landkreisen blieb die Partei unter einem Prozent der Stimmen.

Die Tierschutzpartei erreichte ihr bestes Ergebnis in der Stadt Gelsenkirchen mit 2,5 Prozent der Stimmen. Eindeutige regionale Schwerpunkte sind für die Partei nicht zu erkennen. Die 25 kreisfreien Städte oder Landkreise, in denen die Tierschutzpartei unter einem Prozent der Stimmen liegt, befinden sich jedoch mit Ausnahme des thüringischen Landkreises Eichsfeld alle in den alten Ländern. Das schlechteste Ergebnis stammt mit 0,8 Prozent aus dem niedersächsischen Landkreis Vechta.

Für die ÖDP ist Bayern als wesentlicher regionaler Schwerpunkt erkennbar. Dort erreichte sie in Memmingen mit 6,2 Prozent der Stimmen ihr bestes Ergebnis und errang auch in den weiteren kreisfreien Städten oder Landkreisen immer über einen Prozent der Stimmen. In 281 von 305 nicht-bayerischen Städten oder Landkreisen liegt sie dagegen unter dieser Grenze. Ihr schlechtestes Ergebnis stammt aus dem Salzlandkreis in Sachsen Anhalt mit 0,2 Prozent.

Die FAMILIE hat einen klar erkennbaren regionalen Schwerpunkt in den neuen Ländern (ohne Berlin) sowie dem Saarland. Nur in drei Städten in den neuen Ländern liegt sie unter einem Prozent der Stimmen, wogegen dies für alle kreisfreien Städte und Landkreise in den alten Ländern außerhalb des Saarlandes zutrifft. Ihr bestes Ergebnis erreichte die Partei im Landkreis Elbe-Elster mit 2,6 Prozent, ihr schlechtestes mit 0,2 Prozent der Stimmen in München.

Die Volt erzielte ihre besten Ergebnisse vor allem in Städten. Ihr bestes Ergebnis verzeichnet sie mit 2,9 Prozent der Stimmen in Heidelberg. Auch in Karlsruhe und München liegt sie über zwei Prozent der Stimmen. In 368 von 401 kreisfreien Städten und Landkreisen blieb sie jedoch unter einem Prozent der Stimmen. Das schlechteste Ergebnis stammt dabei mit 0,2 Prozent aus der kreisfreien Stadt Pirmasens in Rheinland-Pfalz.

Die Landkarte mit den Ergebnissen der PIRATEN zeigt Hochburgen in vielen Städten sowie einen erkennbaren Schwerpunkt in Schleswig-Holstein. In der dortigen Landeshauptstadt Kiel erreichte die Partei mit 1,2 Prozent der Stimmen auch ihr bestes Ergebnis. In 386 von 401 Städten und Landkreisen blieb sie jedoch unter einem Prozent der Stimmen und erreichte ihr schlechtestes Ergebnis mit 0,3 Prozent in Garmisch-Partenkirchen.

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