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Die "Rote Kapelle": Widerstand im NS

Redaktion

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Die sogenannte "Rote Kapelle" war eines der wichtigsten Widerstandsnetzwerke im Dritten Reich. Im nationalen Gedenken der Bundesrepublik spielte sie trotzdem lange Zeit keine große Rolle. Am 22. Dezember jährt sich die Hinrichtung der Widerstandskämpfer zum 75. Mal.

Das Ehepaar Arvid und Mildred Harnack gehörte zu den zentralen Figuren, des losen Widestandsnetzwerkes. (© picture-alliance / akg-images)

Heute ist der Hinrichtungsraum im ehemaligen NS-Gefängnis in Berlin Plötzensee eine Gedenkstätte. Fast 3.000 Menschen ermordeten die Nazis hier in der Zeit des Interner Link: Nationalsozialismus. Elf von ihnen – führende Mitglieder der sogenannten Interner Link: "Roten Kapelle" – wurden dort vor 75 Jahren, am 22. Dezember 1942, hingerichtet. Die "Rote Kapelle" war keine geschlossene Widerstandsgruppe, sondern ein loses, eher informelles Netzwerk. Diesem gehörten bis zu 150 Frauen und Männer unterschiedlicher politischer Weltanschauung und gesellschaftlicher Herkunft an, die sich zunächst unabhängig voneinander in kleineren Gruppen und Freundeskreisen trafen und agierten.

Der Name "Rote Kapelle" stammte von den Nationalsozialisten selbst – zunächst ein Sammelbegriff der deutschen Militärabwehr für diverse Gruppen, die unter Verdacht standen, als Spione für den sowjetischen Nachrichtendienst zu arbeiten und einem westeuropäischen Spionagenetzwerk anzugehören. Später bezeichneten die Nazis mit "Roter Kapelle" auch verschiedene linksintellektuelle Gruppen in Berlin.

Die Gruppen um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen wurde von den Nationalsozialisten diesem angeblichen Spionagenetzwerk wegen ihrer Kontaktaufnahme zur Interner Link: Sowjetunion zugeordnet.

Mitte der 1930er Jahre hatte sich um Arvid Harnack, seine Frau Mildred und um Harro Schulze-Boysen und seine Frau Libertas zunächst ein loser Kreis von mehreren Diskussionsgruppen gebildet. Harro Schulze-Boysen war vor Beginn des Nationalsozialismus Publizist und seit 1934 Oberleutnant in der Nachrichtenabteilung des Reichsluftfahrtministeriums und hatte so auch Zugang zu kriegswichtigen Informationen. Arvid Harnack war Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium. Er und seine Frau Mildred trafen sich mit Intellektuellen und Wissenschaftlern. Zu ihnen gehörten der Bildhauer Kurt Schumacher, der 1942 ebenfalls in Plötzensee hingerichtet wurde und der Schriftsteller Günther Weisenborn. Hinzu kamen ein Kreis junger Kommunisten sowie eine Gruppe um den Schweizer Psychoanalytiker John Rittmeister und viele andere Nazi-Gegner – so etwa Adolf Grimme, Sozialdemokrat und Namensgeber des Grimme-Preises.

Erst zu Beginn der 1940er Jahre stellten Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen Kontakt zwischen den einzelnen Gruppen her.

Flugblätter gegen Misswirtschaft und Kriegsverbrechen

Die Gruppen dokumentierten Interner Link: Kriegsverbrechen und verteilten Flugblätter und Klebezetteln in Berlin. Sie prangerten darin die Misswirtschaft der Nazis im eigenen Land, Millionen Kriegstote und deutsche Kriegsverbrechen an.

In einem Flugblatt aus dem Frühjahr 1942 hieß es beispielsweise: "Alle, die sich den Sinn für echte Werte bewahrten, sehen schaudernd, wie der deutsche Name im Zeichen des Hakenkreuzes immer mehr in Verruf gerät." In allen Ländern würden "heute täglich Hunderte, oft Tausende von Menschen standrechtlich und willkürlich erschossen oder gehenkt". Der Hass der gequälten Menschheit belaste das ganze deutsche Volk.

Warnung vor Angriffskrieg gegen die Sowjetunion

Ab Beginn der 1940er Jahre hatten Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen Kontakt zum sowjetischen Nachrichtendienst in Berlin aufgenommen. Harnack und Schulze-Boysen sollen diesem Mitte 1941 konkrete Informationen über Angriffspläne Hitlers auf die zu dieser Zeit noch mit dem Deutschen Reich verbündete Sowjetunion übermittelt haben. Der sowjetische Staatschef Josef Stalin höchstpersönlich soll den Informationen nicht geglaubt haben. Am 21. Juni 1941 marschierte Interner Link: die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion ein.

Was und wie viel Harnack und Schulze-Boysen tatsächlich der sowjetischen Seite berichteten, war in der historischen Forschung lange umstritten. Ein durchgängiger Kontakt kam wohl nicht zustande. Klar ist jedoch: Der Kontakt mit Moskau wurde der Widerstandsgruppe zum Verhängnis – im Sommer 1942 fing die deutsche Militärabwehr einen sowjetischen Funkspruch ab, in dem Harro Schulze-Boysen mit Klarnamen benannt wurde.

Durch sowjetischen Funkspruch enttarnt

Andere Mitglieder der "Roten Kapelle" wurden ebenfalls rasch entdeckt. Zwischen August 1942 und Frühjahr 1943 verhaftete die Gestapo 126 angebliche Kollaborateure, die sie der Gruppe zurechnete. Sie wurden wegen "Spionage", "Vorbereitung zum Hochverrat" oder "Feindbegünstigung" vom Volksgerichtshof zum Tod oder zu hohen Haftstrafen verurteilt. Der 1943 eingerichtete Volksgerichtshof war im Nationalsozialismus ein politisches Gericht, das vor allem Prozesse gegen politische Gegner des NS-Regimes fällte. Insgesamt hat der Volksgerichtshof bis 1945 5.200 Todesurteile gesprochen.

Am 22. Dezember 1942 wurden Harro Schulze-Boysen, seine Frau und Mitkämpferin Libertas, Arvid Harnack sowie acht weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Viele weitere wurden in den Wochen und Monaten darauf ermordet, darunter Harnacks Frau Mildred. Nur wenige überlebten.

Erinnerungspolitik und geteiltes Gedenken an die "Rote Kapelle"

Das Gedenken an die sogenannte "Rote Kapelle" war über Jahrzehnte von der ideologischen Gegnerschaft des Kalten Krieges geprägt. In der Bundesrepublik wurden die Mitglieder der "Roten Kapelle" noch Jahrzehnte nach Kriegsende als kommunistische "Vaterlandsverräter" diffamiert. Viele westdeutsche Historiker hatten die Widerständler als Spionageorganisation im Dienste des Feindes eingeordnet. Die DDR-Geschichtsschreibung dagegen idealisierte und instrumentalisierte die "Rote Kapelle" als antifaschistische Helden und stellte die eigentlich lose Gruppierung als straff organisierte kommunistische Kadergruppe dar, die Moskaus Befehle ausführte.

Der neueren Forschung zufolge jedoch gehörten neben Kommunisten und Sozialdemokraten auch viele bürgerliche Regimegegner dem Netzwerk an. Neben einer großen Zahl an Künstlern und Intellektuellen konspirierten in der Widerstandsgruppe auch Beamte und Militärs sowie Studenten, Ärzte und Arbeiter.

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