Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen

Moskau und das Mittelmeer | APuZ 41/1968 | bpb.de

Archiv Ausgaben ab 1953

APuZ 41/1968 Moskau und das Mittelmeer Die Entwicklungsländer A. Wirtschaftliche, kulturelle und politische Probleme der Entwicklungsländer

Moskau und das Mittelmeer

Curt Gasteyger

I.

Hans Bräker: Die Entwicklungsländer.............................. S. 11

„Die Russen scheinen mir mehr darauf erpicht zu sein, Häfen im Mittelmeer zu gewinnen, als Bonaparte in Ägypten zu vernichten.“ So schrieb Horatio Nelson im Jahre 1799. Mag man „Bonaparte" als Synonym für Präsident Nasser oder für die Sechste Flotte nehmen — besser als mit diesen Worten ließe sich die heutige Betroffenheit des Westens über die sowjetischen Ziele im Mittelmeer schwerlich ausdrücken. Bezeichnen die Anfänge einer sowjetischen Flottenpräsenz im Mittelmeer das Ende einer Ära, in der dieses Meer zwar nicht ständig von ein und derselben, aber stets nur von einer einzigen’ Macht beherrscht wurde? Das Mittelmeer, Treffpunkt dreier Kontinente und Schmelztiegel vieler Kulturen, hat im Gegensatz zu Kontinentaleuropa niemals ein dauerhaftes Gleichgewicht der Mächte gekannt. Auf die Pax Romana folgten Jahrhunderte der islamischen Herrschaft; an ihre Stelle trat dann allmählich ein unsicheres Verhältnis zwischen der Pforte und dem aufsteigenden britischen Imperium, das seinerseits gelegentlich von Frankreich bedroht wurde. Die Eröffnung des Suezkanals verwandelte das Mittelmeer aus einem Binnenmeer in das Hauptbindeglied zwischen Atlantischem und Indischem Ozean und machte es so zu einer wichtigen kommerziellen und militärischen Verkehrsader. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann das Mittelmeer als strategisches Verbindungsstück zwischen Ost und West noch mehr Bedeutung. Als Schlüsselzone des westlichen Abschreckungssystems, das die kommunistische Welt vom Nordkap bis Okinawa umschloß, blieb es unter dem Einfluß der atlantischen Mächte; erstmalig stellte eine auswärtige Macht das hauptsächliche Herrschaftsinstrument: die Vereinigten Staaten mit ihrer Sechsten Flotte.

Es hat jetzt den Anschein, als ob diese vierte Phase der Vorherrschaft einer Macht zugleich die letzte wäre. Seit dem arabisch-israelischen Krieg im Juni 1967 hat die Sowjetunion ihre politische und militärische Präsenz bedeutend verstärkt, und sie zeigt keine Absicht, sich zurückzuziehen. Es ist ihr gelungen, aus der Rolle des fernen Beobachters herauszutreten, der seine Interessen in der Region nur durch verbale Deklarationen verteidigen oder fördern konnte. Die Bestürzung, die darüber im Westen herrscht, erscheint übertrieben oder verfrüht; auf jeden Fall wäre es jedoch kurzsichtig, leugnen zu wollen, daß die neue sowjetische Präsenz beträchtliche politische und militärische Auswirkungen haben wird.

Aus zwei Gründen wird dem neuen sowjetischen Engagement so viel Bedeutung beigemessen: es kann mit einem Wandel der sowjetischen Strategie in Verbindung gebracht werden, und es vollzieht sich in einem besonders empfindlichen Teil der Welt. Von dem dritten arabisch-israelischen Krieg ganz abgesehen, machen mehrere Entwicklungen der jüngsten Zeit das Mittelmeer anfällig für sowjetische Bedrohung. Dazu gehören: der bevorstehende Rückzug der Briten aus dem Gebiet „östlich von Suez"; der Militärputsch in Griechenland; die noch immer ungelöste Zypernkrise und die damit verbundenen griechisch-türkischen Spannungen; Großbritanniens Streit mit Spanien um Gibraltar; Frankreichs Rückzug aus der NATO, sein Rückzug aus den Flottenstützpunkten in Tunesien und Algerien und sein Versuch eines „Re-Engagements" im Nahen Osten; die Ungewißheiten der italienischen Innenpolitik; die vielfältigen Spannungen zwischen dem Westen und den Arabern. Theoretisch könnte die Sowjetunion jede dieser Situationen aus-3 beuten. Das hieße jedoch von der Annahme ausgehen, daß die gesamte Mittelmeerküste eine politische und strategische Einheit sei, auf die eine Großmacht wie die UdSSR nach Belieben Einfluß ausüben könnte. Gegenwärtig gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, daß eine solche Möglichkeit bestünde — die Vereinigten Staaten mußten das in den fünfziger Jahren durch bittere Erfahrungen feststellen.

Die fünfzehn Mittelmeerländer haben wenig miteinander gemein. Ihr politischer Hintergrund ist ganz verschieden, und sie befinden sich auf unterschiedlichen Stufen der wirtschaftlichen Entwicklung. Daß sie eine ausgeprägte Interessengemeinschaft bilden könnten, ist von ihnen weniger zu erwarten als von jeder anderen Staatenkonstellation, ausgenommen vielleicht die Anrainerstaaten des Indischen Ozeans. Es ist deshalb zweifelhaft, ob eine auswärtige Macht hoffen kann, nennenswerten Einfluß im gesamten Mittelmeerraum zu erlangen. Allerdings sehen manche kommunistische Beobachter in Ereignissen wie dem Sturz Ben Bellas, Sukarnos und Nkrumahs, der arabischen Niederlage im Juni 1967 und dem Militärputsch in Griechenland Teilstücke einer „CIA-Verschwörung", die darauf abziele, die „progressiven" Kräfte in der Welt und insbesondere im Mittelmeerraum zu schwächen. Präsident Tito scheint von dieser Theorie beeinflußt gewesen zu sein, als er sich während des Juni-Krieges so energisch für Präsident Nasser einsetzte. In der Befürchtung, sein letzter und bester Freund in der blockfreien Welt sei in Gefahr, forderte Tito — ein ungewöhnlicher Schritt — die Sowjetführer dringend auf, Nasser zu Hilfe zu kommen. Er war zu diesem Zweck sogar bereit, den Russen das Recht zum überfliegen seines Territoriums einzuräumen und sich nahezu vollständig mit ihrer Nahostpolitik zu solidarisieren. Es mag sein, daß Tito damit geholfen hat, Präsident Nasser zu retten. Ohne Zweifel hat er gleichzeitig dazu beigetragen, die Sowjetunion ins Mittelmeer zu bringen, und zwar schneller und in größerem Maßstab, als er wünschen konnte und als die Russen erwarten durften.

II.

Der russische Drang nach Warmwasserhäfen und Zugängen zu den Weltmeeren einschließlich des Mittelmeers hat eine lange Geschichte.

Daß die sowjetische Präsenz im östlichen Mittelmeer in jüngster Vergangenheit so rapide gesteigert werden konnte, ist zwar mehr der Ausnutzung mehrerer zufälliger Ereignisse als der Ausführung eines genialen Plans zu danken; doch will das nicht heißen, daß die Sowjetunion durch Zufall ins Mittelmeer gekommen wäre. Die Anfänge ihrer gegenwärtigen Politik liegen in den mittleren fünfziger Jahren.

Damals nahm sie, nach mehreren Jahren relativer Inaktivität, mit abgewandelten Methoden eine Politik wieder auf, die Stalin während des Krieges und kurz nach dem Krieg erfolglos betrieben hatte. Tatsächlich besaß die russische Marine bis 1961 einen U-Boot-Stützpunkt in Albanien; und der gegenwärtige Flottenaufbau reicht zurück in das Jahr 1964, in dem eine besondere Mittelmeer-Einheit als Teil der sowjetischen Schwarzmeerflotte gebildet wurde.

Wichtiger als der sowjetische Flottenaufmarsch, der so viel Aufsehen erregt hat, ist die Tatsache, daß die UdSSR offenbar beschlossen hat, sich in einem politisch und strategisch erheblichen Umfang im Mittelmeer zu engagieren und für immer dort zu bleiben — mit allen Konsequenzen, die das nach sich ziehen kann.

Dies scheint einen bedeutsamen Wandel im strategischen Denken der Sowjets widerzuspiegeln. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die sowjetischen Strategen mit der „weltweiten westlichen Einkreisung" konfrontiert. Fast zwei Jahrzehnte lang war ihre Strategie auf die Verteidigung ihrer „inneren Front“ ausgerichtet. Die westliche und insbesondere die amerikanische Verteidigungspolitik fußte auf einer Anzahl weit entfernter Stützpunkte, die sowohl politisch als auch militärisch verwundbar waren; hingegen konnte die Sowjetunion ihre Verteidigung auf ihrem eigenen Territorium oder innerhalb ihrer unmittelbaren Einflußsphäre organisieren. Demütigende Erfahrungen in Kuba und während des Juni-Krieges zeigten, wie wichtig es ist, eine bewegliche und glaubwürdige Seestreitmacht zu besitzen. Das mag die sowjetischen Strategen zu der Überzeugung gebracht haben, daß sich der langfristige Vorteil einer „inneren Front" allmählich in einen glatten Nachteil verwandelt hatte. Denn die Konzentration auf die „innere Front" hatte die Sowjetunion daran gehindert, sich eine mächtige Kriegsmarine zu schaffen, die angesichts der zunehmenden Bedeutung der strategischen Abschreckung von See aus und der Fähigkeit zu weitreichenden Interventionen ein wesentliches Attribut des Großmachtstatus geworden ist.

Es gibt viele Anhaltspunkte dafür, daß die UdSSR jetzt dabei ist, eine Strategie zu entwickeln, die ihren Ambitionen als Supermacht mehr entspricht und es ihr ermöglicht, ihre Freunde in Krisenzeiten besser zu unterstützen. Die Folge kann sein, daß sie sich zunehmend versucht fühlt, ihre neuerworbenen militärischen Fähigkeiten in Gebieten zu entfalten, wo sie bisher ihre Präsenz noch nicht zur Geltung gebracht hat. Durch Brechung der amerikanischen Flottenhegemonie in den meisten See-gebieten einschließlich des Mittelmeers könnte die Sowjetunion versuchen, in strategisch wichtigen Räumen ein regionales Kräftegleichgewicht herzustellen und so das bestehende globale Gleichgewicht zwischen ihr und den Vereinigten Staaten auf unterer Ebene zu ergänzen. Die Sowjets könnten hoffen, auf diese Weise ihren Widersacher daran zu hindern, ungestraft gegen ihre eigenen oder ihrer Schützlinge Interessen — wie sie sie sehen — zu verstoßen. Eine Aktion wie die Intervention im Libanon im Jahre 1958 könnten die Vereinigten Staaten heute sicherlich nicht mehr mit der gleichen Seelenruhe wie damals unternehmen, selbst wenn sie es wollten.

Bevor wir die politischen und strategischen Implikationen des sowjetischen Bemühens, ein strategisches Gleichgewicht im Mittelmeer herzustellen, näher untersuchen, empfiehlt sich ein Blick auf die drei Erscheinungsformen der sowjetischen militärischen Präsenz im östlichen Teil des Meeres und in der angrenzenden nahöstlichen Region.

i.

Da ist erstens die bemerkenswerte Ausdehnung sowjetischer Waffenlieferungen an arabische und andere Mittelmeerländer, angefangen bei „traditionellen Kunden" wie der Vereinigten Arabischen Republik, Syrien, dem Irak, dem Sudan und Algerien bis zum Südjemen, zur Republik Jemen und sogar zu Marokko, das (zum Ärger Algeriens) angeblich leichte Waffen aus der Tschechoslowakei erhält. Weiterhin ist die Sowjetunion seit 1958 an die Stelle der Vereinigten Staaten als Hauptwaffenlieferant Jugoslawiens getreten.

Der Fall Jordaniens, das für kurze Zeit auf der Liste der sowjetischen Kunden auftauchte, zeigt jedoch, daß Moskau vorsichtiger ist, als es manchmal erscheint. Für seinen Verzicht auf Waffenlieferungen an Jordanien waren weniger ideologische Gründe maßgebend als vielmehr eine nüchterne Einschätzung der unerwünschten Folgen, die ein solcher Schritt haben könnte: Israel und Saudi-Arabien wären umringt von Staaten, die von sowjetischer Hilfe abhängig waren, und die Vereinigten Staaten verlören eine der wenigen ihnen noch verbleibenden Möglichkeiten, Einfluß auf Israels Nachbarn auszuüben. Das könnte nur zu einer weiteren Polarisierung der Kräfte führen und würde somit eine praktikable Koexistenz zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn noch mehr erschweren.

Zweitens hat die Sowjetunion ihre technisch-militärische Hilfe an gewisse arabische Länder auffällig verstärkt. Besonders denken wir hierbei an die Ausbilder, Techniker und Ingenieure, die in die Vereinigte Arabische Republik entsandt worden sind. Genaue Zahlen liegen nicht vor, aber Schätzungen bewegen sich zwischen 1000 und 2000 Mann. Wichtiger als die Genauigkeit dieser Zahlen ist jedoch, wie wir sehen werden, die Art und Weise, wie dieses sowjetische Engagement die Beziehungen zwischen den beiden Ländern beeinflußt.

Schließlich hat die Sowjetunion jetzt eine Flotte von etwa 45 Schiffen im Mittelmeer. Diese Flotte verkörpert am auffälligsten ihre Präsenz in der Region und soll die größtmögliche psychologische Wirkung erzielen. Rein zahlenmäßig läßt sie sich mit der amerikanischen Sechsten Flotte (50— 60 Schiffe) vergleichen. Aber den beiden mächtigen amerikanischen Flugzeugträgern mit je 100 Kampfflugzeugen oder den Polaris-U-Booten hat sie nichts Vergleichbares entgegenzusetzen, (übrigens wird oft übersehen, daß die italienische Kriegsmarine der sowjetischen Mittelmeer-flotte sowohl der Zahl wie der Modernität der Schiffe nach überlegen ist.) Vor allem fehlt der sowjetischen Mittelmeerflotte noch eine zuverlässige Luftsicherung, da sie weder über einen Flugzeugträger noch über einen hinreichend nahegelegenen Flugplatz verfügt. Im Mittelmeer mit seinen relativ kurzen Entfernungen mag dies nicht so nachteilig sein wie anderwärts; immerhin ist die Situation unbefriedigend, und die UdSSR wird wahrscheinlich versuchen, sie zu korrigieren.

Ein Weg, das zu erreichen, besteht in der Errichtung ständiger Flotten-und Luftwaffenstützpunkte in befreundeten Ländern. Die Sowjetunion hat in beiderlei Hinsicht einige Fortschritte gemacht. Zur Zeit benutzt sie drei Anlaufhäfen: Alexandria und Port Said in der VAR und Latakia in Syrien. Es liegen jedoch keine Beweise vor, daß sie den algerischen Hafen Mers-el-Kebir von den Franzosen übernommen hätte, und sofern keine schwerwiegende Veränderung in der politisch-militärischen Situation eintritt, ist dies in absehbarer Zukunft auch kaum zu erwarten. Man kann nicht sagen, daß die Sowjets die genannten Häfen als ständige Militärstützpunkte benutzten oder daß sie darauf drängten, sie zu übernehmen. Der Ausdruck „Stützpunkt" ist in diesem Zusammenhang oft mißbraucht worden. Angesichts der größeren Beweglichkeit moderner Flotten und ihrer zunehmenden Unabhängigkeit in bezug auf Versorgung und Nachschub haben die hochkomplexen Stützpunkte an Bedeutung verloren. Deshalb ist es richtiger, von „technischen Einrichtungen" zu sprechen. Zweifellos benutzt die Sowjetmarine diese Häfen in zunehmendem Maße zum Auftanken und für Instandsetzungsarbeiten. Dabei hat sie es bisher sorgfältig vermieden, sich wie eine Neo-Kolonialmacht aufzuführen. Es ist aber schwer zu sehen, wie die Sowjetunion auf die Dauer diesem Vorwurf entgehen soll, wenn sie die Staaten ihrer Klientel gleichzeitig mit modernen Waffen ausrüstet und als ihr großer Protektor in jeder Lage auftritt.

In diesem frühen Stadium hat der sowjetische Aufmarsch im östlichen Mittelmeer in erster Linie eine psychologische Wirkung. Auf längere Sicht sind jedoch eine Reihe von Entwicklungen denkbar, welche die politische und militärische Situation des ganzen Gebiets beeinflussen können. Es ist anzunehmen, daß die sowjetische Präsenz bei den beteiligten Ländern diametral entgegengesetzte Reaktionen hervorrufen wird. Sie können ihre Außen-und Verteidigungspolitik modifizieren, entweder, weil sie in der sowjetischen Präsenz eine Bedrohung ihrer eigenen Position sehen, oder umgekehrt, weil ihnen diese Präsenz als Stärkung ihrer Position erscheint. Ob eine solche Polarisierung tatsächlich eintritt, wird vom Verhalten der Sowjets abhängen, aber auch davon, wie die unmittelbar betroffenen Länder und darüber hinaus die auswärtigen Mächte auf eine Entwicklung reagieren, die sich zu einer weiteren Großmächte-Konfrontation aus-wachsen könnte. Es ist möglich, daß die NATO oder einige ihrer Mitglieder auf ein weiteres Anwachsen des sowjetischen Einflusses dadurch reagieren — vielleicht zu heftig reagieren —, daß sie ihre eigenen Streitkräfte verstärken, die bestehenden Bündnissysteme neu beleben oder eine neue interalliierte Streit-macht schaffen.

Die Befürchtung, die Sowjetunion könne die NATO „in der Flanke umfassen", scheint übertrieben, denn es ist schwer zu sehen, was die UdSSR durch einen solchen Versuch erreichen würde, geschweige denn, wie sie ihn mit der gegenwärtigen Kampfkraft ihrer Mittelmeer-flotte ausführen könnte. Man könnte allerdings argumentieren, daß ihre derzeitige Position es der Sowjetunion erleichtern würde, in einer Krise wichtige Nachschublinien nach Europa abzuschneiden. Die Möglichkeit einer neuen Front im Süden Europas ist daher nicht völlig von der Hand zu weisen. Besonders die Türkei muß diese Eventualität berücksichtigen; sie hatte die sowjetische Flotte schon immer vor ihrer Nordküste, aber jetzt muß sie damit rechnen, auch von Süden bedroht zu werden. Die UdSSR wäre auch imstande, in Krisenzeiten die westlichen Luftverbindungen zwischen NATO und CENTO zu stören. Und solange britische Truppen östlich von Suez stehen, könnte dies auch die britischen Positionen in Asien berühren.

Die UdSSR ist. also im Begriff, sich neue strategische Optionen zu verschaffen, die sie besser wird ausnutzen können, wenn erst einmal ihre Anwesenheit im Mittelmeer fest etabliert ist. Wie weit sie gehen kann, ist eine andere Frage. Die sowjetische Flotte wird noch lange Zeit in mindestens zweierlei Hinsicht verwundbar bleiben: sie ist den Mittelmeerflotten der NATO unterlegen, und ihre Nachschublinien sind ungeschützt. Die Sechste Flotte, die ursprünglich ein Glied der amerikanischen strategischen Abschreckung war und sich nach und nach in ein machtvolles Instrument der ameri-kanischen Diplomatie verwandelt hat, ist wohl-gerüstet, einer sowjetischen Drohung zu begegnen. Es ist schwer zu sehen, was die Sowjetunion unter diesen Umständen hoffen könnte zu erreichen, ohne eine große Konfrontation zu riskieren.

Zu bedenken ist ferner, daß die Sowjetunion keine direkte Kontrolle über Gibraltar und die Dardanellen hat. Die neue sowjetische Präsenz im Mittelmeer verleiht der Frage, wer diese beiden Hauptzugänge kontrolliert, erhöhte Bedeutung. Gerade in diesem Augenblick streiten sich Großbritannien und Spanien über den künftigen Status Gibraltars, während die Vereinigten Staaten voll Unbehagen zuschauen: sie möchten sich ihr enges Verhältnis zu Großbritannien bewahren und sind gleichzeitig darauf bedacht, ihre Stützpunktverträge mit Spanien zu verlängern. Die Sowjetunion hingegen hat kein Geheimnis daraus gemacht, welcher Seite sie den Vorzug gibt: mit einer seltsam gemischten Gruppe von Ländern stimmte sie für eine UN-Resolution, die Spaniens Ansprüche unterstützte und die britische Gibraltar-Politik heftig kritisierte.

Was die Dardanellen betrifft, so hat Moskau bemerkenswerte Zurückhaltung an den Tag gelegt, nachdem zwei Versuche (1945 in Jalta und nochmals 1946), eine Revision des Abkommens von Montreux zu erlangen, fehlgeschlagen waren. Solange die Durchfahrt ihrer Schiffe in keiner Weise behindert wird, ist der Sowjetunion offenbar mehr daran gelegen, ihre Beziehungen zur Türkei zu verbessern, als auf eine Veränderung des gegenwärtigen Status der Meerengen zu drängen, so unbequem und unbefriedigend dieser auch sein mag. Vielleicht fühlt sie sich nicht einmal mehr absolut sicher, ihre bisher unangefochtene Herrschaft über das Schwarze Meer zu behalten, wo sie bis jetzt bulgarische und rumänische Häfen nach Belieben benutzen konnte. Die jüngsten Entwicklungen in der rumänischen Politik lassen den Schluß zu, daß dieser Vorteil nicht für alle Zeiten zu bestehen braucht. Wenn die Auflösungstendenzen im südlichen Flügel des Warschauer Paktes weitergehen, so vermag das zwar die sowjetische Flottenposition im Schwarzen Meer nicht ernstlich zu erschüttern; es kann aber Moskaus weiteren Aufmarsch im Mittelmeer erheblich beeinträchtigen.

Hier also liegt die andere Schwäche der sowjetischen Position im Mittelmeer. Solange die UdSSR über die beiden Zugänge zum Mittelmeer, Gibraltar und die Dardanellen, keine militärische Kontrolle besitzt und auch wenig Hoffnung hat, sie je zu erlangen, bleiben die sowjetischen Nachschublinien verwundbar. Ebenso können politische Veränderungen in Südosteuropa auf die eine oder andere Weise die sowjetische Position im Schwarzen Meer schwächen.

III.

Der größte Unsicherheitsfaktor für die Sowjetunion ist die künftige Politik ihrer arabischen Klientenstaaten. Zwar hat Jugoslawiens Politik der Blockfreiheit viel von ihrer Kraft verloren, da sie in den Mittelmeerländern weitgehend durch die sowjetische Präsenz neutralisiert wird, aber es wäre falsch, zu behaupten, daß die Tage der Block-oder Bündnisfreiheit in dieser Region vorüber seien. Wenn je der arabisch-israelische Konflikt seine Lösung in einer beiderseitig annehmbaren Koexistenz findet, kann der Wunsch nach einem ausgewogeneren Verhältnis zu den beiden Supermächten neu erwachen. Schon jetzt findet man in einigen arabischen Staaten wachsendes Unbehagen über das einseitige Verhältnis — oder gar Abhängigkeitsverhältnis — zur Sowjetunion. Algerien, der Sudan und die VAR haben die diplomatischen Beziehungen mit Großbritannien wiederaufgenommen, und Kairo steuert behutsam auf eine Wiederannäherung an Washington zu. Nasser mag auch bereit sein, die diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland wiederaufzunehmen; nur dürfte dadurch nicht die heikle Frage der Anerkennung Ostdeutschlands aufgeworfen werden — und zweifellos würde die Sowjetunion auf . diese Anerkennung drängen. Kein arabischer Staat, und am wenigsten die VAR, wagt jedoch, die Sowjetunion zu verstimmen, geschweige denn auf ihre Unterstützung zu verzichten. Diese Abhängigkeit ergibt sich natürlich aus ihrem Konflikt mit und ihrer Furcht vor Israel. Solange dieser Konflikt andauert, hat die Sowjetunion einen willkommenen Vorwand, ihre Präsenz im Mittelmeer und ihre Einflußnahme auf die arabische Welt fortzusetzen. Am stärksten bemühen sich die Sowjets um die VAR, nicht nur, weil sie die Führerin der „progressiven" arabischen Staaten ist, sondern auch deshalb, weil sie einen Schlüssel zu Afrika und — durch den Suezkanal — zum Indischen Ozean darstellt. Ohne Einverständnis Kairos wäre es für die Sowjetunion viel schwieriger, sich ihren Einfluß in Afrika zu bewahren, und es wäre für sie praktisch unmöglich, Einfluß im Indischen Ozean auszuüben. Seine jetzige günstige Position macht sich Moskau zweifellos zunutze, um sich seine Rechte auf Benutzung ägyptischer Flotten-und Luftstützpunkte zu sichern, die auch wichtig für die Verbindung mit Bestimmungsorten wie Nigeria oder Aden sind.

Damit kommen wir zum Suezkanal, dem dritten Tor zum Mittelmeer. Seine Schließung hat den betroffenen Parteien unterschiedliche Lehren vermittelt. Die europäischen Länder, vielleicht mit Ausnahme Großbritanniens, haben erkannt, daß für sie der Kanal von seiner strategischen Bedeutung das meiste und von seiner wirtschaftlichen Bedeutung viel verloren hat; er wird noch mehr davon verlieren, in dem Maße, wie die Kosten des Langstrecken-transports um das Kap sinken, wie die Olerzeugung sich breiter verteilt und wie die zunehmende Größe der Tanker und Trockenfrachtschiffe die Benutzung des Kanals unmöglich macht. Abgesehen natürlich von der VAR, scheinen auch die anderen nahöstlichen Länder einschließlich Israels von der Schließung wenig berührt zu sein; einige mögen sogar davon profitieren.

Für Moskau hingegen muß — wenn unsere Annahmen über die langfristige sowjetische Strategie richtig sind — der Kanal in Zukunft mehr und mehr Bedeutung gewinnen. Das sowjetische Bestreben, sich die Mittel zu Interventionen auf weite Distanz zu verschaffen, deutet auf noch weiterreichende Ziele hin. Die Sowjetunion bemüht sich bereits um engere Beziehungen zu südasiatischen Ländern, besonders zu Indien. Speziell nach Großbritanniens Abzug aus den Gebieten östlich von Suez könnte dies ein wichtiger sowjetischer Aktivposten werden, falls Chinas Einfluß infolge der sich verändernden politisch-militärischen Konstellation in Vietnam wächst. Neben der potentiellen strategischen Bedrohung durch China scheint aber noch etwas anderes die Sowjetunion zunehmend zu beunruhigen: die Mög-i lichkeit einer chinesischen Unterwanderung verschiedener Befreiungsbewegungen (wie Al-Fatah in Palästina und die neugeschaffene Untergrundorganisation vom Typ der NLF in Kaschmir), die in einigen ihrer Klientenstaaten aktiv sind.

Da ihre Häfen an der Pazifikküste zu weit entfernt und außerdem mehrere Monate jährlich durch Eis blockiert sind, wird es der Sowjetunion schwerfallen, ihre Verpflichtungen zu erfüllen, wenn sie keine Manövrierfreiheit im Mittelmeer und im Suezkanal hat. Die Sowjets scheinen deshalb im Begriff zu sein, die briti-;

sehe Geschichte zu wiederholen. Diese hat gelehrt: Wer ein strategisches Verhältnis mit Indien haben will, muß den Durchgang über die nahöstliche Landbrücke sicherstellen — das heißt, durch Suez. Mehr noch: Um ihre Nachschublinien und die Fortdauer ihrer Präsenz zu sichern, wird die Sowjetunion nicht nur in Ägypten, sondern auch in den Anrainerstaaten des Roten und des Arabischen Meers und vielleicht auch des Persischen Golfs dominieren oder gute Beziehungen zu ihnen suchen müssen. Und tatsächlich gibt es schon Hinweise, daß Moskau seine ersten Sondierungen in eben dieser Richtung anstellt. Zum Beispiel hat es dem republikanischen Regime im Jemen beträchtliche Luftunterstützung gegen die Royalisten geliefert. Die Sowjetunion hat einen Hafen in Hodeida an der jemenitischen Küste gebaut, und sie hilft den Somalis, einen neuen Hafen in Berbera zu bauen. Gleichzeitig leistet sie der neugegründeten Republik Südjemen umfangreiche Militärhilfe. Sie hat auch ihre Beziehungen zum Iran und zu Pakistan verbessert und damit ein Gebiet, das früher der Nordflügel der westlichen Verteidigung war, in ein Feld des offenen Wettbewerbs zwischen Ost und West verwandelt.

Die Verwirklichung dieser weitgespannten sowjetischen Ziele scheint noch in ziemlich weiter Ferne zu liegen, schon deshalb, weil für eine baldige Wiedererötfnung des Kanals nur geringe Aussichten bestehen, überraschenderweise hat die Sowjetunion wenig getan, um diese Situation zu ändern; diese läuft schließlich ihren eigenen Interessen ebenso zuwider wie denen der VAR, für die jeder Tag der Schließung einen finanziellen Verlust bedeutet. Zwar mag die Sowjetunion nicht fähig oder willens sein, eine rasche Beilegung des gesamten arabisch-israelischen Konflikts zu erzwingen; sie wäre aber unter den augenblicklichen Umständen bestimmt in der Lage, nachdrücklich Verhandlungen über die Zukunft des Kanals zu fordern, wobei sie eventuell ihre Flotte als „Garanten" für die freie Durchfahrt anbieten könnte. Israel würde einen solchen Vorschlag nicht leicht ablehnen können, und viele Länder, vor allem Ägypten, dürften ihn begrüßen.

Aber der Verwirklichung der sowjetischen Ziele stehen vielleicht noch andere Hindernisse entgegen. Auf Grund des verfügbaren Materials müssen wir annehmen, daß scharfe Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Sowjetführung selbst bestehen. Den vorsichtigeren Elementen ist zweifellos klar, daß die Verfolgung eines so weitgespannten Ziels wie das der ständigen Präsenz im Mittelmeer und im Indischen Ozean die sowjetische Wirtschaft schwer belasten und viele unbekannte Risiken und langfristige Verpflichtungen mit sich bringen muß, die keine Regierung ohne zwingende Gründe leichtfertig auf sich nehmen kann. Außerdem entwickelt eine solche Politik ihre eigene Dynamik, die spätere Sowjetregierungen vielleicht nur noch mit Mühe unter Kontrolle halten könnten; britische und amerikanische Regierungen haben ja entsprechende Erfahrungen schon gemacht. Angesichts der jüngsten Lehren aus dem amerikanischen Uberengagement in Asien, der Gärung in Osteuropa und der ungeheuren Wirtschaftsprobleme im eigenen Land verfügen die Befürworter eines vorsichtigen und pragmatischen Kurses über starke Argumente. Sie können auch darauf hinweisen, daß ein so extensiver Einsatz leicht das Gegenteil der erhofften Wirkung hervorrufen könnte: die Sowjetunion fände sich plötzlich mit einer Verantwortung belastet, die sie nie erstrebt hat, und ihr einziger Lohn wäre Entfremdung von den Ländern, die sie unterstützen wollte. Schon jetzt mag die Sowjetführung erkannt haben, daß Spannungen zwischen sowjetischen Ausbildern und ägyptischen Soldaten eine unvermeidliche Nebenwirkung ihrer Anwesenheit in der VAR sind — noch verschlimmert durch einen Botschafter in Kairo, der sich aufführt wie Lord Cromer in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Viel wird mithin davon abhängen, wie Moskau seine Interessen im Mittelmeer und im Nahen Osten definiert und verfolgt. Vielleicht möchten die Sowjets bloß die beste aller Welten haben, nämlich durch Ausbeutung von Konflikten Einfluß gewinnen, ihre Präsenz ausdehnen und ihre eigenen Interessen fördern, ohne größere Verantwortung für die Region selbst zu übernehmen. Möglicherweise werden sie aber feststellen müssen, daß sie in einer so vielgestaltigen Region wie dem Nahen Osten und bei so emotionalen Partnern wie den Arabern nur die Verantwortung und keinen Einfluß bekommen. Oder ihre Bestrebungen erzeugen einen neuen Zusammenhalt in der westlichen Politik und erwecken alte Ressentiments in der blockfreien Welt. Was Moskau auch tut, es wird jedenfalls entdecken, daß es kaum möglich ist, die britische Einflußsphäre zu übernehmen, ohne sich zugleich die imperiale Bürde aufzuladen

IV.

Mit der sowjetischen Präsenz im Mittelmeer beginnt eine neue Ära für diese Region wie für die sowjetische Politik. Die Konfrontation der Supermächte dringt damit über Europa hinaus, aber sie vollzieht sich hier auf einem anderen Niveau und auf andere Art und Weise. Aus mehreren Gründen muß man daran zweifeln, daß sich diese Konfrontation mit der Zeit zu einer mehr oder weniger dauerhaften Koexistenz entwickelt. Es könnte auch das Gegenteil geschehen.

Erstens fehlt dem Mittelmeerraum die politische, ökonomische und ethnische Homogenität, die für einen Stabilisierungsprozeß notwendig ist. Es gibt keine klar abgegrenzten Einflußsphären, zu deren Respektierung sich beide Seiten verpflichtet fühlen würden.

Zweitens ist der arabisch-israelische Konflikt besonders gefährlich, weil das sowjetische und das amerikanische Engagement nach Art und Ausmaß unterschiedlich sind. Gerade diese Asymmetrie und das Ungleichgewicht des Einflusses könnten in Krisenzeiten zu schweren Fehlkalkulationen führen. Im Gefolge des Juni-Krieges ist der sowjetische Einfluß auf Ägypten weit stärker geworden als der amerikanische Einfluß auf Israel. Andererseits machen die sowjetischen Führer kein Geheimnis aus ihrer Absicht, den Gebrauch der Offensivwaffen, die sie der VAR geliefert haben, sorgfältig unter Kontrolle zu halten. Angesichts der Tatsache, daß die ägyptischen Streitkräfte ganz und gar mit sowjetischen Ausbildern durchsetzt sind, kann man annehmen, daß die Sowjetunion verlangt, bei der Planung der ägyptischen Strategie und Diplomatie ein Wort mitzureden. Es ist schwer vorstellbar, daß die Russen Präsident Nasser erlauben könnten, eine größere militärische Aktion gegen Israel zu unternehmen, ohne daß von vornherein sichergestellt ist, daß diese Aktion 1. erfolgreich verläuft und 2. nicht zu einer direkten Konfrontation mit den Vereinigten Staaten führt. Es kann durchaus sein, daß die direkte sowjetische Kontrolle wieder verringert wird, wenn die Neuausrüstung und Reorganisation der ägyptischen Streitkräfte abgeschlossen ist. Aber es steht fest, daß in absehbarer Zukunft die UdSSR unvergleichlich mehr Einfluß auf Ägypten und — in geringerem Maße — auch auf Israels andere arabische Nachbarn ausüben wird, als die Vereinigten Staaten jemals auf Israel ausüben können und ausüben wollen. Unter solchen Umständen ist die Gefahr groß, daß man die Intentionen und Aktionen der anderen Seite falsch einschätzt.

Drittens gibt es kein „Gleichgewicht der Kräfte zur See", wie die Erfahrungen der europäischen Mächte in früheren Jahren unseres Jahrhunderts gezeigt haben. Zwei rivalisierende Flotten haben zweifellos wechselseitig eine große Abschreckungswirkung, aber da sie in den Anrainerstaaten nicht physisch präsent sind, können sie dort keinen wesentlichen Einfluß ausüben. Folglich fühlt sich kein Mittelmeerland in Schranken gehalten oder befürchtet, in einen Großmachtkonflikt hineingezogen zu werden. Hieraus folgt der vierte und wahrscheinlich wichtigste Unterschied zwischen der Konfrontation der Supermächte auf dem europäischen Kontinent und im Mittelmeer: jetzt, wo die beiden Supermächte einander auf See gegenüberstehen, neutralisieren sie gegenseitig teilweise ihren Einfluß auf das umliegende Territorium. Sie müssen also einander wechselseitig abschrecken, aber solange sie kollidierende Interessen verfolgen, werden sie kaum imstande sein, die Klientenstaaten des Gegners abzuschrecken. Infolgedessen gewinnen die kleinen Staaten der Region mehr Manövrierfreiheit bei der Verfolgung ihrer Interessen.

So könnte die Konfrontation der Supermächte im Mittelmeer paradoxerweise die umgekehrte Wirkung haben wie ihre Konfrontation in Kontinentaleuropa. Die größte Gefahr im Mittelmeer ist nicht ein direkter Zusammenstoß zwischen den Supermächten; sie liegt vielmehr darin, daß die Supermächte zu wenig Kontrolle über örtliche Konflikte haben und eines Tages in sie hineingezogen werden könnten. Früher oder später werden sie, mit noch mehr Grund als in Europa, einen modus operandi entwickeln müssen, der auf der Einsicht basiert, daß hier aller Voraussicht nach keine Seite jemals so viel Kontrolle über die Ereignisse haben wird wie in den letzten zwanzig Jahren auf dem europäischen Kontinent und daß ihre Kontrolle sogar noch weiter schrumpfen wird, wenn sie versäumen, ihre grundlegenden Interessen zu koordinieren.

Fussnoten

Weitere Inhalte

Curt Gasteyger, Dr. jur., Programmdirektor des Instituts für Strategische Studien, London, und Herausgeber der Vierteljahres-zeitschrift „Disarmament". Veröffentlichungen u. a.: Die politische Homogenität als Faktor der Föderation, Berlin 1955; Perspektiven sowjetischer Politik, Köln-Berlin 1962; Die Sowjetunion, Krieg und Abrüstung (Hrsg.), 1963; Einigung und Spaltung Europas 1942— 65 (Hrsg.), Frankfurt 1965; Strategie und Abrüstungspolitik der Sowjetunion, in: Bilanz der Ara Chruschtschow, 1966.