Themen Mediathek Shop Lernen Veranstaltungen kurz&knapp Die bpb Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen Mehr Artikel im

Editorial | Ehe | bpb.de

Ehe Editorial Zwischen Paarbeziehung und Polygamie. Zur Geschichte der Ehe in Europa Ehen in Ost und West. Eine deutsche Rechtsgeschichte Das „Herz der Familie“. Zur Entstehung der Hausfrau Ehe im Wandel. Vom biografischen Fixpunkt zur Option Die „Ehe für alle“. Gleichstellung nur im Rahmen der Norm? Eine gute Ehe. Heirat in Mexiko und Namibia Die arrangierte Ehe. Einladung zu einem (neuen) Verständnis

Editorial

Luise Römer

/ 2 Minuten zu lesen

„Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“, so steht es seit dem 1. Oktober 2017 in Paragraf 1353, Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die Aufnahme homosexueller Ehepaare in den Gesetzestext war – trotz weiter bestehender Ungleichheiten etwa in der Anerkennung der Elternschaft eines gemeinsamen Kindes – ein Meilenstein auf dem Weg zur Gleichstellung homosexueller Menschen. Sie zeigt exemplarisch, dass die Ehe als Ergebnis von politischen und gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen einem steten Wandel unterliegt.

Seit den 1950er und 1960er Jahren, dem sogenannten Golden Age of Marriage, nimmt die Zahl der Eheschließungen insbesondere in Westeuropa kontinuierlich ab. Die Ehe ist von einer Norm zu einer Beziehungsform unter vielen geworden, gleichwohl sie weiterhin mit staatlichen Privilegien, beispielsweise im Erb- oder Steuerrecht, einhergeht. Normative Aspekte haben sich auch in Hinblick auf Gleichberechtigung verändert: So wurde in der Bundesrepublik 1957 etwa das alleinige Entscheidungsrecht des Ehemanns über den gemeinsamen Wohnort des Paares oder die Berufstätigkeit der Frau abgeschafft. Vergewaltigung in der Ehe ist hierzulande dagegen erst seit 1997 strafbar. Die Ehe kann also auch Ungleichheiten zementieren – ein Argument, das unter anderem in der Debatte um das Ehegattensplitting angeführt wird.

Global betrachtet ist die Ehe nach wie vor von großer Bedeutung. In vielen Kulturen strukturiert sie das gesellschaftliche und familiäre Zusammenleben und betrifft nicht nur das Paar, sondern die gesamte Familie. Nicht selten hat diese auch ein (Mit-)Bestimmungsrecht bei der Wahl des Partners oder der Partnerin; knapp die Hälfte aller Ehen weltweit ist arrangiert, wobei diese Form der Ehe nicht mit Zwangsehen gleichzusetzen ist. Ob als primär individuelle Angelegenheit oder eingebettet in ein kollektivistisches System: Die Institution der Ehe wird auch in Zukunft ein Spiegel der jeweiligen sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Verhältnisse sein.