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Editorial

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Anne-Sophie Friedel

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Weltweit werden jährlich rund 325 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Im Lichte des Bevölkerungswachstums und steigender Einkommen insbesondere in den Ländern des Globalen Südens hat sich die Nachfrage in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Als einer der größten Fleischproduzenten und -exporteure profitiert Deutschland von dieser Entwicklung. Zugleich ist der Fleischkonsum hierzulande rückläufig: Aßen die Deutschen 2010 durchschnittlich 62,4 Kilogramm Fleisch, waren es 2020 noch 57,3 Kilogramm; immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder verzichten ganz auf tierische Produkte.

In Deutschland hat der kritische Diskurs zum scheinbar selbstverständlichen Grundnahrungsmittel an Breite und Schärfe zugenommen. Neben gesundheitlichen Aspekten des Fleischkonsums stehen vor allem die Auswirkungen der industriellen Fleischproduktion auf Tierwohl, Klima und Artenvielfalt im Mittelpunkt. Spätestens seit den massiven Corona-Ausbrüchen in einigen großen Fleischbetrieben 2020 sind auch die prekären Arbeitsbedingungen in der Branche, die – ganz untypisch für "Made in Germany" – seit den 1990er Jahren auf möglichst geringe Produktionskosten setzt, in das öffentliche Bewusstsein gerückt.

Der tatsächliche Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit in der Fleischwirtschaft erweist sich jedoch als zäh. Während mit dem im Dezember 2020 verabschiedeten Arbeitsschutzkontrollgesetz, das unter anderem Werkverträge und Leiharbeit in der Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung verbietet, die Grundlage für eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen geschaffen wurde, steht in der Agrarpolitik die Umsetzung jahrelang diskutierter Vorhaben wie ein staatliches Tierschutzlabel für Fleischprodukte weiter aus.

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