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Editorial | Jugend 2025 | bpb.de

Jugend 2025 Editorial Warum Jugendforschung oft Unsinn ist - Essay Jugendliche in Deutschland im Spiegel der Gesellschaft Wie wählen junge Menschen? Erkenntnisse aus den Bundestagswahlen 1972 bis 2025 Zum Stellenwert von Kindern und Jugendlichen in der Politik. Eine kinderethische Analyse - Essay Jugendstrafrecht auf dem Prüfstand. Gewaltkriminalität von jungen Menschen Kinder- und Jugendarmut. Ein Fakten- und Lebenslagencheck

Editorial

Johannes Piepenbrink

/ 2 Minuten zu lesen

Kinder und Jugendliche sind in Deutschland eine Minderheit: Von den knapp 83,5 Millionen hier lebenden Menschen sind etwa 15,6 Millionen unter 20 Jahre alt. Auch wenn dies ein historisch geringer Anteil an der Gesamtbevölkerung ist, sind die Kinder und Jugendlichen in ihrer Gesamtheit so unterschiedlich und vielfältig, dass sich kaum von „der Jugend“ im Singular reden lässt. Dennoch scheint eine Trendstudie die nächste zu jagen, um in immer kürzeren Abständen immer neue Buchstaben-Etikettierungen an vermeintlich neue Generationen zu heften und ihnen damit pauschal bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben.

Dazu passt, dass „die Jugend“ im öffentlichen und politischen Diskurs oft nur als Objekt vorkommt – dass also über sie gesprochen und geschrieben wird, ohne sich glaubwürdig für ihre Belange zu interessieren oder sie gar einzubeziehen: Das war bei den Schulschließungen während der Coronapandemie der Fall, und so ist es immer noch häufig – aktuell etwa, wenn es um die Themen Schulden, Rente, Klima oder Wehrpflicht geht. Auch in der jüngst veröffentlichten Abschlussdokumentation des „Nationalen Aktionsplans für Kinder- und Jugendbeteiligung“ der Bundesregierung wird konstatiert: „In vielen Bereichen fehlen nach wie vor echte und wirksame Möglichkeiten für junge Menschen, Einfluss zu nehmen.“

Junge Wählerinnen und Wähler gelten für politische Parteien oftmals als schwer erreichbare oder unberechenbare Gruppe, deren Parteipräferenzen sich von Wahl zu Wahl ändern. Dabei liegen die Interessen der Jugend vielfach auf der Hand: mehr Mitsprache, bessere Zugänge zu guter Bildung, eine gleichmäßigere Verteilung erwartbarer Kosten auf die verschiedenen Generationen, die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und anderes mehr. Ihr geringer Anteil an der Gesamtwählerschaft macht die Jugend als politische Zielgruppe aber offenbar weniger relevant. Es ließe sich indes auch genau andersherum betrachten: Wer heute für die Belange der Jüngeren eintritt, kümmert sich um die Wählerinnen und Wähler von morgen – und macht die eigene Politik damit zukunftsfester.