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Widerstand als Reaktion auf Krieg und NS-Gewaltverbrechen

Prof. Dr. Johannes Tuchel Julia Albert

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Die Versuche, Widerstand zu organisieren, erfolgten unter der ständigen Bedrohung durch ein politisches Regime, das einen Eroberungskrieg in Europa vorbereitete und dafür im Innern entsprechende Vorkehrungen traf. Zu diesen Vorkehrungen gehörten die Aufrüstung, aber auch die Gleichschaltung, Ideologisierung, Militarisierung und ständige Mobilisierung der deutschen Gesellschaft im Rahmen der "Volksgemeinschaft".

Die Versuche, Widerstand zu organisieren, erfolgten unter der ständigen Bedrohung durch ein politisches Regime, das einen Eroberungskrieg in Europa vorbereitete und dafür im Innern entsprechende Vorkehrungen traf. Zu diesen Vorkehrungen gehörten die Aufrüstung, aber auch die Gleichschaltung, Ideologisierung, Militarisierung und ständige Mobilisierung der deutschen Gesellschaft im Rahmen der "Volksgemeinschaft".

Infolge des Krieges wurden viele Männer zur Wehrmacht einberufen. Um ihre Arbeitskraft zu ersetzen und für den "Endsieg" des Deutschen Reiches zu sorgen, wurden Millionen Menschen aus den von den Deutschen eroberten und besetzten Ländern zur Zwangsarbeit in der Industrie und in der Landwirtschaft nach Deutschland gebracht. Unmittelbar hinter der Front begannen schon wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen Gewaltverbrechen, die für die nächsten Jahre die besetzten Gebiete zum Zentrum des Massenmords werden ließen. Doch auch in Deutschland selbst wurde im Herbst 1939 mit der Mordaktion an 200.000 kranken und hilflosen Menschen ein Massenverbrechen verübt, das verharmlosend als Euthanasie – "Gnadentod" – bezeichnet wurde. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 folgte dann der Massenmord an sowjetischen Kriegsgefangenen. Die Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten fiel nicht nur dem Kriegsgeschehen zum Opfer. Viele wurden als Partisanen verdächtigt und hingerichtet oder Ziel von Vergeltungsaktionen. Im selben Jahr setzte das NS-Regime den planmäßigen Völkermord an den Juden Europas in Gang, der mehr als sechs Millionen Menschenleben fordern sollte. Auch hunderttausende Sinti und Roma wurden Opfer des nationalsozialistischen Genozids.

Regimegegner stellten sich gegen Krieg und Völkermord. Sie waren oftmals vereinzelt und verzweifelt. Hinzu kam, dass sich ab Kriegsbeginn im Herbst 1939 die Rahmenbedingungen für die Regimegegnerschaft entscheidend verschlechtert hatten. Eine Vielzahl von Sonderbestimmungen, die im "Kriegssonderstrafrecht" zusammengefasst waren, ermöglichten höhere Strafen als bisher gegen alle, deren Verhalten auch nur geringfügig von der Norm abwich. Todesurteile gegen Kriegsdienstverweigerer gehörten jetzt ebenso zur Realität des NS-Staates wie schwere Strafen für diejenigen, die ausländische Rundfunksender gehört hatten und von "Volksgenossen" denunziert worden waren.

Unter diesen Bedingungen wurde die Bildung oppositioneller Netze und Gruppen immer schwieriger, die Gefahr des Verrats immer größer. In einer Gesellschaft, in der Meinungsaustausch mit Argwohn betrachtet wurde, boten nur Freundes- und Diskussionskreise die Möglichkeit für die Weiterentwicklung politischer Konzepte. Jenseits von Meinungsverschiedenheiten in Details waren sich alle Regimegegner jedoch einig in ihren Forderungen nach dem Sturz Hitlers, dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen und des von den Nationalsozialisten entfesselten Vernichtungs- und Weltanschauungskrieges. Angesichts von Krieg und Gewaltherrschaft wollten sie gegenüber den Herausforderungen der Diktatur nicht tatenlos bleiben.

Mordaktion in Serbien, Oktober 1941 (© Baier © ECPAD, Paris)

Widerstand aus der Arbeiterbewegung

Als der Krieg begann, bemühten sich die Regimegegner aus der Arbeiterbewegung um den Aufbau von betrieblichen Widerstandsgruppen. Sie versuchten, Nachrichten über den tatsächlichen Kriegsverlauf zu verbreiten, die Rüstungswirtschaft zu sabotieren und Verfolgte zu unterstützen. Obwohl die Nationalsozialisten in den 1930er-Jahren bereits nahezu alle größeren Widerstandsgruppen von Kommunisten, Sozialdemokraten und Sozialisten zerschlagen hatten, konnten Verfolgung und Entrechtung den Willen der Regimegegner nur selten brechen. Die Erfahrungen der Haft bestärkten viele in ihrem Entschluss, den NS-Staat weiterhin bei jeder sich bietenden Gelegenheit aktiv zu bekämpfen. Neue Widerstandsorganisationen aufzubauen und Kontakte zu anderen Gruppen herzustellen, gelang jedoch nur in wenigen Fällen.

Viele Kommunisten hatte der Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 23. August 1939 wie ein Schock getroffen. Ein großer Teil von ihnen wollte nun einen eigenen, von der Moskauer Führung unabhängigen Weg finden und sich neu orientieren. Erst der Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 und die Kenntnis von den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen bewirkten eine neuerliche Verstärkung kommunistischer Widerstandsaktivitäten und eine Wiederannäherung an die Politik der Sowjetunion und der KPD-Führung.

Auch frühere KPD-Funktionäre, die 1939 und 1940 aus Konzentrationslagern und Zuchthäusern zurückkehrt waren, versuchten, neue Widerstandsgruppen aufzubauen. So entstanden um Robert Uhrig in Berlin, um Theodor Neubauer in Mitteldeutschland und um Bernhard Bästlein in Hamburg große Widerstandsorganisationen; eine weitere um Wilhelm Knöchel war im Ruhrgebiet aktiv. Später bildete sich in Berlin eine weit verzweigte kommunistische Widerstandsorganisation um Anton Saefkow und Franz Jacob. Sie verstand sich als Inlandsleitung der KPD und orientierte sich an den Zielen des 1943 von emigrierten Kommunisten und deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion gegründeten Nationalkomitees "Freies Deutschland".

Diese Organisationen, in denen auch Sozialdemokraten und Sozialisten mitwirkten, verbreiteten Flugblätter und selbstgefertigte Flugschriften. Vor allem aber versuchten sie, in den Betrieben ihre Basis auszubauen und sich auf die Zeit nach der Befreiung von der NS-Herrschaft vorzubereiten. Doch immer wieder schleuste die Gestapo Spitzel in die kommunistischen Gruppen ein und konnte sie so zerschlagen.

Einige sozialistische Gruppen wie die Revolutionären Sozialisten und der Internationale Sozialistische Kampfbund konnten ihre Widerstandsaktivitäten bis in die Kriegszeit fortsetzen. Sozialdemokratische Regimegegner festigten vor allem ihre Kontakte untereinander, ohne allerdings fest organisierte Gruppen aufzubauen. Ihr Ziel war es, nach einer deutschen militärischen Niederlage, die die Befreiung vom Nationalsozialismus bedeutete, politisch handlungsfähig zu sein.

Einzelne Sozialdemokraten und Gewerkschaftsführer standen in enger Verbindung mit den Berliner Widerstandskreisen um Carl Friedrich Goerdeler, Helmuth James Graf von Moltke und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Im Sommer 1944 loteten Julius Leber und Adolf Reichwein, die neben Wilhelm Leuschner als Repräsentanten der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung galten, mit der Berliner Widerstandsorganisation um Anton Saefkow und Franz Jacob grundlegende Fragen der Zusammenarbeit aus.

All diese Gruppen stellten sich den täglichen Herausforderungen der illegalen Arbeit, indem sie sich gemeinsam auf die Grundlagen von Menschlichkeit und politischer Selbstbehauptung besannen. Oft setzten sie damit zugleich Zeichen für die Traditionen der Arbeiterbewegung, die sich in der Weimarer Zeit verhängnisvoll gespalten hatte und nun unter dem Druck der Kriegsverhältnisse verschüttet zu werden drohte.

Die Europäische Union

In den ersten Kriegsjahren fanden sich in Berlin Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft zusammen, die den Verbrechen des NS-Regimes nicht länger tatenlos zusehen wollten. Sie standen in Kontakt mit verschiedenen sozialistischen und kommunistischen Widerstandsgruppen, ohne jedoch enger mit diesen zusammenzuarbeiten. Georg Groscurth, Arzt und Dozent an der Berliner Universität, und sein Freund, der Chemikophysiker Robert Havemann, versuchten gemeinsam mit dem Architekten Herbert Richter und dem Dentisten Paul Rentsch immer wieder, verfolgten Menschen zu helfen. Mit einem Netz von Verbündeten, die Lebensmittelmarken sammelten, Papiere besorgten und Informationen beschafften, unterstützten sie illegal lebende jüdische Freunde.

Groscurth half Soldaten, sich als front- oder dienstuntauglich dem Kriegsdienst zu entziehen. Gemeinsam mit Havemann war er zudem seit Ende der 1930er-Jahre an Forschungen über Kampfgase beteiligt, die sie sabotierten und so ergebnislos in die Länge zogen. 1943 gelang es ihnen, mit Hilfe des Exil-Russen Konstantin Shadkewitsch Kontakt zu verschiedenen Gruppen von Zwangsarbeitern aufzunehmen, die nach Deutschland verschleppt worden waren. Sie unterstützten deren Versuche, Widerstandorganisationen aufzubauen, indem sie Kontakte vermittelten und die Verbindungen zwischen den verschiedenen Gruppen aufrechterhielten. Im Sommer 1943 verfassten Havemann, Groscurth, Richter und Rentsch mehrere programmatische Texte. Sie gaben ihrer Gruppe den Namen "Europäische Union" und wollten damit ausdrücken, dass sie die Widerstandsaktivitäten der aus vielen europäischen Nationen stammenden Zwangsarbeiter unterstützten. Im Kampf gegen das NS-Regime sahen sie die Grundlage für eine gesamteuropäische sozialistische Nachkriegsordnung.

Die meisten Mitglieder der Europäischen Union wurden im Spätsommer 1943 von der Gestapo festgenommen. Die Gruppe galt den Nationalsozialisten als besonders gefährlich, weil sie sich aus angesehenen Intellektuellen und Angehörigen verschiedener Nationen zusammensetzte. 1943/44 wurden gegen 16 Angeklagte Todesurteile verhängt. Andere verloren ihr Leben schon in der Voruntersuchung, wurden in den Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau ermordet, starben nach ihrer Verurteilung zu Haftstrafen im Gefängnis oder unmittelbar nach der Befreiung an den Folgen der Haft.

Die Widerstandsgruppe um Herbert Baum

Die Widerstandsorganisation um Herbert Baum und seine Frau Marianne bestand aus jungen Menschen, die dem Kommunismus nahe standen und durch ihre gemeinsamen Erfahrungen als verfolgte Juden geprägt waren. Deshalb werden Herbert Baum und seine Mitkämpfer häufig als jüdische Widerstandsgruppe bezeichnet oder als Kreis einer gegen das NS-Regime gerichteten Jugendopposition gedeutet. Sie selbst verstanden sich aber stets als Angehörige der kommunistischen Widerstandsbewegung.

Die Mitglieder der Gruppe kannten sich teilweise bereits seit dem Ende der Weimarer Republik und hatten schon früh erste Erfahrungen im Widerstand gegen das NS-Regime gesammelt. 1938/39 fanden sich einige der jüdischen Freunde von Herbert Baum erneut zusammen. Sie versuchten unabhängig von anderen kommunistischen Berliner Widerstandsgruppen, eigenständige Formen des Protests und des Widerstands zu entwickeln.

Seit dem Überfall deutscher Truppen auf die Sowjetunion im Sommer 1941 verbreiteten sie Flugblätter, um so auf das Unrecht und die gefährlichen Folgen des Krieges aufmerksam zu machen. Ihre spektakulärste Aktion war ein Brandanschlag auf die Propagandaausstellung "Das Sowjetparadies" im Berliner Lustgarten am 17. Mai 1942. Herbert Baum und seine Freunde, die besondere Sympathie für die Bevölkerung der Sowjetunion empfanden, wandten sich mit ihrer Tat vor allem gegen deren Verunglimpfung als "slawische Untermenschen" und gegen die Verbindung von antijüdischer und antikommunistischer Propaganda.

Binnen weniger Tage wurden sie verhaftet, vermutlich nach einer Denunziation. Drei der Festgenommenen, neben Herbert Baum Walter Bernecker und Elfriede Schaumann, begingen in der Untersuchungshaft Selbstmord. Insgesamt fielen mehr als 20 Menschen aus den Kreisen um Herbert Baum der nationalsozialistischen Verfolgung zum Opfer.

Widerstand aus christlichem Glauben

Seit der Mitte der 1930er-Jahre gelang es den Nationalsozialisten zunehmend, den Kreis oppositioneller evangelischer Christen zu schwächen. Martin Niemöller, ein Wortführer des Kirchenkampfes, wurde 1937 festgenommen und 1938 ins Konzentrationslager eingewiesen. Andere Pfarrer aus der Bekennenden Kirche wurden bedroht und mit Predigtverbot belegt. Nach der Ermordung des Pfarrers Paul Schneider im KZ Buchenwald erkannten viele evangelische Regimegegner, mit welcher Brutalität die Nationalsozialisten ihre Drohungen verwirklichten.

Nicht alle Pfarrer und Christen aus den evangelischen Gemeinden resignierten oder ließen sich einschüchtern. Sie beteiligten sich an Hilfsaktionen für Verfolgte, traten den Zumutungen des Staates und der nationalsozialistischen "Deutschen Christen" offen entgegen und verstärkten auf ihre Weise den kleinen Kreis unbeugsamer Protestanten, die Hitlers Herrschaft ablehnten und bekämpften.

Unter den Bedingungen des Krieges erkannten evangelische Christen vermehrt den verbrecherischen Grundzug deutscher Politik. Wurden einzelne Pfarrer und Gemeindemitglieder bedrängt und festgenommen, weil sie sich angeblichen Zwängen des Krieges nicht unterwerfen wollten, so rückten oftmals Gleichgesinnte nach. Sie vertraten christliche Glaubensüberzeugungen und protestierten deshalb gegen Verbrechen hinter der Front, gegen die entwürdigende und menschenverachtende Behandlung von Kriegsgefangenen und schließlich gegen die Deportation von Juden. Sie litten darunter, dass ihr Protest zu schwach und ihre Kirche weitgehend stumm blieb. Einer der wichtigsten Wortführer des Protestantismus wurde während des Krieges der württembergische Landesbischof Theophil Wurm, der gegen die Ermordung von Menschen mit geistiger Behinderung öffentlich Einspruch erhob.

Der überzeugte Pazifist Hermann Stöhr widersetzte sich aus christlicher Überzeugung seiner Einberufung zum Kriegsdienst. Er wurde hingerichtet, weil er sich weigerte, den Fahneneid auf Hitler zu leisten. Dietrich Bonhoeffer beteiligte sich bis zu seiner Festnahme im April 1943 aktiv an der Verschwörung gegen Hitler. Er wusste, dass seine Entscheidung aus eigener Verantwortung erfolgte und seitens der Kirche nicht gedeckt wurde.

Evangelische Christen, die sich politisch gegen das NS-Regime wandten, konnten ihren Selbstbehauptungswillen aus den Grundlagen ihres Glaubens schöpfen, nicht aber auf die Unterstützung durch ihre Kirche hoffen. Sie blieben auf sich gestellt und fühlten sich oft allein gelassen.

Schon bald nach Abschluss des Reichskonkordates von 1933 war unübersehbar, dass Hitler den Einfluss des Katholizismus auf das öffentliche Leben zurückdrängen wollte. Seit Mitte der 1930er-Jahre setzten einzelne Geistliche und Gläubige dem Zeichen ihres Selbstbehauptungswillens und ihrer Glaubenstreue entgegen. Auseinandersetzungen um die Entkonfessionalisierung von Schule und Erziehung sowie die Kämpfe um Glaubenssymbole und kirchliche Wirkungsmöglichkeiten zeigten den Machthabern, wie unbeirrbar sich praktizierende Katholiken der weltanschaulichen "Gleichschaltung" widersetzten.

Während des Krieges wurden Hunderte von katholischen Geistlichen in Konzentrationslagern gefangen gehalten, mit Predigtverboten belegt oder unter Hausarrest gestellt. Einzelne wurden vom nationalsozialistischen "Volksgerichtshof" oder dem Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt, andere starben während der Haft in Konzentrationslagern oder wurden dort getötet. Die Ermordung von Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten seit Herbst 1939 stieß bei vielen Bischöfen, Geistlichen und Gläubigen auf offenen Widerspruch.

Zwar ließen sich einige Bischöfe über die Pläne oppositioneller Kreise informieren und hielten während des Krieges Verbindung zu politischen Widerstandsgruppen wie dem Kreisauer Kreis. Der politische Widerstand katholischer Christen konnte sich jedoch ebenso wenig wie die Gegenwehr evangelischer Christen auf offenen Rückhalt durch kirchliche Amtsträger berufen.

Das Gleiche galt für gläubige Katholiken wie Pater Franz Reinisch, Franz Jägerstätter und Josef Ruf, die den Wehrdienst und den Eid auf Hitler verweigerten, dafür wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden.

Regimekritik und Versuche der Gegenöffentlichkeit

Mit Kriegsbeginn wurden der Empfang ausländischer Rundfunksendungen und die Verbreitung von "Feindmeldungen" als "Rundfunkverbrechen" unter Strafe gestellt. Damit sollte verhindert werden, dass sich die Deutschen über den tatsächlichen Verlauf des Krieges und über die politischen Ziele und militärischen Erfolge der Alliierten informierten.

Ab 1941 wurden immer mehr Menschen, die gegen dieses Verbot verstoßen hatten, wegen "Feindbegünstigung" oder "Wehrkraftzersetzung" verurteilt. Vor allem Regimegegner versuchen dennoch, sich unabhängig von den Nachrichten der NS-Propaganda und den Wehrmachtsberichten zu informieren und anschließend andere über die Kriegslage und die deutschen Gewaltverbrechen aufzuklären.

Auch kritische Äußerungen über die NS-Führung oder Zweifel am deutschen "Endsieg" wurden unerbittlich geahndet. In den letzten Jahren des Krieges wurde dafür immer häufiger die Todesstrafe verhängt. Die Polizei ermittelte nach Hinweisen aus der Bevölkerung und oftmals nach Denunziationen von Bekannten oder Familienmitgliedern.

Kriegsdienstverweigerer, Deserteure, "Bewährungseinheiten" 999

Seit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 lehnten Einzelne, die sich auf ihr Gewissen und ihren Glauben beriefen, konsequent den Dienst mit der Waffe und den Fahneneid auf den "Führer und Reichskanzler" Adolf Hitler ab. Vor allem Angehörige der Zeugen Jehovas verweigerten sich aus Glaubensgründen dem Militärdienst und dem Fahneneid.

Kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen trat am 26. August 1939 die "Kriegssonderstrafrechtsverordnung" (KSSVO) in Kraft, nach der die Verweigerung des Militärdienstes als "Zersetzung der Wehrkraft" geahndet wurde. Allein das Reichskriegsgericht verhängte auf dieser Grundlage zwischen 1939 und 1945 etwa 250 Todesurteile gegen Kriegsdienstverweigerer; vor allem gegen Zeugen Jehovas. Dagegen blieb die Zahl der Verweigerer aus dem Kreis der evangelischen und katholischen Kirche gering. Diese konnten kaum mit Unterstützung ihrer Kirchen rechnen, die vielmehr an die Opferbereitschaft und den Einsatzwillen der Soldaten appellierten.

Trotz der harten Strafen, auch für "Fahnenflucht", desertierten Soldaten der Wehrmacht. Zu ihren Motiven gehörte der Wunsch, das eigene Leben zu retten, die grundsätzliche Ablehnung des als sinnlos empfundenen Krieges und die Weigerung, an nationalsozialistischen Verbrechen mitzuwirken. Die Wehrmachtjustiz verurteilte insgesamt etwa 20 000 Deserteure zum Tode, von diesen Urteilen wurden etwa 15 000 bis Kriegsende vollstreckt.

Vorgeblich zur "Bewährung im Fronteinsatz" wurden ab Ende 1942 ehemalige Strafgefangene in "Bewährungseinheiten" 999 der Wehrmacht zusammengefasst. Tatsächlich benö- tigte das NS-Regime im dritten Jahr des Krieges immer mehr Soldaten. Unter den "999ern" waren auch Regimegegner, die wegen ihres politischen Widerstands verurteilt worden waren. Viele von ihnen desertierten, weil sie nicht für den Nationalsozialismus kämpfen wollten.

Rote Kapelle

Bereits Mitte der 1930er-Jahre waren in Berlin Freundes-, Diskussions- und Schulungskreise entstanden, die sich 1940/41 durch persönliche Kontakte zu einem losen Netzwerk von sieben Berliner Widerstandskreisen verbanden. Ihnen gehörten mehr als 150 Menschen ganz unterschiedlicher sozialer Herkunft und weltanschaulicher Traditionen an, die aus dem universitären Bereich, aus Kunst, Publizistik und Verwaltung kamen, darunter viele Frauen. Sie alle einte die entschiedene Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Sie diskutierten über politische und künstlerische Fragen, halfen Verfolgten und dokumentierten die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen. Über ihren engeren Kreis hinaus wandten sie sich an die Öffentlichkeit, indem sie Flugblätter und Klebezettel verbreiteten. Schließlich nahmen sie Kontakte zu Gleichgesinnten in anderen Teilen Deutschlands auf.

Schon 1933 hatten Arvid Harnack, ein Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium, und seine Frau Mildred private Diskussionsrunden zur politischen Zukunft nach dem Sturz des NS-Regimes veranstaltet. An diesen Treffen nahmen neben den engen Freunden Adam und Greta Kuckhoff auch Schüler des Berliner Abendgymnasiums wie Karl Behrens und Bodo Schlösinger teil. Mitte der 1930er-Jahre knüpfte der Kreis um Harnack Kontakte zu Sozialdemokraten wie Adolf Grimme und zu kommunistischen Kreisen um John Sieg. Im Sommer 1939 vermittelte das Ehepaar Kuckhoff den intensiveren Kontakt zwischen Harnack und Harro Schulze-Boysen, der seit 1934 im Reichsluftfahrtministerium arbeitete, und dessen Frau Libertas. 1940 stieß eine Gruppe von ehemaligen Schülern der Berliner Schulfarm Insel Scharfenberg zum Kreis um Schulze-Boysen hinzu. Dazu gehörten neben anderen Hilde und Hans Coppi, Hans Lautenschläger und Heinrich Scheel. Nun begann zwischen den einzelnen Gruppen eine enge Zusammenarbeit, deren Höhepunkt 1941/42 erreicht war.

Aktionen

Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen gewannen nicht nur stets neue Gesinnungsfreunde, sie hielten auch Kontakt zu amerikanischen und sowjetischen Botschaftsvertretern in Berlin. Im Frühjahr 1941 informierten sie die sowjetische Botschaft über die Vorbereitungen der Wehrmacht zum Überfall auf die Sowjetunion. Doch Stalin ignorierte die Warnungen. Zwei Funkgeräte, die die sowjetische Botschaft Harnack und Schulze-Boysen im Sommer 1941 zur Aufrechterhaltung der Verbindung zur Verfügung stellte, kamen wegen technischer Probleme nicht zum Einsatz. Ab Herbst 1941 begannen die überzeugten Regimegegner damit, die deutsche Bevölkerung mit Flugblättern und Klebezetteln über die NS-Gewaltverbrechen zu informieren und vor den Folgen eines verlorenen Krieges für die Eigenstaatlichkeit Deutschlands zu warnen.

Im Frühjahr 1942 verstärkten sie ihre Flugschriftenaktionen und ihre Hilfen für Verfolgte und Zwangsarbeiter. Auch die Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen, besonders nach Hamburg, wurden intensiviert. In der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1942 tauchten in mehreren Berliner Stadtbezirken Klebezettel auf, auf denen gegen die große NS-Propaganda-Ausstellung "Das Sowjetparadies" protestiert wurde. Diese Klebezettel hatte Fritz Thiel organisiert, in dessen Wohnung sich die Beteiligten am Abend des 17. Mai zusammenfanden. Angeklebt werden die Zettel von Otto Gollnow und Liane Berkowitz sowie Werner Krauss und dessen Freundin Ursula Götze.

Trotz intensiver Ermittlungen gelang es der Gestapo zunächst nicht, der Gruppe auf die Spur zu kommen. Dies änderte sich, als Mitte Juli 1942 ein Funkspruch des militärischen Nachrichtendienstes GRU aus Moskau entschlüsselt werden konnte. Der Funkspruch vom August 1941 war an den Brüsseler Agenten "Kent" (Anatoli Gurewitsch) gerichtet und enthielt die Adressen von Kuckhoff und Schulze-Boysen. "Kent" hatte diese im Oktober 1941 besucht und Informationen über Brüssel nach Moskau weitergegeben. Ende August 1942 erfuhr Horst Heilmann, ein Mitglied der Gruppe, von den entschlüsselten sowjetischen Funksprüchen und versuchte, seine Freunde zu warnen. Doch in kürzester Zeit wurden weit über 130 Mitglieder festgenommen. Aufgrund der Verbindung zu "Kent" sah die Gestapo die Berliner Gruppe fälschlicherweise als Teil der sowjetischen Spionageorganisation an und gab ihr den Namen "Rote Kapelle". In den folgenden Monaten wurden 49 Menschen der Gruppen um Harnack und Schulze-Boysen von der NS-Unrechtsjustiz zum Tode verurteilt und ermordet.

Weiße Rose

An der Münchener Universität fand sich im Frühjahr 1942 um Hans Scholl und Alexander Schmorell eine Gruppe von Studierenden zusammen, die sich der totalen Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus entziehen und ihre geistige Unabhängigkeit bewahren wollten. Zu ihnen gehörten Sophie Scholl, Christoph Probst und Willi Graf. Alle wurden auch durch ihren Hochschullehrer, den Philosophen Kurt Huber, geprägt, mit dem sie Grundfragen einer politischen Neuordnung diskutierten.

Zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942 versandten Hans Scholl und Alexander Schmorell die von ihnen gemeinsam verfassten ersten vier Flugblätter der "Weißen Rose" in einer Auflage von mehr als hundert Exemplaren anonym per Post an ausgewählte Adressaten aus ihrem Bekanntenkreis. Sie forderten darin zum "passiven Widerstand" gegen Hitlers verbrecherische Kriegsführung auf, verlangten ein sofortiges Ende des Krieges, den Sturz des NS-Regimes und prangerten die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen an.

Von Ende Juli bis Ende Oktober 1942 wurden Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf als Sanitäter an der Ostfront eingesetzt. Nach ihrer Rückkehr unterstützte Kurt Huber im Januar 1943 Hans Scholl beim Text des fünften Flugblatts, das von diesem, seiner Schwester Sophie, Alexander Schmorell und Willi Graf vervielfältigt und in einer Auflage von mehr als 6000 Exemplaren in München, Augsburg, Stuttgart und Frankfurt am Main sowie in Salzburg, Linz und Wien verbreitet wurde. Allein in München wurden in der Nacht vom 28. auf den 29. Januar 1943 mehr als 2000 Flugblätter ausgelegt. Die Studierenden versuchten zudem, Kontakte in andere Städte aufzubauen. In Ulm formierte sich eine Gruppe von Schülern, die Verbindung zu Hans und Sophie Scholl hielt.

Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf schrieben unter dem Eindruck der Niederlage von Stalingrad Anfang Februar 1943 nachts Parolen wie "Freiheit", "Nieder mit Hitler" oder "Massenmörder Hitler" an Münchener Hausfassaden. Ebenfalls Anfang Februar 1943 verfasste Kurt Huber das sechste und letzte Flugblatt der Gruppe. Es wandte sich in einer Auflage von 2000 Exemplaren ausdrücklich an die Münchener Studierenden und gegen das "furchtbare Blutbad", das die Nationalsozialisten in Europa angerichtet hatten.

Am frühen Morgen des 18. Februar 1943 legten Hans und Sophie Scholl es in der Münchener Universität aus und warfen in einem spontanen Entschluss mehr als 100 Flugblätter in den Lichthof der Universität. Dabei wurden sie von einem Hausmeister gestellt und der Gestapo übergeben. Führende Mitglieder der Weißen Rose wurden festgenommen und vor Gericht gestellt. Die nationalsozialistischen Machthaber sahen in ihren Taten und in ihrem ethisch begründeten Appell an das Gewissen ein politisches Schwerverbrechen. Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst wurden noch am Tage ihrer Verurteilung am 22. Februar 1943 im Gefängnis München-Stadelheim enthauptet.

In einem zweiten Prozess verurteilte der "Volksgerichtshof" im April 1943 Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber zum Tode. Weitere Helfer und Mitwisser, darunter auch Angehörige der Ulmer Gruppe, erhielten langjährige Freiheitsstrafen.

In Hamburg hatte sich 1942 eine Gruppe gebildet, die über Hans Leipelt und Traute Lafrenz Kontakte nach München hatte. Im Herbst 1943 entdeckte die Gestapo auch diese Gruppe und nahm mehr als 20 Personen in Haft. In den folgenden Jahren wurden weitere zehn Regimegegner aus dem Umfeld des Münchener und des Hamburger Zweiges der Weißen Rose ermordet oder in den Tod getrieben.

Widerstand von Jugendlichen

Ab 1933 sollte die "Hitler-Jugend" (HJ) nach dem Willen des NS-Regimes die einzige Jugendorganisation in Deutschland sein. Daher wurden fast alle anderen Jugendverbände innerhalb weniger Monate verboten, zur Selbstauflösung gezwungen oder der HJ angegliedert. Seit Frühjahr 1939 mussten alle Jugendlichen dem "Bund Deutscher Mädel" bzw. der HJ angehören, wo sie vormilitärisch ausgebildet und zu unbedingtem Gehorsam erzogen wurden.

Nicht alle akzeptierten diese totale Vereinnahmung durch das NS-Regime. Politische Jugendgruppen versuchten trotz Verboten und Auflösungen zusammenzuhalten oder sich neu zu formieren. Die Gestapo verfolgte dies rücksichtslos. Die Motive der Jugendlichen für ihren Widerstand waren vielfältig. Es waren junge Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen oder Jugendliche jüdischer Herkunft, die sich zusammenfanden. Sie hörten verbotene ausländische Rundfunksender, verbreiteten Nachrichten oder wollten mit Flugblättern über den Kriegsverlauf und die NS-Gewaltverbrechen aufklären. Wurden ihre Aktivitäten aufgedeckt, drohte ihnen die Todesstrafe.

Während des Krieges verschärften die Nationalsozialisten die Verfolgung von Jugendlichen, die ihr Recht auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung außerhalb der "Hitler-Jugend" verteidigten. Edelweißpiraten in Köln, Leipziger Meuten oder Hamburger Swing-Jugendliche, die sich dem Zwang der Diktatur durch ihren Lebensstil widersetzten, wurden von der Gestapo verfolgt, in Jugend-Konzentrationslager eingewiesen oder zu langen Haftstrafen verurteilt, obwohl sie eher unpolitisch waren und nur wenige von ihnen das Regime aktiv bekämpften.

Sozialistische und kommunistische Jugendliche

Das Verbot der kommunistischen und sozialdemokratischen Aktivitäten richtete sich auch gegen die kommunistischen und sozialistischen Jugendverbände. Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands (KJVD) führten ihre Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten daher im Untergrund fort. Scheinbar unpolitische Aktivitäten wie gemeinsame Wanderungen sollten Schutz vor Entdeckung bieten. Indem sie ihre Treffen tarnten, konnten sie ihren Zusammenhalt bewahren. Die Jugendlichen beteiligten sich auch an Widerstandsaktivitäten und überwanden dabei oftmals innere weltanschauliche Gegensätze der Arbeiterbewegung.

Zahlreiche sozialistische und kommunistische Jugendliche wurden wegen ihrer Überzeugung verfolgt und kriminalisiert. Bis Mitte der 1930er-Jahre fanden zahlreiche Prozesse gegen Mitglieder des KJVD und der SAJ statt. Viele von ihnen wurden in Konzentrationslager verschleppt, misshandelt oder vor Gericht gestellt. Lange Haftstrafen und Todesurteile sollten auf andere Jugendliche abschreckend wirken.

Christliche Jugendliche

1933 waren mehr als 2,5 Millionen Jugendliche in christlichen Verbänden organisiert. Obwohl die Nationalsozialisten versicherten, die Eigenständigkeit der Kirchen zu respektieren, wurden kirchliche Jugendgruppen zunehmend bedrängt und verboten. Der Führungsanspruch der "Hitler-Jugend" und des NS-Regimes sollte durchgesetzt werden.

Viele christliche Jugendliche hatten der Regierung Hitlers zunächst positiv gegenübergestanden. Bei manchen von ihnen verstärkten sich jedoch schon bald Zweifel an der nationalsozialistischen Kirchenpolitik. Einigen Jugendlichen gelang es trotz der Auflösung oder "Gleichschaltung" ihrer Verbände, in Verbindung zu bleiben. Sie festigten ihre Kontakte und trafen sich bei Wallfahrten oder Freizeiten, die die Nationalsozialisten als Provokation empfanden. So gerieten sie zunehmend in Konflikt mit dem NS-Regime.

Jüdische Jugendliche

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden jüdische Jugendliche zunehmend aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Sie durften nur jüdischen Jugendorganisationen angehören und ab 1938 ausschließlich jüdische Schulen besuchen. Die Jugendlichen fanden sich in Gruppen zusammen, in denen sie sich respektiert fühlten, gemeinsam ihre Freizeit gestalteten oder sich auf eine Auswanderung vorbereiten konnten.

Verschiedene dieser Gruppen sammelten sich um den Berliner Elektriker Herbert Baum, der sich bereits 1927 der Deutsch-Jüdischen Jugendgemeinschaft angeschlossen hatte und 1931 in den kommunistischen Jugendverband Deutschlands eintrat. Gemeinsam bereiteten die Mitglieder der Gruppen um Baum später Widerstandsaktionen vor, verbreiteten Parolen, verteilten Flugzettel und illegale Schriften (siehe oben, "Die Widerstandsgruppe um Herbert Baum"). Als 1941 die systematische Ermordung der Juden Europas einsetzte, entzogen sich jüdische Jugendliche der Deportation durch die Flucht in den Untergrund.

Bündische Traditionen

Die Anhänger der Bündischen Jugend wollten sich weder politisch noch konfessionell binden, sondern ihr Leben frei und selbstbestimmt gestalten. Sie betonten das Recht der Jugend auf eigene Entfaltung. Die Deutsche Freischar war mit 15.000 Mitgliedern der größte Bund. Sie schloss sich im März 1933 mit anderen Vereinen zum Großdeutschen Bund zusammen, der bereits im Juni 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde.

Zunächst hofften ehemalige Bündische, die "Hitler-Jugend" beeinflussen zu können. Sie traten in die HJ ein, um so ihre Traditionen zu bewahren, bis die HJ-Führung die "bündischen Umtriebe" verbot. Viele Jugendliche widersetzten sich, indem sie weiterhin Ausflüge unternahmen oder, wie sie sagten, auf Fahrt gingen, bündische Lieder sangen, ihre Erkennungszeichen trugen und oftmals sogar die Auseinandersetzung mit der HJ suchten. Immer wieder wurden bündische Jugendliche festgenommen, mit Gefängnis und Zuchthaus bestraft oder in Konzentrationslagern inhaftiert.

Leipziger Meuten

In Leipzig schlossen sich nach 1933 rund 1500 Jugendliche zu sogenannten Meuten zusammen. Die 14- bis 18-jährigen Mädchen und Jungen kamen überwiegend aus sozialdemokratisch oder kommunistisch geprägten Elternhäusern.

Die etwa 20 Leipziger Meuten nannten sich nach ihren Treffpunkten und wollten sich durch Kleidung und Verhalten von der HJ abgrenzen. Die Jungen trugen oft kurze Lederhosen, karierte Hemden und bunte Halstücher. In den 1930er-Jahren häuften sich Auseinandersetzungen mit der HJ. Einige Mitglieder der Meuten forderten mit Streuzetteln, die heimlich ausgelegt wurden, zum Kampf auf. Die meisten Anhänger waren jedoch eher unpolitisch und wollten vor allem ihre Freizeit ohne den Zwang der HJ verbringen. Die NS-Führung ging unnachgiebig gegen die Meuten vor. Viele ihrer Anhänger wurden wegen "bündischer Umtriebe" festgenommen und hart bestraft.

Edelweißpiraten

Um 1938 entstanden im Rhein-Ruhr-Gebiet verschiedene Gruppen von sogenannten Edelweißpiraten, denen sich mehrere tausend junge Arbeiter und Lehrlinge anschlossen. Ihr Erkennungszeichen waren eine Edelweißblume an der Kleidung oder eine weiße Stecknadel. Sie trafen sich regelmäßig auf Plätzen oder in Parks und nannten sich wie die Meuten nach ihren Treffpunkten oder Stadtvierteln.

Die Edelweißpiraten lehnten die "Hitler-Jugend" ab, gingen auf Fahrt, organisierten Zeltlager und sangen bündische Lieder. Manche von ihnen hörten ausländische Rundfunksender und verbreiteten deren Meldungen. Sie stellten Flugblätter her und wandten sich mit Wandparolen gegen den Krieg. Einige Jugendliche waren sogar bereit, das NS-Regime mit Waffengewalt zu bekämpfen. Viele Edelweißpiraten wurden in Fürsorgeanstalten eingewiesen oder in Konzentrationslagern und Gefängnissen inhaftiert.

Swing-Jugendliche

In verschiedenen Großstädten hatten sich Jugendliche getroffen, um gemeinsam Jazzmusik zu hören, zu tanzen und offene Gespräche zu führen. Viele von ihnen wollten ihren eigenen Weg gehen und ihre Persönlichkeit in bewusstem Gegensatz zu den nationalsozialistischen Beeinflussungsversuchen entfalten. Ihre Begeisterung für den Swing verband sie auch, weil die Nationalsozialisten diese Musik als Symbol "kultureller Entartung" als "undeutsch" herabwürdigten.

Viele Swing-Jugendliche wollten sich nicht nur von der HJ abgrenzen. Für sie war Swing Ausdruck einer eigenständigen Lebensweise, die sie mit englisch klingenden Vornamen, langen Haaren und einem eigenen Kleidungs- und Tanzstil demonstrierten. Trotz des Verbots durch die Nationalsozialisten hörten sie englische und amerikanische Schallplatten und veranstalteten private Partys. 1942 gab der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, die Anweisung, Rädelsführer der Swing-Jugend für mindestens zwei bis drei Jahre in Konzentrationslagern zu inhaftieren.

Die Gruppe um Hanno Günther

Der 1921 geborene Hans Joachim "Hanno" Günther wuchs in Berlin in einem Elternhaus auf, das an Politik interessiert und für die Lebensreformbewegung, eine naturnahe, zivilisationskritische Geisteshaltung, aufgeschlossen war. Seine Mutter war Lehrerin, sein Vater Buchhändler. Die Eltern trennten sich, als Hanno Günther sechs Jahre alt war. Ab 1928 besuchte er eine bekannte Reformvolksschule, die Rütli-Schule in Berlin-Neukölln. Diese Schule galt als fortschrittlich, die Prügelstrafe wurde dort grundsätzlich abgelehnt und den Schülerinnen und Schülern viel Spielraum für die geistige Entfaltung gelassen. Seit 1929 war Hanno Günther Mitglied der kommunistischen Jungpioniere und baute in einem Neuköllner Hinterhof einen Kinderclub auf. Nach der "Gleichschaltung" der Rütli-Schule durch die Nationalsozialisten wechselte er auf die Schulfarm Insel Scharfenberg, um dort das Abitur machen zu können. 1936 musste er jedoch Scharfenberg aus politischen Gründen verlassen und begann eine Bäckerlehre.

Während dieser Zeit lernte er die Kommunistin Elisabeth Pungs kennen. Mit ihr schrieb und verteilte Hanno Günther nach dem deutschen Sieg über Frankreich die Flugblattserie "Das freie Wort". Darin verbreiteten sie Nachrichten über die Kriegslage, verlangten Frieden und Meinungsfreiheit und forderten in Rüstungsbetrieben Beschäftigte zur Sabotage auf. Anfang 1941 schlossen sich Dagmar Petersen und andere ehemalige Schüler der Rütli-Schule dem Widerstandskreis um Günther an. Sie hörten den verbotenen britischen Rundfunksender BBC und diskutierten marxistische Schriften.

Am 2. April 1941 wurde Hanno Günther zur Wehrmacht eingezogen, am 28. Juli jedoch von der Gestapo festgenommen. Am 9. Oktober 1942 verurteilte der "Volksgerichtshof" ihn zusammen mit seinen Freunden Wolfgang Pander, Bernhard Sikorski und Emmerich Schaper zum Tode. Emmerich Schaper starb an den Folgen der Folter im Gefängnis. Die anderen wurden am 3. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee enthauptet. Dagmar Petersen und Elisabeth Pungs überlebten die Haftzeit und den Krieg.

Die Gruppe um Helmuth Hübener

Helmuth Hübener, 1925 in Hamburg als Sohn einer Arbeiterin geboren, wurde entscheidend durch seine mormonische Religionsgemeinschaft geprägt. Er wuchs ohne Vater bei seinen Großeltern auf und begann 1941 eine Lehre bei der Hamburger Sozialbehörde. 1940/41 kam er in Kontakt mit einer illegalen kommunistischen Jugendgruppe aus Altona. Er hörte regelmäßig ausländische Rundfunksender und verbreitete wichtige Meldungen als Streuzettel weiter.

Im Sommer 1941 gewann Hübener mit dem 16-jährigen Schlossergesellen Rudolf Wobbe und dem 17-jährigen Malergesellen Karl-Heinz Schnibbe Gesinnungsfreunde. Wenig später stieß auch der 17-jährige Verwaltungslehrling Gerhard Düwer dazu. Sie diskutierten gemeinsam zahlreiche Flugblätter und verteilten sie in Hamburger Arbeitervierteln. Bereits im Winter 1941 sahen die Freunde die militärische Niederlage Deutschlands voraus. Sie wollten deshalb nicht mehr allein mit kurzen Parolen auf Streuzetteln zum Kampf gegen das NS-Regime auffordern, sondern die Menschen über den Ernst der Lage aufklären. Innerhalb von sechs Monaten entwarf Helmuth Hübener mehr als 20 verschiedene Flugblätter.

Ende Januar 1942 baten Gerhard Düwer und Helmuth Hübener einen Bekannten, die Flugblätter ins Französische zu übersetzen. Dabei wurden sie beobachtet, denunziert und am 5. Februar 1942 von der Gestapo festgenommen. Während der Verhöre wurden die Jugendlichen schwer misshandelt. Am 11. August 1942 verurteilte der "Volksgerichtshof" Helmuth Hübener trotz seines jugendlichen Alters zum Tode und seine Freunde zu hohen Haftstrafen. Am 27. Oktober 1942 wurde Helmuth Hübener in Berlin-Plötzensee enthauptet.

Kreisauer Kreis

Im Jahr 1940 bildete sich um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg eine Gruppe oppositionell gesinnter Männer und Frauen. Sie stammten aus unterschiedlichen sozialen Schichten und vertraten unterschiedliche Grundüberzeugungen. Gemeinsam diskutierten in größeren und kleineren Gesprächsrunden Katholiken, Protestanten, Konservative, Liberale und Sozialisten.

Zu den Gesprächen traf man sich in den Berliner Wohnungen von Moltke und Yorck sowie auf den Gütern Kreisau (heute Krzyz˙owa in Polen), Klein Öls (heute Oles´nica Mała), Kauern (heute Kurznie) und Groß Behnitz. Ziel des Netzwerks, das später von seinen Verfolgern den Namen "Kreisauer Kreis" erhalten sollte, war es, Grundzüge einer geistigen, politischen und sozialen Neuordnung nach dem Ende des Nationalsozialismus zu erarbeiten. Durch Tagungen, Gespräche und Denkschriften wollten sie sich auf "die Zeit danach" vorbereiten.

Kleinere Arbeitsgruppen erarbeiteten zunächst Entwürfe – etwa zu den Themen Staat, Kultur, Wirtschaft, Sozialpolitik, Agrarpolitik, Außenpolitik und Recht. Mitglieder des engeren Kreises standen in Kontakt zu weiteren Fachleuten, die zu den Entwürfen Stellung nahmen. Lediglich Moltke und Yorck kannten alle Beteiligten. Häufig wurden aus Sicherheitsgründen Decknamen verwendet. Von den Diskussionspapieren wurden nur wenige Exemplare sicher aufbewahrt.

Im Mai und Oktober 1942 sowie im Juni 1943 wurden im Kreisauer Berghaus auf drei größeren Zusammenkünften Entwürfe zu den Themen Kirche und Staat, Erziehung, Staats- und Wirtschaftsaufbau, Außenpolitik und Bestrafung der nationalsozialistischen Verbrechen diskutiert. Die mit Zustimmung aller erarbeiteten Ergebnisse wurden in "Grundsätzen für die Neuordnung" zusammengefasst.

Die Kreisauer wollten das Zusammenleben der Menschen ebenso wie den Staat auf eine neue Basis stellen. Besonders zentral war für sie die Einbettung Deutschlands in eine europäische Nachkriegsordnung. Christliche Maßstäbe sollten die Grundlage menschlicher Beziehungen und damit auch des inneren und äußeren Friedens bilden. Rechtssicherheit, Achtung vor der Menschenwürde, Glaubens- und Gewissensfreiheit verlangten nach der Beseitigung der totalitären politischen Ordnung des Nationalsozialismus.

Mit ihren Überlegungen knüpften die Kreisauer an die Überlieferung der klassischen antiken und mittelalterlichen Staatsphilosophie an. Der Staat habe die Voraussetzungen für eine menschenwürdige Entfaltung der Persönlichkeit zu schaffen und auf diese Weise eine gute und gerechte Ordnung zu gewährleisten. Der Staat sollte zudem den Einzelnen Mitwirkung ermöglichen und deshalb überschaubar in vier Ebenen – Gemeinde, Kreis, Land, Reich – gegliedert sein. "Landschaftlich zusammengehörige" Länder mit drei bis fünf Millionen Einwohnern sollten neu gebildet werden. Die Aufgabenverteilung sollte nach dem Subsidiaritätsprinzip erfolgen: Jede Körperschaft – von der jeweils kleinsten Einheit bzw. untersten Ebene angefangen – sollte all diejenigen Aufgaben erledigen, für die sie zuständig ist und die sie "sinnvollerweise selbst durchführen kann".

Auf der unteren politischen Ebene von Gemeinde und Kreis sollten nach dem Prinzip der Persönlichkeitswahl Volksvertreter in geheimer und direkter Wahl ermittelt werden. Die "Familienoberhäupter" sollten für jedes noch nicht wahlberechtigte Kind eine zusätzliche Stimme erhalten. Die Mitglieder des Landtags sollten in mittelbarer Wahl von den Vertretungen der Kreise und Städte gewählt werden. Die Landtagsabgeordneten wiederum sollten die Zusammensetzung des Reichstags bestimmen. Wählbar sollten hier die männlichen Bürger über 27 Jahre sein. Frauen sollten ein aktives, für die Landtage und den Reichstag jedoch kein passives Wahlrecht besitzen, das heißt, sie konnten in beide Parlamente nicht als Abgeordnete gewählt werden. Neben dem Reichstag sollte als Vertretung der Länder ein Reichsrat bestehen mit der Zuständigkeit für Landes- und Standesinteressen. An die Spitze des Staates wollten die Kreisauer einen Reichsverweser stellen, der den militärischen Oberbefehl führen und das Reich nach außen vertreten sollte.

Im Kreisauer Kreis war das Ausmaß nationalsozialistischer Gewaltverbrechen bekannt. Die Kreisauer wollten die verantwortlichen "Rechtsschänder" – so ihre Bezeichnung für die am Massenmord Beteiligten – zur Rechenschaft ziehen. Einigkeit herrschte darüber, dass die Berufung auf Befehl und Gehorsam keine Rechtfertigung für die Beteiligung an Verbrechen sein konnte. Die Täter sollten nicht an fremde Mächte ausgeliefert, sondern vor internationale Gerichtshöfe gestellt werden, denen neben drei Richtern der Siegermächte und zwei Vertretern neutraler Staaten auch ein Richter des besiegten Staates angehören sollte. Die Pflicht zur Wiedergutmachung an den Opfern war für die Kreisauer Voraussetzung für die Rückkehr der Deutschen in die internationale Staatengemeinschaft.

Ab 1943 waren verschiedene Mitglieder des Kreisauer Kreises entschlossen, sich an Staatsstreichplänen zu beteiligen. Sie standen in engem Kontakt zu Ludwig Beck, Carl Friedrich Goerdeler, Ulrich von Hassell und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Aufgrund dieser Verbindung wurden die meisten Mitglieder des Kreisauer Kreises nach dem 20. Juli 1944 als Mitverschwörer angeklagt und zum Tode verurteilt.

Der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944

Nach dem Abbruch des Umsturzversuchs im Herbst 1938 bemühten sich die Kreise der nationalkonservativen-militärischen Opposition, neue Strukturen aufzubauen und neue Kontakte zu knüpfen. Vor dem Hintergrund der umfassenden Zustimmung der Bevölkerung zur Politik Hitlers gelang es allerdings weder im Herbst 1939 noch in der Zeit nach dem deutschen Sieg über Frankreich im Sommer 1940, Überlegungen für einen Staatsstreich konkrete Planungen folgen zu lassen.

Gegner Hitlers versuchten auch nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wiederholt, die Regierungen in London und Paris über die Existenz einer Opposition und deren Ziele in Kenntnis zu setzen. Im Februar 1940 übergab der Diplomat Ulrich von Hassell in Arosa/Schweiz James Byrns, der dem britischen Außenminister Lord Halifax nahestand, ein Memorandum über die Friedensbestrebungen der deutschen Opposition. Auch über ihren Verbindungsmann zum Vatikan, den katholischen Rechtsanwalt Josef Müller, suchten sie 1939/40, die Möglichkeiten für einen Verständigungsfrieden mit England auszuloten. Hans von Dohnanyi, der Schwager des Theologen Dietrich Bonhoeffer, nutzte seine Tätigkeit als Mitarbeiter des Amts Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht, um ausländische Kreise über den Widerstand in Deutschland und dessen Ziele zu informieren, genauso wie Adam von Trott zu Solz, der als Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes viele Auslandsreisen unternehmen konnte.

Doch all ihre Bemühungen scheiterten daran, dass sie im Ausland nicht als Vertreter eines "anderen Deutschlands" respektiert und als Verhandlungspartner anerkannt wurden. Die alliierte Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht engte seit 1943 die Verhandlungsmöglichkeiten oppositioneller Kräfte zusätzlich ein.

Zentren des militärischen Widerstands

Die NS-Führung wollte seit Sommer 1941 nicht nur die deutsche Vorherrschaft in Europa sichern, sondern führte einen Vernichtungs- und Weltanschauungskrieg gegen die Sowjetunion. Neben den gnadenlosen Kampf gegen den Kommunismus trat auch der Völkermord an den Juden Europas als wesentliches Kriegsziel. Von Anbeginn des Krieges waren die deutsche Wehrmacht und mit ihr auch Einzelne, die später zu Regimegegnern wurden, an Gewalt- und Kriegsverbrechen beteiligt. Selten wurde Widerspruch erhoben. Erst im Laufe der Jahre überwanden manche Offiziere ihre loyale Haltung bzw. ihre Übereinstimmung mit dem Regime und entschieden sich in diesem Gewissenskonflikt gegen Eid, Befehl und Gehorsam und für den Widerstand.

Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 bildeten sich drei erkennbare Zentren militärischer Widerstandsaktivitäten:

In der von Admiral Wilhelm Canaris geleiteten Abwehr, dem militärischen Nachrichtendienst, sammelten sich um Hans Oster und Hans von Dohnanyi weitere entschlossene Gegner des nationalsozialistischen Regimes, die – wie Dietrich Bonhoeffer, Otto Carl Kiep, Justus Delbrück oder Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg – gezielt für diese Dienststelle angefordert wurden. Offiziell im Dienste des NS-Staates angestellt, ermöglichten Dohnanyi und Oster 1942 mit der Unterstützung von Canaris verfolgten Juden die Flucht in die Schweiz.

In der Heeresgruppe Mitte unterhielt seit Herbst 1941 Oberst im Generalstab (i. G.) Henning von Tresckow Kontakte zu oppositionellen Offizieren. Abgestoßen durch die rücksichtslose Kriegsführung, kritisierte er unfähige Befehlshaber und war sehr gut über die Verbrechen informiert, die bei der "Partisanenbekämpfung" und durch die "Einsatzgruppen des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD" begangen wurden. Tresckow gelang es, einzelne Kontakte zwischen dem Allgemeinen Heeresamt im Berliner Bendlerblock und hohen Offizieren an der Ostfront zu vermitteln. Er war überzeugt, man müsse "Hitler wie einen tollen Hund abschießen". Dies rechtfertigte er als Notwehr und sittliche Verpflichtung.

Tresckow konnte einige seiner Kameraden dafür gewinnen, unter Einsatz ihres Lebens Attentatsversuche auf Hitler auszuführen. So erklärten sich 1943 die Brüder Philipp und Georg Freiherren von Boeselager bereit, Hitler bei einem Frontbesuch zu töten, was aber Generalfeldmarschall von Kluge verbot, weil er bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen Heer und SS befürchtete. Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff plante, sich am 21. März 1943 im Berliner Zeughaus mit Hitler in die Luft zu sprengen. Sein Attentatsversuch scheiterte, weil Hitler sich nur überraschend kurz dort aufhielt. Im Herbst 1943 war Axel Freiherr von dem Bussche bereit, sich bei der Präsentation neuer Uniformen zusammen mit Hitler zu töten. Die Begegnung kam nicht zustande, weil die Uniformen bei einem Luftangriff auf Berlin zerstört wurden.

Ein weiteres Zentrum der militärischen Opposition bildete sich um Friedrich Olbricht, seit 1940 Chef des Allgemeinen Heeresamtes im Oberkommando des Heeres in Berlin. In seinem Stab wurden Pläne für den Fall innerer Unruhen oder von Aufständen von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen ausgearbeitet. Dabei sollten die vollziehende Gewalt im Reich und die militärische Kommandogewalt auf den Befehlshaber des Ersatzheeres, Friedrich Fromm, übergehen. Olbricht stimmte sich mit den Widerstandskreisen um Ludwig Beck und Carl Friedrich Goerdeler ab und betrieb die Ausarbeitung und Umwandlung dieser Notfallpläne in Instrumente für einen Umsturz. "Walküre" war die Bezeichnung für diese Pläne, zu deren Präzisierung Olbricht systematisch Regimegegner in seinen Stab holte. Im Herbst 1943 forderte er Claus Schenk Graf von Stauffenberg als Stabschef für das Allgemeine Heeresamt an. Gemeinsam mit Tresckow bereitete dieser den Umsturzversuch vor, der die NS-Herrschaft beseitigen sollte.

Motive und Zielvorstellungen

Die Motive der militärischen Opposition gegen Hitler, die in den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 mündeten, waren vielfältig und durchaus nicht widerspruchsfrei. Die weltanschaulichen Überzeugungen der Verschwörer umfassten ein breites Spektrum von Ideen und Vorstellungen. Ewald von Kleist-Schmenzin sprach sich bereits 1933 scharf gegen die nationalsozialistische Diktatur aus. Für viele Offiziere waren jedoch auch militärfachliche Probleme von großer Bedeutung, etwa die aus ihrer Sicht operativ falsche Kriegführung. Friedrich Karl Klausing betonte in einer Vernehmung im August 1944: "Nach unserer Meinung waren diejenigen Offiziere, die die Lage offen und wahr schilderten, abgesetzt worden. Deshalb haben wir eine Änderung in der Führung der deutschen Wehrmacht für erstrebenswert gehalten."

Axel Freiherr von dem Bussche war zum Attentat auf Hitler bereit, nachdem er eine Massenerschießung von Juden beobachtet hatte. Auch viele andere Widerstandskämpfer waren über die nationalsozialistischen Gewalttaten so entsetzt, dass sie jedes Risiko einzugehen bereit waren, um auf diese Weise den Verbrechen ein Ende zu setzen. Ulrich-Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld konfrontierte Roland Freisler, den Präsidenten des "Volksgerichtshofs", noch im Prozess mit den "vielen Morden" der nationalsozialistischen Besatzungsherrschaft.

Der 20. Juli 1944 war kein "Militärputsch". Die beteiligten Offiziere und Soldaten erkannten immer das Primat der Politik an. Zwar lag ihnen eine Demokratie nach dem Vorbild der Weimarer Republik eher fern, doch wollten sie keine Militärjunta an die Spitze des Staates stellen. Vielmehr sollte Deutschland von der Diktatur befreit, der Krieg beendet und es sollten neue politische Handlungsmöglichkeiten geschaffen werden. Militärische Macht war Mittel, nicht Ziel des Umsturzversuches. Die drohende militärische Niederlage, die politische Isolation des Deutschen Reiches, der Wunsch, die Substanz des deutschen Nationalstaats zu bewahren, vor allem aber auch der Wille, die NS-Gewaltverbrechen zu beenden, stellten unverkennbar wichtige Motive vieler Widerstandskämpfer dar.

Die Gegner Hitlers, die den Umsturzversuch des 20. Juli 1944 vorbereiteten, mussten sich fortlaufend über ihre unterschiedlichen außen- und innenpolitischen Zielvorstellungen verständigen. Dies betraf auch die Umsturzplanungen von militärischer und ziviler Seite, die miteinander verzahnt werden mussten. So hatten schon 1940, als es noch keine reale Chance für einen Umsturzversuch gab, Johannes Popitz und Ulrich von Hassell den Entwurf für ein "Gesetz über die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse im Staats- und Rechtsleben (Vorläufiges Staatsgrundgesetz)" vorgelegt, das den Rechtsstaat wiederherstellen und die Verfolgung der Juden beenden sollte.

Zur Diskussion standen der Verwaltungsaufbau, die Gliederung der Wehrmachtsspitze, die Grundlinien sozialer Politik sowie der Kultur-, Wirtschafts- und Außenpolitik ebenso wie die Zusammensetzung einer neuen Regierung nach dem Sturz des NS-Regimes. Die Debatten und Gespräche spiegelten die unterschiedlichen Traditionen politischen Denkens wider. Sozialdemokratische Vorstellungen, wie sie etwa Julius Leber und Wilhelm Leuschner einbrachten, mussten mit konservativeren Ordnungsvorstellungen, wie sie bei Carl Friedrich Goerdeler und Johannes Popitz vorherrschten, in Einklang gebracht werden. Doch allen Beteiligten war klar, dass sie die politische Situation nach einem gelungenen Umsturzversuch nicht vorher bestimmen konnten. Politische Zielsetzungen hatten daher immer provisorischen Charakter und hätten sich der politischen Realität nach einem erfolgreichen Umsturz stellen müssen.

Ihre gemeinsamen Grundüberzeugungen halfen den Widerstandskämpfern, politische Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. In der gemeinsamen Gegnerschaft zum nationalsozialistischen Unrechtsstaat überschritten sie die engen Grenzen des obrigkeitsstaatlichen Denkens und des außenpolitischen Hegemonialstrebens. Aus dem Geist des Widerstands entstand so ein Gegenbild zum totalitären "Dritten Reich", das viele Widerstandskämpfer später auch vor dem "Volksgerichtshof" verteidigten. Sie traten für die Menschenwürde als höchsten politischen Grundwert ein und bestritten dem Staat das Recht, über Leben und Gewissen seiner Bürgerinnen und Bürger zu verfügen.

Grundlegendes Motiv des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 war die "Wiederherstellung der vollkommenen Majestät des Rechts". Dies hieß nach mehr als elf Jahren Diktatur in Deutschland die Wiedererrichtung des Rechtsstaates als Garant der unveräußerlichen Menschenrechte. Recht gegen Gewalt, nicht Gewalt gegen Gewalt war eine zentrale Forderung. In den Plänen der Verschwörer für die vorläufige Besetzung von Regierungsämtern waren Ludwig Beck als Staatsoberhaupt und Carl Friedrich Goerdeler als Reichskanzler vorgesehen. Für den Posten als Vizekanzler war Wilhelm Leuschner im Gespräch. Doch all dies waren vorläufige Planungen.

Die Widerstandskämpfer der Gruppen des 20. Juli 1944 waren darin einig, dass sich die Deutschen nach dem Ende des Krieges der Verantwortung für das Unrecht stellen mussten, das sie den Völkern Europas und vor allem den Juden angetan hatten. Nach dem Völkermord an den europäischen Juden, an den Sinti und Roma und nach den anderen Verbrechen in den besetzten Gebieten war für sie nichts anderes denkbar. In der für den 20. Juli 1944 geplanten Regierungserklärung hieß es deshalb: "Zur Sicherung des Rechts und des Anstandes gehört die anständige Behandlung aller Menschen. Die Judenverfolgung, die sich in den unmenschlichsten und unbarmherzigsten, tief beschämenden und gar nicht wiedergutzumachenden Formen vollzogen hat, ist sofort eingestellt."

Auf dem Feld der Außenpolitik waren viele konservative Gegner der Nationalsozialisten noch durch die Traditionen machtstaatlichen Denkens geprägt. Sie hatten deshalb in der frühen Kriegsphase selbstbewusst die Interessen des deutschen Reiches gegenüber den Staaten Europas durchsetzen wollen. Einige unterstützten frühzeitig den Diplomaten Ulrich von Hassell, der einen Ausgleich mit den Westmächten anstrebte, um so eine Position der Stärke gegenüber der Sowjetunion zu gewinnen. Andere folgten dem Plan des langjährigen deutschen Botschafters in Moskau, Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, der eine Verständigung mit der Sowjetunion suchte.

Jüngere Diplomaten wie Adam von Trott zu Solz, Hans-Bernd von Haeften und andere Mitglieder des Kreisauer Kreises wollten dagegen den Nationalstaat überwinden und entwickelten den Gedanken einer europäischen Konföderation. Auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts wollten sie eine Friedensordnung schaffen, die auf gegenseitigem Vertrauen aufgebaut sein sollte und so Wettrüsten und Angriffskriege unmöglich machte.

Dabei sollte Deutschland über die eigenen territorialen Interessen hinaus eine besondere Verpflichtung für Frieden und politische Ordnung im Rahmen einer europäischen Konföderation übernehmen. Nach einem sofort anzustrebenden Waffenstillstand sollte der Friedensschluss die Völker Europas miteinander versöhnen und die Grundlage für eine neue Friedensordnung schaffen. Aus dem Wunsch, ein von allen Staaten respektiertes Friedenssystem zu bilden, entwickelte sich ein zukunftsweisendes Bewusstsein von Europa als neuer politischer Einheit auf föderaler Grundlage.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg und der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944

Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde am 15. November 1907 in Jettingen geboren und besuchte wie seine zwei Jahre älteren Brüder, die Zwillinge Alexander und Berthold, das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart.

Seit 1923 zählten die drei Brüder zum Kreis des Dichters Stefan George. Sie verstanden sich als Teil einer verantwortungsbewussten Elite und als Vorkämpfer für ein "geheimes Deutschland", das am Denken des Dichters ausgerichtet sein sollte. Georges Tod im Dezember 1933 erschütterte Claus von Stauffenberg, Verse des Lyrikers dienten ihm in späterer Zeit als Maximen seines Handelns und Verhaltens. Doch auch Grundsätze des katholischen Christentums waren tief in Stauffenberg verankert. Eine enge Freundschaft verband ihn mit den Bildhauern Ludwig Thormaehlen und Frank Mehnert, die er aus dem Kreis um Stefan George kannte.

Nachdem er seine militärische Generalstabsausbildung 1926 begonnen hatte und im Mai 1933 zum Leutnant ernannt worden war, heiratete Claus Schenk Graf von Stauffenberg im September 1933 Nina Freiin von Lerchenfeld. Zu seinen Kindern hatte der Vater ein enges und herzliches Verhältnis.

Stauffenberg war ein besonders begabter Offizier. Dem Nationalsozialismus stand er anfänglich positiv gegenüber und begrüßte die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Nach Fronteinsätzen in Polen und Frankreich wurde er 1941 zum Generalstab des Heeres versetzt. Doch 1942 kritisierte er nicht nur Hitlers Kriegsführung und dessen strategische Entscheidungen, sondern hatte sich grundsätzlich vom NS-System abgewandt. Die völkerrechtswidrige Kriegsführung, der Massenmord an den Juden und die Unterdrückung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten ließen ihn im Sommer 1942 zu dem Schluss kommen, dass ein Umsturzversuch und ein Attentat auf Hitler zwingend notwendig waren.

Umsturzvorbereitungen

Im Februar 1943 wurde Stauffenberg nach Nordafrika versetzt und dort am 7. April 1943 schwer verwundet. Er verlor die rechte Hand, den kleinen und den Ringfinger der linken Hand sowie das linke Auge. Kurz vor der Kapitulation der deutschen Afrika-Truppen konnte er über Italien ins Lazarett nach München gebracht werden.

Nach seiner Genesung war Stauffenberg ab Mitte September 1943 Chef des Stabes im Allgemeinen Heeresamt unter General Friedrich Olbricht. Zu diesem Zeitpunkt zählte er bereits zum engsten Kreis der entschlossenen Verschwörer und nutzte seine Position für die weiteren Attentats- und Umsturzvorbereitungen.

Stauffenbergs persönliche Ausstrahlung war groß, seine fachliche Kompetenz anerkannt. So führte er viele Gegner des Regimes zusammen und fand unter ihnen enge Freunde. Peter Graf Yorck von Wartenburg vermittelte ihm den Kontakt zum früheren sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Julius Leber, der ebenso wie Yorck und Adam von Trott zu Solz zum Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke zählte. Auch mit Vertretern der Gewerkschaftsbewegung wie Wilhelm Leuschner, Jakob Kaiser, Hermann Maaß und Max Habermann führte Stauffenberg im Herbst 1943 intensive Gespräche. Mit Stauffenbergs Wissen sprachen Julius Leber und Adolf Reichwein im Juni 1944 mit kommunistischen Widerstandskämpfern in Berlin.

Attentat und Umsturzversuch

Die Lagebesprechungen Hitlers schienen eine Möglichkeit zu bieten, den Diktator auszuschalten. Deshalb konzentrierte sich Stauffenberg nach mehreren misslungenen Attentatsversuchen anderer und Verhaftungen prominenter Mitverschwörer wie Julius Leber und Adolf Reichwein darauf, Hitler durch einen Bombenanschlag im Führerhauptquartier zu töten. Seit Mitte Juni 1944 hatte er als Stabschef des Befehlshabers des Ersatzheeres dort Zugang. Obwohl er persönlich die Tat ausführen wollte, blieb Stauffenberg auf die Unterstützung seiner Freunde angewiesen: Sprengstoff musste beschafft und transportiert werden, die Flucht aus dem Hauptquartier vorbereitet und eine weitgehende Nachrichtensperre verhängt werden. Erst dadurch entstand die Chance, das Attentat in einen Umsturz des Systems münden zu lassen, der unter dem Stichwort "Operation Walküre" vorbereitet wurde.

Die Bombe, die Stauffenberg am 20. Juli in seiner Aktentasche bei sich trug, enthielt zwei Sprengstoffpakete mit chemischen Zeitzündern. Hauptmann Wessel Freiherr Freytag von Loringhoven verfügte als Chef der Abteilung Sabotage im Amt Ausland/Abwehr über Zugang zu Sprengmaterial. Er hatte den Sprengstoff für die Attentäter beschafft und Oberstleutnant Fritz von der Lancken in Potsdam zur Verwahrung gegeben. Von dort war die Aktentasche mit zwei verschnürten Sprengstoffpaketen am Nachmittag des 19. Juli 1944 zur Wohnung Stauffenbergs in Berlin gebracht worden.

Stauffenberg flog am Morgen des 20. Juli gemeinsam mit seinem Adjutanten Werner von Haeften zum "Führerhauptquartier Wolfschanze" in Rastenburg (heute Ke¸trzyn). Dabei behielt er die Tasche mit dem Sprengstoff stets in seiner Nähe. Kurz vor 12.30 Uhr zog er sich unter einem Vorwand zurück und zerdrückte mit einer Zange die Säureampulle eines Zeitzünders. Da er dabei gestört und zur Lagebesprechung gerufen wurde, gelang es ihm nicht mehr, das zweite Sprengstoffpaket scharf zu machen. Es verblieb in der Tasche Werner von Haeftens, der es kurz darauf bei der Flucht aus dem Wagen warf.

Stauffenberg konnte den Sprengkörper unter dem Kartentisch in der Nähe von Hitlers Standort ablegen. Danach verließ er unbemerkt den Raum und beobachtete aus einiger Entfernung die Detonation gegen 12.42 Uhr. Unglückliche Zufälle verhinderten den Erfolg des Anschlags: Hitler blieb am Leben. Der schwere Eichentisch, über den er sich zum Zeitpunkt der Explosion beugte, hatte seinen Körper geschützt. Zudem hatte die Besprechung nicht im Bunker, sondern in einer Baracke in Leichtbauweise stattgefunden, wo die Explosionskraft des einen Sprengstoffpakets nicht ausreichend war und viel von ihr nach außen entwich.

Stauffenberg glaubte jedoch, dass sein Attentat gelungen war. Er konnte das "Hauptquartier" im letzten Moment vor der Abriegelung verlassen und flog nach Berlin, um dort im Oberkommando des Heeres in der Bendlerstraße, der Zentrale der Verschwörung, den Umsturzversuch voranzutreiben.

"Walküre"

Um 15.15 Uhr erreichte die erste Nachricht vom Anschlag das Allgemeine Heeresamt im Bendlerblock, um 15.45 Uhr meldete Werner von Haeften telefonisch, Hitler sei tot. Doch die dortigen Mitverschworenen hatten keine gesicherten Informationen und warteten ab. Erst gegen 16.00 Uhr wurde von Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht die Operation "Walküre" ausgelöst. Die vollziehende Gewalt sollte nun auf Generaloberst Friedrich Fromm, den Befehlshaber des Ersatzheeres, übergehen, der sein Hauptquartier im Bendlerblock hatte. Außerdem mussten wichtige Schaltstellen der Macht und des Nachrichtenwesens besetzt und gesichert werden. Kurz darauf trafen Stauffenberg und Haeften im Bendlerblock ein. In den folgenden Stunden versuchten Stauffenberg, Mertz, Beck und Olbricht verzweifelt, Unterstützung für den Umsturzversuch zu erhalten.

Die "Walküre"-Pläne boten den Verschwörern eine fast perfekte Tarnung: Den in Marsch zu setzenden Einheiten sollte der Eindruck vermittelt werden, nach Hitlers Tod hätten hohe Nationalsozialisten mit einem Putsch die Führung an sich reißen wollen. Deshalb müssten wichtige Schaltstellen der Macht, vor allem in der Reichshauptstadt Berlin, von Wehrmachtsverbänden abgesperrt und notfalls auch gegen SS-Einheiten verteidigt werden. Doch nur wenige Truppenteile wurden zwischen 16.00 und 18.00 Uhr in Marsch gesetzt. Denn als sich Fernmeldungen vom Überleben Hitlers mit Fernschreiben der Verschwörer aus dem Bendlerblock kreuzten und widersprachen, verhielten sich die meisten Offiziere abwartend. Als schließlich die Nachricht von Hitlers Überleben ab 18.28 Uhr mehrfach im Rundfunk gesendet wurde, verunsicherte dies auch die Mitverschworenen in der Stadtkommandantur und im Wehrkreiskommando.

Scheitern des Umsturzes

Da Hitler den Bombenanschlag überlebt hatte, konnten die Vertrauensleute der Verschwörer im "Führerhauptquartier Wolfschanze" die Verbindungen nach außen über Telefon und Funk nicht lange unterbrechen. Deshalb waren Hitler, Reichsinnenminister Heinrich Himmler, Hitlers Sekretär Martin Bormann und der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht Wilhelm Keitel ab dem späten Nachmittag in der Lage, Gegenbefehle zu erlassen, die alle Bemühungen der Verschwörer zunichtemachten.

Viele Offiziere in den entscheidenden Positionen im Bendlerblock und in den Wehrkreisen beriefen sich jetzt auf ihren Eid und bekannten sich zu Hitler. Friedrich Fromm, Befehlshaber des Ersatzheeres, hatte den Verschwörern verweigert, den Befehl zur Auslösung der Operation "Walküre" zu unterschreiben, wozu nur er berechtigt war. Daraufhin hatten ihn die Verschwörer festgesetzt. Gegen 22 Uhr wurde er durch regimetreue Offiziere befreit und befahl am späten Abend, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Werner von Haeften, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht im Innenhof des Bendlerblocks zu erschießen. Ludwig Beck war kurz zuvor nach einem missglückten Selbstmordversuch auf Befehl Fromms erschossen worden.

Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 erreichte der nationalsozialistische Terror in Deutschland einen neuen Höhepunkt. Eine von der Gestapo eingesetzte "Sonderkommission 20. Juli 1944" nahm mehr als 600 Menschen fest. Die Offiziere unter ihnen wurden aus der Wehrmacht ausgestoßen. Der nationalsozialistische "Volksgerichtshof" verurteilte die meisten von ihnen gemeinsam mit den zivilen Beteiligten am Umsturzversuch zum Tode. Allein in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee wurden 89 Menschen erhängt oder enthauptet, die den Widerstandskreisen des 20. Juli 1944 zugerechnet werden können oder diese unterstützt hatten. Andere kamen in der Haft ums Leben oder wählten den Freitod. Insgesamt fielen der nationalsozialistischen Verfolgung im Zusammenhang mit dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 etwa 150 Menschen zum Opfer.

Am 30. Juli 1944 befahl Adolf Hitler die "Sippenhaft" gegen die Familien der am Umsturzversuch Beteiligten sowie gegen die Familien der Soldaten und Offiziere, die sich in der sowjetischen Kriegsgefangenschaft dem Nationalkomitee "Freies Deutschland" angeschlossen hatten. Dies betraf mehr als 300 Menschen, darunter viele Kinder, die unter falschen Namen in ein nationalsozialistisches Kinderheim in Bad Sachsa verschleppt wurden. Im September 1944 wurden die ersten "Sippenhäftlinge" wieder aus der Haft entlassen. Für die anderen begann im Januar 1945 eine Odyssee durch verschiedene Konzentrationslager, die erst mit der Befreiung Ende April 1945 in Tirol endete. Viele Kinder aus dem Kinderheim in Bad Sachsa kehrten erst nach Kriegsende zu ihren Müttern zurück. Die meisten Väter waren der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz zum Opfer gefallen.

Widerstand von außen

Während des Krieges kämpften deutsche Emigranten als Soldaten in den alliierten Armeen oder schlossen sich den Partisanengruppen im deutsch besetzten Europa an. Sie waren aus politischen Gründen geflohen oder weil sie als Juden verfolgt worden waren und wollten so Deutschland von der NS-Herrschaft befreien. Ihre deutschen Sprachkenntnisse setzten einige in speziellen Propagandaeinheiten ein: Mit Hilfe von Flugblättern klärten sie Wehrmachtssoldaten über den tatsächlichen Kriegsverlauf auf und wollten sie zur Aufgabe bewegen.

Ab 1941 gerieten immer mehr deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft. In amerikanischer und britischer Gefangenschaft lernten sie Grundsätze freiheitlicher Demokratie kennen, in sowjetischer Gefangenschaft wurden sie vielfach mit der Frage konfrontiert, ob sie den Vernichtungskrieg in der Sowjetunion rechtfertigen könnten.

Im Sommer 1943 wurde im Kriegsgefangenenlager Krasnogorsk bei Moskau auf Initiative der sowjetischen Führung und unter Beteiligung deutscher kommunistischer Emigranten um Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht das Nationalkomitee "Freies Deutschland" (NKFD) gegründet. Es sollte deutsche Kriegsgefangene beeinflussen, rief zum Sturz des NS-Regimes und zur Desertion aus der Wehrmacht auf. Schnell wurde aber deutlich, dass die Propaganda des Nationalkomitees "Freies Deutschland" ohne Unterstützung gefangener deutscher Generale wirkungslos bleiben würde. Es gelang, einige hohe deutsche Offiziere zur Mitarbeit zu gewinnen. Ihnen war von ihren sowjetischen Gesprächspartnern versprochen worden, den Bestand des Deutschen Reiches zu garantieren, wenn sich die Wehrmachtsführung von Hitler abwende, dadurch sein Regime beseitige und den Befehl zum geordneten Rückzug auf die Reichsgrenzen gebe. Im Spätsommer 1943 wurde der Bund Deutscher Offiziere gegründet und wenig später mit dem NKFD vereinigt. Er sollte möglichst viele der Offiziere ansprechen, die dem Kommunismus ablehnend gegenüberstanden. Als sich zeigte, dass die Rote Armee auch ohne Hilfe des NKFD die deutsche Front unaufhaltsam zurückdrängte, verlor es für die Sowjetunion ab 1944 seine Bedeutung und wurde kurz nach Kriegsende im Herbst 1945 aufgelöst.

In amerikanischer Kriegsgefangenschaft fanden sich ab 1943 Gleichgesinnte zusammen, die sich innerlich vom Nationalsozialismus gelöst hatten. Sie versuchten, ihre Kameraden durch Vorträge und Lagerzeitschriften zu beeinflussen und warben für den Aufbau eines demokratischen Deutschlands. 300 Gegner des NS-Regimes, darunter vorwiegend politische Zwangsrekrutierte, die in Strafdivisionen der "999er" Wehrdienst leisten mussten, befanden sich von Mai 1943 bis zum Sommer 1947 in Kriegsgefangenschaft in Französisch-Nordafrika. In der Tradition der Arbeiterbewegung konnten diese Regimegegner über das Kriegsende hinaus vielen jungen gefangenen Soldaten des Afrika-Korps die Idee eines demokratischen Nachkriegsdeutschlands näher bringen.

Widerstand gegen die nationalsozialistische Judenverfolgung

Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 begann die Ausgrenzung, Diffamierung und Entrechtung der etwa 500.000 deutschen Juden. Der Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933, mit dem die Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben einsetzte, die Nürnberger "Rassengesetze" vom September 1935 und die Pogrome vom 9. November 1938 markierten die wesentlichen Stationen der Judenverfolgung in Deutschland. Nach den Pogromen 1938 wurden mehr als 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt; gesetzliche Vorschriften verschärften die wirtschaftliche und soziale Entrechtung weiter.

Viele Juden erkannten, wie gefährlich das Leben in Deutschland wurde. Sie bereiteten sich seit Mitte der 1930er-Jahre durch Sprachkurse und Umschulungen auf ihre Auswanderung vor. Mehr als 300.000 Juden konnten bis zum Kriegsbeginn im Herbst 1939 aus Deutschland fliehen.

Dem nationalsozialistischen Völkermord an den Juden Europas fielen rund sechs Millionen Menschen zum Opfer, von denen die meisten erschossen oder mit Giftgas ermordet wurden. Darunter waren auch mehr als 160.000 deutsche Juden. Sie wurden seit Oktober 1941 vor allem in die Vernichtungsstätten in den deutsch besetzten Gebieten Polens und der Sowjetunion deportiert und dort ermordet.

Etwa 10.000 bis 12.000 deutsche Juden versuchten sich dieser tödlichen Bedrohung zu entziehen. Da Auswanderung ab 1941 verboten und auch auf illegale Weise nahezu unmöglich war, blieb nur die Flucht in den Untergrund – mit höchst ungewissem Ausgang. Wer "untertauchte", widersetzte sich der Diktatur. Verstecke mussten gefunden und häufig gewechselt werden. Dabei bestand ständig die Gefahr des Verrats und der Entdeckung. Vermutlich mehr als die Hälfte derjenigen, die sich in Deutschland der Deportation entzogen, tat dies in Berlin. Viele tauchten erst 1943 unter, als die verbliebenen Juden, die überwiegend in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leisteten, deportiert werden sollten. In Deutschland überlebten etwa 5000 "Untergetauchte", davon über 1900 in Berlin.

Gelingen konnte dies meist nur mit Hilfe von Menschen, die bereit waren, Verfolgte zu unterstützen. Unter Gefährdung der eigenen Person besorgten diese "stillen Helden" Lebensmittel, beschafften falsche Papiere, leisteten Fluchthilfe, stellten Quartiere zur Verfügung oder versteckten die Verfolgten bei sich. Viele wurden zu Rettern, weil sie von Verfolgten oder anderen Helfern gezielt um Hilfe gebeten wurden. Andere wiederum ergriffen selbst die Initiative zur rettenden Unterstützung. Sie appellierten etwa an jüdische Freunde, sich nicht deportieren zu lassen, und sagten ihnen Hilfe für ein Leben im Untergrund zu. Weltanschauliche und politische Motive waren für die Hilfe ebenso von Bedeutung wie spontanes Mitgefühl. Dadurch konnten sie die Angst um die eigene Person und die Familie sowie die berechtigte Furcht vor der Gestapo überwinden.

Häufig entwickelten sich im Verlauf von Rettungsversuchen Netzwerke von Helfenden. Für jeden "Untergetauchten" waren bis zu zehn, bisweilen auch erheblich mehr nichtjüdische Unterstützer aktiv. Viele Hilfsaktionen scheiterten jedoch. Schätzungen gehen heute von insgesamt mehreren zehntausend Menschen aus, die in Deutschland jüdischen Verfolgten geholfen haben. Auch in den besetzten Ländern Europas gab es neben vielen Einheimischen einzelne Deutsche, die ihre Stellung als Soldaten oder in der Kriegswirtschaft nutzten, um tödlich bedrohte Juden zu unterstützen.

Die meisten Menschen, die sich dem NS-Völkermord durch Rettungsaktionen entgegenstellten, schwiegen nach 1945 über ihre Hilfeleistungen. Sie begriffen sie als selbstverständlich. Erst später wurde ihr Handeln gewürdigt. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat bis heute mehr als 26.000 Frauen und Männer für diese Hilfsaktionen als "Gerechte unter den Völkern" geehrt. In Deutschland widmet sich die Berliner Gedenkstätte Stille Helden der Erinnerung an jene Menschen, die sich der tödlichen Bedrohung entzogen, und an jene, die ihnen dabei geholfen haben.

Proteste in der Rosenstraße

Am 27. und 28. Februar 1943 wurden in ganz Deutschland im Rahmen der "Fabrikaktion" mehr als 11.000 Jüdinnen und Juden von der Gestapo festgenommen, die bisher Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie geleistet hatten, davon allein in Berlin mehr als 8000. Fast 7000 von ihnen wurden in den folgenden Tagen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Unter den Festgenommenen in Berlin waren auch mehr als 1700 Juden, die entweder in "Mischehe" lebten oder als "jüdische Mischlinge" galten. Sie wurden in das Sammellager in der Rosenstraße 2–4 in Berlin-Mitte gebracht. Nach NS-Definition waren "Mischehen" Ehen zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Männern und Frauen; als "Mischlinge" wurden Menschen mit jüdischen und nicht-jüdischen Vorfahren definiert. Die Deportation der in der Rosenstraße Festgehaltenen war nicht beabsichtigt; aus ihnen sollten diejenigen ausgewählt werden, die die zur Deportation vorgesehenen Mitarbeiter der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland ersetzen sollten.

Viele nicht-jüdische Verwandte erfuhren von dem Aufenthaltsort ihrer Angehörigen, befürchteten deren Deportation, und versammelten sich in der Rosenstraße. Insgesamt waren Anfang März 1943 mehrere hundert Menschen, zumeist Frauen, an den Demonstrationen beteiligt. Mehrfach wurden sie von der Polizei vertrieben. Da in der ersten Märzwoche die Männer aus den "Mischehen" und die "Mischlinge" aus dem Sammellager in der Rosenstraße entlassen wurden, wurde dies nach 1945 als Erfolg der Frauenproteste in der Rosenstraße gedeutet.

Widerstand von Juden

Der Antisemitismus war das zentrale Element der nationalsozialistischen Ideologie. Deshalb hatten sich deutsche Juden schon vor 1933 gegen die NSDAP zur Wehr gesetzt. Grundsätzlich lassen sich drei Formen des Widerstandes von Juden in Deutschland unterscheiden: erstens Formen der Selbstbehauptung und der Solidarität, zweitens die Mitwirkung von Jüdinnen und Juden in unterschiedlichen Gruppen des Widerstandes sowie drittens der Aufbau eigener Widerstandsgruppen im Kampf gegen den Nationalsozialismus.

Unter dem Eindruck von Verfolgung und antisemitischer Propaganda entwickelten viele der mehr als 500.000 deutschen Juden ein neues Selbstverständnis. Die Jüdischen Gemeinden, der Jüdische Kulturbund, jüdische Sportverbände und Bildungseinrichtungen wurden zu Orten der Selbstbehauptung und Solidarität. In den Organisationen und Verbänden konnten die deutschen Juden, die zunehmend aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen wurden, das Gemeinschaftsgefühl und ihren Überlebenswillen stärken. So beschäftigte der 1933 gegründete Kulturbund Deutscher Juden entlassene jüdische Künstler und bot jüdischen Menschen die Möglichkeit, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. In Not geratenen Menschen wurden Wirtschaftshilfe und Wohlfahrtsleistungen gewährt. Juden, die Deutschland verlassen wollten, wurden durch Sprachkurse und berufliche Umschulungen und Ausbildungen bewusst auf die Emigration und das Leben im Ausland vorbereitet.

Es gab vielfältige jüdische Bemühungen, sich gegen die NS-Verbrechen aufzulehnen, so in Berlin die Gruppen um Herbert Baum oder die Gruppe Chug Chaluzi (Kreis der Pioniere). Letztere war eine religiös-zionistische Gruppe, die von Jizchak Schwersenz und seiner Freundin Edith Wolff gegründet wurde. Im Februar 1943, als mit der "Fabrikaktion" die letzten noch in Berlin lebenden Juden, die noch in den Rüstungsbetrieben zwangsbeschäftigt waren, deportiert werden sollten, sammelte der bereits untergetauchte Lehrer Jizchak Schwersenz im Chug Chaluzi schließlich 40 Kinder und Jugendliche aus verschiedenen jüdischen Jugendbünden um sich. Ziel der Jugendgruppe war es, "durchzuhalten", Fluchtwege ins Ausland zu suchen und das Leben in der Illegalität bis zur Befreiung durch die alliierten Armeen zu organisieren.

Nach der geglückten Flucht von Schwersenz in die Schweiz wurde die Gruppe von Gad Beck fortgeführt. Noch im Untergrund vermittelte die Gruppe religiöse und zionistische Inhalte an ihre jugendlichen Mitglieder. Tatsächlich konnte die überwiegende Mehrheit dieser Gruppe mit Hilfe von Nichtjuden überleben, einzelne Mitglieder wurden jedoch Opfer der Vernichtung. Der Chug Chaluzi war die einzige Widerstandsgruppe innerhalb Deutschlands, die aus jüdisch-religiösen Motiven heraus handelte.

In Ghettos und Lagern gab es Ausbruchsversuche und Aufstände. Der größte Aufstand fand im April 1943 im Warschauer Ghetto statt. In den Vernichtungslagern Treblinka und Sobibor im Herbst 1943 und in Auschwitz-Birkenau im November 1944 kam es zu Aufständen, die von der SS blutig niedergeschlagen wurden.

Widerstand von Sinti und Roma

1933 lebten rund 30.000 Sinti und Roma in Deutschland. Die meisten besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit. Für sie begann mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten eine Zeit der "rassisch" begründeten Entrechtung und Verfolgung, gegen die sie sich zur Wehr setzten. Die "Rassenhygienische Forschungsstelle" in Berlin sollte ab 1936 die deutschen Sinti und Roma vollständig erfassen. Dies war die Voraussetzung für ihre spätere Deportation in Konzentrations- und Vernichtungslager.

Doch zunächst veränderten die Nürnberger Rassengesetze vom September 1935 auch das Schicksal der Sinti und Roma in Deutschland entscheidend. Sie verloren ihre Bürgerrechte; ebenso wie den Juden wurden ihnen die Heirat mit "Deutschblütigen" und die Ausübung vieler Berufe verboten. In einigen deutschen Städten entstanden KZ-ähnliche Sammellager für Sinti und Roma, so etwa in Berlin-Marzahn oder in der Dieselstraße in Frankfurt am Main. In diesen Lagern wurden pseudowissenschaftliche "Rasseuntersuchungen" vorgenommen, die Inhaftierten waren der Willkür und den Misshandlungen ihrer Bewacher ausgesetzt. Ab 1940 wurden Sinti und Roma in das deutsch besetzte Polen zur Zwangsarbeit verschleppt.

Immer wieder versuchten Sinti und Roma, sich gegenüber der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zu behaupten. Sie unternahmen Fluchtversuche und leisteten Fluchthilfe. Ihr eigenes Überleben war die Voraussetzung dafür, anderen zu helfen und Widerstand zu leisten. Sinti und Roma gingen in die Illegalität, um der drohenden Haft oder Deportation zu entgehen. Dabei wurden sie nicht selten von Nachbarn oder Freunden unterstützt. Die Fluchthelfer wussten, in welche Gefahr sie sich durch die Hilfe für die Verfolgten begaben. Aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sind 42 Fluchtversuche von Sinti und Roma belegt, nur zwei davon waren erfolgreich.

Es kam auch zu verzweifelten Versuchen, sich in den besetzten Gebieten gegen die Massenerschießungen zu wehren. Im Kampf gegen die deutsche Besatzungsmacht schlossen sich Gruppen von Sinti und Roma vor allem in Osteuropa den Partisanenverbänden an. Zentrum des bewaffneten Kampfes war Jugoslawien. Auch in Frankreich leisteten Sinti und Roma in der Résistance Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die Verfolgung ihrer Minderheit. Dennoch fielen dem Völkermord nach Schätzungen bis zu 500.000 Sinti und Roma in Europa zum Opfer.

Der Aufstand im "Zigeunerlager" in Auschwitz-Birkenau

Im Mai 1944 lebten im "Zigeunerlager" B II e von Auschwitz-Birkenau nur noch rund 6000 der insgesamt über 22.000 hierher verschleppten Sinti und Roma. Am 15. Mai 1944 fiel der Entschluss, diese Häftlinge in den Gaskammern zu ermorden. Als die Betroffenen davon erfuhren, bewaffneten sie sich so gut es ging und mit allem, was ihnen zur Verfügung stand – Messer, Knüppel, Spaten, Brecheisen und Steine. Am nächsten Tag verweigerten sie den Befehl, ihre Häftlingsbaracken zu verlassen. Als den SS-Männern klar wurde, dass die Häftlinge zum Widerstand entschlossen waren, gaben sie die ursprünglich geplante Mordaktion auf.

Ende Juli 1944 wurden die früheren Wehrmachtsangehörigen unter den Sinti und Roma, deren Familienangehörige sowie weitere als "arbeitsfähig" eingestufte Sinti und Roma aus dem "Zigeunerlager" in das Stammlager Auschwitz gebracht. Die SS wollte so bei den verbleibenden Häftlingen in Auschwitz-Birkenau den Eindruck erwecken, sie sollten zur Arbeit in andere Lager transportiert werden. Ein Zug mit 490 Frauen und über 1100 Männern und Jungen fuhr am Nachmittag des 31. Juli 1944 von der Rampe in Auschwitz-Birkenau ab. Über den Zaun hinweg konnten sie sich mit Winken und Rufen von den Zurückbleibenden im "Zigeunerlager" verabschieden. Diese wurden am Abend des 2. August 1944 auf Lastkraftwagen zu den Gaskammern gebracht. Viele der insgesamt 2897 Opfer wehrten sich bis zuletzt noch mit bloßen Händen gegen ihre Mörder.

Widerstand von Häftlingen

Schon wenige Wochen nach Hitlers Regierungsübernahme begannen die Nationalsozialisten in vielen Teilen des Reiches Konzentrationslager zu errichten, in denen sie ihre Gegner inhaftierten und misshandelten. Eines von ihnen entstand im März 1933 bei Dachau. Es wurde zum Modell für andere Lager im Emsland, später für die Konzentrationslager Sachsenhausen, Buchenwald, Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück und Neuengamme. Sie sollten die Inhaftierten einschüchtern, aber auch die Bevölkerung gefügig machen, der so der Schrecken der nationalsozialistischen Verfolgung vor Augen geführt wurde.

In den Lagern wurden zunächst fast nur politische Gefangene festgehalten, vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Nach kurzer Zeit fanden sich hier jedoch all jene Bevölkerungsgruppen wieder, die gemäß der rassistisch definierten NS-Ideologie aus der NS-"Volksgemeinschaft" ausgestoßen werden sollten: Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, sogenannte Asoziale und angebliche Berufsverbrecher. 1938 wurden Menschen aus Österreich und dem Sudetenland in die Konzentrationslager verschleppt, ein Jahr darauf Tschechen und Polen, später Gefangene aus allen deutsch besetzten Ländern. Ab 1943 mussten die Häftlinge vor allem Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. Sie waren der Willkür, körperlichen Gewalt und dem psychischen Terror ihrer Peiniger aus der SS ausgeliefert.

Nicht nur unter den politischen Gefangenen gab es Solidarität und geistig-kulturelle Selbstbehauptung in vielfacher Form. Immer wieder versuchten Häftlinge, sich gegen ihre Unterdrücker zur Wehr zu setzen und sich im Lageralltag zu behaupten. Sie nahmen Verbindungen zu anderen Gefangenen auf, halfen Gefährdeten und nutzten vielfach die kleinen Spielräume, die sie sich durch Tätigkeiten für die SS oder die KZ-Verwaltung verschaffen konnten. Unter den unmenschlichen Haftbedingungen des Lageralltags zu überleben und sich innerlich nicht dem Druck der SS zu beugen, waren die Grundvoraussetzungen für alle Bemühungen von Häftlingen, im KZ die eigene Identität und Menschenwürde zu bewahren sowie anderen Häftlingen zu helfen.

Kontakte zu ihren Angehörigen und Freunden in der Freiheit waren für die Häftlinge lebensnotwendig. Erlaubt war ein Brief im Monat, dessen Inhalte allerdings einer strengen Postzensur unterlagen. Oft verbot die KZ-Kommandantur jedoch auch diesen Weg. Entsprechend versuchten Häftlinge, mit Hilfe verschlüsselter Mitteilungen in zensierten Briefen oder durch geheime Nachrichten, sogenannte Kassiber, Verbindungen nach außen aufzunehmen. In einigen Lagern gelang es sogar, einzelne einfache Rundfunkgeräte vor den Bewachern zu verstecken. Sie waren wichtige Informationsquellen über den Kriegsverlauf und die Situation außerhalb der Konzentrationslager.

Mit dem Krieg entstanden ab 1939 neue Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Groß-Rosen, Stutthof, Majdanek, Natzweiler und Riga. Hier mussten die Häftlinge unter unmenschlichsten Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Vernichtungsstätten in den besetzten Gebieten hatten ab Herbst 1941 nur einen Zweck: Menschen fabrikmäßig zu ermorden und ihre Leichname zu beseitigen. Bis heute stehen die Namen Chełmno, Belzec, Sobibór, Treblinka und Auschwitz-Birkenau für den nationalsozialistischen Massenmord.

Inhaftierte versuchten auch, sich dem drohenden Tod durch Flucht zu entziehen. In einigen Lagern fanden sogar gemeinsame Ausbruchsversuche und Aufstände statt. Diese deutlichsten Zeichen eines organisierten Häftlingswiderstands gingen zumeist auf Gefangene aus den besetzten bzw. eroberten Ländern zurück, die seit 1942 die überwiegende Mehrheit der Häftlinge in den Konzentrationslagern stellten.

Hilfen für Verfolgte

Mit Beginn des Krieges wurde es für die Regimegegner und -kritiker stetig schwieriger, denen zu helfen, die von den Nationalsozialisten verfolgt und menschenunwürdig behandelt wurden.

Im Mai 1940 untersagte eine Verordnung jeden Umgang mit Kriegsgefangenen, der sich nicht aus beruflicher Zusammenarbeit oder infolge dienstlicher Belange ergab. Sie zu unterstützen, bedeutete zunehmend, sich der Verfolgung durch Polizei und Justiz auszusetzen.

Doch einzelne Deutsche bewahrten Mitgefühl und Solidarität. Sie versorgten Zwangsarbeiter mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser, steckten ihnen Zigaretten zu, besorgten illegale Papiere für Untergetauchte, versteckten Verfolgte oder ermöglichten ihnen die Flucht vor einer drohenden Haft oder Deportation.

Widerstand der letzten Stunde

Im Frühjahr 1945 rief die NS-Führung dazu auf, den Krieg bis "zum letzten Blutstropfen" fortzusetzen. Hitler befahl, ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung jeden Ort zu verteidigen, Brücken zu zerstören und Versorgungseinrichtungen sowie Industrieanlagen unbrauchbar zu machen. Jeder, der sich diesen Befehlen widersetzte oder Zweifel am Sinn von Durchhalteparolen äußerte, riskierte sein Leben.

Mehrfach versuchten Deutsche, Kämpfe in ihrer Umgebung zu verhindern. Sie nahmen Kontakt zu den alliierten Truppenverbänden auf, entwaffneten Mitglieder des "Volkssturms", in dem gegen Kriegsende Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren zur Heimatverteidigung zusammengefasst worden waren, oder forderten NS-Führer auf, Dörfer und Städte kampflos zu übergeben. Viele bezahlten ihren Kampf gegen den "Krieg bis zur letzten Patrone" mit dem Tod. Sie wurden standrechtlich verurteilt, öffentlich gehängt oder verschleppt – nicht selten nur Stunden, bevor alliierte Truppen eintrafen.

Robert Limpert hatte bereits als Jugendlicher den Nationalsozialismus entschieden abgelehnt. Anfang März 1945 zum Kriegsdienst eingezogen, wurde der seit seiner Kindheit schwer Herzkranke acht Tage später als wehruntauglich entlassen. Er kehrte in seine Heimatstadt Ansbach in Franken zurück, deren Kampfkommandant Ernst Meyer entschlossen war, die Stadt "bis zum letzten Mann" zu verteidigen. Limpert verfasste und vervielfältigte mehrere Flugblätter, in denen er die Bürger aufrief, als Zeichen der Kapitulation weiße Fahnen zu hissen und die Stadt kampflos zu übergeben. Er plakatierte sie nachts an Hauswände und Türen.

Am 18. April beobachteten Hitlerjungen Limpert, als er ein Telefonkabel zwischen dem kurz zuvor aufgegebenen Gefechtsstand des Kommandanten im Ansbacher Schloss und den vor der Stadt postierten Truppeneinheiten zerschnitt. Limpert wurde denunziert, festgenommen und vor ein Standgericht gestellt, bei dem der Kampfkommandant selbst das Todesurteil sprach und es schließlich eigenhändig vollstreckte. Wenige Stunden vor dem Eintreffen amerikanischer Truppen am 18. April 1945 erhängte er den erst 19-Jährigen am Ansbacher Rathaustor.

Am 22. April 1945 hatte der NSDAP-Gauleiter Ludwig Ruckdeschel in einer fanatischen Rede die Verteidigung der Stadt Regensburg bis zum Letzten gefordert. Doch am Morgen des 23. April 1945 verbreitete sich das Gerücht, dass eine Kundgebung zur kampflosen Übergabe der Stadt an die amerikanischen Truppen geplant war. Am Nachmittag versammelten sich tatsächlich mehrere hundert Menschen vor dem Neuen Rathaus der Stadt, unter ihnen der Domprediger von Regensburg Johann Maier.

Als im Laufe des Abends immer mehr Menschen auf den Platz strömten und die Situation zu eskalieren drohte, rief Maier die Menge zur Besonnenheit auf. Dennoch wurde er festgenommen, noch am selben Abend vor ein Standgericht gestellt und kurz nach Mitternacht mit dem 70-jährigen Rentner Josef Zirkl zum Tode verurteilt. Beide Männer wurden in den frühen Morgenstunden des 24. April öffentlich erhängt. Dabei trug Johann Maier ein Schild um den Hals mit der Aufschrift: "Hier starb ein Saboteur." Am 27. April 1945 wurde Regensburg kampflos an die 3. US-Armee übergeben.

Einige Einwohner des bei Rothenburg gelegenen Dorfes Brettheim entwaffneten im April 1945 eine Gruppe Hitlerjungen und nahmen ihnen ihre Panzerfäuste weg. Sie wollten damit den sinnlosen Kampf mit den heranrückenden amerikanischen Truppen und die Zerstörung Brettheims verhindern. SS-Gruppenführer Max Simon, früher Kommandant des Konzentrationslagers Sachsenburg und jetzt General der Waffen-SS, befahl einem Offizier seines Stabes, diese "Schweinerei" zu ahnden. Das Dorf wurde umstellt, die meisten Einwohner des Ortes wurden verhört. Schließlich meldete sich der Bauer Friedrich Hanselmann freiwillig als einer der "Täter" und nannte unter Schlägen die Namen von zwei weiteren Beteiligten. Als sich der Bürgermeister und der Ortsgruppenführer weigerten, das rasch gefällte Todesurteil des Standgerichts gegen Hanselmann zu unterzeichnen, wurden auch sie am 9. April 1945 angeklagt und zum Tode verurteilt. Einen Tag später wurden sie zusammen mit Friedrich Hanselmann ermordet.