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Akteure und Arenen: Parlamente und Vereine, Fraktionen und Redaktionen, Männer und Frauen, Petitionen und Barrikaden | bpb.de

Informationen zur politischen Bildung Nr. 364/2025

Akteure und Arenen: Parlamente und Vereine, Fraktionen und Redaktionen, Männer und Frauen, Petitionen und Barrikaden

Jörn Leonhard

/ 13 Minuten zu lesen

Die Revolution ermöglichte neue Erfahrungen politischer Teilhabe. Diese Entwicklung ging weit über Wahlen und Parlamente hinaus und wirkte so als Impuls für eine langfristig wirkende Politisierung.

Institutionalisierte Politik: Parlamente und Fraktionen

Eine Sitzung des „Centralmärzvereins“ am 6. Mai 1849 in Frankfurt am Main. Der Verein dient als Dachorganisation demokratischer Vereine und nimmt viele Funktionen einer modernen Partei vorweg. (© Alamy, piemags)

Auf einer ersten Ebene bildete die Frankfurter Nationalversammlung mit der Provisorischen Zentralgewalt nicht nur eine eigene Exekutive. Ihre Abgeordneten entwickelten auch in kurzer Zeit eine beeindruckende Fähigkeit, die parlamentarische Arbeit selbstständig zu organisieren. Bereits die unmittelbare Publikation der stenographischen Berichte aller Parlamentsdebatten in einem unzensierten Volltext in den deutschen Staaten stellte eine grundlegende Innovation dar. Druck und Verbreitung der stenographischen Berichte ließen aus den parlamentarischen Debatten Tagesereignisse werden, die politische Diskussionen auch außerhalb der Parlamente stimulierten.

(© Quelle: Eigene Darstellung nach © Deutsches Historisches Museum, Lithografie nach Paul Bürde)

Den Abgeordneten in Frankfurt kam zugute, dass viele von ihnen Erfahrungen aus den einzelstaatlichen Landtagen des Vormärz mitbrachten. Obwohl es bis 1848 noch keine fest organisierten Parteien im modernen Sinne gab, schlossen sich die meisten Abgeordneten in der Paulskirche bald entsprechend ihrer politischen Grundanschauungen zusammen und bildeten Fraktionen, die den Geschäftsablauf in der Nationalversammlung bestimmten. Die Fraktionen in der Frankfurter Paulskirche bezeichnen sich zunächst ganz pragmatisch nach ihren städtischen Tagungslokalen: die konservative Rechte nach dem „Café Milani“, die konstitutionellen Liberalen nach dem „Casino“, dem „Landsberg“ und dem „Augsburger Hof“, die parlamentarische Linke nach dem „Württemberger Hof“ und dem „Westendhall“, die demokratische Linke schließlich nach dem „Deutschen Hof“ und dem „Donnersberg“.

Durch Abstimmungsdisziplin und Koalitionsbildungen trugen sie wesentlich dazu bei, in kurzer Zeit ein funktionsfähiges Parlament zu entwickeln, zu dem bald auch eine funktionale Ausdifferenzierung durch Ausschüsse gehörte, etwa zur Ausarbeitung der Grundrechte der künftigen Verfassung oder zu volkswirtschaftlichen Themen. Häufige Fraktionswechsel und zahlreiche unabhängige Abgeordnete machten Voraussagen über konkrete Abstimmungsergebnisse allerdings unsicher.

Private Zirkel, Salons und Lesehallen ließen auch außerhalb der Paulskirche einen Raum politischer Debatten entstehen, der für den persönlichen Kontakt zwischen Parlamentariern über die Fraktionsgrenzen hinaus und zwischen Abgeordneten und Journalisten große Bedeutung hatte. Zum Parlamentsalltag gehörte also von Anfang an die intensive Beteiligung der Öffentlichkeit an den Debatten, so dass eine intensive Interaktion zwischen dem Parlament und dem außerparlamentarischen Raum entstand. Dazu trugen die publizierten Parlamentsprotokolle bei. Hinzu kamen zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften sowie die sogenannten „Interpellationen“ der Abgeordneten über die ihnen aus den Wahlkreisen zugetragenen Probleme und Reaktionen der Bevölkerung. Ebenso wichtig wurden die zahlreichen „Petitionen“, die jeden Tag aus allen Teilen Deutschlands in Frankfurt eingingen und einen Eindruck von den Konflikten und Debatten in ganz unterschiedlichen Teilen der deutschen Gesellschaft vermittelte.

Den Alltag des einzelnen Abgeordneten bestimmten daher nicht allein die Plenarsitzungen, sondern ebenso die Arbeit in der Fraktion oder in einem der Ausschüsse, die Mitgliedschaft in einem der zahlreichen Vereine und der tägliche Meinungsaustausch in den über Frankfurt verteilten Clubs. Viele Parlamentarier verfassten nicht nur Artikel für die politische Presse, sondern eigene Rechenschaftsberichte für ihre Wahlkreise. All das trug entscheidend zu einer über die Nationalversammlung hinausweisenden gesamtgesellschaftlichen Politisierung und Bewusstseinsbildung bei.

Wandzeitungen, Flugschriften, Karikaturen, Satiren und Lieder ließen Nachrichten, Kommentare und Meinungen auch über die städtischen Zentren hinauswirken. So konnten seit März 1848 viele Männer und Frauen auch jenseits der bürgerlichen Eliten die Ereignisse verfolgen und eigene Meinungen formulieren. Wahllokal, Parlamentsplenum, Redaktion und Straße waren keine voneinander getrennten Räume der Revolution, sondern vielfältig miteinander verknüpft. Seit März 1848 entwickelte sich in wenigen Monaten in Ansätzen ein nationaler Raum der Politik, der die Grenzen der politischen Kulturen der Einzelstaaten vielfach überwand.

Kommunikation und Selbstorganisation: Vereine und Medien, Stadt und Land

Politik war also nicht allein eine Sache der Parlamente in Frankfurt, Berlin, Wien oder anderen deutschen Hauptstädten. Schon die Berliner Märzkämpfe hatten die Auseinandersetzung zwischen Staat, Militär und Gesellschaft im öffentlichen Raum demonstriert. Die im Volkspark Friedrichshain bestatteten Märzgefallenen bewiesen, dass die Revolution nicht in einer parlamentarischen Legalisierung aufging. Die Opfer der Straßenrevolution waren Männer, Frauen und Jugendliche, Gesellen und Lehrlinge, Handwerker, kleine Selbständige, Arbeiter und Bauern, Anwälte, Lehrer und Journalisten. In der nachträglichen konservativen Deutung von 1848/49 erschien die Revolution mit Blick auf diese Auseinandersetzungen als „tolles Jahr“. Doch unterschlug diese Formulierung die Vielfalt der Orte und Medien der Revolution und reduzierte sie auf eine von Gewalt geprägte Ausnahmesituation. Nach deren Ende gelte es, die demagogisch verführten Volksmassen wieder in die Normalität eines politischen Ausgangszustands zurückzuführen.

Im Gegensatz zu dieser Deutung bedeutete die Revolution aber eine neuartige Erfahrung des Politischen, die nicht in regierungsamtlicher Staatskunst und Polizeiaktionen gegen angeblich undisziplinierte Volksmassen aufging. Seit März 1848 hatten viele Deutsche gerade auch in spontanen Protesten und organisierten Volksversammlungen erlebt, wie sich der „Volkswille“ und der Anspruch auf Volkssouveränität artikulieren ließ. Das setzte sich in zahlreichen Vereinen, persönlichen Netzwerken und einer Welle von Petitionen, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln fort. 1848/49 erscheint vor diesem Hintergrund als entscheidender Impuls für die Entwicklung lokaler Organisationen, von Vorformen von Parteien, Gewerkschaften und Berufsverbänden. Die Erfahrung, eigene politische und soziale Interessen selbstständig organisieren zu können, prägte die Demokratisierungserfahrung im Alltag. Dazu gehörte auch die Drohung radikaler Demokraten mit der Einführung der Republik oder der möglichen Gewaltanwendung. Dennoch lässt sich diese Politisierung nicht allein auf Gewalt reduzieren, wie das viele Liberale in ihrer Angst vor einer Entgleisung der Revolution immer wieder taten.

Eine entscheidende Rolle für diese Politisierung außerhalb der Parlamente spielte die Vereinskultur, die sich bereits im Vormärz ausdifferenziert hatte und die durch die seit März 1848 gewährte Versammlungsfreiheit einen enormen Schub erfuhr. Das galt ganz besonders für Frauen, auf die sich die gewährte Versammlungsfreiheit im politischen Raum ausdrücklich auch erstreckte. So konnten sie außerhalb der Parlamente, die für sie verschlossen blieben, wichtige politische Erfahrungen sammeln. Doch zugleich vertiefte dieser Prozess auch die ideologischen Spannungen. Das zeigte sich beim Blick auf die Unterschiede zwischen Stadt und Land. Häufig übersehen, spielten Bauern in vielen deutschen Regionen im Frühjahr 1848 eine sehr aktive Rolle. Sie wandten sich gegen die letzten feudalen Relikte aus der „alten“ Welt der mittelalterlichen Ständegesellschaft. Ihre kollektiven Protestformen waren häufig vormodern und oft regional oder ­lokal begrenzt. Für die Agrargesellschaft bedeutete die Revolution zunächst einen großen Erfolg, da die Bauern nun persönlich frei wurden. So schloss die Revolution die vielerorts noch unvollkommene Bauernbefreiung ab, traditionelle Abgaben und adlige Privilegien etwa bei Jagd und Waldnutzung wurden abgeschafft.

Der Beginn der Revolution demonstrierte aber auch die Unterschiede zwischen Bauern und bürgerlichen Oppositionellen. Im Frühjahr 1848 verstanden die Odenwälder Bauern unter der „Pressfreiheit“ das Ende feudaler Strukturen, während die Heidelberger Studenten damit die Aufhebung der Pressezensur verbanden. Nachdem sie ihre wichtigsten Ziele erreicht hatten, zogen sich die Bauern nicht einfach aus der Revolution zurück, aber die bäuerliche Opposition und die Volksbewegungen in den Städten blieben doch weitgehend getrennt voneinander. Dabei spielten unterschiedliche Vorstellungen von Gesellschaftsordnungen eine entscheidende Rolle, weil die Landbevölkerung zumeist konservativer eingestellt war als die Bevölkerung in größeren Städten.

In den urbanen Zentren – vor allem in den Residenzstädten mit ihrer politischen Infrastruktur aus Parlamenten, Universitäten, Bibliotheken und Redaktionen – differenzierte sich das politische Spektrum nicht nur ideologisch, sondern auch organisatorisch aus. Bereits die Zeitgenossinnen und Zeitgenossen nutzten zur Orientierung das Schema von links und rechts entsprechend der Sitzordnung der Abgeordneten im parlamentarischen Plenum. Auf der äußersten Linken markierten 1848/49 die Anfänge der Arbeiterbewegung. Für sie spielten Gesellenvereine eine große Rolle, weil junge Männer in ihnen ohne eigene parlamentarische Vertretung und relativ isoliert von anderen politischen Gruppen ihre Interessen artikulieren konnten.

Eine besonders intensive Kooperation zwischen parlamentarischen Fraktionen und der außerparlamentarischen Öffentlichkeit entwickelte sich bei den Demokraten durch den „Centralmärzverein“ als Dachorganisation aller demokratischen Vereine. Er erfüllte bereits viele Funktionen einer modernen Partei, indem seine Mitglieder erstmals eine Koordinationsstruktur auf nationaler Ebene schufen. Neben die bürgerlichen Demokraten, die sich in einen gemäßigten und einen radikal republikanischen Flügel aufteilten, traten auf dem rechten Spektrum konstitutionelle Liberale, Vertreter des politischen Katholizismus und Konservative. Gerade dem politischen Katholizismus und dem Konservatismus gelang es, den Impuls der Revolutionsjahre zu nutzen, um professionelle Organisationsstrukturen aufzubauen. Besonders in Preußen konnten die Konservativen die ländlichen Regionen zu politischen Bastionen ausbauen.

Interessen zu formulieren und durchzusetzen bedeutete häufig, die eigenen Forderungen national einzurahmen. So organisierten sowohl die Anhänger des Freihandels als auch die Fürsprecher von Schutzzöllen nationale Kongresse. Auch Katho­likentage und das „Junkerparlament“, die permanent tagende Generalversammlung des konservativen „Vereins zur Wahrung der Interessen des Grundbesitzes und zur Förderung des Wohlstands aller Klassen“ in Preußen, wiesen in diese Richtung.

Widersprüchliche Emanzipationserfahrungen marginalisierter Gruppen

Für zwei Gruppen wurde die Revolution von 1848/49 zu einer entscheidenden Wegscheide für ihre aktive politische Teilnahme in der Öffentlichkeit. Angehörige der jüdischen Bevölkerung und Frauen, die in den Jahrzehnten bis 1848 sozial und politisch weitgehend marginalisiert waren, erfuhren die Revolution als Chance, um ihre Handlungsspielräume zu erweitern – auch wenn diese Erfahrung widersprüchlich blieb.

Einige Jüdinnen und Juden erlebten die Revolution zunächst als eine zwiespältige Erfahrung. So kam es im Frühjahr 1848 zeitlich parallel zu den politischen Aufbrüchen zu einer Welle antisemitischer Vorfälle. In einzelnen süddeutschen Gemeinden wie Tauberbischofsheim wurden Jüdinnen und Juden gezwungen, ihr Ortsbürgerrecht aufzugeben. Andernorts kam es zu Plünderungen jüdischer Häuser und Betriebe. Diese Vorfälle standen in der Tradition früherer antisemitischer Ausschreitungen wie der „Hep-Hep-Krawalle“ von 1819 oder einer Reihe von Pogromen 1830.

Gleichzeitig enthielten die Märzforderungen 1848 das Ziel, alle Religionsgemeinschaften gleichzustellen. Entsprechend erhielten jüdische Männer das Wahlrecht für die deutsche Nationalversammlung, und die meisten deutschen Staaten führten die Gleichstellung der jüdischen, männlichen Bevölkerung schrittweise ein. Entsprechend traten Juden in der Revolution als aktiv Handelnde und oft auch als politische Führer auf. Nicht weniger als 19 Abgeordnete der Paulskirche waren jüdischer Abstammung, davon 11 Getaufte. Auch ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Märzgefallenen in Berlin und in der Führung der Wiener Revolution waren Juden. Mit dem Kölner Sozialisten Andreas Gottschalk (1815–1849) und dem Arbeiterführer Stephan Born (1824–1898) übernahmen zwei prominente Juden auf der Seite der radikalen Demokraten wichtige Funktionen. Obwohl die meisten dieser Maßnahmen zur Judenemanzipation zu Beginn der sogenannten Reaktionszeit, in der nach der Niederschlagung der Revolution von 1848/49 die nationale Bewegung unterdrückt und politische Rechte zurückgenommen wurden, zum Opfer fallen sollten, wirkte die Erfahrung der aktiven Teilnahme fort. So schuf die Revolution so zuvor nicht existierende Handlungsspielräume für die jüdische Bevölkerung. Das galt vor allem für die Städte, während sich in vielen ländlichen Regionen antisemitische Vorfälle fortsetzen.

Auch Frauen konnten sich im Zuge der Revolution eigene Handlungsräume schaffen, was sich unter anderem an ihrer Teilnahme an politischen Versammlungen, Demonstrationen in der Öffentlichkeit und in politischen Vereinen zeigte. Das demokratische Wahlrecht verstand die weit überwiegende Mehrheit der Zeitgenossinnen und Zeitgenossen jedoch als reines Männerwahlrecht und das Frankfurter Vorparlament schloss Frauen sogar demonstrativ als Zuschauerinnen aus. Die einzig weibliche Figur in der Frankfurter Paulskirche war die überlebensgroße Skulptur einer Germania an der Stirnseite des Plenums. Der demokratische Volksverein von Heidelberg stellte immerhin eigene Tribünen für Besucherinnen auf, und in vielen Sälen von Kommunalräten traten im Zuge der Revolution erstmals Frauen auf.

Die Revolution mochte den Frauen keine eigenen Rechte bringen, aber sie öffnete doch zumindest teilweise den bislang männlich dominierten Raum. So spielten Frauen in Umzügen eine aktive Rolle, etwa wenn zeitgenössisch so bezeichnete „Ehrenjungfrauen“ als Ehrengeleit für einen besonderen Gast mit schwarz-rot-goldenen Schärpen auftraten oder Frauen selbstgestickte Banner an die Einheiten von Bürgerwehren überreichten. Aktiv wurden Frauen etwa bei der Organisation von Einkaufsboykotten, um deutsche Gewerbe vor Importwaren zu schützen. Schon im April 1848 wurde in Karlsruhe ein „Frauenverein zur Unterstützung des deutschen Gewerbefleißes“ gegründet, der Geld für den Aufbau einer deutschen Flotte sammelte.

Über die politische Prägung traditioneller Wohltätigkeit wie Handarbeiten, Schmuckspenden und Geldsammlungen hinaus bot die Revolution noch andere Möglichkeiten der politischen Aktivität jenseits der Parlamente, so etwa durch die demonstrative Unterstützung von Revolutionsflüchtlingen und Kämpfern. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür bot die Biographie von Emma Herwegh (1817–1904). Als im März 1848 in Deutschland die Revolution ausbrach, beteiligte sie sich an der von ihrem Ehemann, dem Dichter Georg Herwegh (1817–1875), aufgestellten Pariser Deutschen Legion. Sie wirkte als Kundschafterin und reiste mehrfach aus dem Elsass nach Baden, um dort die Unterstützung der badischen Aufständischen zu organisieren.

Eine weit über 1848/49 hinausweisende Rolle spielten Frauen in der Publizistik. Viele Frauen publizierten Artikel, entwickelten über private Korrespondenzen eigene persönliche Netzwerke und beteiligten sich an Petitionen. Mathilde Anneke (1817–1884) trat nach ihrer als Demütigung empfundenen Scheidung von ihrem ersten Mann in den Jahren vor 1848 als politische Publizistin auf. Nach der Heirat mit dem radikalen Demokraten Fritz Anneke (1818–1872) warb sie bereits 1847 in der Schrift „Das Weib im Konflikt mit den socialen Verhältnissen“ für die konsequente Gleichberechtigung. 1848 gab sie zunächst zusammen mit ihrem Mann die „Neue Kölnische Zeitung“ und die „Frauenzeitung“ heraus. Ebenfalls gemeinsam mit ihrem Mann nahm sie 1849 am badischen Aufstand teil und floh mit ihm aus der belagerten Festung Rastatt in die Vereinigten Staaten, wo sie weiter als Journalistin arbeitete.

Auch Louise Otto-Peters‘ (1819–1895) Wirken gehörte in diesen Zusammenhang. Durch ihre Publikationen war sie bereits vor 1848 für viele Demokraten und Arbeiter zu einer bekannten Publizistin geworden. In ihrer 1847 veröffentlichten Gedichtsammlung „Lieder eines deutschen Mädchens“ widmete sie sich sozialkritischen Themen und der Hoffnung auf einen politischen und sozialen Aufbruch der demokratischen Bewegung des Vormärz. In einem 1847 von Robert Blum herausgegebenen „Volkstaschenbuch“ forderte sie die aktive Teilnahme von Frauen an der Politik und formulierte konkrete Ziele für eine selbst organisierte Frauenbewegung, zu der die politische und soziale Gleichberechtigung und der bessere Zugang von Mädchen und Frauen zu Erziehung und Bildung gehörten. Während der Revolution selbst organisierte Louise Otto-Peters Versammlungen, in denen sie über die soziale Situation von Arbeiterinnen aufklärte. 1849 gab sie die „Frauen-Zeitung“ heraus, die unter dem Motto „Dem Reich der Freiheit werb ich Bürgerinnen!“ stand. Obwohl ihre Arbeit durch Zensur und Hausdurchsuchungen immer stärker behindert wurde, wirkte der Aufbruch von 1848/49 weiter. So gehörte sie 1865 zu den Gründerinnen des Leipziger Frauenbildungsvereins, organisierte die erste deutsche Frauenkonferenz in Leipzig und gründete schließlich den Allgemeinen Deutschen Frauen­verein. Er wurde zur ersten wichtigen Frauenrechtsorganisation im Deutschen Reich und setzte sich für das Recht der Frauen auf Bildung, Erwerbsarbeit und den Zugang zur Universität ein.

Ideologische Differenzierungen: Liberale und Demokraten

Der Anspruch, die Rolle des unmündig-passiven Untertanen zugunsten des mündigen Staatsbürgers zu überwinden war eine entscheidende Erfahrung seit März 1848. Hatte der gemeinsame Widerstand gegen die alte Ordnung zunächst die bürgerliche Protestbewegung trotz erkennbarer Spannungen noch zusammengehalten, spaltete sich dieses Lager der Opposition seit dem Frühjahr immer stärker auf. Zumeist aus dem Wirtschafts- und Bildungsbürgertum rekrutiert, setzten sich die Liberalen zwar für bürgerliche Rechtsgleichheit ein, aber im Gegensatz zu Frankreich oder Großbritannien stand für sie nicht ein bürgerlich-kapitalistisches Klassenideal im Vordergrund, sondern das im Vormärz entwickelten Konzept einer letztlich sozialharmonischen Gesellschaft, in der ein Klassenkampf verhindert werden sollte. Die unterbürgerlichen Schichten sollten nicht revolutionär, sondern langfristig durch den Erwerb von Besitz, Bildung und damit Selbständigkeit in diese Staatsbürgergesellschaft hineinwachsen. Staatsbürgerliche Rechte durften demnach nicht egalitär und unmittelbar für alle gelten, sondern entsprechend dieser Kriterien nur gestuft. Darüber hinaus traten die Liberalen für einen deutschen Nationalstaat in der Form einer konstitutionellen Monarchie ein. Aus dem Vormärz übernahmen sie trotz der Krisenerfahrungen auch die Hoffnung, mit einem reformbereiten Staat und den Fürsten zusammenzuarbeiten. Dahinter stand das anhaltende, im Verlauf der Revolution immer wieder verstärkte Gefühl vieler Liberaler, von einer Revolution der Straße, sozialer Anarchie und Bürgerkriegsgefahr bedroht zu sein.

Der Schlüsselbegriff der „sozialen Republik“ fasste diese Ängste wirkungsvoll zusammen. Hier wirkte der Blick auf den Terror in Frankreich in den 1790er-Jahren fort. Aber auch der Aufstand der städtischen Arbeiter und Kleinbürger in Paris im Juni 1848 schien wie ein dramatisches Zeichen für die sozialrevolutionären Gefährdungen.

Die Demokraten repräsentierten ein breiteres soziales Spektrum vom Bürgertum bis zu kleinbürgerlichen und proletarischen Gruppen ab. Ihre Mehrheit lehnte eine radikale soziale Revolution unter Anwendung von Gewalt ab, die in den Bedrohungsszenarien der bürgerlichen Liberalen und Konservativen so präsent war. Für viele Demokraten drückte der Begriff der „Republik“ aus, dass politische Herrschaft im Kern durch die Volkssouveränität begründet war und nicht mehr durch den Rückgriff auf einen Primat von Monarchen oder gar das Gottesgnadentum. Politische Mündigkeit und soziale Gleichheit der Staatsbürger waren für sie kein Zukunftsziel, sondern Ausgangspunkt für die Forderung nach einem demokratischen Wahlrecht und einem parlamentarischen System, in dem eine Regierung von der Mehrheit im Parlament abhängig sein sollte und nicht mehr lediglich vom Vertrauen des Fürsten.

Einerseits bewies der Verlauf der Revolution, dass die Mehrheit der demokratischen Abgeordneten in der Paulskirche zu weitgehenden Kompromissen fähig war, wie sie in der Arbeit an der Verfassung deutlich wurden. Andererseits nahm außerhalb der Parlamente ab Sommer 1848 die Kritik am Mehrheitskurs der Nationalversammlung zu und eskalierte immer wieder in einzelnen Gewaltaktionen. In Berlin kam es im Sommer 1848 vor dem Hintergrund der Beratungen der Berliner Nationalversammlung für eine eigene preußische Verfassung zu gewaltsamen Widerstandsaktionen gegen die Regierung von Ludolf Camphausen, der von März bis Juli 1848 als preußischer Ministerprä­sident amtierte. Die Unruhen gipfelten am 15. Juni im Sturm auf das Berliner Zeughaus, welches das Militär als Depot für Waffen und Munition nutzte. Dahinter stand ein grundsätzlicher Konflikt zwischen der Vereinbarung mit der Krone und dem Prinzip der Volkssouveränität, für das sich insbesondere die Vereine radikaler Demokraten und vor allem die organisierten Arbeiter und Handwerker stark machten. Auf dem Frankfurter Demokratenkongress vom Juni 1848 erhoben viele Teilnehmer die Forderung nach einer deutschen Republik, verbunden mit der Erwartung, dass diese Variante einer „sozialen Republik“ auch die konkrete Situation der unterbürgerlichen Schichten verbessern werde. Zudem beschlossen die Teilnehmer, einen fünfköpfigen Zentralausschuss in Berlin einzurichten, der als erste Zentrale einer politischen Partei gelten kann. Aus eingezogenen Mitgliedsbeiträgen wurden zum ersten Mal hauptamtliche Funktionäre bezahlt.

Auch der „Handwerker- und Gewerbekongress“, der im Juli und August 1848 tagte, beschäftigte sich intensiv mit der sozialen Frage, auch wenn seine Forderungen deutlich konservativer ausfielen, indem der Kongress den wirtschaftsliberalen Akzenten der Nationalversammlung das Ideal der traditio­nellen Zünfte entgegenhielt. Der „Allgemeine deutsche Arbeiterkongress“ forderte demgegenüber konkrete Verbesserungen für die Lohnarbeiter durch einen Zehnstundentag, Freizügigkeit, verbesserte Schulbildung sowie durch eine soziale Absicherung gegen Krankheit und Arbeitsunfähigkeit. Die Kon­trover­sen um die Möglichkeit und die Ausgestaltung einer „sozialen Republik“, wie sie in diesen außerparla­men­tarischen Initiativen und Organisationen erkennbar wurden, verstärkten die Spannungen zwischen der Parlamentsmehrheit und einer außerparlamentarischen Protestbewegung, die zunehmend kritisch auf den nach ihrer Ansicht enttäuschenden Fortgang der Revolution blickte. Diese Ent­wicklungen zeichneten sich bereits im Sommer 1848 ab, aber sie entwickelten eine konkrete Sprengkraft erst, als die Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung daran gingen, die Forderung nach einem freiheitlich verfassten deutschen Nationalstaat in die Wirklichkeit umzusetzen.