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Ausblick | Europa zwischen Kolonialismus und Dekolonisierung | bpb.de

Ausblick

Prof. Dr. Gabriele Metzler

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Die Epoche der europäischen Kolonialreiche ist unwiederbringlich Vergangenheit, aber ihre Geschichte wirft Fragen auf, die auch für heute wichtig sind.

Eine Welt formen, in der die Menschen in ihrer Vielfalt gleichberechtigt integriert sind: eine Aufgabe für die Zukunft, die die Reflektion über die gemeinsame Vergangenheit zur Voraussetzung hat. (© picture alliance / Ikon Images / Freya)

Mit dem Kolonialismus ist die europäische Epoche zu Ende gegangen, die die Geschichte der Neuzeit geprägt hat. Vom späten 15. bis zum späten 20. Jahrhundert gestalteten die Europäer einen "imperialen Raum", in dem die Frage nach der Geltungskraft von Rechten und nach Zugehörigkeiten ein ums andere Mal zu ihren eigenen Gunsten entschieden wurde. Dies war kein unilinearer, unumstrittener Prozess, vielmehr verbanden sich damit mannigfache Kämpfe und Konflikte, Widerstände, Gegenläufigkeiten und Subversionen. Die vielfältigen Verflechtungen mit den Amerikas, mit Asien und Afrika haben nicht nur die dortigen, sondern auch die europäischen Gesellschaften mitgeprägt.

Blickt man auf die Welt von heute, so scheint es, als sei von Europas einstmaliger globaler Größe nur wenig übrig geblieben. Andere geben den Takt der Weltpolitik vor und die Europäer sind nur Akteure unter mehreren. Dass sich dies schon um 1900 mit dem Aufstieg der USA abzeichnete, ließ sich übersehen, solange ihre Imperien den europäischen Mächten Rang und Macht in der Welt sicherten. Nach 1945, als sich die neue, die postkoloniale Ordnung der Welt abzuzeichnen begann, herrschte zunächst der Glaube, mit der politischen Integration Westeuropas und "privilegierten" Beziehungen nach Afrika ("Eurafrika") ließe sich Ersatzmacht schaffen. In Frankreich und Großbritannien hatte die Vorstellung imperialer Größe auch dann noch Bestand, als die Auflösung ihrer Kolonialreiche längst in vollem Gange war. Reste davon blitzten 2017 noch einmal auf, als einige britische Befürworter eines Austritts aus der Europäischen Union in Aussicht stellten, dass sich der alte internationale Rang des Vereinigten Königreichs noch einmal in neuer Form herstellen ließe.

Die Epoche der europäischen Kolonialreiche ist unwiederbringlich Vergangenheit, aber ihre Geschichte wirft Fragen auf, die auch für heute wichtig sind. Sind globale Ungleichheiten Folgen des Kolonialismus, oder entstehen sie aus anderen Logiken? Wie lassen sich europäische Einflüsse in Asien und Afrika, etwa in der medizinischen Versorgung oder im Bildungswesen, abwägen gegen gewaltvolle Aktionen, die in Teilen nach heutigen Maßstäben als Völkermord zu bewerten sind? Welche Form kann gemeinsame Erinnerung annehmen, welche Voraussetzungen sind dafür zu erfüllen – von Seiten der Europäer wie auch der vormals kolonisierten Gesellschaften? Lassen sich die unterschiedlichen Erfahrungen integrieren in eine Geschichte – und damit immer auch in die Zukunft – der Einen Welt?