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Informationen zur politischen Bildung Nr. 360/2024

Unser Steuersystem

Constanze Elter

/ 15 Minuten zu lesen

Steuern werden nach bestimmten Kriterien eingeteilt. Insgesamt gibt es fast 40 verschiedene Steuerarten – von der Alkopopsteuer bis zur Zwischenerzeugnissteuer. Am wichtigsten ist die Einkommensteuer.

(© Thomas Plaßmann/Baaske Cartoons Müllheim)

Es gibt fast 40 verschiedene Steuerarten in Deutschland. Und es gibt die unterschiedlichsten Kriterien, sie einzuteilen. Steuern definieren sich zum Beispiel danach, wer die Einnahmen bekommt (also nach der Ertragskompetenz). Demnach gibt es Bundes-, Länder- und Gemeindesteuern, außerdem Gemeinschaftsteuern und Kirchensteuern.

Einteilung der Steuern

Steuern können auch danach charakterisiert werden, worauf der Fiskus sie erhebt. Hier wird zwischen Besitz-, Verkehr- und Verbrauchsteuern unterschieden. Wird eine Steuer auf Einkommen oder Vermögen verlangt, spricht man von einer Besitzsteuer. Zu den Besitzsteuern zählen beispielsweise die Einkommensteuer, die Gewerbesteuer oder auch die Erbschaftsteuer. Die Besitzsteuern werden darüber hinaus unterteilt in Besitzsteuern vom Einkommen und Besitzsteuern vom Vermögen, dazu zählt neben der Erbschaft- auch die Grundsteuer.

Im Gegensatz zu Besitzsteuern stehen Verkehrsteuern. Die Bezeichnung hat nichts mit dem Straßenverkehr zu tun, sondern beschreibt Vorgänge des Rechts- und Wirtschaftsverkehrs. Daher fallen in diese Gruppe etwa die Umsatzsteuer, die Kraftfahrzeugsteuer oder die Versicherungsteuer. Daneben gibt es noch die Verbrauchsteuern. Bei diesen Abgaben handelt es sich um Steuern, die den Verbrauch oder Gebrauch bestimmter Waren belasten. Dabei handelt es sich in aller Regel um Lebensmittel oder Genussmittel – also zum Beispiel die Kaffeesteuer oder die Tabaksteuer; aber auch die Stromsteuer. Die Einteilung nach Besitz-, Verkehr- und Verbrauchsteuern hat vor allem verwaltungstechnische Bedeutung.

Schließlich kann man Steuern auch danach unterscheiden, wie sie entrichtet werden. Demnach gibt es direkte Steuern, die unmittelbar beim Steuerpflichtigen erhoben werden, den die Steuerlast treffen soll. Steuerschuldner und Steuerträger sind die gleiche Person, direkte Steuern bezahlt also der Steuerschuldner und ist wirtschaftlich damit belastet. Das ist beispielsweise bei der Einkommensteuer der Fall. Bei direkten Steuern werden außerdem die persönlichen Verhältnisse des Steuerschuldners berücksichtigt, beispielsweise durch Freibeträge.

Bei indirekten Steuern sind Steuerträger und Steuerschuldner zwei verschiedene Personen. Jemand anderes hat also die Steuer wirtschaftlich zu tragen. Indirekte Steuern werden zwar auf die Herstellung und den Verbrauch von Gütern erhoben, belasten aber nicht den Steuerpflichtigen, der sie abführt – also die Händlerin oder den Produzenten. Diese ziehen die Steuer nur für den Staat ein und legen sie auf den Verkaufspreis um, sodass die Belastung vom Verbraucher getragen wird. Das ist zum Beispiel bei der Umsatzsteuer und den Verbrauchsteuern der Fall. Bei indirekten Steuern bleibt die persönliche Situation außen vor.

Es kann sein, dass eine Steuerart mehrere Kriterien erfüllt: Die Umsatzsteuer ist beispielsweise sowohl eine Verkehrsteuer als auch eine indirekte Steuer.

(© Bundesministerium der Finanzen (Hrsg.): Was Steuern sind und wozu wir sie zahlen, Berlin 2023, S. 10 f.)

Was wird besteuert?

Um zu ermitteln, was der oder die Steuerpflichtige an Steuern schuldet, wird als Ausgangsbasis ein Wert benötigt. Deswegen gibt es bei jeder Steuerart eine Bemessungsgrundlage, der eine sogenannte Besteuerungseinheit zugeordnet wird. Diese Besteuerungseinheit ist die kleinste Einheit, in welche die Bemessungsgrundlage zerlegt werden kann; bei der Einkommensteuer oder der Umsatzsteuer ist das ein Euro bzw. ein Cent, bei der Kaffeesteuer beispielsweise ein Kilogramm.

Um die Steuerschuld zu berechnen, wird der Bemessungsgrundlage ein Steuertarif zugewiesen. Unterschieden wird dabei zwischen einem Steuerbetragstarif und einem Steuersatztarif: Der Steuerbetragstarif sieht pro Besteuerungseinheit eine feste Geldsumme vor. Bei der Kaffeesteuer müssen beispielsweise pro Kilo Röstkaffee 2,19 Euro und für löslichen Kaffee 4,78 Euro je Kilogramm an Steuern entrichtet werden (Stand: 2024). Der Steuersatztarif sieht pro Besteuerungseinheit einen Prozentsatz vor, wie es ihn etwa bei der Einkommensteuer gibt.

Wichtige Steuerarten

Eigene Darstellung auf Grundlage des Bundesministeriums der Finanzen Externer Link: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerschaetzungen_und_Steuereinnahmen/2024-01-30-steuereinnahmen-4-vierteljahr-kalenderjahr-2023.pdf?__ (© Eigene Darstellung auf Grundlage des Bundesministeriums der Finanzen)

Einkommensteuer

Die weitaus wichtigste Steuer in Deutschland ist die Einkommensteuer – für den Einzelnen, weil sie ihn am direktesten betrifft, und für den Staat, weil sie die meisten Einnahmen hergibt. Auf der Hitliste der Steuereinnahmen steht die Einkommensteuer mit ihren Spielarten Lohnsteuer, Kapitalertragsteuer bzw. Abgeltungsteuer ganz oben, im Jahr 2023 führte sie mit einem Aufkommen von gut 354 Milliarden Euro die Rangliste der gesamten Steuereinnahmen an. Auf Platz zwei lag die Umsatzsteuer mit rund 291 Milliarden Euro, gefolgt von der Energiesteuer, deren Einnahmen sich im Jahr 2023 auf knapp 37 Milliarden Euro beliefen.

Die Einkommensteuer wird in Deutschland auf Basis von sieben Einkunftsarten ermittelt. Auf alle Einkommen von natürlichen Personen, also sowohl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern als auch Selbstständigen, erhebt der Staat die Einkommensteuer. Ihr unterliegen die Einkünfte

  • aus Land- und Forstwirtschaft,

  • aus Gewerbebetrieben,

  • aus selbstständiger Arbeit,

  • aus nichtselbstständiger Arbeit,

  • aus Kapitalvermögen,

  • aus Vermietung und Verpachtung sowie aus den sonstigen im Einkommensteuergesetz genannten Einkünften.

Zu diesen sonstigen Einkünften zählen beispielsweise Einkünfte aus einer Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Die sieben Einkunftsarten teilen sich außerdem noch einmal in zwei Gruppen auf: Es gibt die sogenannten Gewinneinkunftsarten und die Überschusseinkunftsarten: Bei Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbstständiger Arbeit sind die Einkünfte der Gewinn. Das bedeutet, dass entweder der Stand des Betriebsvermögens zu einem bestimmten Zeitpunkt miteinander verglichen oder die Differenz zwischen Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben ermittelt wird. Das Ergebnis ist dann der Gewinn – oder möglicherweise auch ein Verlust.

Bei den übrigen Einkunftsarten zieht das Finanzamt von den Einnahmen alle Ausgaben ab, die dabei helfen, die Einnahmen zu erwerben, zu sichern und zu erhalten. Mit anderen Worten: die Werbungskosten. In diesem Berechnungsverfahren entsteht ein Überschuss – dieser wird dann besteuert. Diese Art der Einkünfteermittlung bezeichnet man auch als Nettoprinzip.

Bei bestimmten Einkünften innerhalb der Einkommensteuer wird die Steuer direkt abgezogen, wenn man das Geld bekommt. Das gilt zum Beispiel für die Lohnsteuer oder die Abgeltungsteuer. Diese Steuern sind keine eigenen Steuerarten, sondern nur eine Spielart der Einkommensteuer – eine spezielle Form, die Einkommensteuer direkt zu erheben. So ist die Lohnsteuer die Steuer, die Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer auf ihren Lohn oder ihr Gehalt zahlen. Der Arbeitgeber zieht sie direkt vom Arbeitslohn ab und überweist sie an das Finanzamt. Anders formuliert: Die Lohnsteuer ist die Einkommensteuer, die direkt vom Arbeitslohn abgezogen wird.

Ähnlich verhält es sich bei der Abgeltungsteuer. Sämtliche Zinsen, Dividenden und Investmenterträge sowie alle Gewinne aus dem Verkauf privater Wertpapiere werden auf diesem Weg einheitlich mit 25 Prozent besteuert. Dazu kommen gegebenenfalls noch der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer. Die Banken ziehen die Abgeltungsteuer direkt an der Quelle des Gewinns ab. Dieser Steuerabzug hat abgeltende Wirkung – daher der Name der Steuer. Das bedeutet, dass Anlegerinnen und Anleger Kapitalerträge in aller Regel nicht mehr in ihrer Steuererklärung angeben müssen. Allerdings besteht weiterhin die Möglichkeit, eine Steuererklärung abzugeben und die Zinsen dann rückwirkend mit einem gegebenenfalls niedrigeren persönlichen Steuersatz zu versteuern. Zuviel einbehaltene Abgeltungsteuer wird dann erstattet.

Darüber hinaus sind Steuerzahler verpflichtet, Kapitalerträge in der Steuererklärung anzugeben, wenn die Abgeltungsteuer noch nicht zum Einsatz gekommen ist. Das kann zum Beispiel bei Fonds der Fall sein, die im Ausland investieren, oder bei Gewinnen, die über ausländische Depots realisiert worden sind. Dann kommt die Kapitalertragsteuer – als eine weitere Erhebungsform der Einkommensteuer – zum Einsatz.

Gleich welche Einkünfte erzielt werden: Ziel der Einkommensteuer ist es, alle Einkünfte einer Person möglichst vollständig zusammenzufassen. Die Summe dieser Einkünfte wird mit einem einheitlichen Steuertarif belastet. Wenn das Finanzamt die Steuern berechnet, schaut es aber nicht nur auf die Höhe des jeweiligen Einkommens, sondern berücksichtigt auch die persönlichen Lebensverhältnisse des Einzelnen. Wer zum Beispiel für seinen Ehepartner oder die Kinder finanziell sorgt, muss bei gleichem Einkommen in der Regel weniger Steuern zahlen als eine alleinstehende Person. Aus diesem Grund werden auch Ausgaben berücksichtigt, selbst wenn sie nicht durch den Betrieb oder die Arbeit bedingt sind.

Manche Ausgaben dürfen – bis zu bestimmten Grenzen – abgezogen werden, zum Beispiel die Aufwendungen für die Kranken- und Pflegeversicherung oder die Altersvorsorge. Ein großer Teil dieser steuerlichen Abzugsmöglichkeiten ist dadurch motiviert, dass der Staat seine Bürgerinnen und Bürger zu einem bestimmten Verhalten veranlassen möchte, etwa um Vorkehrungen für wirtschaftliche oder gesundheitliche Notlagen oder für ein gesichertes Leben im Alter zu treffen. Zu solchen Sonderausgaben zählen daher zum Beispiel:

  • Vorsorgeaufwendungen,

  • Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung oder Weiterbildung und

  • Spenden für wohltätige, kirchliche und wissenschaftliche Zwecke.

Und um keinen Teil des Einkommens zu belasten, über daseine Steuerzahlerin oder ein Steuerzahler nicht frei verfügenkann, gibt es die Abzugsbeträge für außergewöhnliche Belastungen. Sie können zum Beispiel dann geltend gemacht werden,wenn die Behandlungskosten, die eine Patientin oder einPatient zu tragen hat, sehr hoch sind oder wenn eine Scheidungoder eine Beerdigung anstehen. Zu den außergewöhnlichen Belastungengehören auch Ausgaben für die Pflege von Angehörigenoder Kosten, die Menschen mit Behinderungen sogar miteinem Pauschalbetrag geltend machen können.

Ehe und Steuern

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“ So steht es in Artikel 6 des Interner Link: Grundgesetzes. Um diesen Schutz von Ehe und Familie zu gewährleisten, behandelt der Fiskus Eheleute anders als Ledige und Paare, die ohne Trauschein zusammenleben. Das verheiratete Paar wird als wirtschaftliche Einheit betrachtet. Daher werden Ehepaare in der Regel nach dem Prinzip des Ehegattensplittings behandelt.

Das Finanzamt besteuert die Eheleute so, als hätten sie zu gleichen Teilen das gemeinsame Einkommen erwirtschaftet. Verdient ein Ehepartner besser als der andere, wird dieser Teil des Einkommens somit auf den anderen verlagert, sprich gesplittet, sodass es insgesamt zu einem niedrigeren Steuersatz kommt. Der Splittingtarif ist also kein eigener Steuertarif, sondern leitet sich aus dem Grundtarif ab.

Ehepaare haben die Wahl, ob sie getrennt oder gemeinsam ihre Steuererklärungen abgeben wollen. Entscheiden sie sich für die Zusammenveranlagung, wird ihre Einkommensteuerlast nach diesem Splitting-Tarif berechnet. Die zu versteuernden Einkommen beider Eheleute werden zusammengerechnet und dann halbiert. Der Steuertarif wird auf eine Einkommenshälfte angewandt – und die Steuerschuld, die sich daraus ergibt, verdoppelt.

Mit diesem Verfahren vermindert sich die Progression des Tarifs, da sie sich nur noch auf die Hälfte des vom Ehepaar gemeinsam erzielten Einkommens auswirkt. Die Steuerersparnis beim Splitting-Tarif wird also umso größer, je weiter die beiden Einkommen auseinander liegen. Bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug können Ehepaare den Splitting-Tarif vorab durch die Steuerklassenkombination III/V berücksichtigen lassen. Verdienen beide Partner ungefähr gleich viel, wirkt sich das Splitting steuerlich kaum aus. Auch eingetragene Lebenspartnerschaften konnten die Zusammenveranlagung beantragen und so vom Splittingtarif profitieren. Da im Herbst 2017 die „Ehe für alle“ eingeführt wurde, können nun alle Paare, egal welchen Geschlechts, den Steuervorteil nutzen – wenn sie verheiratet sind oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben.

Der Splitting-Tarif ist allerdings insgesamt nicht mehr unumstritten. Als das Ehegattensplitting in den 1950er-Jahren eingeführt wurde, war die „Versorgerehe“ Alltag. Heute sind ein Drittel aller Familien mit Kindern alleinerziehend oder Paare ohne Trauschein. Sie können die steuerlichen Vergünstigungen des Ehegattensplittings nicht nutzen. Kritikerinnen und Kritiker führen an, dass dieser Tarif das Modell der „Versorgerehe“ begünstige – also eine Ehe, in der ein Ehepartner das Haupteinkommen erzielt. Damit würden überkommene Rollenbilder verfestigt und gefördert. Sowohl die OECD als auch die EU-Kommission haben das Ehegattensplitting wegen seiner unerwünschten Nebenwirkungen bemängelt. Die Ampelkoalition hat sich deswegen bereits im Koalitionsvertrag 2021 darauf festgelegt, die Steuerklassen-Kombination III/V abzuschaffen. Dies wird mit dem Steuerfortentwicklungsgesetz nun umgesetzt – so sieht es zumindest der entsprechende Gesetzentwurf vor (Stand: September 2024). Allerdings bleibt das Splitting-Verfahren grundsätzlich erhalten und die Steuerklassenkombination III/V soll erst zum 1. Januar 2030 endgültig wegfallen. Bis dahin können Eheleute weiterhin zwischen den Kombinationen IV/IV, III/V oder IV/IV mit Faktor wählen. Beim Faktorverfahren errechnet das Finanzamt auf der Basis der voraussichtlichen Jahresgehälter, der sich daraus ergebenden Einkommensteuerlast und dem Lohnsteuerabzug in Steuerklasse IV einen Faktor. Diesen nutzt der Arbeitgeber, um den tatsächlichen monatlichen Lohnsteuerabzug für die Ehepartner zu ermitteln. Wer das Faktorverfahren nutzt, muss am Jahresende eine Steuererklärung abgeben. Mit Jahresbeginn 2030 werden alle, die dann noch in der Steuerklassenkombination III/V abgerechnet werden, automatisch den Steuerklassen IV mit Faktor zugewiesen.

Damit die Summe der Einkünfte einer Person auch der finanziellen Wirklichkeit entspricht, können Verluste aus einer Einkunftsart mit den Einkünften einer anderen Einkunftsart verrechnet werden. Was jetzt – nach Abzug der Betriebsausgaben, Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen, Freibeträge und möglicher Verluste aus anderen Einkunftsarten – an Einkommen aus allen sieben Einkunftsarten übrigbleibt, ist das zu versteuernde Einkommen. Dieses zu versteuernde Einkommen bildet die Bemessungsgrundlage für den Einkommensteuertarif.

Zur Einkommensteuer kommen gegebenenfalls der Solidaritätszuschlag sowie die Kirchensteuer hinzu. Der Solidaritätszuschlag ist eine Ergänzungsabgabe zur Einkommensteuer und zur Körperschaftsteuer. Die Abgabe wurde eingeführt, um die hohen Kosten der Wiedervereinigung Deutschlands abzufedern. Seit 2021 ist der Solidaritätszuschlag für rund 90 Prozent der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler entfallen. Bis zu einer Freigrenze von 18 130 Euro Lohnsteuer oder veranlagte Einkommensteuer (Stand: 2024) muss kein Solidaritätszuschlag mehr gezahlt werden.

Bestimmte Einnahmen sind gänzlich von der Einkommensteuer befreit. Dazu gehören laut Einkommensteuergesetz rund 70 verschiedene Einnahmen, unter anderem das Arbeitslosengeld, BAföG-Leistungen, Stipendien oder auch das Elterngeld. Für die Lohnersatzleistungen, zu denen vor allem das Arbeitslosengeld zählt, gilt aber trotz ihrer Steuerbefreiung: Sie werden in der Summe dazu herangezogen, um den individuellen Steuersatz zu berechnen. Ein Beispiel: Eine Steuerpflichtige bezieht im Laufe eines Jahres sowohl zunächst ihr normales Gehalt, dann Mutterschafts- und anschließend Elterngeld. Mutterschafts- und Elterngeld bleiben steuerfrei, die Zahlungen werden jedoch zum Gehalt dazu gerechnet. Das Finanzamt ermittelt dann, welcher Steuersatz auf die Gesamtsumme fällig würde. Dieser Steuersatz wird dann auf das steuerpflichtige Einkommen angewandt.

Körperschaftsteuer

Welche Steuern Unternehmen zahlen müssen, hängt von ihrer Rechtsform ab. Einzelunternehmen und Personengesellschaften (zum Beispiel eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts/GbR oder eine offene Handelsgesellschaft/OHG) müssen Einkommensteuer entrichten. Sie werden damit nach ähnlichen Prinzipien behandelt wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Je höher ihr Gewinn, umso höher wird auch der fällige Steuersatz.

Kapitalgesellschaften – etwa Aktiengesellschaften, eine Gesell­schaft mit beschränkter Haftung/GmbH oder auch eine Genossenschaft – müssen Körperschaftsteuer zahlen. Die Körperschaftsteuer ist damit eine besondere Art der Einkommensteuer für juristische Personen. Besteuerungsgrundlage für die Körperschaftsteuer ist – ebenso wie bei der Einkommensteuer – das Einkommen, das die Körperschaft innerhalb des Kalenderjahres erzielt hat. Was als Einkommen gilt und wie das Einkommen zu ermitteln ist, bestimmt sich ebenfalls nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes. Allerdings gibt es einige besondere Vorschriften aus dem Körperschaftsteuergesetz, die beachtet werden müssen. Der Körperschaftsteuersatz beträgt einheitlich 15 Prozent. Dazu kommen noch die Gewerbesteuer sowie gegebenenfalls der Solidaritätszuschlag. Insgesamt ergibt sich dadurch eine durchschnittliche Steuerbelastung von rund 30 Prozent für Kapitalgesellschaften.

Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer und eine ­wichtige Einnahmequelle der Kommunen; Bund und Länder werden durch eine Umlage an der Gewerbesteuer beteiligt. Die Gewerbesteuer muss von allen Unternehmen bezahlt werden, die einen Gewerbebetrieb führen – also sowohl von Personengesellschaften als auch von Kapitalgesellschaften. Lediglich Freiberuflerinnen und Freiberufler – etwa eine Ärztin oder ein Anwalt oder eine Ingenieurin – sowie Landwirtinnen und Landwirte sind von der Gewerbesteuerpflicht ausgenommen.

Im Gegensatz zur Einkommensteuer richtet sich die Gewerbesteuer nicht auf eine Person, sondern auf ein Objekt – den Gewerbebetrieb. Wem das Unternehmen gehört oder wem die Erträge zufließen, spielt bei der Gewerbesteuer keine Rolle. Auch die persönlichen Verhältnisse der Inhaberin oder des Inhabers und ihre oder seine Leistungsfähigkeit werden bei dieser Steuer nicht berücksichtigt. Dies unterscheidet die Gewerbesteuer von der Einkommen- oder auch der Körperschaftsteuer.

Die Gewerbesteuer wird auf Grundlage des sogenannten Gewerbeertrags berechnet. Dieser Gewerbeertrag ist jedoch nicht gleichzusetzen mit dem Gewinn, den man von der Einkommensteuer kennt. Der Gewinn ist nur der Ausgangspunkt, um zum Gewerbeertrag zu kommen. Zum Gewinn müssen bestimmte Beträge entweder hinzugerechnet oder abgezogen werden. Mit der Berechnung des Gewerbeertrags soll festgestellt werden, welche Ertragskraft ein Unternehmen tatsächlich hat – unabhängig davon, ob ein Unternehmen mit eigenem oder fremdem Kapital, mit eigenen oder fremden Wirtschaftsgütern arbeitet.

Der Gewerbeertrag wird vom Finanzamt mit einer Steuermesszahl von 3,5 Prozent multipliziert. Nun kommen die einzelnen Kommunen ins Spiel, denn auf diesen errechneten Betrag können sie einen prozentualen Hebesatz anwenden. Der Hebesatz ist eine Art Steuersatz, den die Stadt oder die Gemeinde festlegt. Er richtet sich nach dem Finanzbedarf der Kommune, wird aber auch von Standorterwägungen beeinflusst.

Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer)

Die Umsatzsteuer ist eine der größten Einnahmequellen des Staates. Jede Bürgerin und jeder Bürger kommt mit der Umsatzsteuer zwangsläufig in Kontakt, ob beim Einkauf im Supermarkt, im Kino oder beim Begleichen der Handwerkerrechnung. Umgangssprachlich ist die Umsatzsteuer als Mehrwertsteuer bekannt. Die Unternehmen sind dabei gewissermaßen Erfüllungsgehilfen des Staates, denn sie nehmen die Umsatzsteuer ein und leiten sie an den Fiskus weiter. Der Endabnehmer, sprich der Verbraucher bzw. die Verbraucherin, soll die Umsatzsteuer wirtschaftlich tragen.

Eigene Darstellung nach KPMG-Redaktion, „Taxplained. Ein Steuerfakt im Spotlight: Umsatzsteuer bei Kuhmilch vs. Hafermilch“, in: KMPG Karriere vom 3. Mai 2024. Online: (© Externer Link: https://karriere.kpmg.de/blog/pruefung-und-beratung/umsatzsteuer-bei-kuhmilch-vs-hafermilch.html)

Das bedeutet umgekehrt: Die Umsatzsteuer bleibt am Endverbraucher hängen, das Unternehmen hat im Normalfall keine Mehrkosten. Denn die Umsatzsteuer ist für die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer ein durchlaufender Posten: Sie erhalten die Steuer mit der Einnahme in ihre Kasse oder mit der Rechnung auf ihr Geschäftskonto und leiten sie an den Staat weiter. Die Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch müssen den um die Mehrwertsteuer erhöhten Endpreis letztlich zahlen.

Derzeit beträgt der normale Steuersatz 19 Prozent – das bedeutet, dass bei einem Nettopreis von 100 Euro eine Umsatzsteuer von 19 Euro erhoben wird, die dann wiederum in die Staatskasse fließt. Für bestimmte Umsätze gilt ein ermäßigter Steuersatz von sieben Prozent (Stand: 2024).

Dieser fällt für die wichtigsten Güter des alltäglichen Lebens an, etwa für

  • Lebensmittel,

  • Bücher und Zeitungen,

  • landwirtschaftliche Erzeugnisse,

  • bestimmte Getränke,

  • Eintritte für Theater, Konzerte und Museen,

  • die Übertragung von Urheberrechten (zum Beispiel bei Schriftstellern, Wissenschaftlerinnen, Grafikern, Designerinnen oder auch Journalisten).

Ausnahmen gibt es auch hier: So sind beispielsweise bei den Lebensmitteln Säfte, Hafermilch oder alkoholische Getränke sowie der Verzehr an Ort und Stelle – also zum Beispiel in einem Restaurant – nicht begünstigt.

Darüber hinaus sind manche Umsätze von der Steuer befreit, zum Beispiel der Unterricht an einer Universität oder einer Volkshochschule oder bestimmte Tätigkeiten von Ärzten sowie die Vermittlung von Versicherungen. Ein Spezialfall der Umsatzsteuer ist die Einfuhrumsatzsteuer. Sie wird auf Waren erhoben, die aus Drittländern, die nicht der Europäischen Union ange­hören, eingeführt werden. So wird dafür gesorgt, dass inländische und ausländische Erzeugnisse steuerlich gleichbehandelt werden.

Steuern für die Umwelt: Energiesteuer, Kfz-Steuer, Stromsteuer und Luftverkehrsteuer

Die Steuern auf den Energieverbrauch sind in der jüngsten Vergangenheit mehrfach grundlegend reformiert worden. Die Energiesteuer belastet den Verbrauch von Kraft- und Heizstoffen – vor allem Mineralöle sowie Erdgas und Kohle.

Kraftstoffe wie Benzin und Diesel stellen die größte Gruppe der steuerpflichtigen Mineralöle dar. Auch Erdgas sowie andere gasförmige Kohlenwasserstoffe fallen unter die Energiesteuer, wenn sie als Kraftstoff verwendet werden. Diese werden jedoch aus ökologischen Motiven bis zum Jahr 2027 steuerlich gefördert und der Steuersatz bis dahin schrittweise angehoben. Ab dem Jahr 2027 greift der Regelsteuersatz von 31,80 Euro/Megawattstunde. Für Heizöle und Heizgase sind im Vergleich zu den Kraftstoffsteuersätzen ermäßigte Steuersätze festgelegt, und zwar für leichtes Heizöl, schweres Heizöl, Flüssiggas und Erdgas.

Um umweltfreundliche Energieträger und Verkehrsmittel zu fördern, sieht das Energiesteuergesetz eine Reihe von Ausnahmeregelungen vor. So werden beispielsweise Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen durch ermäßigte Steuertarife begünstigt. Bei Biokraftstoffen soll durch die Treibhausquote sichergestellt werden, dass der erwünschte Anteil an diesen Kraftstoffen erreicht wird. Darüber hinaus gibt es Vergünstigungen für das produzierende Gewerbe und die Land- und Forstwirtschaft.

Wer ein Kraftfahrzeug besitzt, muss zudem Kfz-Steuer entrichten. Die Kfz-Steuer wird in der Regel vom Fahrzeughalter bezahlt. Die Steuerpflicht beginnt mit der Zulassung und endet mit der Abmeldung des Fahrzeugs bei der Zulassungsbehörde. Die Kraftfahrzeugsteuer ist CO2-orientiert: Sie wird mit einem gestaffelten Steuersatz des CO2-Prüfwerts ermittelt, der für das Auto ausgewiesen wird. Den CO2-Prüfwert stellen die Zulassungsbehörden verbindlich fest. Reine Elektro-Fahrzeuge sind – befristet bis Ende 2030 – steuerbefreit.

Die Jahressteuer für Motorräder beträgt 1,84 Euro je angefangene 25 Kubikzentimeter Hubraum. Für Wohnmobile bezieht sich die Steuer auf das zulässige Gesamtgewicht und die Schadstoffemissionen. Andere Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 3,5 Tonnen unterliegen einer nur gewichtsbezogenen Steuer.

Die Stromsteuer ist eine Verbrauchsteuer auf elektrischen Strom. Sie wird wirtschaftlich von den Verbraucherinnen und Verbrauchern getragen. Damit aber nicht jeder Privathaushalt oder Industriebetrieb gesondert Stromsteuern bezahlen muss und die Verwaltung nicht unnötig verkompliziert wird, müssen die Energieversorger und -betreiber die Stromsteuer abführen. Die Unternehmen können sie dann über den Strompreis auf die Verbraucherinnen und Verbraucher abwälzen. Die Steuer beträgt 20,50 Euro je Megawattstunde. Im Stromsteuergesetz sind eine Reihe von Vergünstigungen festgeschrieben, um besonders umweltfreundliche Energieträger zu fördern.

Die Luftverkehrsteuer entsteht mit dem Abflug des Passagiers von einem Flughafen in Deutschland. Die Höhe der Steuer hängt von der Entfernung des größten Flughafens im Zielland zum Flughafen Frankfurt/Main, dem größten Flughafen in Deutschland, ab. Die Zielländer sind außerdem in drei Distanzklassen eingeteilt.

  • Distanzklasse I: 13,03 Euro für Flüge in EU-Mitgliedstaaten, EU-Kandidatenländer, EFTA Staaten und andere Länder in gleicher Entfernung

  • Distanzklasse II: 33,01 Euro für Flüge bis zu 6000 Kilometer Entfernung

  • Distanzklasse III: 59,43 Euro für Flüge ab 6000 Kilometer Entfernung

Tabaksteuer

(© Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. unter Nutzung von Zahlen vom Statistischen Bundesamt 2024. Online: Externer Link: https://www.dhs.de/suechte/tabak/zahlen-daten-fakten )

(© Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. unter Nutzung von Zahlen vom Statistischen Bundesamt 2024. Online: Externer Link: https://www.dhs.de/suechte/tabak/zahlen-daten-fakten )

Kirchensteuer

Die Kirchensteuer ist eine Besonderheit des deutschen Steuerrechts. Die Finanzämter kassieren zwar in der Regel die Kirchensteuer, doch die Einnahmen stehen nicht dem Staat zu, sondern den Kirchen, die damit ihre verschiedenen Aufgaben für die Gemeinschaft finanzieren.

Kirchensteuer müssen heute all diejenigen zahlen, die der katholischen Kirche, der evangelischen Kirche oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehören, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts gilt – zum Beispiel der Alt-Katholischen Kirche oder einer jüdischen Gemeinde. Die Pflicht, Kirchensteuer zu zahlen, endet mit dem Austritt aus der Religionsgemeinschaft. Die Kirchensteuer wird auf Basis der jährlichen Einkommensteuer berechnet; der Steuersatz schwankt je nach Bundesland zwischen acht und neun Prozent der Einkommensteuer (Lohnsteuer und die Kapitalertragsteuer). Im Vorjahr gezahlte Kirchensteuern können die Steuerpflichtigen bei ihrer Steuererklärung absetzen.

Die Kirchensteuer unterliegt eigentlich der kirchlichen Verwaltung. Die Länder eröffnen jedoch den Glaubensgemeinschaften die Möglichkeit, die Verwaltung der Kirchensteuer auf die Landesfinanzbehörden zu übertragen; die Kirchen müssen dafür eine Verwaltungskostenentschädigung an die Länder zahlen.