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Worum geht es?

gestern ist jetzt Worum geht es? Redaktion

Worum geht es?

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Eine ältere Hand zeigt in einem Fotoalbum auf ein Familienfoto, welches kurz vor dem Hamburger Feuersturm im Juli 1943 aufgenommen wurde. (© picture-alliance, dpa | Daniel Reinhardt)

Warum leiden Menschen, die nach 1945 geboren wurden, unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs? Psychologisch lassen sich inzwischen die Mechanismen erklären: die "Interner Link: Kriegsenkel" arbeiten die Interner Link: Traumata der Interner Link: Eltern auf, die traumatischen Erfahrungen werden an die nächsten Generationen weitergegeben. So wirken das Schweigen der Täter und die unbearbeiteten NS-Verbrechen bis heute nach. Sie beeinflussen Gesellschaft, Politik – und vor allem auch Biografien und Beziehungen bis in die Enkelgeneration hinein – als „vererbtes Leid“. Und so spürt auch die „Dritte Generation“ die Folgen der Nazi-Zeit in ihren Familien - die Enkel von Kriegsverbrechern ebenso wie die Enkel von Opfern des Nationalsozialismus. Der Podcast „Externer Link: gestern ist jetzt“ beschäftigt sich genau mit diesen Folgen – mit vererbten Traumata – und wie man damit als Familie, aber auch als Gesellschaft umgehen kann. Denn: eine Trauma-Übertragung auf nachfolgende Generationen ist kein Determinismus. Betroffene können sich befähigen und befähigt werden, ihre Lebenserfahrungen selbst zu gestalten. Es kann gelingen, mit den Eltern bzw. Großeltern ins Gespräch kommen, zu fragen, zuzuhören und zu erzählen. Gegenseitig verstehen, unter welchen Bedingungen der jeweils andere groß geworden ist. So kann manches Unrecht, das besteht, besser verstanden werden und die Gegenwart wird frei.

Das Thema der transgenerationalen Weitergabe von Traumata ist übertragbar auf andere Erfahrungen mit (Bürger-) Kriegen, Interner Link: Genozid, Verfolgungen, Interner Link: Terroranschlägen, Interner Link: Flucht und Vertreibung. Überall wird deutlich, dass Erfahrungen nicht vorübergehen, ohne bei den Nachkommen der Täter/innen sowie der Opfer neben körperlichen vor allem auch seelische Spuren zu hinterlassen und die dabei auftretenden Traumatisierungen schicksalhaft in der Psyche der nachfolgenden Generationen einzuschreiben. Wo die Aufarbeitung nicht oder nur unvollständig gelingt, wird die "Gefühlserbschaft" zur Last auch noch für die Gesellschaft der Enkel/innen und Urenkel/innen. Die Aufarbeitung der kriegsbedingten Traumata ist also neben der individuellen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die maßgeblich dazu beitragen kann, die Beziehungen zwischen den Generationen zu verbessern. Diese belastende Weitergabe an die nächste Generation, sie geschieht vor allem dann, wenn die Erlebnisse verschwiegen wurden – aus Scham, aus Angst, oder weil sie von dem herrschenden politischen System für tabu erklärt werden. Der Podcast "gestern ist jetzt" möchte zur Enttabuisierung betragen, zum Sprechen und Nachforschen anregen.

Fussnoten

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