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Dokumentation | Russland-Analysen | bpb.de

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Dokumentation

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In diesem Jahr werden den Krimtartaren zum ersten Mal seit 23 Jahren Kundgebungen zum Gedenken an ihre Vertreibung von der Krim verweigert. Die Seite Memorial International brachte dazu eine Erklärung heraus, die hier in der Übersetzung gezeigt wird.

Herausgeber der Länderanalysen

Die Russland-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Erklärung von Memorial International zum Verbot der Kundgebungen der Krimtartaren anlässlich ihrer Vertreibung

Am 16. Mai 2014 hat die Führung der Krim alle Massenveranstaltungen auf der Krim bis zum 6. Juni verboten. Begründet wurde das damit, "möglichen Provokationen von Seiten von Extremisten" und einer möglichen "Torpedierung der Urlaubssaison" vorzubeugen. Es ist aber offensichtlich, dass der tatsächliche und einzige Grund dieses Verbots der Wunsch ist, die für den 18. Mai geplante Demonstration des krimtatarischen Volkes nicht zuzulassen. Vom 18. bis 20. Mai 1944 wurde alle auf der Krim lebenden Krimtataren, insgesamt mehr als 180.000 Menschen, mit vorgehaltenen Maschinengewehren in Züge verfrachtet und nach Zentralasien deportiert. Viele von ihnen starben auf dem Weg dorthin und an ihrem Verbannungsort. Die Deportation der Krimtataren ist eines der schwersten Verbrechen des Stalin-Regimes. 1989 endete der fünfunddreißigjährige Kampf krimtatarischer Aktivisten um eine Rückkehr auf die Krim erfolgreich und die Menschen begannen in ihre Heimat zurückzukehren. Seit Beginn der 1990er Jahre haben die Krimtataren jedes Jahr in öffentlichen Kundgebungen an diese tragischste Episode in ihrer nationalen Geschichte gedacht. Heute werden diese zur Tradition gewordenen Kundgebungen erstmals verboten. Und das ist nicht die einzige Kränkung, die dem krimtatarischen Volk von den neuen Machthabern zu gefügt wird. Anfang Mai wurde Mustafa Dschemiljew, einem der angesehensten krimtatarischen Anführer, der zur Zeit der Sowjetmacht viele Male verhaftet worden ist und insgesamt etwa 15 Jahre im Straflager und in der Verbannung zubringen musste, weil er sich für die Rückkehr der Krimtataren in ihre Heimat eingesetzt hat, die Einreise auf die Krim verweigert. Es sind noch weitere aktuelle Fälle ungerechter Behandlungen von Krimtataren bekannt. So sehen die "Völkerfreundschaft" und das "interethnische Einverständnis", die noch vor zwei Monaten der Krim durch politische Kräfte in Moskau und Simferopol versprochen wurden, in der Praxis aus. Es scheint, als ob dem krimtatarischen Volk erneut die Gefahr neuer Verfolgungen droht, als ob die Staatsmacht alles tut, um auf der Halbinsel interethnische Feindschaft und Auseinandersetzungen zu provozieren. Das könnte für die Krimtataren und die ganze Region tragisch enden. Wir fordern die Einhaltung der Rechte der Krimtataren. Wir fordern, das Verbot der Trauerkundgebung des krimtatarischen Volkes am 18. Mai in Simferopol aufzuheben. Wir fordern, das Einreiseverbot für Mustafa Dschemiljew auf die Krim aufzuheben.
Der Vorstand von Memorial International

16. Mai 2014
Übersetzung: Jens Siegert

Die Übersetzung wurde am 16. Mai 2014 in seinem "Russland Blog" publiziert; das Original wurde auf der Website von Memorial veröffentlicht (Externer Link: http://www.memo.ru/d/197810.html)

Fussnoten