The Years of Change 2020

19.2.2020

Programm 2020

Falls nicht anders angegeben finden alle Veranstaltungen im Café Europa, Halle 4, Stand E401, statt. Alle Veranstaltungen in Deutsch und Englisch mit simultaner Übersetzung.


Die Leipziger Buchmesse findet in diesem Jahr wegen der Ausbreitung des Corona-Virus nicht statt. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb verlegt Teile ihres Programms ins Netz: Vom 11. bis 13. März diskutieren und streiten wir hier im Livestream über politische Themen, ausgewählte Bücher und (digitale) Medien.

Donnerstag, 12. März 2020

12:00 – 13:00 Uhr

Die Versteigerung der Werte

Eröffnungsdiskussion mit Tomas Venclova
Moderation: Katharina Raabe
Ort: Café Europa, Halle 4, Stand E401

Mit dem Triumph der Freiheit endete das durch Diktaturen und Kriege gepeinigte 20. Jahrhundert für viele Länder in Europa. Die baltischen Staaten schlossen ihre „Rückkehr nach Europa“ mit dem Beitritt zur Europäischen Union ab. Doch die Erfahrungen der kommunistischen Regime wirken bis in die Gegenwart nach. Der litauische Lyriker und Denker Tomas Venclova spricht mit Katharina Raabe darüber, welche Vermächtnisse der alten Zeiten noch verblieben sind. Was bedeutet die errungene Freiheit vor dem Hintergrund unreflektierter Nationalismen und Populismen? Was ist mit all den Werten geworden, für die viele Dissidenten gekämpft haben, die für Millionen von Menschen im historischen Momentum sinnstiftend waren? In welcher Verfassung befinden sich die Gesellschaften im Baltikum heute?

Tomas Venclova, geb. 1937 in Klaipeda, Litauen, studierte Philologie an der Universität Vilnius und lebt seit 1977 in den USA. Venclova ist Professor für Slawische Sprachen und Literaturen an der Yale University und gehört zu den bedeutendsten Intellektuellen Litauens. Sein lyrisches und essayistisches Werk wurde vielfach übersetzt und ausgezeichnet.

Moderation: Katharina Raabe, geb. 1957 in Hamburg, studierte Philosophie und Musikwissenschaft. Von 1993 bis 2000 war sie Lektorin bei Rowohlt Berlin. Seit 2000 ist sie für den Suhrkamp Verlag tätig und entdeckte mehrere osteuropäische AutorInnen für den deutschsprachigen Raum, u. a. Dževad Karahasan und Katja Petrowskaja.
13:00 – 14:00 Uhr

Chroniken der Wende

Lesung und Gespräch mit Rimantas Kmita und Lutz Seiler
Moderation: Harald Asel
Ort: Café Europa, Halle 4, Stand E401

Der Fall der Mauer wird als ein großes historisches Ereignis erinnert. Dabei verursachte er Millionen von persönlichen Brüchen und Verschiebungen. Eine politische und biographische Wende bedingen einander, verstärken sich in ihrer Wirkung, prallen ungeschützt aufeinander. Lutz Seiler und Rimantas Kmita tauschen sich über die chaotischen 1990er Jahre, die Träume vom "Goldenen Westen", Anarchie und den wilden Kapitalismus aus. Sie versetzen die LeserInnen und ZuhörerInnen in zwei Nachwende-Städte – Berlin und Šiauliai – und erzählen über Magie und zerbrochene Illusionen jener Zeit. Was geschieht mit jungen Menschen, die in einen Geschichtsbruch geraten, wenn alles möglich erscheint, keine Regeln mehr gelten, Träume plötzlich so nah sind?

Rimantas Kmita, geb. 1977 in Šiauliai, Litauen, hat an den Universitäten Klaipėda, Vilnius und Greifswald studiert. Er ist Lyriker, Literaturkritiker, Schriftsteller und arbeitet im litauischen Nationalradio (LRT). Rimantas Kmita hat drei Gedichtsammlungen und den Roman Die Chroniken des Südviertels (Mitteldeutscher Verlag, 2019) veröffentlicht.

Lutz Seiler, geb. 1963 in Gera, gelernter Baufacharbeiter und diplomierter Germanist. Seit 1997 leitet er das Literaturprogramm im Peter-Huchel-Haus. Für sein Werk erhielt er mehrere Preise, darunter den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Bremer Literaturpreis, den Uwe-Johnson-Preis und 2014 den Deutschen Buchpreis. 2020 ist sein Roman Stern 111 im Suhrkamp Verlag erschienen.

Moderation: Harald Asel, 1962, begann Mitte der 1980er Jahre für den Rundfunk zu arbeiten. Seit dem Sendestart von Inforadio rbb ist er als Redakteur und Autor für das Programm in den Sparten Kultur, Geschichte und Gesellschaft tätig.

Das Gespräch wird aufgezeichnet und am 15. März, um 11 Uhr (Wiederholung um 20 Uhr) im Rahmen der Sendereihe Forum im Programm von Inforadio (rbb) ausgestrahlt (Änderungen vorbehalten).
16:00 – 17:00 Uhr

Fegefeuer der Geschichte

Gespräch mit Sofi Oksanen
Moderation: Jörg Plath
Ort: Café Europa, Halle 4, Stand E401

Die estnischstämmige finnische Starautorin Sofi Oksanen befasst sich in ihren Werken mit der wechselvollen Geschichte Estlands. Sie schreckt in ihren Romanen nicht vor der schwierigen historischen Gemengelage dieses baltischen Staates zurück. Brutal und entlarvend erzählt sie mit reicher Sprache und in einem faszinierenden Stilwechsel von traumatischen Erfahrungen und persönlichen Schicksalsschlägen, die mit historischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts verwoben sind. Jörg Plath spricht mit Sofi Oksanen über Estland, den Zweiten Weltkrieg und den Zerfall der Sowjetunion, über ihre hybride Herkunft und Gewalt gegen Frauen.

Sofi Oksanen, geb. 1977 in Finnland, als Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters. Sie studierte Dramaturgie an der Theaterakademie von Helsinki. Mit ihrem dritten Roman Fegefeuer schaffte sie den internationalen Durchbruch. Er wurde in ca. 40 Sprachen übersetzt. Sowohl in ihren Romanen als auch in Essays, Zeitungsartikeln, Kolumnen und Interviews setzt sich die Autorin mit der politischen Geschichte Finnlands und Estlands auseinander und mischt sich auch in aktuelle Debatten ein.

Moderation: Jörg Plath, 1960, studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Geschichte und Politik. 1993 promovierte er über Franz Hessel, war freier Lektor, Kritiker und Ghostwriter. Er arbeitet als Kritiker für überregionale Medien und ist Literaturredakteur von "Deutschlandfunk Kultur".
18:00 – 19.30 Uhr

Melancholie unserer Zeit

Ort: Zeitgeschichtliches Forum
Grimmaische Str. 6
04109 Leipzig

László Földényi im Gespräch mit Adam Soboczynski

Der diesjährige Preis zur Europäischen Verständigung geht an den ungarischen Autor László Földényi für sein Buch Lob der Melancholie. Rätselhafte Botschaften. Sein Laudator Adam Soboczynski erkundet im Gespräch mit Földényi, was das unzeitgemäße Gefühl der Melancholie mit unserer Zeit zu tun hat und welche rätselhaften Botschaften im feinen Gewebe seiner Essays versteckt sind. Eine Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig und der Stadt Leipzig.

László F. Földényi, geboren 1952 in Ungarn, ist Kunsttheoretiker, Literaturwissenschaftler und Essayist. Er zählt zu den bedeutendsten ungarischen Intellektuellen und leitet als Professor den Lehrstuhl für Kunsttheorie an der Akademie für Theater und Film, Budapest. Für sein Buch Lob der Melancholie. Rätselhafte Botschaften, das 2019 im Verlag Matthes und Seitz Berlin erschienen ist, wird er mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2020 ausgezeichnet.

Moderation: Adam Soboczynski wurde 1975 im polnischen Torun geboren und siedelte 1981 mit seiner Familie vor Ausrufung des Kriegsrechts aus der damaligen Volksrepublik Polen in die Bundesrepublik Deutschland über. Der Journalist ist promovierter Literaturwissenschaftler und leitet seit 2013 zusammen mit Iris Radisch das Feuilleton der Wochenzeitung "Die Zeit".

Eine Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig und der Stadt Leipzig.
20:00 – 23:00 Uhr

Change for Future

Night-Talk bpb, Kunst, Kultur und Musik
Ort: Schaubühne Lindenfels
Karl-Heine-Str. 50
04229 Leipzig

Mit: Sofi Oksanen, Dorota Masłowska, "Sun & Sea (Marina)": Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė, Lina Lapelytė und Wladimir Kaminer
Moderation: Shelly Kupferberg
Musik: Giedrė & Jazz
Miniatures, Empfang und Überraschung von Wladimir Kaminer

Eine Tour d’Horizon durch große Themen unserer Zeit – Zukunftsideen über Klimawandel und Umweltverschmutzung, Solidarität und Zusammenhalt, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung, Entfremdung und Ausgrenzung, Aufarbeitung historischer Leerstellen – ausgelotet mit Sofi Oksanen, Wladimir Kaminer, Dorota Masłowska, den Gewinnerinnen der Venedig Biennale 2019 "Sun & Sea (Marina)": Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė und Lina Lapelytė. Durch den Abend führt Shelly Kupferberg. Giedrė & Jazz Miniatures begleiten den Night-Talk mit virtuosen Klängen aus Litauen. Anschließend Empfang und eine Überraschung von Wladimir Kaminer für das Publikum.

Sofi Oksanen, geb. 1977 in Finnland, als Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters. Sie studierte Dramaturgie an der Theaterakademie von Helsinki. Mit ihrem dritten Roman Fegefeuer schaffte sie den internationalen Durchbruch. Sowohl in ihren Romanen als auch in Essays und Kolumnen setzt sich die Autorin mit der politischen Geschichte Finnlands und Estlands auseinander.

Wladimir Kaminer, geb. 1967 in Moskau, lebt seit 1990 in Berlin. Kaminer studierte Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Mit seiner Erzählsammlung Russendisko sowie zahlreichen weiteren Bestsellern avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands. Sein neues Buch Liebeserklärungen erschien 2019 beim Verlag Randomhouse.

Dorota Masłowska, geb. 1983 in Wejherowo, Polen, wurde mit ihrem Debütroman Schneeweiß und Russenrot (2002) begeistert international aufgenommen, vielfach übersetzt und mit wichtigsten literarischen Preisen ausgezeichnet. Ihr neuer Roman Andere Leute (2019) analysiert schillernd und provokant das ebenso dramatische wie alltägliche Leben in Warschau.

Rugilė Barzdžiukaitė, geb. 1983, arbeitet als Filmemacherin, Theaterregisseurin und Künstlerin. In ihrer kreativen Praxis untersucht sie die Kluft zwischen objektiven und imaginären Realitäten. Ihr jüngster Dokumentarfilm-Essay Acid Forest wurde 2019 beim Locarno International Film Festival ausgezeichnet.

Vaiva Grainytė ist Schriftstellerin, Dramatikerin und Dichterin. Ihre beiden Bücher – das Essaybuch Beijing Diaries (2012) und der Gedichtband Gorilla’s Archives (2019) – standen in Litauen auf der Nominierungsliste für das "Buch des Jahres". Sie ist Librettistin der Operperformance "Sun & Sea (Marina)", die 2019 auf der Venedig Biennale mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde.

Lina Lapelytė, geb. 1984, lebt in Vilnius und London und ist Künstlerin, Musikerin und Komponistin. Ihre auf Performance basierende Praxis wurzelt in der Musik, überschneidet sich aber auch mit Popkultur und behandelt Themen wie Geschlechterstereotypen und Nostalgie. Lapelytes Werke wurden in der Galerie 1857 in Oslo, im Museum für moderne Kunst in Malmö, MACBA in Barcelona, DRAF in London u. a. ausgestellt.

Shelly Kupferberg, geb. 1974 in Tel-Aviv, wuchs in Berlin auf. Sie studierte Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften an der FU Berlin. Neben zahlreichen Beiträgen für die ARD moderiert sie seit über 20 Jahren verschiedene Kultur-, Gesellschafts- und Buchmagazine und Veranstaltungen und arbeitet als freie Redakteurin für Deutschlandfunk Kultur.

Giedrė & Jazz Miniatures. Das Quartett ist 2011 aus dem Projekt Nostalgic Bossanova hervorgegangen. Mit ihrer unverwechselbaren Stimme verwandelt Giedrė Kilčiauskienė die von ihr geschriebenen Gedichte in ausdrucksstarke Mini-Bühnenaufführungen. Neben Giedrė sind der Pianist und Komponist Andrej Polevikov, der Kontrabassist Vytis Nivinskas und der Schlagzeuger Darius Rudis auf der Bühne.

Freitag, 13. März 2020

12:00 – 13:00 Uhr

Desinformation

Gespräch mit Dmitri Teperik und Dalia Bankauskaitė
Moderation: Rory Finnin
Ort: Café Europa, Halle 4, Stand E401

Als Meister in "cooking conflicts" ist in den letzten Jahren der russländische Staat hervorgetreten. Eine der pikanten Zutaten ist Desinformation. Sie hat primär nicht zum Ziel, falsche Botschaften zu verbreiten, sondern in erster Linie Verwirrung und Desorientierung zu stiften. Das Ergebnis sind Gesellschaftsfragmentierung und Vertrauensverlust in demokratische Ordnungen und Institutionen. Inwiefern sind die baltischen Staaten und ihr Verhältnis zum großen Nachbarn Russland davon betroffen? Wie verwundbar sind e-Staaten und wie begegnet das Baltikum dieser Gefahr in Zeiten der Digitalisierung?

Dmitri Teperik ist Geschäftsführer des International Center for Defence and Security in Tallinn. Teperiks aktuelle Forschungsprojekte befassen sich im Rahmen nationaler Verteidigungsstrategien u. a. mit der Empfänglichkeit der Bevölkerung gegenüber feindlichen Ideologien, dem Einfluss ausländischer Propaganda und der Rolle von Social Media.

Dalia Bankauskaitė leitet seit 2017 das Medienprogramm am Vilnius Institute for Policy Analysis. Sie lehrt öffentliche Diplomatie an der Universität Vilnius und ist Adjunct Fellow am Center for European Policy Analysis in Washington. Ihre Forschung befasst sich mit hybrid war, den Auswirkungen von Desinformation und den transatlantischen Beziehungen.

Moderation: Rory Finnin ist Professor für ukrainische Studien an der University of Cambridge. Er ist Mitbegründer einer Arbeitsgruppe an der Cambridge University, die sich mit Desinformation, Medienkompetenz und dem Umgang mit Fake News auseinandersetzt.
13:00 – 14:00 Uhr

Um(die)Welt

Gespräch mit Sophia Salzberger (Fridays for Future) und Lucia Pietroiusti ("Sun & Sea (Marina)")
Moderation: Jenny Friedrich-Freksa
Ort: Café Europa, Halle 4, Stand E401

Der Klimawandel und die Untätigkeit der Eliten politisiert die junge Generation: Fridays for Future lösten eine transnationale Klimabewegung aus. "Wir Jugendlichen haben keine Zeit, auf die Zukunft zu warten", sagt Sophia Salzberger. Die dringenden Fragen unserer Zeit spiegeln sich auch in der Kunst wider. 2019 gewann der litauische Pavillon den Goldenen Löwen der Kunstbiennale in Venedig für die Opern-Performance "Sun & Sea (Marina)", in der die Regisseurin Rugilė Barzdžiukaitė, die Schriftstellerin Vaiva Grainytė, die Komponistin Lina Lapelytė und die Kuratorin Lucia Pietroiusti den Klimawandel fokussieren sowie den Konsum und rücksichtlosen Lebensstil kritisieren. Im Gespräch mit Jenny Friedrich-Freksa reflektieren sie über die politische Kunst im Kampf gegen die Klimakrise und über die Wahrnehmungen und Chancen der jungen Generation.

Sophia Tabea Salzberger, geb. 2001, ist Klimaaktivistin. Sie war von 2017 bis 2019 Vorsitzende der Jugendpresse Sachsen e. V., 2018 bis 2020 Mitglied im Jugendrat der Generationenstiftung und initiierte im Dezember 2018 die erste Demonstration von FridaysForFuture in Leipzig.

Lucia Pietroiusti ist als Kuratorin für Allgemeine Ökologie an den Serpentine Galleries in London tätig. Sie kuratiert mehrere internationale Projekte im Kunstbereich: den litauischen Pavillon mit der Opernperformance "Sun & Sea (Marina)", die Shanghai Biennale 2020, einen Programmstrang des Helsinki Festivals 2021 u. a.

Jenny Friedrich-Freksa, 1974, studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste Berlin. Sie arbeitete für die "Süddeutsche Zeitung" und ist Chefredakteurin der Zeitschrift "Kulturaustausch".

Samstag, 14. März 2020

12:00 – 13:00 Uhr

Postsozialismus

Gespräch mit Dubravka Stojanović und Martin Müller
Moderation: Florian Kührer-Wielach
Ort: Café Europa, Halle 4, Stand E401

Die Wendezeit 1989–1991 ermöglichte "postsozialistischen" Ländern sowohl eine reale als auch imaginäre Rückkehr nach Europa. Doch stagnierende Systeme in Verbindung mit Nationalismus, Autokratie und Populismus zeigen, dass die Hinterlassenschaften der alten Regime immer noch präsent sind. Wie beschreibt man die Konditionen, in denen sich Länder hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang befinden, ohne sie zu stigmatisieren oder den üblichen Codierungen zu verfallen? Wie definiert man den Übergang, die Transformation, die für viele Länder im Osten Europas zu einem Dauerzustand geworden ist? Florian Kührer-Wielach spricht mit der renommierten serbischen Historikerin und Philosophin Dubravka Stojanović und dem Geographen Martin Müller über das Framing Osteuropas und über Ambivalenzen in Definitionen und Interpretationen des historischen Erbes.

Dubravka Stojanović, geb. 1963, ist Professorin am Institut für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Universität Belgrad. Ihre Forschungsfelder sind Modernisierungs- und Europäisierungsprozesse in Südosteuropa, Urbanisierung, Beziehungsgeschichte und Gedächtnis sowie Historiographie. Für ihre Forschungsarbeiten hat sie nationale und internationale Preise erhalten.

Martin Müller, geb. 1983, ist Professor am Department of Geography and Sustainability an der University of Lausanne. Zu den Schwerpunkten seiner Forschung gehören die (Nicht-)Nachhaltigkeit von Mega-Events wie Olympische Spiele, Globalisierung großer Kulturprojekte, Geopolitik des geografischen Wissens und Denkens sowie Global East.

Florian Kührer-Wielach ist Historiker und Rumänist. Er ist Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München und Herausgeber der "Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas".

Eine Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit Traduki und der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
13:00 – 14:00 Uhr

(Un)Sicherheit

Gespräch mit Katherine Verdery und Oana Popescu
Moderation: Florian Kührer-Wielach
Ort: Café Europa, Halle 4, Stand E401

Geheimdienste in sozialistischen Diktaturen waren wie unsichtbare Familienmitglieder, die in alle Lebensbereiche eines Menschen eindringen konnten. In ihrem Buch My Life as a Spy: Investigations in a Secret Police File analysiert die amerikanische Anthropologin Katherine Verdery ihre Geheimdienstakten, die die rumänische Geheimpolizei Securitate zur Zeit der Diktatur angelegt hat. Florian Kührer-Wielach spricht mit Katherine Verdery und Oana Popescu, Direktorin des GlobalFocus Center und Expertin für Sicherheitsfragen Rumäniens innerhalb der EU, darüber, wie Menschen damit umgehen, wenn sie von Bespitzelung, Denunziation, Lügen und Verrat erfahren. Was sind die Folgen für die sozialen Beziehungen zwischen Individuen? In welcher Verfassung ist eine Gesellschaft, die diese Irrwege aufarbeiten soll?

Katherine Verdery ist Julien J. Studley-Stipendiatin und Professorin für Anthropologie am Graduate Center der City University of New York. Verderys Forschungsinteressen umfassen das zeitgenössische und ehemals sozialistische Osteuropa, die Anthropologie des Eigentums sowie Zeit und Raum. Ihr jüngstes Buch My Life as a Spy: Investigations in a Secret Police File basiert auf ihrer Akte der rumänischen Geheimpolizei Securitate, die ihr 2008 von der rumänischen Regierung ausgehändigt wurde.

Oana Popescu ist Direktorin des Global Focus Center in Bukarest und Chefredakteurin der Zeitschrift "Eastern Focus". Sie studierte u. a. in Bukarest, Harvard und Yale, war Staatssekretärin für EU-Angelegenheiten und ist als Medien- und PR-Beraterin tätig. Popescu war Mitherausgeberin der Studie Propaganda Made-To-Measure: How Our Vulnerabilities Facilitate Russian Influence (2018).

Florian Kührer-Wielach ist Historiker und Rumänist. Er ist Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München und Herausgeber der "Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas".
14:00 – 15:00 Uhr

Small But Big: e-Baltikum

Gespräch mit Florian Marcus, Mindaugas Ubartas und Aiga Irmeja
Moderation: Jenny Friedrich-Freksa
Ort: Café Europa, Halle 4, Stand E401

Baltische Länder setzen auf Zukunft, in der Digitalisierung sind sie Vorreiter in Europa: e-Schule, e-Verwaltung, e-Staat, e-Ökonomie. Der Staat gibt sich transparent und erschafft gleichzeitig den gläsernen Bürger. Worin liegen die Chancen und Risiken dieser Entwicklung? Wie verändert die Digitalisierung den Alltag und die Beziehungen, die Arbeitswelt und ihre Strukturen? Jenny Friedrich-Freksa diskutiert mit Aiga Irmeja, Florian Marcus und Mindaugas Ubartas, ExpertInnen der Digitalisierung aus dem Baltikum.

Aiga Irmeja, Geschäftsführerin des lettischen IT-Clusters, wo sie die Cluster-Vision und die Entwicklung neuer Services, den täglichen Betrieb und die erfolgreiche Projektimplementierung überwacht. Bevor sie zum Cluster kam, war sie mehr als 15 Jahre als Markeingleiterin und Fachfrau in der IT-Branche tätig.

Florian Marcus, geb. 1991 in Moers, hat an den Universitäten Reading, UCL und Tartu studiert. Er ist Digitalisierungsexperte, Übersetzer und unterrichtet politische Philosophie. Er konzentriert sich unter anderem auf die Stärkung der Kooperation im Bereich E-Governance zwischen Estland und anderen Staaten.

Mindaugas Ubartas, geb. 1978 in Litauen, ist einer der führenden Digitalisierungsexperten der Region. Seine Berufserfahrung sammelte er u. a. auch bei Lietuvos Telekomas, Bitė Lietuva und Tele2. Anschließend leitete er B2B Bereich bei Telia Lietuva. 2019 übernahm Ubartas die Position als CEO beim Verband INFOBALT und verantwortet die Entwicklung und den Export der Informations- und Kommunikationstechnologien Litauens.

Jenny Friedrich-Freksa, 1974, studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste Berlin. Sie arbeitete für die "Süddeutsche Zeitung" und ist Chefredakteurin der Zeitschrift "Kulturaustausch".
16:00 – 17:00 Uhr

Imagining Future

Gespräch mit Maria Todorova
Moderation: Lothar Müller
Ort: Café Europa, Halle 4, Stand E401

Mit Imagining the Balkans (1997) erlangte Maria Todorova internationale Anerkennung. Als eine der wichtigsten Intellektuellen unserer Zeit befasst sie sich mit Erinnerungen, Aufarbeitung des Kommunismus und Nationalismus. Im Gespräch mit Lothar Müller eruiert sie, wie die Erinnerungen an den Kommunismus die Gegenwart beeinflussen, was aus der "lost generation" – der Transformationsgeneration – geworden ist und erläutert die Rolle der Intellektuellen und der Wissenschaften. Es stehen auch Fragen im Raum, wie wir mit den historischen Lasten und gegenwärtiger Entdemokratisierung die Zukunft in Europa gestalten können.

Maria Todorova ist bulgarische Historikerin und Philosophin und lehrt als Professorin am Department for History an der University of Illinois. Mit ihrem Buch Imagining the Balkans (1997) erlangte sie eine internationale Anerkennung. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Nationalismus, nationale Erinnerungen, Geschichte des Kommunismus und Heldentum. Ihre letzten Publikationen sind The Lost World of Socialists at Europe’s Margins: Imagining Utopia (2020); Scaling the Balkans (2018); Remembering Communism (2014), Postcommunist Nostalgia (2010) u. a.

Lothar Müller, geb. 1954, studierte Germanistik und Geschichte. Er war Dozent für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin und 1997–2001 Redakteur im Literaturteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Heute ist er Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung mit Sitz in Berlin und seit 2010 Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin.


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Veranstaltungskalender

August 2020 / September 2020

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